Grundschulung im Franchise-Glossar

Die Grundschulung gehört zu den wichtigsten Leistungen und Pflichten des Franchisegebers. In der Grund- oder Basisschulung weist der Franchisegeber die Franchisenehmer und ihre Mitarbeiter in die wichtigsten Grundlagen des Systems ein: etwa die Herstellung der Produkte, die Arbeitsprozesse zur Erbringung der Dienstleistung oder den Verkauf (Stichwort: Know-how-Transfer).

Weiterführende Schulungsmaßnahmen können Aufbauschulungen, Lehrgänge, Seminare oder Workshops sein. Eine wichtige Stütze ist zudem das Systemhandbuch, das die häufigsten regelmäßig wiederkehrenden Arbeitsschritte beschreibt oder abbildet.

Hintergrund: Wozu gibt es die Grundschulung?

Erstens arbeiten die meisten Franchisesysteme in Marktnischen und bieten sehr spezialisierte Dienstleistungen oder typische Nischenprodukte an. Diese bilden zumeist das Alleinstellungsmerkmal (USP), welches das Franchisesystem von Wettbewerbern unterscheidet.

Für diese Produkte und Dienstleistungen gibt es in der Regel keine Ausbildungsgänge und Zertifikate wie etwa IHK-Diplome. Das heißt, ganz gleich aus welcher Branche die Franchisenehmer und ihre Mitarbeiter bei der Existenzgründung und beim Eintritt in das Franchisesystem kommen: In der spezifischen Nische ihres Systems müssen sie ausgebildet werden.

Zweitens sind Franchisenehmer ohnehin häufig Quereinsteiger ohne spezifische Branchenkenntnisse. Als wichtigste „Skills“ für Franchisenehmer gelten seltener fachliches Know-how und Branchenerfahrung als vielmehr übergeordnete Fähigkeiten wie Verkaufstalent, Managementerfahrung, Führungsqualität und Teamfähigkeit.

Da das „Produkt“ bereits entwickelt ist, wird die wesentliche Aufgabe des Franchisenehmers in Repräsentanz und Verkauf des Produktes oder der Dienstleistung im Vertriebsgebiet gesehen. Viele Franchisegeber befürchten zudem, dass „Fachleute“ das Geschäftsmodell in ihrem Sinn verändern und somit die Einheitlichkeit gefährden könnten. Daher bevorzugen sie häufig Quereinsteiger als Franchisenehmer.

Nur in bestimmten Branchen mit spezifischen Anforderungen wie etwa Unternehmensberatung/Consulting oder Badsanierung/Renovierung sind Fachkenntnisse der Franchisenehmer bisweilen explizit erwünscht oder sogar Voraussetzung zum Erwerb der Lizenz.

Drittens sind die Arbeitsprozesse in Franchisesystemen zumeist in hohem Grade standardisiert. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass das Geschäftsmodell leicht multiplizierbar ist und durch alle Franchisenehmer einheitlich umgesetzt werden kann (Stichwort: Franchisierbarkeit).

Diese standardisierten Arbeitsprozesse benötigen keine jahrelange Berufsausbildung, sondern können in den Grund- und Aufbauschulungen als mehrtägige oder mehrwöchige „Crash-Kursen“ vermittelt werden.

Inhalte der Grundschulung

Zu den Inhalten der Grundschulung zählen in aller Regel neben Fachlichem auch Marketing, Verkaufstechniken, Rechnungswesen und alles weitere zur Führung des Betriebes notwendige Wissen.

Auch die Grundlagen der Unternehmensführung und Betriebswirtschaft gehören oft zum Programm. Der Grund hierfür ist, dass sich Franchisenehmer mit ihrem Systemeintritt häufig zum ersten Mal als Firmengründer selbstständig machen. Franchising wird daher auch als „Unternehmerschule“ bezeichnet.

Als Ausbildungsort dient in der Regel der Pilotbetrieb oder Ursprungs-Betrieb oder die Zentrale des Franchisegebers. Häufig finden auch Einweisungen oder Hospitationen vor Ort beim Franchisenehmer statt – etwa, um das Personal in den Verkauf beim Endkunden einzuarbeiten.

Neue Franchisegeber bzw. Franchise-Start-ups sollten ihr Programm für die Grundschulung bereits fertig entwickelt haben, bevor sie die ersten Partner akquirieren. Systeme, die erst mit den Partnern „reifen“, laufen Gefahr, ihre Einheitlichkeit zu verlieren.

Autor:

Jens Kügler
Jens Kügler
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