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Was ist Existenzgründung? (Definition)

Was bedeutet eigentlich Existenzgründung?

Definition: Existenzgründung ist der Schritt in die berufliche Selbstständigkeit durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit im eigenen Namen und auf eigene Rechnung. Es handelt sich um die Gründung eines kleineren Unternehmens, das aus einem oder mehreren Mitarbeitern bestehen kann. Unter Existenzgründung versteht man aber auch den Beginn einer freiberuflichen Tätigkeit. 

Die Gründung als Geburtsprozess eines Unternehmens

Die Gründung beschreibt im Lebenszyklus einer Firma deren „Geburt“, während der vorbereitende Planungsprozess oft den schmerzhaften „Geburtswehen“ entspricht. Es handelt sich um die Phase bis zur Erreichung des Break-even bzw. der erfolgreichen Markt-Etablierung des Unternehmens. Darüber hinaus gehende Strategien und Entwicklungen gehören in den Bereich Expansion.

Verschiedene Formen der Existenzgründung

Die Gründung kleiner Gewerbebetriebe und die Aufnahme freiberuflicher Tätigkeiten werden auch als Existenzgründung, die Gründung größerer Kapitalgesellschaften oder Personengesellschaften als Unternehmensgründung bezeichnet.

Die Gründung kleiner Gewerbebetriebe und die Aufnahme freiberuflicher Tätigkeiten werden auch als Existenzgründung, die Gründung größerer Kapitalgesellschaften oder Personengesellschaften als Unternehmensgründung bezeichnet.

Als Besonderheit sind die Ausgliederungen von Unternehmensteilen in eigenständige Rechtskörper zu nennen, die Ausgründungen bzw. Spin-Offs darstellen. Ein weiterer Sonderfall ist die Entstehung innovativer, schnell wachsender Unternehmen für einen angestrebten gewinnbringenden Verkauf an Investoren oder am Aktienmarkt, bei denen von Startups die Rede ist.

 

Grundsätzliche Gewerbefreiheit für Existenzgründer

Für eine Firmengründung gelten nur wenige Einschränkungen, jedoch mehrere bis zahlreiche Verpflichtungen – je nach Art des Unternehmens. So herrscht in Deutschland die freie Berufswahl laut Grundgesetz-Artikel 12, Absatz 1. Laut Paragraf 1 der Gewerbeordnung besteht Gewerbefreiheit. 

Von der allgemeinen Gewerbefreiheit ausgenommen sind die konzessionspflichtigen Branchen oder erlaubnispflichtigen Gewerbe wie z.B. Gastronomie, Wach- und Sicherheitsdienste, Ehevermittlung, Immobilienmakler, Reise- oder Beförderungsgewerbe (z.B. Taxiunternehmen), Heilpraktiker, Casino-Betriebe oder bestimmte Personal-/Zeitarbeitsvermittler. Sie benötigen eine besondere Genehmigung zur Gründung. 

In Branchen ohne Konzessionspflicht gilt die Gründung häufig schon mit der Gewerbeanmeldung als vollzogen – spätestens aber mit der Aufnahme erster, nach außen erkennbarer unternehmerischer Tätigkeiten wie etwa Kundenakquise. Dies ist z.B. bei Freiberuflern der Fall.

Entscheiden sich die Gründer für eine Kapitalgesellschaft wie GmbH oder UG, gilt der Eintrag ins Handelsregister als wesentlicher Akt der Gründung. Er erfolgt nach Unterzeichnung der Gesellschafterverträge beim Notar.

Unternehmensaufbau und Gründungsfinanzierung

Ein Firmenaufbau erfordert im Regelfall hohe finanzielle Aufwendungen. Ausnahmen bilden Einzelunternehmer, die als Kleingewerbetreibende, als Nebenerwerbsgründer oder – in manchen Branchen – als Freiberufler starten. Größere Gründungsvorhaben benötigen Startkapital zur Gründerfinanzierung. Die „klassische“ Gründerfinanzierung beinhaltet Fremdkapital in Form von Bankdarlehen. 

Kein Gründer kann erwarten, dass die Kunden schon bei der Eröffnung vor seiner Tür Schlange stehen und all ihre Rechnungen im Voraus begleichen. Es kann Monate, sogar Jahre des Aufbaus dauern, bis ein Unternehmen Rendite abwirft. 

Eine Alternative zum hohen finanziellen Aufwand bieten Franchise- oder Lizenzsysteme mit Geschäftsideen zur Gründung mit geringem Kapitalbedarf oder ohne Eigenkapital sowie nebenberufliche Existenzgründungen.

Wie viel Kapital braucht ein Gründer?

Beim Firmenaufbau muss in den meisten Fällen das Anlagevermögen mit Maschinen, Geräten oder Immobilien finanziert werden. Genauso gilt es, das Umlaufvermögen zu sichern, das unter anderem aus Wareneinkauf, Löhnen und laufenden Kosten besteht. Hinzu kommt, dass die Kosten für Marketing, Kundengewinnung und – last but not least – den eigenen Lebensunterhalt des Gründers und seiner Familie in der Startphase abgedeckt sein müssen. Der Lebensunterhalt ist ein Punkt, der in der Finanzierungsplanung häufig vernachlässigt wird. 

Das Anlagevermögen wird im Allgemeinen über Investitionskredite bereitgestellt. Beim Umlaufvermögen kommen die kurzfristiger bereitzustellenden Betriebsmittelkredite zum Tragen. Meist verlangen die Kreditgeber für die Finanzierung Eigenkapital als Sicherheit. Die Regel-Forderung beläuft sich auf 15 bis 20 Prozent. Dabei können die eigenen Reserven durch Fördermittel aufgestockt werden. 

Um Darlehen wie Förderkredite zu beantragen, benötigt der Gründer einen Businessplan. Im Businessplan werden Geschäftsidee, Marktanalysen, Marketingmaßnahmen und vor allem das Konzept zur Finanzierung dargelegt. Er dient als „Bewerbungsgrundlage“ für Kreditverhandlungen mit den Geldgebern (siehe unter „In 8 Schritten zur Existenzgründung“ Schritt 4: Kapitalbeschaffung: Finanzplan und Businessplan).

Wie lange dauert eine Existenzgründung?

Wie lange muss Geld „zugeschossen“ werden – und der „Atem“ des Gründers reichen? Laut der jährlichen Studie „KfW-Gründungsmonitor“ beträgt die durchschnittliche Vorbereitungszeit von der Idee bis zum Geschäftsstart bzw. der Eröffnung sieben Monate. Weniger Zeit benötigen Unternehmer, die sich mit ihrer Geschäftsidee schon länger beschäftigt und Kontakte sowie Netzwerke bereits in ihrer Zeit als Angestellte geknüpft hatten. Viele Unternehmen entstehen auch als nebenberufliche Gründung. Der Vorteil: weniger Startkapitalbedarf, geringeres Risiko. Nachteile: unter anderem keine Vollzeit-Kapazität zum Unternehmensaufbau, dadurch langsameres Wachstum und geringere Marktdurchdringung.

 

Welche Möglichkeiten hat ein Gründer?

  • Ein Gründer kann sich mit einer eigenen Geschäftsidee, unter seinem eigenen Firmennamen und mit einer eigenen Marke oder eigenen gewerblichen Schutzrechten selbstständig machen
  • Außerdem können sich Existenzgründer als Freiberufler selbstständig machen. Diese Form des Unternehmertums ist besonders unter Berufsgruppen wie Künstlern, Journalisten, niedergelassenen Ärzten, Rechtsanwälten, Steuerberatern, Unternehmensberatern oder IT-Dienstleistern verbreitet.

Trotz aller Vorbehalte gelten Existenzgründer als heimliche Hoffnungsträger der Gesellschaft. Man sieht in ihnen die Initiatoren für Erneuerung und Flexibilität. Die Gründer sind es, die eines Tages wesentlich zum gemeinsamen Wohlstand beitragen können.

Wer sind die Existenzgründer?

Schwerpunktmäßig setzen sich die Existenzgründer aus zwei Altersgruppen zusammen:

  • Junge Leute, die nach Ausbildung oder Studium einige Jahre berufstätig waren
  • Gründer über 40 mit Berufserfahrung

Junge Gründer sind von der beruflichen Realität des Angestelltendaseins oft enttäuscht oder sehnen sich nach der Verwirklichung ihres Traums von Unabhängigkeit und Erfolg. Ihr Nachteil: Manche junge Unzufriedene können sich im Wettbewerb nicht durchsetzen und suchen nach kurzer Zeit wieder eine feste Anstellung. (Das gilt nicht für innovative Startups, die von hochqualifizierten Tüftlern und Wissenschaftlern – mit dem Ziel der Aufnahme von Beteiligungskapital, des Börsengangs oder des Verkaufs an Investoren – im Bereich der Spitzentechnologie gegründet werden). 

Erfolgreicher sind im Markt jene Gründer über 40, die über Spezialwissen verfügen sowie in renommierten Unternehmen Erfahrungen gesammelt und ein Beziehungsnetzwerk aufgebaut haben. Häufig handelt es sich um Akademiker, die sich mit unternehmensnahen Dienstleistungen selbstständig machen.

Was charakterisiert und motiviert Firmengründer?

Ein Großteil aller Gründer und Selbstständigen unterscheidet sich in wesentlichen Denk- und Handlungsweisen oder Charaktereigenschaften von Menschen, die ein Arbeitsleben als Angestellte bevorzugen. Häufig geäußerte Beweggründe für den Sprung in die Selbstständigkeit sind folgende:

  • Firmengründer möchten ihre eigene Geschäftsidee umsetzen. Gegebenenfalls identifizieren sie Lücken im Angebot ihrer Arbeitgeber oder die abweichenden Wünsche ihrer Kunden und möchten ein „optimiertes“ Unternehmen aufbauen. Möglicherweise haben sie damit innerhalb ihrer Branche eine neue Marktlücke identifiziert.
  • Unternehmensgründer verwirklichen Lebensträume mit ihrer Unternehmensgründung – z.B. mit den Produkten, die sie herstellen oder den Arbeiten, die sie durchführen. Sie suchen Selbstverwirklichung als Triebfeder für die berufliche Selbstständigkeit.
  • Firmengründer möchten ihr „eigener Chef“ sein – und in ihren Entscheidungen frei und nicht weisungsgebunden. Sie hatten möglicherweise schon immer diesen Traum. Viele Gründer bauen ihr eigenes Unternehmen nach einem längeren Angestelltendasein auf. Sie haben sich ausreichend Kompetenz und Branchenerfahrung angeeignet und verfügen über ein tragfähiges Kontakt-Netzwerk. Für weiteren Ansporn sorgen: Unzufriedenheit im Angestelltenverhältnis, wiederkehrende Konflikte mit Chef oder Kollegen sowie das Aufbegehren gegen als unsinnig bzw. willkürlich empfundene Anweisungen.
  • Unternehmensgründer streben ein höheres Einkommen oder bessere wirtschaftlich Verhältnisse als jene an, die sie als Angestellte hatten oder voraussichtlich haben könnten.
  • Manche Firmengründer handeln hingegen aus einer wirtschaftlichen oder existenziellen Notlage heraus, zum Beispiel, um eine Arbeitslosigkeit zu beenden. In der Regel haben diese Menschen allerdings schlechtere Voraussetzungen bei der Gründungsfinanzierung, da ihnen das notwendige Eigenkapital als Sicherheit für Kredite fehlt. Um ihre finanzielle Ausgangslage zu verbessern, können Arbeitslose mit Gründungsplänen und tragfähigen Geschäftskonzepten staatliche Gründungszuschüsse beantragen.
  • Nicht wenige Existenzgründer machen sich selbstständig, weil sie darin die bestmögliche Karriere-Chance sehen (siehe unten).

Gründer aus Notwendigkeit

Ähnliche Aufstiegs-Probleme haben in deutschen Unternehmen insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund. Als Gründe hierfür gelten ebenfalls fehlende Netzwerke und Förderer, vor allem aber stille Ressentiments gegen fremdländische Namen und Kulturen. Laut Studien des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit sowie der Universität Koblenz sind Menschen dieser Bevölkerungsgruppe schon allein aufgrund ihres fremdländischen Namens bei der Bewerbung um höher qualifizierte Jobs gegenüber Bewerbern mit einheimischen Namen benachteiligt. Auf diesen Umstand führen es die Meinungsforscher zurück, dass die Quote der Firmengründer unter dieser Gesellschaftsgruppe doppelt so hoch wie im gesamtdeutschen Durchschnitt ist.

Gründung als Karriere-Chance

Manchen Menschen erscheint eine Firmen- oder Existenzgründung sogar als einzige reelle Chance auf eine Karriere. Dies gilt beispielsweise für Frauen, denen – trotz Führungskompetenz – der Aufstieg in höhere Positionen in deutschen Unternehmen häufig verwehrt bleibt. Gründe sind fehlende „Seilschaften“ bzw. Förderer in den Chefetagen oder familiäre Pausen für die Kindererziehung. Statt in der Hierarchie voranzukommen, stoßen sie an eine viel zitierte „Glasdecke“ (siehe auch Kapitel „Existenzgründung durch Frauen“).


Was unterscheidet Gründungen von Frauen und Männern?

Frauen gründen Unternehmen auffällig häufig in den sogenannten „Frauenberufen“ (siehe Absatz unten). Außerdem lässt sich beobachten, dass Frauen zu kleineren Gründungen mit einem niedrigeren finanziellen Risiko tendieren. Oftmals gründen Frauen ihr Unternehmen im Home-Office, um Arbeit und Familienleben in Einklang zu bringen.

 

Was bedeutet Entrepreneurship?

Im Zusammenhang mit Denk- und Handlungsweisen von Unternehmens- oder Existenzgründern taucht oft ein abstrakter Begriff auf: Unternehmergeist oder Entrepreneurship. Hier spielen neben dem Wunsch nach Unabhängigkeit und Handlungsfreiheit eine Vielzahl an Charakteristika mit hinein, die Gründern und Unternehmern nachgesagt werden.

Zum Beispiel:

  • Firmengründer sind risikobereiter. Als Unternehmern fehlt ihnen die finanzielle Sicherheit, die ein regelmäßiges Angestelltengehalt bietet. Sie schließen die Möglichkeit mit ein, zu scheitern und für Misserfolge notfalls mit ihrem Eigentum einzustehen.
  • Firmengründer arbeiten mehr. Unternehmer haben im Allgemeinen keinen „geregelten“ Acht-Stunden-Tag. Nicht wenige Selbstständige sind fast rund um die Uhr für ihre Kunden erreichbar. Besonders in der Startphase eines Unternehmens, in der sich bei den Arbeitsprozessen noch keine Routine eingestellt hat, arbeiten Gründer nicht selten 12, ja 16 Stunden am Tag und sind auch an Sonn- oder Feiertagen im Einsatz. Daher sind physische Gesundheit und Belastbarkeit eine ebenso wichtige Voraussetzung wie ein familiäres Umfeld, das die Firmengründung mit trägt und den damit einhergehenden Zeitmangel für das Privatleben akzeptiert.
  • Firmengründer sind motivierter. Unternehmer lassen sich durch Erfolge zu weiteren Zielen anspornen. Sie lassen sich durch Misserfolge nicht von ihren Zielen abbringen.
  • Firmengründer können Mitarbeiter führen. Erfolgreiche Unternehmer verstehen es, ihr Team für ihre Ziele zu gewinnen und zu bestmöglichen Arbeitsleistungen zu bewegen.
  • Firmengründer sind Organisationstalente. Selbstständige können Teams, Lieferanten und Arbeitsprozesse organisieren und koordinieren.
  • Firmengründer sind Finanz-Profis. Als Selbstständige tragen sie meistens eine weitaus höhere finanzielle Verantwortung wie als Arbeitnehmer. Sie haben Aufträge, Forderungen, Verbindlichkeiten und Zahlungsflüsse im Griff.


Was zeichnet eine Existenzgründung im Franchise aus?

Ein Firmenaufbau im Franchising kann ohne eigene Geschäftsidee erfolgen: Ein zukünftiger Franchise-Unternehmer „mietet“ sich das Geschäftsmodell samt Außenauftritt gegen Gebühr und setzt es in einem geschützten Vertriebsgebiet um. Er ist rechtlich selbstständig, arbeitet aber unter der Marke und nach dem bewährten Geschäftskonzept des Franchisegebers.

Im Franchising lassen sich zweierlei Arten des Unternehmensaufbaus unterscheiden:

Systemaufbau eines Franchisegebers

Beim Systemaufbau eines Franchisegebers ist das erklärte Ziel, ein im Pilotbetrieb erfolgreich erprobtes Geschäftsmodell über Franchisenehmer zu multiplizieren und mit zusätzlichen Standorten weitere Gebiete abzudecken.

Firmenaufbau eines Franchisenehmers

Informationen, welche Franchisesysteme sich anbieten und Partner suchen, findet der Existenzgründer unter anderem auf Franchise-Messen, Gründertagen oder der Virtuellen Messe auf FranchisePORTAL. Schon nach der Kontaktaufnahme und bei den ersten Gesprächen zwischen dem zukünftigen Franchisegeber und FranchisenNehmer entsteht eine vorvertragliche Auskunftspflicht – wie in diesem Video von Rechtsanwalt Martin Niklas beschrieben:

Wer sich für den Eintritt in ein bestehendes Netzwerk mit einem erprobten Geschäftsmodell entscheidet, muss ein Unternehmer besonderen Typs sein: Als Franchise-Nehmer bringt er die Bereitschaft mit, sich nicht vollkommen selbst zu verwirklichen. Er „mietet“ und „multipliziert“ eine vorgegebene Geschäftsidee. Er stellt sich in den Dienst einer Marke und setzt die klaren Regeln und Abläufe um, die der Franchise-Geber vorschreibt. Und er kann nur unter der Voraussetzung über sein Vertriebsgebiet hinaus expandieren, dass er weitere Lizenzen oder zum Beispiel eine Masterlizenz erwirbt.

Bedenken Sie: Als Franchisenehmer sind Sie rechtlich vollkommen selbstständig und müssen den Firmenaufbau finanziell komplett selbst stemmen. Trotzdem unterliegen sie den Weisungsbefugnissen Ihres Franchisegebers. Franchisenehmer sind „besondere“ Unternehmer. Team- und Netzwerk-Fähigkeit sind wichtig.

Hat sich der Gründer in spe für ein System entschieden, dem er sich anschließen möchte, unterzeichnet er einen Franchise-Vertrag. Da ein Franchise-Geber, der um Partner wirbt, allerdings naturgemäß nicht neutral und unparteiisch sein kann, sollte der zukünftige Franchise-Nehmer einen Anwalt oder Berater konsultieren, der das System und seine Kennzahlen bewerten und den Vertrag juristisch prüfen kann. Gibt der Franchise-Experte grünes Licht, kann der Gründer mit dem Firmenaufbau beginnen. Das heißt, er erstellt einen Businessplan (Geschäftsplan), führt die Finanzierungsverhandlungen, lässt sich schulen und einweisen, richtet seinen Standort ein und rekrutiert gegebenenfalls Mitarbeiter. Gemeinsam mit dem Franchise-Geber führt er erste Marketingmaßnahmen an seinem Standort durch und eröffnet schließlich sein Geschäft.

Seriöses Franchising ist keine Scheinselbstständigkeit

Gelegentlich bezeichnen sich Unternehmen als Franchise-Systeme, die ihren Vertrieb ausschließlich oder überwiegend über freie Mitarbeiter oder Selbstständige ohne Arbeitsverträge organisieren. Hier besteht jedoch Abhängigkeit, während sich Franchising als kooperative Partnerschaft versteht. Lesen Sie mehr zum Thema Scheinselbstständigkeit.


Firmengründung mit Lizenzsystemen

Eine Alternative zum Franchising bieten Lizenzsysteme. Bei ihnen erwirbt der Gründer ebenfalls die Vertriebslizenz einer etablierten Marke. Ihm bleibt jedoch in der Regel die Freiheit, uneingeschränkt zu akquirieren und Neukunden zu gewinnen. Dagegen erhält er selten jene umfangreiche administrative Unterstützung durch den Lizenzgeber, wie sie für die Leistungen einer Franchise-Zentrale kennzeichnend ist.

Franchising kontra MLM: Was ist Multi-Level-Marketing?

Bisweilen wird Franchising mit Multi-Level-Marketing verglichen. Es besteht jedoch ein erheblicher Unterschied zwischen beiden Vertriebssystemen. Multi-Level-Marketing wird auch als Netzwerk-Marketing oder Strukturvertrieb bezeichnet. Wer in einen Strukturvertrieb einsteigt, verkauft nicht nur Produkte an den Endkunden, sondern wirbt weitere Verkäufer. Gewinne stellen sich für ihn zumeist erst dann ein, wenn eine Vielzahl an Weiterverkäufern gewonnen ist, an deren Verkaufsanteilen er verdient. Häufig mündet MLM in sogenannten Schneeballsystemen: Die Zahl der Verkäufer steigt endlos, das Marktpotenzial schöpft sich jedoch aus. Die zuletzt akquirierten Verkäufer verdienen nichts mehr, das System kollabiert. Mitunter sind solche Schneeballsysteme auch illegal.

Im Franchising übernimmt der Existenzgründer ein erfolgreich erprobtes Geschäftsmodell. Er praktiziert es zumeist exklusiv in einem vertraglich geschützten Vertriebsgebiet. Die weitaus meisten Franchisesysteme arbeiten seriös und bieten ihren Franchisenehmern eine reelle Existenzgrundlage. Beispielsweise teilen sie ihre Vertriebsgebiete so ein, dass jedem Franchise-Partner ein vergleichbares Marktpotenzial mit fairen Wachstumschancen zur Verfügung steht. Die Rechtsgrundlage für Franchise-Systeme bildet die Gruppenfreistellungsverordnung der EU.



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Gründungsgeschehen: Aktuelle Studien zum Gründungsklima

Was ist das Gründer-Klima?

Mit dem Gründerklima oder Gründungsklima wird sowohl die Quote der Existenzgründungen im Vergleich zur Gesamt-Erwerbstätigkeit als auch das gesellschaftliche wie politische Umfeld für Gründer umschrieben. Wie viel Prozent aller Erwerbstätigen machen sich selbständig? Welche Chancen haben sie? Zum Gründungsgeschehen in Deutschland gibt es vielfältige Statistiken und Studien.


KfW-Gründungsmonitor

Der jährlich erscheinende Gründungsmonitor der KfW-Förderbankengruppe veröffentlicht Statistiken zu den Firmengründungen in Deutschland. Laut KfW-Gründungsmonitor 2017 fiel die Zahl der Gründer im untersuchten Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr um 91.000 auf einen Tiefststand von 672.000. Der KfW-Gründungsmonitor 2019 verzeichnet für das Jahr 2018 eine relative Stabilisierung: Die Zahl der Existenzgründer sank nur leicht um ca. 2% gegenüber dem Vorjahr (siehe unten: KfW-Gründungsbarometer“). Als Grund für den Existenzgründer-Rückgang wird die positive Arbeitsmarktsituation vermutet. Einen Vorteil sehen die KfW-Marktforscher darin, dass weniger sogenannte Notgründungen (aus Arbeitslosigkeit heraus) und mehr „Chancen-Gründungen“ von Menschen erfolgen, die sich mit ihrer Selbstständigkeit einen Traum erfüllen.


KfW Gründungsbarometer

Nach dem KfW Gründungsbarometer mit dem Titel "Gründungstätigkeit in Deutschland stabilisiert sich 2018 auf niedrigem Niveau" ist die Zahl der Gründungen in Deutschland im Jahr 2018 erneut leicht zurückgegangen: So haben sich aufgrund der guten Beschäftigungslage mit 547.000 Personen nochmals knapp 2 % weniger als im Vorjahr selbstständig gemacht. Voll- und Nebenerwerbsgründungen liegen jetzt erstmals fast auf gleichem Niveau, nachdem die Zahl der Vollerwerbsgründer um 21.000 zunahm und die der Nebenerwerbsgründer um 31.000 zurückging. Die positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung vermochte den anhaltenden negativen Trend bei der Gründungstätigkeit erneut nicht auszugleichen. Vielmehr verfügen potenzielle Gründer über attraktive Jobalternativen, welche die Opportunitätskosten einer Gründung erhöhen. Ohne die positive Entwicklung bei den Gründungsaktivitäten von Frauen, die um 4 % auf 40 % zulegten, könnte von einer Stabilisierung der deutschen Gründungstätigkeit keine Rede sein. Die als Jobmotor wichtigen Chancengründer, die eine Geschäftsgelegenheit nutzen wollen, gingen um 2 % auf 382.000 zurück und machen unverändert 70 % aller Gründungen aus. Dagegen legten die Notgründer, die sich in Ermangelung einer besseren Erwerbsalternative zur Gründung entschlossen, trotz der unveränderten Dynamik des Arbeitsmarktes um fast 10 % auf 135.000 zu.

Diese und andere Studien verdeutlichen, dass das Gründungsinteresse immer neue Tiefpunkte erreicht. Doch enthalten aktuelle Studien zarte Hoffnungsschimmer für ein positiveres Gründungsklima:


„Gründungstätigkeit trotzt der Demographie“ von ZEW und Creditreform

In einer Studie zum Gründungsgeschehen in Deutschland mit dem Titel "Gründungstätigkeit trotzt der Demographie" stellen ZEW und Creditreform 2017 fest, dass der kontinuierliche Rückgang der Gründungstätigkeit endlich zum Stillstand gekommen ist. Die Zahl wirtschaftlich aktiver Neugründungen stagniert seit drei Jahren bei knapp 160.000, dem bislang tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung. Üblicherweise wird dieser Rückgang mit den guten alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten begründet. Zu wenig beachtet wird dabei die demographische Entwicklung, wodurch die gründungsstarken Altersgruppen der 35- bis 45-Jährigen schrumpfen. Jedoch könnten auch Finanzierungs- und Wachstumshemmnisse ein entscheidender Faktor sein, weshalb die Gründungstätigkeit in Deutschland weiterhin stagniert. Während Neugründungen in nicht-technologie- oder wissensintensiven Dienstleistungen etwas zugenommen haben, ist deren Zahl im Bereich Handel, Verkehr, Kredit, Versicherungen sowie in der forschungsintensiven Industrie deutlich zurückgegangen.


DIHK-Gründerreport 2018

Dem DIHK-Gründerreport 2018 zufolge mit dem Titel "Endlich mehr Gründungsinteresse - Politik muss jetzt liefern" kam in das Gründungsgeschehen in Deutschland endlich Bewegung. Wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag in seinem aktuellen Report feststellte, nahm die Zahl der persönlichen Gespräche mit Gründungsinteressierten in 32 von 79 IHK-Regionen zu. Mit rund 200.000 Interessenten betrachteten erstmals wieder mehr Menschen die unternehmerische Selbstständigkeit als mögliche Alternative zu ihrer aktuellen Erwerbstätigkeit. Zum positiven Bild des Unternehmertums trug die günstige Konjunkturlage und die verstärkten medialen Aktivitäten bei. Allerdings sprangen sie häufig wieder ab, sobald das Gründungsvorhaben konkreter wurde. Zu attraktiv waren in Zeiten des Fachkräftemangels und geringer Arbeitslosigkeit die Konditionen im Angestelltenverhältnis. Negativ wirkte sich die rückläufige demographische Entwicklung insbesondere bei den gründungsaffinen Jahrgänge zwischen 25 und 45 Jahren aus. Erneut sprach sich der DIHK für die stärkere Vernetzung zwischen GründerInnen, die Weiterentwicklung der Beratungsinfrastruktur, den Ausbau der digitalen Infrastruktur, die Beschleunigung des Bürokratieabbaus, die Einrichtung effizienter One-Stop-Shops und die Verbesserung der Finanzierungsbedingungen aus.

Bereits 2017 hatte das DIHK in einer internationalen Vergleichsstudie festgestellt, dass das Gründungsinteresse in Deutschland besonders gering ist. So interessieren sich beispielsweise in Großbritannien fast doppelt so viele Menschen für eine Unternehmensgründung. Der größte Hebel für mehr wachstumsstarke und innovative Existenzgründungen liegt nach Ansicht des DIHL in der frühen Vermittlung von Unternehmertum und IT im Schulunterricht. Zudem eigne sich die unternehmerische Selbstständigkeit als Integrationsweg für Geflüchtete.


Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM)

Eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) aus dem Jahr 2015, welche die Umsatzentwicklung neugegründeter Unternehmen in den ersten sieben Jahren auf Basis des Umsatzsteuerpanels 2001 bis 2010 untersucht, kommt zu folgendem Ergebnis: Anfangs verzeichnen junge Unternehmen ein dreimal stärkeres Wachstum als ältere Unternehmen, allerdings bleibt nur ein gutes Drittel - trotz temporärer Rückschläge - dauerhaft auf Wachstumskurs. In der Meldung 'Gründerschwund?' (IfM-Standpunkt 13) wird vor einer Dramatisierung der rückläufigen Gründungszahlen gewarnt und der Blick auf einige positive Faktoren gelenkt. Demnach handelte es sich bei jeder vierten gewerblichen Existenzgründung in 2014 um die "Betriebsgründung einer Hauptniederlassung", der eine höhere wirtschaftliche Bedeutung als einer Kleinstgewerbegründung beizumessen sei. Außerdem gäbe es neben den klassischen Unternehmensgründungen eine wachsende Zahl von Solo-Selbstständigen und technologischen Start-ups, deren kreative Impulse zu einer permanenten Erneuerung und Modernisierung der Wirtschaft beitrügen.


Welche Gründer-Wettbewerbe gibt es?

In vielen deutschen Bundesländern finden jährlich Gründerwettbewerbe oder Businessplan-Wettbewerbe von Gründer-Initiativen statt. Dabei werden die innovativsten Gründer oder erfolgversprechendsten Geschäftsideen mit Geld- und Sachpreisen prämiert. Informationen erteilen u.a. die örtlichen Industrie- und Handelskammern.

Allgemeines Gründer-Wissen



Videos zum Thema Unternehmensgründung

In einer Video-Serie für FranchisePORTAL beschreibt der Unternehmensberater Reinhard Wingral den Weg zum Unternehmensaufbau innerhalb eines Franchise-Netzwerkes. Der Titel der Video-Serie lautet: „Die 5 Schritte zum Franchise-Nehmer“. Sie behandelt die Themen von der eingehenden Information über bestehende Franchise-Systeme über die Prüfung und Eingrenzung der Systeme und den Vertragsabschluss bis hin zur Integration ins bestehende Netzwerk.

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