12/13/2017

Franchise-Barometer 2017: Etwa die Hälfte der DFV-Mitglieder erreicht die Expansionsziele

Der Deutsche Franchiseverband (DFV) versteht sich als Qualitätsgemeinschaft der deutschen Franchise-Wirtschaft. Seit fünf Jahren präsentiert der Verband jährlich das Franchise-Barometer. Jetzt hat der DFV die Ergebnisse der Online-Befragung unter den Verbandsmitgliedern für 2017 veröffentlicht.

Im vergangenen Jahr hatte der DFV etwa 240 Franchise-Systeme zur Befragung eingeladen, darunter auch Nicht-DFV-Mitglieder. 70 hatten geantwortet. In diesem Jahr konnten rund 240 Mitgliedsunternehmen an einer anonymisierten Online-Umfrage teilnehmen. Mitgemacht haben etwa 110. Wie im Vorjahr beschreibt der Verband das Ergebnis der Erhebung auf seiner Website als „realistisches Stimmungsbild der Franchisewirtschaft“ insgesamt. In der DFV-Pressemitteilung wird diese Aussage relativiert: Das Franchise-Barometer solle „qualifizierte Aussagen zur Entwicklung und Stimmung innerhalb der im Verband organisierten Franchisesysteme“ ermöglichen, heißt es hier. Damit nimmt der Verband eine sinnvolle Einschränkung der Aussagekraft des Franchise-Barometers vor. Denn die Aussagen des Franchise-Barometers lassen sich nicht direkt auf die Entwicklung der deutschen Franchise-Wirtschaft insgesamt übertragen. Die Zahlen der Erhebung beziehen sich auf Franchise-Systeme, die aufgrund ihrer durch den Verband geprüften Qualität besser performen sollten als der Durchschnitt aller rund 950 Systeme in Deutschland.

Ist das Glas halb voll oder halb leer?

Dass der Deutsche Franchiseverband dazu neigt, die Ergebnisse des Franchise-Barometers eher positiv darzustellen, liegt in der Natur seiner Aufgabe, das Franchising insgesamt und auch den Erfolg seiner Mitglieder zu fördern. Die nun vorgelegten Zahlen fallen so aus, dass sich die Frage „Ist das Glas halb voll oder halb leer?“ aufdrängt, will man ein realistisches Bild zeichnen. Der DFV spricht in der Pressemitteilung zum Franchise-Barometer davon, die Expansionsziele der Systeme seien 2017 mehrheitlich erreicht worden. Allerdings mit einer knappen Mehrheit von 52 Prozent. Genauso formulieren ließe sich: Knapp die Hälfte der Systeme habe ihre Ziele verfehlt. Zumal das Franchise-Barometer bei diesem Wert seit Jahren keine Stetigkeit erkennen lässt: Für das Jahr 2013 hatten rund 40 Prozent der befragten Franchise-Unternehmen gegenüber dem DFV angegeben, ihre Expansionsziele 2013 erreicht zu haben. 2014 waren es 47, 2015 dann 37 und im vergangenen Jahr 60 Prozent. Laut DFV sollte der aktuellen Zahl von 52 Prozent „nicht zu viel Aussagekraft beizumessen“ werden. Sie zeige „den enormen Expansionshunger, der sich in hohen und mitunter überhöhten Zielvorgaben“ äußere. Das dürfte aber in den Vorjahren nicht anderes gewesen sein. Insofern ist die Zahl durchaus ein relevanter Vergleichswert.

Die meisten gewinnen ein bis fünf neue Franchise-Nehmer

Auch die Angaben zum Umfang der Franchise-Expansion der Systeme lassen keine klare Tendenz erkennen: Die Mehrheit der befragten Unternehmen wuchs wie in den Vorjahren um einen bis fünf neue Franchisepartner. In diesem Jahr lag der Anteil dieser Gruppe bei 51, im vergangenen bei 48, im Jahr 2015 bei 58 Prozent und 2014 bei 47 Prozent. 25 Prozent der befragten Franchisesysteme gaben an, im Jahr 2017 elf und mehr Franchisepartner (Vorjahr: 19%) gewonnen zu haben. 19 Prozent konnten sechs bis zehn Franchisenehmer neu aufnehmen (Vorjahr: 24%). Keine neuen Partner gewinnen konnten fünf Prozent der Systeme, die an der Befragung teilgenommen haben. Im vergangenen Jahr waren es neun Prozent.

Keine Angaben zur Gesamtentwicklung der Franchise-Systeme

Wie sich die Zahl der Franchise-Nehmer oder Standorte bei den jeweiligen Systemen insgesamt entwickelt hat, führt das Franchise-Barometer nicht auf. Doch den neu gewonnenen Franchise-Partnern stehen in der Regel Abgänge gegenüber. Zudem eröffnen viele Systeme Standorte in Eigenregie. Zur Einschätzung der Expansionskraft der befragten Franchise-Unternehmen insgesamt wäre die Entwicklung der Gesamtzahl der (Franchise-)Standorte bzw. Franchise-Nehmer ein weitaus klarerer Erfolgsindikator als ein Wert, der kein Minus kennt. Die Gründer für das Ausscheiden von Franchise-Partnern wurden hingegen erhoben: Bei 57 Prozent sind es Alters-, bei 53 Prozent wirtschaftliche Gründe. 21 Prozent scheiden aus familiären Gründen aus.

Strategien gegen den anhaltenden Franchise-Partner-Mangel

Dem Franchise-Barometer 2017 zufolge ging der Anteil, den neu gewonnene Franchise-Partner an der Expansion hatten, im Jahr 2017 von 63 auf 57 Prozent zurück. Den deutlichsten Zuwachs - von 28 auf 43 Prozent - erlebte die Expansion mit bestehenden Franchisepartnern. Damit wird das Multi-Unit-Franchising, bei dem ein Franchise-Nehmer mehrere Standorte betreibt, immer wichtiger. Mit 23 Prozent blieb die Expansion durch die Aufnahme bestehender Unternehmen in ein Franchise-Netzwerk auf gleichem Niveau (Vorjahr: 24%). Zugenommen hat das Wachstum mit eigenen Filialen: von 16 auf 20 Prozent.

Multi-Brand-Franchising

In Zeiten der Null-Zins-Politik sind längst auch Franchise-Betriebe und Multi-Unit-Vereinbarungen als Investitionsobjekte interessant geworden. Als neue Strategie hinzugekommen ist aktuell auch das Multi-Brand-Franchising. Dabei schließen Franchise-Nehmer Partnerschaften mit mehreren verschiedenen Systemen. Bisher war das Multi-Brand-Franchising recht selten und eher im Rahmen bestimmter Branchen (z. B. Mode) oder groß angelegter Partnerschaften anzutreffen. Wie erfolgreich das Multi-Brand-Franchising auch in kleinerem Rahmen sein kann, bleibt abzuwarten. Franchise-Geber dürften Multi-Unit-Partnerschaften im Hinblick auf eine eindeutige Identifikation mit dem System und zur Vermeidung von Konflikten in der Regel lieber sehen. Ausnahme könnten Multi-Brand-Partnerschaften sein, die Synergien mit sich bringen. Bei so angelegten Multi-Brand-Konzepten können die Franchise-Geber direkt Kooperationen anstreben. Etwa, um sich ergänzende Branchen in einer Stadt gemeinsam und umfassender zu besetzen.

Fach- und Führungskräfte als Franchise-Nehmer weniger im Fokus

Die Zahlen scheinen zu belegen, dass sich der seit Jahren beklagte Mangel an potenziellen Franchise-Nehmer weiter verschärft hat. Insbesondere das Ziel vieler Franchise-Systeme, primär Fach- und Führungskräfte als Partner zu gewinnen, wird in Zeiten eines boomenden Arbeitsmarkts immer schwieriger. Entsprechend sank die Zahl der befragten Franchisesysteme, die vor allem auf diese Zielgruppe setzen, im Vergleich zum Vorjahr von 81 auf 73 Prozent. Fast genauso hoch im Kurs stehen inzwischen etablierte Unternehmer als potenzielle neue Franchisenehmer. Grund dafür dürfte zum einen sein, dass bei etablierten Franchise-Systemen für viele Standorte Nachfolger gesucht werden und Unternehmern damit belegbar erfolgreiche Betriebe verkauft werden können.

DFV: Mitgliederzahlen auf gleichem Niveau

Insgesamt sieht der DFV die Franchisewirtschaft vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Seine Mitglieder will der Verband dabei unterstützen, diese als Chance zu begreifen und den jeweiligen Fokus neu zu setzen. Dafür entwickelt der DFV Leitfäden und Guidelines und unterhält branchenspezifische Arbeitsgruppen, Expertengremien und Netzwerkplattformen. Der DFV selbst hatte geplant, den Anteil der systemcheck-geprüften Vollmitglieder zu steigern. Im Frühjahr 2017 war dafür zum Beispiel der DFV-System-Check neu aufgesetzt und sowohl inhaltlich überarbeitet als auch digital aufbereitet worden. Ziel war eine effiziente, schnellere und handhabbare Durchführung.

Die Zahl der Franchise-System, die Mitglied im Verband sind, ist ungefähr gleich geblieben - sowohl im Hinblick auf die Voll- als auch auf die assoziierten Mitglieder. Aktuell listet der DFV rund 215 Franchise-Systeme auf seiner Website, etwa die Hälfte davon sind systemcheck-geprüfte Vollmitglieder. Im September 2016 waren es jeweils 108 Voll- und 108 assoziierte Mitglieder. Letztere bezeichnet der Verband inzwischen auch als „Probemitglieder“. Insgesamt zählt der Deutsche Franchiseverband eigenen Angaben zufolge rund 300 Mitglieder, dazu gehören auch Rechtsanwälte und Unternehmensberatungen. Anders als in früheren Jahren definiert sich der Verband aktuell nicht mehr als „zentraler Repräsentant der deutschen Franchise-Wirtschaft“, sondern als „Interessenvertretung der deutschen Franchisewirtschaft“ und Qualitätsgemeinschaft von Franchisegebern und Franchisenehmern. Weitere Informationen zum Franchise-Barometer 2017 stehen auf der DFV-Website bereit . (red.)

Autor:

Nachrichten-Redaktion
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