Autor: FranchisePORTAL-Redaktion
Zuletzt aktualisiert am: 29.09.2026
Inhaltsverzeichnis
Bei Gründungen mit Kundenverkehr zählt die Wahl des Standorts zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren.
Wer ein Franchise eröffnen oder sich den Traum vom eigenen Geschäft erfüllen möchte, sollte sich daher frühzeitig mit der Frage beschäftigen, wo das Ladenlokal entstehen soll.
Viele Franchisegeber unterstützen ihre Partner mit einer Standortanalyse. Wir zeigen, welche Vorteile diese Leistung bietet, wo ihre Grenzen liegen und worauf Franchise-Gründer selbst achten sollten.
Warum der Standort über den Erfolg mitentscheidet
Der Standort bestimmt, wie viele potenzielle Kunden ein Geschäft überhaupt erreicht. Gleichzeitig beeinflusst er einen großen Teil der Fixkosten: Miete, Nebenkosten und gegebenenfalls Umbaukosten fallen unabhängig vom Umsatz an. Eine Fehlentscheidung lässt sich später kaum korrigieren, denn Gewerbemietverträge laufen häufig über fünf Jahre oder länger. Gerade bei Konzepten, die auf Laufkundschaft setzen, können schon wenige hundert Meter den Unterschied zwischen einem gut besuchten und einem kaum wahrgenommenen Geschäft ausmachen.
Hinzu kommt der Wettbewerb mit dem Onlinehandel. Laut einer YouGov-Erhebung vom August 2026 bevorzugen 50,8 Prozent der Befragten den Einkauf im Internet, ein Jahr zuvor waren es noch 51,3 Prozent. Nur 33 Prozent gaben jedoch an, gar nicht mehr in Geschäfte gehen zu wollen, wenn sie alles online bestellen könnten. Der stationäre Handel hat also auch weiterhin seine Berechtigung, allerdings nur dort, wo Lage, Angebot und Zielgruppe auch zusammenpassen.
Standortwahl und Finanzierung zusammen denken
Ein attraktiver Standort ist oft auch mit höheren Mieten und aufwendigen Einrichtungskosten verbunden. Diese Ausgaben sollten von Beginn an in den Finanzierungsplan einfließen, zusammen mit der Eintrittsgebühr und einer Reserve für die Anlaufphase. Neben Eigenkapital kommen auch Förderprogramme, etwa der KfW oder der Landesförderbanken, sowie klassische Bankdarlehen infrage.
Bei der Kreditaufnahme spielt die Laufzeit eine wichtige Rolle. Ein Kredit mit langer Laufzeit kann die monatliche Belastung senken und schont damit die Liquidität in den ersten Geschäftsjahren. Im Gegenzug steigen in der Regel die Zinskosten über die gesamte Laufzeit. Ein Vergleich verschiedener Angebote hilft dabei, Konditionen zu finden, die zum geplanten Umsatzverlauf passen.
Welche Faktoren eine Standortanalyse berücksichtigt
Ein typisches Szenario: Ein leerstehendes Geschäftsgebäude weckt sofort die Vorstellung, wie die eigenen Waren in den Schaufenstern aussehen könnten. Vor der endgültigen Entscheidung für oder gegen einen Standort sollte jedoch feststehen, welche Kriterien dieser erfüllen muss.
Welche Faktoren bei der Analyse eine Rolle spielen, hängt dabei natürlich immer auch von der eigentlichen Geschäftsidee ab. Für ein Einzelhandelsgeschäft, ein Café oder einen Barbier-Salon ist eine gute Erreichbarkeit besonders wichtig. Sie erleichtert es, Laufkundschaft zu gewinnen und einen festen Kundenstamm aufzubauen. Ein Laden, der nur über Umwege zu erreichen ist, hat es in diesem Punkt deutlich schwerer. Einige Kriterien sind aber in nahezu jeder Branche relevant. Zu den harten Faktoren zählen dabei u.a.:
- Größe, Kaufkraft und Altersstruktur der Bevölkerung im Einzugsgebiet
- Passantenfrequenz zu unterschiedlichen Tageszeiten und Wochentagen
- Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Auto sowie Parkmöglichkeiten
- Anzahl und Stärke der Mitbewerber mit ähnlichem Angebot
- Miethöhe, Nebenkosten und Zustand der Immobilie
Daneben spielen weitere, sogenannte weiche Faktoren eine Rolle. Hierzu zählen etwa das Image einer Straße, die Nachbarschaft zu anderen Geschäften oder die Sichtbarkeit des Ladenlokals. Wichtig: Nicht jede Konkurrenz ist dabei von Nachteil! Mehrere Anbieter einer Branche an einem Ort können zusätzliche Kundschaft anziehen. Entscheidend ist, ob sich das eigene Angebot ausreichend von den bestehenden Geschäften abhebt.
Die Standortanalyse als Leistung des Franchisegebers
Für viele Franchisesysteme gehört die Standortanalyse bereits zum festen Leistungspaket. Umfang und Tiefe unterscheiden sich jedoch erheblich: Manche Systeme liefern lediglich einen Kriterienkatalog, andere übernehmen die komplette Suche, prüfen Mietangebote und begleiten die Vertragsverhandlungen mit dem Vermieter.
Insbesondere etablierte Franchisegeber mit vielen Betrieben sind dabei oft im Vorteil. Sie verfügen über wichtige Marktkenntnisse, die sich unmittelbar auf ihr Geschäftskonzept beziehen und über relevante Erfahrungswerte aus bestehenden Standorten. So lässt sich etwa abschätzen, welche Passantenfrequenz, Ladengröße oder Einwohnerzahl im Einzugsgebiet ein Betrieb benötigt, um wirtschaftlich zu arbeiten. Solche Vergleichsdaten stehen Einzelgründern in der Regel nicht zur Verfügung. Häufig kommen zudem Geomarketing-Werkzeuge zum Einsatz, die Bevölkerungs-, Kaufkraft- und Verkehrsdaten auf Karten zusammenführen und mehrere infrage kommende Standorte vergleichbar machen.
Vorteile
- Erfahrungswerte: Kennzahlen aus bestehenden Betrieben ermöglichen realistische Umsatz- und Kostenprognosen.
- Zeitersparnis: Recherche, Datenbeschaffung und Vorauswahl werden ganz oder teilweise übernommen.
- Verhandlungsposition: Bekannte Marken werden von Vermietern und Einkaufszentren oft als verlässliche Mieter wahrgenommen.
- Netzplanung: Der Franchisegeber berücksichtigt die Lage anderer Systembetriebe und kann so eine gegenseitige Konkurrenz vermeiden (Gebietsschutz).
Nachteile und Grenzen
- Kosten: Die Leistung ist häufig in der Eintrittsgebühr enthalten oder wird gesondert berechnet. Was genau abgedeckt ist, sollte vertraglich geregelt sein.
- Standardisierte Kriterien: Systemweite Vorgaben erfassen lokale Besonderheiten wie geplante Baustellen oder die Entwicklung eines Stadtviertels nicht immer.
- Junge Systeme: Bei Franchisegebern mit wenigen Betrieben ist die Datenbasis schmal und die Aussagekraft der Analyse entsprechend begrenzt.
Ergänzende Informationsquellen nutzen
Bietet ein Franchisesystem keine oder nur eine eingeschränkte Standortanalyse an oder soll die Analyse unabhängig überprüft werden, stehen verschiedene Quellen zur Verfügung. Industrie- und Handelskammern veröffentlichen häufig Standort- und Branchendaten und beraten Gründer zu regionalen Besonderheiten. Die kommunale Wirtschaftsförderung kennt geplante Bauvorhaben, Verkehrsprojekte und Leerstände in den Innenstädten. Statistische Landesämter liefern Angaben zur Bevölkerungsentwicklung, während Kaufkraftkennziffern und Passantenzählungen von Marktforschungsinstituten bezogen werden können - meist gegen Gebühr.
Einen ersten Überblick über die Wettbewerbsdichte verschaffen kostenlose Kartendienste, in denen sich Betriebe nach Branche filtern lassen. Diese Recherche ersetzt keine fundierte Analyse, zeigt aber schnell, ob sich in einem Viertel bereits ähnliche Anbieter ballen oder ob dort eine Versorgungslücke besteht.
Praktische Anregungen für Franchise-Gründer
Folgende Schritte helfen, die Analyse einzuordnen und zu ergänzen:
- Grundlagen der Analyse erfragen: Es lohnt sich zu klären, auf welchen Daten die Prognose beruht und mit welchen Vergleichsbetrieben gearbeitet wurde.
- Gespräche mit bestehenden Franchisenehmern: Partner an vergleichbaren Standorten können aus erster Hand berichten, wie sich Umsätze tatsächlich entwickelt haben.
- Standort mehrfach besichtigen: Besuche zu verschiedenen Tageszeiten, an Wochenenden und bei schlechtem Wetter zeigen, wie belebt eine Lage wirklich ist.
- Laufzeiten abstimmen: Idealerweise passt die Dauer des Mietvertrags zur Laufzeit des Franchisevertrags, damit nicht ein Vertrag deutlich früher ausläuft als der andere.
- Gebietsschutz prüfen: Ob und in welchem Umfang ein Gebietsschutz vereinbart ist, beeinflusst die Wettbewerbssituation innerhalb des eigenen Systems.
Die Standortanalyse des Franchisegebers ist für Gründer eine wertvolle Unterstützung, vor allem bei etablierten Systemen mit breiter Datenbasis. Sie ersetzt jedoch nicht die eigene Prüfung vor Ort. Wer die Analyse kritisch hinterfragt, mit bestehenden Partnern spricht und Standortkosten realistisch in die Finanzierung einplant, schafft eine solide Grundlage für den Start.
Foto von mostafa meraji auf Unsplash