Firmengründung im Franchise-Glossar Vom Wunsch über die Geschäftsidee bis zur Geschäftseröffnung

Was ist eigentlich eine Firmengründung?

Definition: Die Firmengründung beschreibt im Lebenszyklus einer Firma deren „Geburt“, während der vorbereitende Planungsprozess oft den schmerzhaften „Geburtswehen“ entspricht. Die Gründung kleiner Gewerbebetriebe und die Aufnahme freiberuflicher Tätigkeiten werden auch als Existenzgründung, die Gründung größerer Kapitalgesellschaften oder Personengesellschaften als Unternehmensgründung bezeichnet.

 

Als Besonderheit sind die Ausgliederungen von Unternehmensteilen in eigenständige Rechtskörper zu nennen, die Ausgründungen bzw. Spin-Offs darstellen. Ein weiterer Sonderfall ist die Entstehung innovativer, schnell wachsender Unternehmen für einen angestrebten gewinnbringenden Verkauf an Investoren oder am Aktienmarkt, bei denen von Startups die Rede ist.

Für eine Firmengründung gelten nur wenige Einschränkungen, jedoch mehrere bis zahlreiche Verpflichtungen – je nach Art des Unternehmens. So herrscht in Deutschland die freie Berufswahl laut Grundgesetz-Artikel 12, Absatz 1. Laut Paragraf 1 der Gewerbeordnung besteht Gewerbefreiheit.

Eine Ausnahme von der Gewerbefreiheit bilden die konzessionspflichtigen Branchen oder erlaubnispflichtigen Gewerbe wie z.B. Gastronomie, Wach- und Sicherheitsdienste, Ehevermittlung, Immobilienmakler, Reise- oder Beförderungsgewerbe (z.B. Taxiunternehmen), Heilpraktiker, Casino-Betriebe oder bestimmte Personal-/Zeitarbeitsvermittler. Sie benötigen eine besondere Genehmigung. In allen anderen Branchen reicht die Gewerbeanmeldung und – sofern die Gründer sich für eine Kapitalgesellschaft wie GmbH oder UG entscheiden – der Eintrag ins Handelsregister. Bei Kapitalgesellschaften gilt die Unterzeichnung der Gesellschafterverträge beim Notar mit der Eintragung in Handelsregister als Tag der Firmengründung. Freiberufler benötigen hingegen nur die Gewerbeanmeldung. Bei ihnen gilt die Gründung als vollzogen, sobald erste, nach außen erkennbare unternehmerische Tätigkeiten wie etwa Kundenakquiseaufgenommen werden. 


Fragen Sie sich: Bin ich ein Unternehmertyp?

Der Gründungsprozess reicht von der Grundsatzentscheidung zur Selbstständigkeit über die Geschäftsidee bis hin zur Betriebseröffnung. Wer sich mit der Idee einer Firmengründung befasst, um sich selbstständig zu machen und eine eigene Existenz aufzubauen, sollte sich vorab selbst und seine Ziele und Motivationen prüfen. Personal Coaches und Unternehmensberater unterscheiden Menschen üblicherweise grob als Angestelltentypen und Unternehmertypen bzw. Menschen mit Unternehmergeist

Untersuchungen zufolge haben jene, die eine Firmengründung als Wunsch und Lebensperspektive ansehen, größere Erfolgschancen als Gründer „aus der Not heraus“. Wer sich selbstständig machen möchte, weil er arbeitslos oder unzufrieden in seinem Job ist, ist selten bereit, die Disziplin, die Arbeitsbelastung und das Risiko eines „Gründers aus vollem Herzen“ aufzubringen.Wer sich mit der Idee einer Firmengründung befasst, um sich selbstständig zu machen und eine eigene Existenz aufzubauen, sollte vorab sich selbst und seine Ziele und Motivationen prüfen. Personal Coaches und Unternehmensberater unterscheiden Menschen üblicherweise grob als Angestelltentypen und Unternehmertypen bzw. Menschen mit Unternehmergeist.

Angestelltentypen bevorzugen Sicherheit, feste Gehälter und einen geregelten Arbeitstag. Sie sehen ihre Arbeit oft eher als notwendigen Broterwerb denn als „Berufung“ und damit seltener als Lebensziel an. Ihr Prinzip heißt arbeiten, um zu leben – und Leben steht für Privatleben mit Familie, Hobbys und Freizeitgestaltung.

Unternehmertypen haben oft schon ein (Arbeits-)Leben lang Unternehmensvisionen. Sie möchten ihr eigener Chef sein oder sind überzeugt von einer Geschäftsidee. Oder sie konnten sich nie vorstellen, überhaupt oder für immer Angestellte zu werden bzw. bleiben.

Auch wer nur deshalb eine Firma gründet, weil er mehr Geld als in seinem Angestelltenverhältnis verdienen will, bringt – statistisch gesehen – nicht die optimale Voraussetzung mit.

Die höchsten Erfolgschancen billigen Experten sowie Marktforscher jenen Firmengründern zu, die über kaufmännisches Know-how und Führungserfahrung verfügen und die schon lange den Wunsch hatten, selbstständig zu sein. Existenzgründer und potenzielle Franchise-Gründer finden Checklisten und Persönlichkeitstests in der Rubrik Gründerwissen auf FranchisePORTAL.

 

Das Einmaleins der Firmengründung: in 7 Schritten zum erfolgreichen Unternehmer

  1. Geschäftsidee
  2. Businessplan
  3. Unternehmensfinanzierung
  4. Rechtsform und Verträge
  5. Formalitäten
  6. Vorbereitung der Geschäftseröffnung
  7. Kundenakquise

 

1. Die Geschäftsidee

„Das kann ich besser“ …. solch eine Aussage oder Denkweise kann die Motivation hinter einer Firmengründung sein. Der Gründer möchte sein Unternehmen als Qualitätsführer positionieren. Mit dem Versprechen „das geht auch günstiger“ impliziert er oder sie einen anderen klaren Kundenvorteil, den Preis. „Das bietet ja noch gar keiner an“ offenbart ein Alleinstellungsmerkmal – typischerweise für einen Nischenmarkt. Die Nischenstrategie gehört zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren im Franchising.

Es bleibt die Aufgabe, aus der Geschäftsidee ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Das Marktpotenzial und die Marktsituation lassen sich durch Marktanalysen ermitteln. Bei der Erarbeitung des Geschäftsmodells empfiehlt sich die Hilfe von Gründercoaches mit ihrer Erfahrung in Unternehmensaufbau und Management. Ein hilfreiches Tool bei der Ausarbeitung des Geschäftsmodells bietet die Methode „Business Model Canvas“ des Schweizer Unternehmers, Dozenten und Autors Alexander Osterwalder, das im Folgenden beschrieben wird.

Das Business Model Canvas für die Firmengründung

Auf einem großen Papierbogen (z.B. im Format DIN A0) werden neun Felder eingezeichnet und jeweils mit den Schlüsselfaktoren tituliert:

  • Schlüssel-Partner: Wer sind strategische Partner für Synergien und die Verteilung der Risiken auf mehrere Schultern?
  • Schlüssel-Aktivitäten: Welche Tätigkeiten sind notwendig, welche können ausgelagert werden?
  • Nutzen-Versprechen: Welchen Bedarf hat die Zielgruppe? Welchen Kundennutzen oder welchen USP bietet das Produkt?
  • Kunden-Beziehung: Wie werden die Kunden gewonnen? Werden sie persönlich betreut – oder z.B. via Internet?
  • Kunden-Arten: Wer bildet die Zielgruppe: Ist es ein Massen- oder oder ein Nischenmarkt?
  • Schlüssel-Ressourcen: Welche Mittel sind für die Produktion oder Dienstleistung unverzichtbar?
  • Vertriebs- und Kommunikations-Kanäle: Wie werden die Kunden akquiriert?
  • Kosten: Welches sind die wichtigsten Ausgaben, ohne die Geschäftsmodell nicht funktioniert?
  • Einnahmequellen: Soll die Firmengründung von Einmalzahlungen oder Dauereinnahmen etwa durch Abonnements oder Serviceverträge leben?

Die Stichworte zu diesen Fragestellungen werden auf Klebezettel notiert und in die neun Felder geklebt. Die Ergebnisse sollten eine erste Struktur für Schritt 2 bilden: den Businessplan.

 

Alternativen zur eigenen Geschäftsidee

Wer das „Rad nicht neu erfinden“ und auf ein bereits erfolgreiches Konzept setzen möchte, kann sich mittels einer Franchiseidee selbstständig machen. In der Virtuellen Messe auf FranchisePORTAL stellen sich ständig im Durchschnitt über 300 Franchisesysteme vor – auf der Suche nach Franchisenehmern.

Eine weitere Option für Firmengründer ist die Unternehmensnachfolge. Laut Annahmen des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) standen bzw. stehen zwischen 2014 und 2018 mehr als 135.000 Unternehmen zur Nachfolge an.

 

2. Der Businessplan

Gründungsleitfaden, Punkt zwei: der Businessplan. Dieser typischerweise 15-30 seitige Geschäftsplan ist notwendig für die Firmengründung. Er dient vor allem als „Bewerbung“ bei den Banken für die Gründungskredite. Der Businessplan enthält Rubriken mit ausführlichen Beschreibungen zu Produkt und Alleinstellungsmerkmal, Zielgruppe und Kundennutzen, Marktpotenzial und Marktanalysen, Kapitalbedarf und geplanten Marketingmaßnahmen. Ein Executive Summary gehört ebenfalls in den Businessplan, idealerweise gleich an den Anfang. Diese Zusammenfassung dient Geldgebern als „Türöffner“ zum Weiterlesen und dem Neu-Unternehmer als Grundgerüst für die erfolgreiche Eigenpräsentation vor Bankberatern sowie möglichen Investoren oder strategischen Geschäftspartnern.

Ein Tipp: Gründercoaches helfen bei der Erstellung eines professionellen Businessplans. Für ihre Dienste gibt es Beratungsförderung sowie Zuschüsse der öffentlichen Hand. Die meisten Franchisegeber bieten ihren zukünftigen Partnern Unterstützung bei der Businessplan-Erstellung – aus ihrem Erfahrungsschatz und z.B. durch Vorlagen/Templates.

 

3. Die Unternehmensfinanzierung

Keine Firmengründung ohne Kapital und Finanzplan! Zur Finanzierungsplanung gehören der Investitionsplan, der Umsatz- & Kostenplan sowie der Liquiditätsplan. Ist der Kapitalbedarf für die Investitionskredite und ggf. erste Betriebsmittelkredite errechnet, muss eine Liste der Sicherheiten aufgestellt werden. Üblicherweise verlangen die Banken 15 bis 20 Prozent der Kreditsumme als Sicherheiten bzw. Eigenkapital. Diese können durch Fördermittel aufgestockt werden.

Als Nächstes folgen die Kreditverhandlungen. Gründungsberater oder Franchisegeber begleiten die Antragsteller gern auf das für sie oftmals neue Terrain dieser Art von Bankgesprächen. Sie beraten sie auch zum Thema Fördermittel, welche über die Hausbanken beantragt und von den öffentlichen Förderbanken wie der KfW bereitgestellt werden.

 

4. Rechtsform und Verträge

Schritt 4 zur Firmengründung beginnt mit der Entscheidung über die Unternehmensform. Möglich sind Personengesellschaften (z.B. in freien Berufen, früher auch „Ich-AGs“) oder Kapitalgesellschaften wie UG oder GmbH. Achtung: Die oHG zählt zu den Personengesellschaften, muss aber wie eine Kapitalgesellschaft notariell beurkundet werden.

Für Kapitalgesellschafts-Gründer führt nun der Weg zum Notar, um dort unter anderem die Gesellschafterverträge abzuschließen. Mit dem Handelsregistereintrag durch den Notar wird das Finanzamt automatisch über die Firmengründung benachrichtigt. Doch sollten sich Gründer rechtzeitig proaktiv um die Abgabe aller anfallenden Steuererklärungen, Gewerbesteuern oder Umsatzsteuer-Voranmeldungen kümmern. Verspätete Abgaben, die etwa aus „Warten auf Aufforderungen“ entstehen, münden in Säumniszuschlägen und erregen schlimmstenfalls den Verdacht auf Steuerhinterziehung.

Spätestens nach Abschluss der Gesellschafterverträge sollte das Geschäftskonto eingerichtet werden. Für Kapitalgesellschaften ist es vorgeschrieben. Personengesellschaften trennen damit private und geschäftliche Einnahmen und Ausgaben.

 

5. Die Formalitäten

Zum fünften Schritt der Firmengründung zählt die Gewerbeanmeldung beim zuständigen Ordnungsamt, sofern diese nicht schon vorher erfolgte. Wer ein Konzessionsgewerbe betreiben möchte, sollte sich spätestens jetzt um die entsprechenden Genehmigungen bemühen. Zuständig ist häufig die Kreisbehörde.

Ferner empfiehlt es sich, gewerbliche Schutzrechte in Anspruch zu nehmen – z.B. die Patentanmeldung für den Firmen- oder Markennamen. Essenziell ist auch die Domain-Reservierung für den Internetauftritt.

In dieser Phase sollten auch Versicherungen abgeschlossen werden, um das private wie unternehmerische Risiko zu mindern. Als unverzichtbar gelten Betriebshaftpflicht und Rechtsschutz, empfohlen wird unter anderem auch die Berufsunfähigkeitsversicherung.

 

6. Geschäftseröffnung vorbereiten

Die heiße Phase der Firmengründung hat begonnen. Je nach Wichtigkeit des Faktors Standort hat die Standortsuche und Standortanalyse bereits stattgefunden, sodass nunmehr die Miet- oder Pachtverträge unterzeichnet oder das/die Grundstücke erworben werden können. Es folgt die Einrichtungsplanung und Bestückung der Büros oder Produktionsgebäude mit der Geschäftsausstattung. Eine Firmengründung aus Handel oder Gastronomie richtet jetzt den Laden ein, ein Händler bestellt gegebenenfalls die Erstausstattung an Ware.

Vorteil beim Franchising: Die Franchisegeber bzw. Franchise-Zentralen unterstützen ihre Franchisenehmer bei der Standortanalyse, Einrichtungsplanung und bei der Erstausstattung; Letzteres durch ihren zentralen Einkauf.

Was zu tun bleibt, sind unter anderem vermeintliche Kleinigkeiten wie AGBs definieren oder Impressum fürs Internet schreiben. Darüber hinaus müssen, wenn nötig, Kundenverträge vorbereitet (zum Beispiel mittels Musterverträgen) und erste Arbeitnehmer rekrutiert werden. Für viele Handwerksbranchen gilt die Meisterpflicht. Ist der Gründer selbst kein Meister, muss er einen einstellen.

 

7. Kundenakquise

Rechtzeitig vor der Firmengründung sollten Marketing-Aktivitäten und Kampagnen starten. Idealerweise wissen die Kunden bereits vorher, welche Angebote sie ab dem Eröffnungstag erwarten können. Ob klassische Werbung mittels Kampagnen, ob moderne Social-Media-Aktivitäten: Ideal ist eine Verknüpfung der Kanäle. Per Direktwerbung kann in der unmittelbaren Zielgruppe akquiriert werden, ohne Einschränkungen jedoch nur im Bereich Business-to-Business.

Im Vorfeld sollte eine Marketing-Agentur bereits Logo, Claim, Website samt Text sowie die Werbemittel entwickelt haben (siehe Branding/Markenbildung). Nun startet sie die Werbekampagnen. Franchisegeber bringen oft eine vertraglich bereits verpflichtete Partneragentur ins Spiel und haben fertige Marketingkonzepte oder -templates, die übernommen oder angepasst werden. Last but not least profitiert ein Franchisnehmer von der überregionalen Werbung und der Markenbekanntheit seines Franchisegebers.

 

Zu guter Letzt: Wie lange dauert eine Firmengründung?

Laut KfW-Gründungsmonitor beträgt die durchschnittliche Vorbereitungszeit von der Idee bis zum Geschäftsstart bzw. der Eröffnung sieben Monate. Weniger Zeit benötigen Unternehmer, die sich mit ihrer Geschäftsidee schon länger beschäftigt und Kontakte sowie Netzwerke bereits in ihrer Zeit als Angestellte geknüpft hatten. Viele Unternehmen entstehen auch als nebenberufliche Gründung. Der Vorteil: weniger Startkapitalbedarf, geringeres Risiko. Nachteile: unter anderem weniger Zeit-Kapazität, langsameres Wachstum, geringere Marktdurchdringung.

Autor:

FranchisePORTAL-Redaktion
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