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11/13/2017

Entwicklung und Perspektiven des deutschen Franchise-Marktes

 

 

Der jährlich erscheinende KfW Gründungsmonitor belegt, was in der Franchise-Wirtschaft schon lange spürbar ist: Die Zahl der Existenzgründer in Deutschland geht Jahr für Jahr zurück. Als Begründung wird auf die positive Wirtschaftsentwicklung, rückläufige Arbeitslosenzahlen und zufriedene Arbeitnehmer verwiesen.

Als Konsequenz gibt es deutlich weniger Notgründungen. Dieser Begriff beschreibt die Existenzgründung von meist arbeitslosen Menschen ohne realistische Erwerbsalternative.

Für die deutsche Franchise-Wirtschaft ist es problematisch, dass auch die Zahl der Chancengründungen spürbar zurückgeht. Damit sind jene Gründer gemeint, die ihre Selbstständigkeit von einer überzeugenden Geschäftsidee abhängig machen. Vorwiegend in diesem Pool aber fischen jene Franchisesysteme, die sich um Existenzgründer bemühen.

Allein die Zahl innovativer Startups nimmt leicht zu. Dabei handelt es sich um Gründer mit innovativen oder gar disruptiven Geschäftsideen, die sich unabhängig von der jeweiligen Wirtschaftslage selbstständig machen.

 

 

Gewinnung neuer Franchisenehmer als Expansionshemmnis

Der Deutsche Franchiseverband stellte durch Umfragen fest, dass sich der Gründeranteil bei den Betriebseröffnungen innerhalb weniger Jahre fast halbiert hat. Stattdessen setzen die Franchise-Geber zunehmend auf bestehende Franchisenehmer (Multi-Units), aktive (oft konkurrierende) Unternehmer oder aber auf Filialleiter für Eigenbetriebe. Wegen des rückläufigen Interesses der Existenzgründer am Franchising fordert der Deutsche Franchise-Verband von der Politik, dass diese für gründerfreundlichere Rahmenbedingungen sorgt.

Es gibt allerdings auch selbstverursachte Probleme im deutschen Franchising, welche die Gewinnung neuer Franchise-Nehmer im Gründerbereich erschweren. Zu nennen sind der mangelhafte Bekanntheitsgrad und Imageprobleme des Franchisings in der Gründerszene sowie strukturelle Schwächen der Franchise-Wirtschaft. Auf Seiten mancher Franchise-Systeme kommen fehlende Markenbekanntheit und Alleinstellungsmerkmale sowie unzureichende finanzielle und personelle Ressourcen hinzu. Besonders schädlich ist, wenn Franchise-Nehmer als Unternehmer zweiter Klasse mit geringen Gewinnchancen wahrgenommen werden.

 

 

Ansätze zur Überwindung des unternehmerischen Engpasses

Die Franchise-Wirtschaft muss sich offensiver mit den verbreiteten Vorurteilen auseinandersetzen und für eine Qualifizierung der Systemzentralen sowie eine Professionalisierung der Geschäftsprozesse sorgen. Die Franchise-Systeme sollten für mehr Transparenz bei den Unternehmensdaten sorgen und rückläufige Entwicklungen selbstbewusst kommentieren. Franchise-Kandidaten dürfen nicht länger als Bewerber angesprochen werden, sondern können eine Kommunikation auf Augenhöhe erwarten.

Die Franchise-Systeme kommen nicht umhin, verstärkt bisher vernachlässigte Zielgruppen wie eigene Mitarbeiter, Kunden, Investoren, Frauen oder Immigranten als potenzielle Franchise-Nehmer gezielt anzusprechen. Während sich viele Franchise-Systeme bisher auf veränderungswillige Führungskräfte konzentrierten, rücken jetzt die Fachkräfte in den Fokus.

So vielfältig die relevanten Zielgruppen im Franchising sind, so unterschiedlich sind auch die in Betracht kommenden Kommunikationskanäle und die Möglichkeiten der Ansprache. Generell dürfte heutzutage die eigene Website des Franchise-Systems mit der Ansprache von Interessenten und Nachbearbeitung von Anfragen die Basis jeder professionellen Rekrutierungsstrategie darstellen. Darüber hinaus gibt es für die Partnergewinnung keinen Königsweg. Während die meisten Franchise-Geber auf ausgewählte Online-Portale und Soziale Medien schwören, setzen andere eher auf Messen und Events für Gründer oder aber auf Kataloge und Magazine im Printformat. Zudem schalten manche Franchise-Geber spezialisierte Broker oder Rekrutierer ein, wenn sie selbst nicht über die entsprechenden Ressourcen verfügen.

 

 

Markteintritt ausländischer Franchise-Systeme in Deutschland

Zum Schutz der eigenen Marke und potenzieller Interessenten sind ausländische Franchise-Geber in der Regel auf die Unterstützung erfahrener Experten angewiesen. Wer im Wege des Direktfranchising in Deutschland Fuß fassen will oder einen qualifizierten Master sucht, muss auf sich allein gestellt meist teures Lehrgeld bezahlen. Zu unterschiedlich sind die Marktbedingungen und zu hoch die sprachlichen und kulturellen Hürden selbst zwischen europäischen Nachbarländern.

Gefährlich ist es für ausländische Franchise-Geber, das erstbeste Angebot aufzugreifen, ohne vorab selbst den Markt zu analysieren und Empfehlungen einzuholen. Möglicherweise hat der Experte zuhause verbrannte Erde hinterlassen und muss aufgrund der Rufschädigung verstärkt im Ausland akquirieren. Ebenso selten sind die heimischen Berater, Medien oder Veranstalter auch im Ausland die beste Wahl.

Autor:

Ulrich Kessler
Ulrich Kessler
FranchisePORTAL GmbH 2019

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