02.03.2018

Ein Alarmsignal auch für die Franchise-Wirtschaft: der dramatische Rückgang der Gründungstätigkeit in Deutschland

Die Gründerzahlen in Deutschland gehen laut KfW Gründungsmonitor seit 2014 Jahr für Jahr zurück. Besonders stark fiel das Minus im vergangenen Jahr aus - vor allem im Bereich der Nebenerwerbsgründungen. Auch die Franchise-Wirtschaft ist von diesem Trend betroffen und hat zunehmend Schwierigkeiten, neue Franchise-Gründer zu gewinnen. Mit Strategien wie dem Multi-Unit- und Investoren-Franchising wird versucht, diesem Mangel kurzfristig entgegenzuwirken. Mittel- und langfristig könnte damit aber einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren des Franchisings nicht mehr greifen.

Für das Jahr 2014 verzeichnete der KfW Gründungsmonitor noch 915.000 Gründungen. 2015 waren es nur noch 763.000 (-17 Prozent), im Jahr 2016 fiel die Zahl auf 672.000. Die KfW-Forscher mutmaßten, die Talfahrt könnte 2017 enden. Doch die nun vorgelegten Zahlen zeichnen ein anderes Bild: Im vergangenen Jahr ging die Gründungstätigkeit erneut zurück. Um 14 Prozent auf 557.000 Gründungen. Gegenüber 2014 ist dies ein Minus von knapp 40 Prozent. Die KfW beobachtet den andauernden Rückgang der Gründungstätigkeit mit Sorge als schädlich für die Volkswirtschaft. Bleiben Gründungen heute in hohem Ausmaß aus, leidet morgen die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, so die KfW-Experten.

Eigentlich gute Ausgangslage für Gründungen

Hauptgrund für die rückläufigen Zahlen ist weiterhin der sehr gute Arbeitsmarkt. KfW-Chefvolkswirt Dr. Jörg Zeuner: „Die sehr gute Konjunktur lud eigentlich zum Gründen ein. Stattdessen ist insbesondere die Gründungstätigkeit im Nebenerwerb weiter stark eingebrochen. Die Rekordsituation auf dem Arbeitsmarkt sprengt offenbar den gewohnten Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und Wachstum mit der Gründungstätigkeit. Eine abhängige Beschäftigung auch für den Hinzuverdienst zu finden, ist derzeit so einfach wie nie. Und die, die bereits eine abhängige Beschäftigung haben, kommen aufgrund der hohen Arbeitsbelastung nicht dazu, sich im Nebenerwerb selbstständig zu machen.“ Die Zahl der Nebenerwerbsgründer brach 2017 um 101.000 oder 24 Prozent auf 323.000 ein; die der Vollerwerbsgründer um 14.000 oder 6 Prozent auf 234.000 Personen.

Warum auf die Vorzüge einer guten Anstellung verzichten?

Klar ist: Die neuen Zahlen sind auch ein Alarmsignal für die deutsche Franchise-Wirtschaft. Denn für Franchise-Geber wird es immer schwieriger, Menschen davon zu überzeugen, dass eine teure, anstrengende und auch risikobehaftete Gründung als Franchisepartner mehr Vorzüge bietet als eine gute, sichere Anstellung. Der Schwierigkeit, neue Franchise-Nehmer zu gewinnen, begegnen viele Franchise-Systeme mit dem verstärkten Engagement in den Bereichen Multi-Unit- und Investoren-Franchising. Sie laufen damit Gefahr, einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren des Franchisings aus dem Blick zu verlieren.

Mehrfacher Strategiewechsel bei der Franchise-Partner-Gewinnung

In den vergangenen zehn Jahren lässt sich ein mehrfacher Strategie- und Paradigmenwechsel in der deutschen Franchise-Wirtschaft beobachten. Dabei waren zunächst vor allem klassische Einzel-Franchise-Nehmer die Blaupause. Eine Franchise-Gründung wurde meist mit Gründungen in Eigenregie verglichen. Mehr Sicherheit und bessere Erfolgschancen waren die Hauptargumente für eine Franchise-Gründung, auch wenn dies bis heute nie nachhaltig belegt werden konnte. Hinzu kam die damals noch umfangreichere staatliche Förderung von Existenzgründungen - auch aus der Arbeitslosigkeit - als prominentes Argument zur Gewinnung neuer Partner.

Viele Franchise-Systeme blieben Antworten schuldig

Mit der zunehmend besseren Lage am Arbeitsmarkt und dem Wegfall vieler Fördermaßnahmen versuchten Franchise-Geber, angestellte Manager als Franchise-Nehmer ins Visier zu nehmen. Franchise-Gründungen wurden weniger mit Gründungen in Eigenregie verglichen, sondern als bessere Alternative für Manager dargestellt. Entsprechend gab es auch in klassischen Online-Jobbörsen zunehmend Anzeigen der Art „Franchise-Manager gesucht“. Doch wie auch die KfW-Analyse zeigt, ist es bei der sehr positiven Lage am Arbeitsmarkt nicht leicht, gute Argumente für eine (Franchise-)Gründung zu finden. Denn warum sollten sich Menschen in Zeiten, in den es relativ leicht ist, eine gute, lukrative Anstellung zu finden oder innerhalb ihrer aktuellen Firma Karriere zu machen, auf dieses Wagnis einlassen? Und warum gerade auf eine Franchise-Partnerschaft, wenn dabei nicht einmal unbedingt viel mehr Unabhängigkeit und Gestaltungsfreiheit gegeben ist? Und dabei auf bezahlten Urlaub, eine günstige Krankenversicherung und Rentenansprüche verzichten? Auf diese aus Sicht der Angestellten berechtigten Fragen liefern die meisten Franchise-Systeme zumindest bei der Außendarstellung ihrer Gründungsangebote kaum überzeugende Antworten. In der Regel werden diese Aspekte nicht einmal thematisiert. Entsprechend scheint diese Strategie auch von wenig Erfolg gekrönt zu sein.

Einzel-Franchise-Nehmer erfüllen eine wesentliche Funktion

Parallel zum Versuch, eine Franchise-Partnerschaft als bessere Alternative zum Angestelltendasein darzustellen, setzten seit einigen Jahren immer mehr Franchise-Systeme zunehmend auf das Multi-Unit-Franchising, bei dem ein Franchise-Partner mehrere Standorte führt. Vor allem bestehende Franchise-Nehmer wurden hier bei vielen Systemen zur treibenden Kraft, wie auch das jüngste Franchise-Barometer des Deutschen Franchiseverbands offenbarte. Doch der Wechsel vom Einzel- zum Multi-Unit-Franchising ist zum einen für die Partner eine große Veränderung. Schließlich sind viele Einzel-Franchise-Nehmer selbst operativ in ihrem Geschäft tätig, während beim Multi-Unit-Franchising vor allem Management-Aufgaben zu erfüllen sind. Zum anderen birgt diese Strategie Risiken für Franchise-Geber. Denn einer der wichtigsten Vorteile des Franchisings war und ist das Engagement der Einzel-Franchise-Nehmer, die selbst im Geschäft mitarbeiten. Sie sichern nicht nur selbst die Qualität in ihrem Geschäft und pflegen den Kontakt zu den Kunden, sondern liefern damit auch wertvolle Impulse für das System insgesamt. Es gibt daher auch weiterhin etliche Franchise-Systeme, die die operative Mitarbeit zur Bedingung für eine Franchise-Partnerschaft machen.

Der Unterschied zu Filialisten verschwimmt

Die Strategie, Franchise-Nehmer immer öfter zu Multi-Unit-Managern zu machen, mag zwar kurzfristig gut für die Expansion sein. Sie ist aber nicht unbedingt gut für die Gesamtentwicklung eines Systems. Mittel- und langfristig könnten Franchise-System mit denselben Expansions- und Standortproblemen zu kämpfen haben wie Filialisten, die ihr Geschäft vor allem aus der Top-Down-Perspektive steuern. Standort- oder Store-Manager zu finden, die genauso viel Engagement und Hingabe an den Tag legen wie Einzel-Franchise-Nehmer, die sich um ihr eigenes Geschäfts kümmern, ist sicher keine leichte Aufgabe. Noch mehr trifft diese Problematik auf den jüngsten Trend des Investoren-Franchisings zu, bei dem es darum geht, möglichst finanzkräftige Partner zu finden. Diese Strategie bringt nicht nur dieselben systemischen Veränderungen wie das Multi-Unit-Franchising mit sich. Mit solchen Groß-Franchise-Nehmern wächst auch die Gefahr, dass das System insgesamt zu sehr Schaden nimmt, wenn einer dieser Investoren auf Abwege gerät oder seine Machtfülle ausspielt. Prominente Beispiele dafür lieferten zuletzt Investoren-Franchise-Nehmer bei Burger King und Hans im Glück: Bei Burger King sorgte ein Großfranchisenehmer für enormen Imageschaden, bei der Burger-Kette Hans im Glück trennte sich ein Partner mit gleich einem Dutzend Standorte und agiert heute unter dem Namen Peter Pane als direkter Konkurrent. Hans im Glück und Peter Pane traten in einem Rechtsstreit, der für Negativschlagzeilen sorgte.

Setzt sich der Trend zum Multi-Unit- und Investoren-Franchising fort, laufen diese Franchise-Systeme und die deutsche Franchise-Wirtschaft insgesamt Gefahr, einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren des Prinzips Franchising, ja sogar den Geist des Franchisings zu verlieren. Die Unterschiede zu Filialisten wären dann kaum noch wahrnehmbar. Und auch die Geschäftskonzepte selbst wären am Ende in vielen Fällen nur noch Assets in den Händen von Investoren.

Ob es sich ein von den Innovationen des Mittelstands geprägtes Land wie Deutschland leisten kann, auf den Spirit von echten Franchise-Unternehmern, die nicht nur managen, sondern selbst mit anpacken, zu verzichten, ist fragwürdig. Einzel-Franchise-Nehmer sind in wesentlichen Aspekten für viele Franchise-Systeme das, was innovative Gründer in Eigenregie für die Gesamtwirtschaft darstellen: die treibende Kraft der kundennahen und marktgerechten Weiterentwicklung. Damit tragen Franchise-Systeme auch eine große Verantwortung bei der Wahl ihrer Expansionsstrategien.

Zeit für die passenden Antworten

Aktuell scheinen die meisten Franchise-Systeme praktisch alle oben genannten Franchising-Formen zu verfolgen. Insgesamt hat die Bedeutung von neuen Einzel-Franchise-Nehmern aber stark abgenommen. Zudem wird medial - vor allem im Internet - auf allen Kanälen gefeuert.

Haben Franchise-Systeme aber tatsächlich keine Möglichkeit, wieder verstärkt Franchise-Partnerinnen und -Partner zu gewinnen, die ihr Geschäft selbst führen und sich auch im operativen Bereich engagieren möchten? Oder mangelt es auch an Interessenten, weil die kommunizierten Inhalte oft austauschbar erscheinen? Insbesondere, wenn die potenziellen Franchise-Kandidaten die Leistungen der Systemzentralen vergleichen und die immer gleichen Schlagworte vorfinden. Denn nur selten wird hier differenziert und nur selten wird sichtbar, was sich hinter den Allgemeinplätzen verbirgt. Zudem arbeiten noch immer zu viele Franchise-Systeme bei der Darstellung ihrer Gründungsangebote mit Plattitüden und teils problematischen Erfolgsversprechen. Um wirklich das Interesse qualifizierter Franchise-Kandidaten zu gewinnen, reicht das nicht aus. Auch die immer wieder geforderte Transparenz im Hinblick auf den nachweisbaren Erfolg eines Franchise-Systems ist nach wie vor Mangelware.

Berechtigter Anspruch auf Fakten und Transparenz

So betrachtet könnte der Weg zu mehr neuen Einzel-Franchise-Nehmern recht einfach aussehen. Wobei einfach nicht mit unaufwendig gleichzusetzen ist: Franchise-Systeme, die an die Kraft von Einzel-Franchise-Partnerschaften glauben, müssten die berechtigten Fragen der Interessenten beantworten. Nicht erst im Rahmen der vorvertraglichen Aufklärungspflicht, wenn die Partnerschaft kurz vor dem Abschluss steht, sondern von Anfang an bei der Vorstellung ihres Gründungsangebots - und stets auch im Vergleich zu den Vorzügen aller anderer Optionen. Zurzeit vor allem im Vergleich zum Angestelltendasein.

Dazu gehört nicht nur eine wirklich transparente Darstellung der System- und Geschäftsentwicklung über Jahre hinweg. Vor allem gute Antworten auf die oben bereits angerissenen Fragen sind von zentraler Bedeutung: In welchem Umfang zahlt sich die Franchise-Partnerschaft finanziell im Vergleich zu meinem Angestelltenverhältnis aus? Welche Sicherheiten bietet das System für Notlagen und den Fall des Scheiterns? Welche Gestaltungsfreiheiten und welche Zwänge gibt es? Welche Perspektiven habe ich im Hinblick auf Arbeitszeiten, Urlaub, Krankenversicherung und Rente? Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es? Wie werden Streitfälle gelöst? Welche Beispiele für bereits konkrete und erfolgreiche Problemlösungen kann das System vorweisen? Auf welchem professionellen Niveau erfolgen die Leistungen der Systemzentrale - sei es bei der Standortanalyse, der Produktentwicklung, beim Marketing oder im Bereich Aus- und Weiterbildung?

Neue kreative Lösungen und Innovationen sind erforderlich

Systeme, die hier einfach Unternehmermentalität und hohe Einsatzbereitschaft fordern, denken an der Realität vorbei. Besser wäre es, Lösungen zu erarbeiten, die eine Selbstständigkeit im Franchising auch für die interessant machen, denen die Vorteile einer guten Anstellung etwas bedeuten. Und sei es auch nur, Beruf und Familie in Einklang zu bekommen. Wie wäre es zum Beispiel mit Urlaubsvertretungen, die von der Systemzentrale bereitgestellt werden? Oder wenn mehrere Systeme gemeinsam Kooperationen mit Kindergärten schließen oder wirklich gute Konditionen bei Versicherungen aushandeln? Auch größere, von Systemen wechselseitig gewährte Rabatte, die Einrichtung von Notfallfonds oder Beteiligungen am Gesamtgewinn des System könnten die Attraktivität erhöhen. In jeden Fall schreit die aktuelle Entwicklung der Franchise-Wirtschaft geradezu nach neuen kreativen Lösungen. Interessant: Die Zahl innovativer Gründer legte laut KfW Gründungsmonitor um 31 Prozent zu. Innovationskraft dürfte damit auch ein zunehmend wichtiges Entscheidungskriterium bei der Wahl von Franchise-Systemen sein. Auch davon ist bei der Selbstdarstellung vieler Systeme noch oft zu wenig zu spüren.

Nur die Guten können offensiv handeln

Wer gute Franchise-Nehmer für sich gewinnen will, muss in all diesen Punkten liefern - kompetent, anschaulich und umfassend. Sonst bleiben mündige Franchise-Interessenten zu Recht skeptisch, vermuten eher eine Franchise-Falle als eine Franchise-Chance und wählen am Ende lieber die Festanstellung. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie viele Systeme tatsächlich das Potenzial haben, mit Inhalt und Transparenz zu überzeugen und zu begeistern. Nach Einschätzung des Branchenexperten Felix Peckert ermöglichen aktuell „allenfalls 200 bis 250 Systeme Firmengründern langfristig eine sichere Existenz“. Es könnten noch weniger sein: Die Zahl der geprüften Franchise-Systeme, die Vollmitglieder im Deutschen Franchiseverband sind, liegt seit Jahren bei etwa 110. Insgesamt soll es aber 950 Franchise-Systeme in Deutschland geben. Doch egal, wie groß die Zahl tragfähiger Franchise-Systeme genau ist: Sie macht deutlich, dass das Franchising per se nie als Erfolgsprinzip vereinnahmt werden kann. Vielmehr muss jedes System für sich unter Beweis stellen, dass nicht nur die großartige Grundidee des Franchisings gelebt und erfolgreich umgesetzt wird, sondern auch das Geschäftskonzept und die Systemzentrale so gut sind, dass es attraktiv ist, als Franchise-Partner Teil des Systems zu werden.

Wenn auch nur ein Teil der tragfähigen Systeme offensiv und transparent damit beginnen würde, dies unter Beweis zu stellen, könnten Franchise-Interessanten leicht selbst die Spreu vom Weizen trennen. Den Wettbewerb um die besten Franchise-Partner würden noch mehr als bisher die gewinnen, die es verdient haben. Und das wäre gut so - für die Franchise-Partner, die Systeme, die Franchise-Wirtschaft und sogar die Gesellschaft insgesamt.

Bild: Shutterstick / Pes hkova

Autor:

Nachrichten-Redaktion
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