AG (Aktiengesellschaft) im Franchise-Glossar


Für welche Unternehmen eignet sich die Rechtsform der AG?

Eine AG (Aktiengesellschaft) ist eine Kapitalgesellschaftderen Grundkapital aus Aktien gebildet wird. Eine Aktiengesellschaft gründen– das heißt in den deutschsprachigen Ländern stets das Kürzel AG im Firmennamen zu führen. In der Schweiz (Romandie) gilt neben AG auch das Kürzel SA für Société Anonyme bzw. Società Anonima. Die Rechtsform AG ist in Deutschland und Österreich charakteristisch für Unternehmen mit großem Kapitalbedarf. In der Schweiz firmieren auch kleinere, oftmals inhabergeführte Unternehmen als AGs.

 

Eine AG gründen: Was heißt das?

Rechtlich ist die AG eine juristische Person oder Körperschaft und damit rechts- und geschäftsfähig, vertreten durch den Vorstand (Deutschland, Österreich) bzw. den Verwaltungsrat (Schweiz). Die Haftung der Anteilseigner (Aktionäre) ist auf das Grundkapital beschränkt.

Die Aktien sind zumeist übertragbar, müssen aber nicht notwendigerweise an der Börse gehandelt werden. Oft besteht ein Großteil aller Aktionäre aus einer Vielzahl an Investoren, die extern und damit nicht im Geschäft tätig sind. Diese „passiven“ Aktionäre besitzen lediglich ein Stimmrecht bei den Aktionärsversammlungen. Die Geschäftsführung obliegt hingegen gesonderten Organen. Ausnahmen bilden die neuen, sogenannten Einmann-AGs und die kleineren Unternehmen unter den AGs nach Schweizer Recht.

Viele Unternehmen bieten auch Kleinanleger-Aktien oder Mitarbeiterbeteiligungen. Die jährlichen Erträge einer AG werden als Dividenden ausgeschüttet.

 

AG gründen, wenn hoher Kapitalbedarf besteht

Durch Ausgabe neuer Aktien erhöhen die AGs ihr Kapital. Bei börsennotierten Aktiengesellschaften geschieht dies häufig in großen Mengen, zum Beispiel zur Expansion. Daher sind börsennotierte AGs typischerweise große mittelständische oder Großunternehmen bis hin zu Konzernen. 

 

Die Rechtsform AG in Deutschland und Österreich

Das Grundkapital einer AG beträgt in Deutschland mindestens 50.000 Euro (zum Vergleich - Stammkapital einer deutschen GmbH: 25.000 Euro) und in Österreich mindestens 70.000 Euro. Organe der AG sind die Haupt- oder Aktionärsversammlung, der Aufsichtsrat und der Vorstand.

 

Wie viele Personen müssen eine AG gründen?

Die Gründung einer AG konnte bis vor wenigen Jahren nur von mehreren Personen vorgenommen werden, die bei der AG-Gründung auch die Anteile übernahmen bzw. einlegten. Seit 1994 ist in Deutschland auch eine Einmann-AG-Gründung möglich (die „kleine AG“), in Österreich seit 2004 – jeweils mit abweichenden Bestimmungen von der klassischen AG.

 

Die Organe der AG in Deutschland und Österreich

Die Haupt- oder Aktionärsversammlung wird von der Gesamtheit aller Aktionäre gebildet. Sie entlastet (d.h. genehmigt bzw. bestätigt) die Geschäftsführung des Vorstandes und des Aufsichtsrates, entscheidet über Satzungsänderungen, nimmt den Jahresabschluss entgegen, beschließt die Verwendung des Bilanzgewinns und bestellt oder entlässt den Aufsichtsrat, der seinerseits den Vorstand wählt.

Der Aufsichtsrat wählt die Vorstandsmitglieder und überwacht deren Tätigkeit. In der klassischen AG (Deutschland) muss der Aufsichtsrat mit mindestens drei Personen besetzt sein.

Der Vorstand führt die Geschäfte der AG, wird dabei aber vom Aufsichtsrat kontrolliert. Besteht der Vorstand aus mehreren Personen, was den Regelfall darstellt, wird ein Vorstandsvorsitzender gewählt.

 

Die „etwas andere“ Schweizer AG

Auffällig ist, dass in der Schweiz viele Kleinunternehmen als AGs firmieren. Zwischen Bodensee und Genfersee, Basel und Bellinzona existieren weit mehr AGs als GmbHs. Auf die Gründe wird im Folgenden eingegangen.

Zur Gründung einer AG werden in der Schweiz mindestens 100.000 Schweizer Franken (CHF) als Stammkapital benötigt, davon mindestens 20% bzw. als Minimalsumme 50.000 CHF als Bargeld oder Sacheinlagen. Bis vor wenigen Jahren konnte eine AG-Gründung in der Schweiz allerdings schon mit 50.000 CHF erfolgen.

Zur Schweizer AG-Gründung waren seit jeher mindestens drei Aktionäre notwendig. Jedoch konnten und können Aktionäre wieder  ausscheiden, bis nur noch einer übrig bleibt. Diese traditionelle Handhabe stellt einen der Gründe dar, weshalb die meisten eidgenössischen AGs inhabergeführt und nicht an der Börse notiert sind. Seit 2008 ist in der Schweiz auch eine Ein-Personen-AG-Gründung möglich.

In der Schweiz werden AGs häufiger mit der Maßgabe gegründet, die lautet: Kapitalschutz durch beschränkte Haftung statt Kapital-Anhäufung zur Erreichung einer bestimmten Unternehmensgröße. Dies ist die Rolle, die in Deutschland und Österreich der klassischen GmbH zufällt.

Die Funktion der Hauptversammlung in Deutschland oder Österreich übernimmt in der Schweiz die Generalversammlung. Sie verabschiedet den Jahresbericht und die Konzernrechnung, entlastet die Geschäftsführung, setzt Dividenden fest etc. Anstelle der beiden Gremien Vorstand und Aufsichtsrat gibt es in der Schweiz jedoch lediglich eine Instanz: den Verwaltungsrat. Er übernimmt und verantwortet die Geschäftsführung. Außerdem können Verwaltungsrat und Generalversammlung mit einer einzigen – mit ein und derselben – Person besetzt sein.

Mit der Revisionsstelle besteht hingegen ein weiteres Organ. Sie prüft u.a. die Buchhaltung, die Jahresrechnung und die Verwendung des Jahresgewinns.

 

AG gründen in der Schweiz: Warum?

Aus Sicht der meisten Schweizer gilt die GmbH vor allem als Rechtsform für Kleinunternehmen. Zudem gab es in der Schweiz für eine GmbH-Gründung bis vor wenigen Jahren mehr Vorgaben und Hindernisse als zur AG-Gründung. Außerdem bewog die Anonymität der Anteilseigner viele Schweizer Unternehmer zur Gründung einer AG.

Bei Schweizer Bürgern wie Geschäftsleuten genießt die AG seit jeher einen besseren und solideren Ruf als die als „Kleinfirma“ empfundene GmbH. So wie sich der deutsche Mittelstand mit „seiner“ Gesellschaftsform GmbH identifiziert, gilt die AG in der Schweiz als die „Norm“.

 

Internationale Aktiengesellschaften und ihre Abkürzungen

„Wie heißt die AG in …?“ Anbei einige Beispiele:

  • AB (Schweden, für Aktiebolag)
  • AS oder A/S (Norwegen, Dänemark, für Aksjeselskap)
  • PLC (Vereinigtes Königreich, für Public Limited Company, auch Limited oder Ltd., letztere wird jedoch auch für GmbH-ähnliche Firmen verwendet)
  • Corp. und Inc. (USA, für Corporation)
  • S.A./SA (Frankreich, für Société Anonyme)
  • S.p.A (Italien, für Società per Azioni)
  • SE (EU, für Societas Europaea)

Autor:

Jens Kügler
Jens Kügler
Easy Writer
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