Herr Klaus Morin: Guten Morgen, mein
Name ist Klaus Morin und ich leite 3C. die Vermittlung von Immobilien und
bestehenden Betrieben in der Franchisebranche. Sie sind herzlich eingeladen, mir
nun fachliche Fragen zu stellen. Ich freue mich, Ihnen hoffentlich in
professioneller Weise antworten zu dürfen.
Leser: Guten Morgen Herr Morin: In Ihrem
Artikel „Die Faktoren der erfolgreichen Standortwahl“ betonen Sie die
Notwendigkeit eines Standortkonzeptes in Ergänzung des Geschäftskonzeptes. Was
ist darunter konkret zu verstehen?
Herr Klaus Morin: Immobilien, und
insbesondere Ladengeschäfte, können sehr unterschiedlich beschaffen sein.
Genauso unterschiedlich kann auch ein Geschäftskonzept sein. Die Kunst ist es
nun, die Standortpolitik zum Bestandteil des Geschäftskonzeptes zu machen, um so
einen besonderen Wettbewerbsvorteil zu erwirken. Ein beliebiger Standort reicht
nicht mehr aus für einen nachhaltigen Geschäftserfolg. Es ist daher sehr
vorteilhaft, mit einem "Standortprofi" so arbeiten, der nicht nur die
Immobilienbranche kennt, sondern auch das umzusetzende Geschäftskonzept
beurteilen kann. Es gilt, ein homogenes Gesamtkonzept zu schaffen.
Leser: Hallo Herr Morin Haben Sie auch
Standorte in Ulm? Und würden Sie für eine Bäckerei eine Standortlage im
Wohngebiet empfehlen?
Herr Klaus Morin: Wir haben bereits in Ulm
ein Ladenlokal vermietet. Sei es nun Ulm oder ein beliebiger anderer Standort;
die Angebote kommen und sie gehen auch wieder. In der Immobilienvermittlung
können diese Änderungen stündlich eintreten. Auf direkte Anfrage in unserem
Hause werde ich Ihnen gerne eine passende Lage für eine Bäckerei vorschlagen.
Allerdings bräuchte ich hierfür etwas mehr Informationen zu Ihrem Vorhaben.
Bitte rufen Sie mich einfach direkt an.
Leser: Hallo! Welche unterschiedlichen Phasen
sind bei Standortsuche und Standortwahl zu unterscheiden?
Herr Klaus Morin: Zunächst einmal stimmt
bereits die Reihenfolge in der Fragestellung nicht. Vielmehr gilt es, zuerst
einen Standort zu wählen. Das heißt, dass der Standort und seine
Makro-Bedingungen analysiert werden müssen. Sie sind ausschlaggebend, ob ein
Geschäft der betreffenden Branche überhaupt am fraglichen Standort angesiedelt
werden kann. Dann gilt es, die optimale Lage am Standort zu finden. Zumeist und
insbesondere in größeren Städten können mehrere Lagen interessant sein. An
kleineren Standorten kommt, zumindest für den Einzelhandel, in der Regel nur die
beste Lage in der Einkaufszone infrage. Ist die Lage festgestellt, dann gilt es,
ein Objekt zu gewinnen. Hierfür muss recherchiert werden und es empfiehlt sich
die Zusammenarbeit mit Maklern, die örtliche Wirtschaftsförderung und anderen
Anbieter.
Leser: Guten Morgen. Kann der Franchise-Geber
seine künftigen Partner bei der Standortsuche allein lassen? Treffen die
künftigen Franchise-Nehmer ihre Standortentscheidung in der Regel auf der
Grundlage rationaler Kriterien?
Herr Klaus Morin: Die Antwort auf diese
Frage ist sehr vom Konzept des Franchisegebers abhängig. Es gibt Konzepte, in
denen die Lage keine Rolle spielt, sondern nur die Makro- Bedingungen am
Standort ausschlaggebend für die Realisierung sind. Ein Franchisegeber sollte
niemals seine Franchisenehmer bei der Standortsuche allein lassen. Dafür ist der
Standort und das Objekt viel zu wichtig für das Marketing der gesamten Gruppe.
Beispielsweise ist in Einzelhandel-Konzepten der Erfolg des jeweiligen
Franchisenehmerbetriebes sehr eng an das Objekt gebunden. Außerdem besteht für
den Franchisegeber eine gewisse Pflicht, dem Franchisenehmer seine Erfahrungen
und Erkenntnisse hinsichtlich der Standortwahl zur Verfügung zu stellen.
Schließlich hat er auch ein großes Interesse am Erfolg seines neuen
Franchisenehmers. Und letztlich hat ein Expansionsbeauftragter aus einem
Franchisegeberunternehmen in der Regel größere Chancen, die geeigneten Standorte
zu verhandeln und zu gewinnen. Franchisenehmer neigen dazu, ihre
Standortentscheidungen eher auf emotionaler Basis zu treffen. Das muss nicht
immer falsch sein, doch sollten rationale Erkenntnisse unbedingt berücksichtigt
und in die Entscheidung einbezogen werden.
Leser: Welche Unterstützung sollte mir
normalerweise ein Franchisegeber bei der Suche und Auswahl des Standorts bieten?
Herr Klaus Morin: Das Mindeste, was ein
Franchisegeber seinen zukünftigen Franchisenehmer zur Verfügung stellen sollte,
ist ein detailliertes Profil zum Standort, zur Lage, zur Ausstattung und den
vertretbaren Preisen. Besser ist es, wenn ein Expansion- und Standortprofi den
zukünftigen Franchisenehmer gezielt bei seiner Standortakquisition unterstützt.
Optimal ist es natürlich, wenn der Franchisegeber den neuen Standort selbst
anmietet, ihn als Filiale in die wirtschaftliche Zone bringt und dann an einen
Franchisenehmer abgibt. Einige große und bekannte Franchisegeber gehen nach
dieser Methode vor, um ihre Standortpolitik optimal durchzusetzen und um dem
zukünftigen Franchisenehmer ein "gemachtes Nest" zu bieten.
Leser: Wie führe ich als künftiger Unternehmer
eine professionelle Standortanalyse durch?
Herr Klaus Morin: Gar nicht! Eine
professionelle Standortanalyse sollte auch von einem Profi gemacht werden. Der
verfügt über das theoretische Wissen, kann die wichtigen Kennzahlen
recherchieren und bewerten, und das Ganze zu einer Entscheidungsgrundlage
verdichten. Es gibt jedoch auch für den Laien die Möglichkeit, gewisse
Grundlagen zur Makrosituation des Standortes zu recherchieren. Insbesondere wird
ihm die Wirtschaftsförderung am Standort behilflich sein können. Es sollte
jedoch stets professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
Leser: Welche Bedingungen in Bezug auf Lage
und Leistung sollte ein Ladenlokal möglichst erfüllen?
Herr Klaus Morin: Eine Antwort auf diese
Frage sollte der Franchisegeber geben können. Die Eignung einer Lage für ein
Ladenlokal ist zunächst einmal von der Branche abhängig und dann von der Art des
Sortiments. Ein Friseur- oder Drogeriegeschäft gehört beispielsweise zur
Nahversorgung und kann selbst in nachteiligen Stadtteil-Lagen zuweilen noch
wirtschaftlich arbeiten. Was meinen Sie mit Leistung? Ein gutes Ladenlokal für
den Einzelhandel muss ausreichend groß sein, sollte über einen rechteckigen
Schnitt verfügen, möglichst viel Schaufensterfront bieten, sollte keine Stufen
oder Treppen im Eingang oder in den Verkaufsflächen aufweisen, es sollte gut
einsehbar sein und sich in einer ansprechenden Immobilie befinden. Andere
Leistungen sind wiederum vom Geschäftskonzept abhängig. Da müssen Fragen
gestellt werden nach Kühlräumen, Nebenflächen und so weiter.
Leser: Wie viele Standorte und Ladenlokale
sollte ich mindestens miteinander vergleichen?
Herr Klaus Morin: In der Frage der Standorte
besteht meist wenig Flexibilität. Der zukünftige Franchisenehmer möchte in der
Regel an seinem Wohnort bleiben, um dort ein Geschäft zu eröffnen. Daher sind
die Standorte, die unter Makro-Gesichtspunkten infrage kommen und logistisch
erreichbar sind, miteinander zu vergleichen. An Ladenlokalen sollte man so viele
vergleichen wie nur möglich oder verfügbar sind. Das Gewinnen einer geeigneten
Immobilie kann eine sehr langwierige Sache sein und auch zuweilen den Wechsel
des Wohnortes erfordern. Es wird jedoch dringend abgeraten, Kompromisse bei der
Standortqualität einzugehen.
Leser: Nach meiner Erfahrung geben bei
Standortentscheidungen ohne professionelle Beratung meist Bauchgefühl und Nähe
zum Wohnort den Ausschlag.
Herr Klaus Morin: Das ist vollkommen
richtig. Das "Bauchgefühl" ist auch sehr wichtig, damit sich der zukünftige
Unternehmer wohl fühlen kann. Es ist jedoch falsch, sich bei dieser Entscheidung
nur von emotionalen Faktoren leiten zu lassen. Besser ist es, die professionelle
Beratung hinzu zu ziehen.
Leser: Mit welchen Kosten muss ich rechnen,
wenn ich die Standortanalyse an einen Spezialisten abgeben würde? Wie finde ich
einen seriösen Dienstleister auf diesem Spezialgebiet?
Herr Klaus Morin: Das kommt auf den
gewünschten Umfang der Ergebnisse beziehungsweise den Umfang des Auftrages an.
Weiterhin kommt es auf den Spezialisten an; nicht alle nehmen das gleiche Geld.
Einfache Recherchen und standardisierte Standortanalysen, die nicht auf Details
der Branche eingehen, sind mit etwas Geduld im Internet finden und das teilweise
auch noch kostenfrei.
Leser: Wie finde ich für einen Standort die
Bevölkerungsstruktur (z.B. Altersverteilung, Haushaltsgröße und Pendlerströme),
das Einzugsgebiet und die Kaufkraft heraus?
Herr Klaus Morin: Sie fragen nach den
Makrobedingungen eines Standortes. Einige der von Ihnen gefragten Positionen
können Sie kostenfrei in den statistischen Abteilungen der örtlichen Rathäuser
erfragen. Wieder andere können Sie im Internet recherchieren. Und aktuelle
Faktoren zu beispielsweise Kaufkraft, Zentralität usw. können Sie bei
einschlägigen Unternehmen käuflich erwerben.
Leser: Inwieweit analysieren Franchisegeber
die für den Erfolg maßgeblichen Standortfaktoren und stellen sie neuen Partnern
zur Verfügung?
Herr Klaus Morin: Die Franchisegeber sollten
umfangreiche Informationen zu den einzelnen Standorten besitzen und auch eine
eigene Standortpolitik betreiben. Wenn dies der Fall ist, wird der
Franchisegeber diese Informationen auch an seinen zukünftigen Franchisenehmer
weitergeben oder auch einen eigenen Expansion- oder Standortprofi vor Ort
einsetzen. Ich persönlich halte dies für eine Pflicht des Franchisegebers.
Schließlich liegt die Erfüllung dieser Aufgabe ist im ureigensten Interesse des
Franchisegebers, braucht er doch erfolgreiche Franchisenehmer. Viele
Franchisesysteme verfügen aber nicht über diese Daten, haben kein konkretes
Standort- und Objektprofil und schon gar keine Expansionsprofis. In diesen Fälle
muss der Franchisenehmer vieles selbst tun.
Leser: Welche Art von Standortdaten können
Wirtschaftsförderungsgesellschaften Interessenten zur Verfügung stellen?
Herr Klaus Morin: Das ist regional sehr
unterschiedlich. In der Regel können dort die Daten zur Makro-Situation des
Standortes abgerufen werden. Zusammen mit den statistischen Daten aus dem
Rathaus kann man schon einen relativ guten Eindruck von einem Standort gewinnen.
Standort meint aber stets eine ganze Stadt oder eine Region. Die direkte
Situation vor Ort, der Lage, kann in der Regel nur durch Spezialisten ermittelt
werden.
Leser: Wie sichere ich mich ab, dass es nach
der Entscheidung für einen Standort keine böse Überraschung gibt? Ich denke an
die Schließung von Kaufhäusern, Änderungen der Verkehrsführung, Einstellung von
Buslinien, etc.
Herr Klaus Morin: In der Regel wird der
Mietvertrag für gewerblich genutzte Immobilien über mindestens 5 Jahre
abgeschlossen, gern über 10 und mehr Jahre bei höheren Investitionen in die
Bausubstanz. Beim Kauf einer Immobilie kommen hier noch bedeutend mehr Jahre
zusammen. Die Entwicklung eines Standortes über so lange Zeit lässt sich nicht
absichern. Die Qualität ganzer Viertel oder Städte kann in rasantem Tempo
wechseln, wie wir derzeit im Ruhrgebiet sehen können. Über größere
Straßenbauarbeiten und logistische Anbindungen kann man sich in den Gremien zur
Stadtentwicklung informieren. Veränderungen von Einkaufslagen können bestenfalls
von Immobilienprofis frühzeitig abgesehen werden. Ein wichtigsten Indizen sind
stets die Entwicklung der Mietpreise und der Leerstände.
Leser: Welche Kriterien sind bei der
Imageeinschätzung eines Standortes zu berücksichtigen?
Herr Klaus Morin: Für Sie als zukünftigen
Unternehmer sind es die Mietpreise. Je höher der durchschnittliche Preis je
Quadratmeter Verkaufsfläche, desto höher ist die voraussichtliche
Verkaufsflächenleistung je Quadratmeter und damit das Image einer Verkaufslage.
Das ist das Einzige, was Sie als Unternehmer interessieren sollte. Ein gutes
Image kommt also auf Ihre Ziele an. Einkaufsstraßen mit hohem Imagefaktor und
teuren Designershops können für ein Geschäftskonzept richtig sein oder einen
"Tod in Schönheit" bedeuten. Das Image ganzer Standorte leitet sich dagegen aus
der Bedeutung für das Umfeld und in der Region ab.
Leser: Arbeiten Sie mit Maklern in anderen
Städten und Regionen zusammen, um der Franchise-Wirtschaft bundesweit
Immobilienangebote zur Verfügung zu stellen?
Herr Klaus Morin: Ja. Wir arbeiten gern mit
anderen Maklern zusammen, um auch die Leistungsbereitschaft vor Ort zu
gewährleisten.
Leser: Welche grundsätzlichen Anforderungen
sind an den Standort eines Franchise-Betriebes zu stellen? Benötige ich die
Zustimmung des Franchisegebers zum ausgewählten Standort?
Herr Klaus Morin: Die Anforderungen ergeben
sich aus dem Geschäftskonzept, unabhängig ob im Franchising oder ohne System. Im
Franchising ist in der Regel die Zustimmung des Franchisegebers erforderlich.
Einerseits ist hier meist eine vertragliche Vereinbarung zum Vertriebsgebiet zu
beachten. Und hinsichtlich des Objektes möchte der Franchisegeber eine
einheitliche CI auch über die Immobilie durchsetzen und außerdem ist er am
wirtschaftlichen Erfolg des Franchisenehmers interessiert und muss daher sein
Standort- beziehungsweise Objektprofil umsetzen. Die Rechte des Franchisegebers
werden immer im Franchisevertrag dokumentiert, auch die zum Standort, dem
Objekt, einer Übernahme bei Vertragsende usw..
Leser: Worin unterscheiden sich Ihre
Leistungen als Franchise-Spezialist in der Immobilienwirtschaft von denen
„gewöhnlicher“ Immobilienmakler?
Herr Klaus Morin: Als Franchiseberater
kennen die Bedürfnisse der Franchisewirtschaft. Die Klaus P. Morin Consulting
entwickelt und unterstützt Franchiseunternehmen seit über 20 Jahren. Daher kann
auf einen besonderen Erfahrungsstand für das Franchising, ähnliche
Kooperationssysteme und Filialorganisationen zurückgegriffen werden. Mit 3C. hat
die Morin Consulting ein Vermittlungsinstrument für gewerbliche Immobilien und
zur Übernahme bestehender Unternehmen geschaffen, das nach den gesetzlichen
Vorschriften des Maklers arbeitet. Durch die Kombination der beiden Expertisen
unter einem Dach wird ein spezialisiertes Instrument für die zielgerichtete
Expansion angeboten. Die betriebswirtschaftlichen Aspekte eines
Geschäftskonzeptes werden erfasst und mit einem Standortkonzept zusammengeführt
und dadurch optimiert. Es werden beispielsweise auch die Standort- und
Objektprofile erarbeitet und die Standortpolitik in der Umsetzung betreut.
Unternehmen, die keine eigenen Abteilungen für diese Aufgaben unterhalten,
können so die professionellen Leistungen bereitstellen.
Leser: Bei welcher kommunalen Behörde erhalte
ich Informationen zur ortsüblichen Höhe der Gewerbemieten?
Herr Klaus Morin: Bei keiner. Hier müssen
Sie Maklern vertrauen.
Leser: Gibt es seitens der KFW oder der EU
Fördermittel für die Standortsuche von Existenzgründern?
Herr Klaus Morin: Nein, zu diesem Zweck sind
keine Fördermittelprogramme vorgesehen. Bedauerlicherweise wurden die
Fördermittel für Existenzgründer vor Gründung erheblich reduziert. Die
Möglichkeiten einer Förderung sind im Einzelfall zu prüfen und unterscheiden
sich nach den Bundesländern.
Leser: Können Sie mir einen fachmännischen Rat
geben, wie ich Kundenaufkommen und Kundenstruktur potentieller Mitbewerber an
einem Standort erfassen und bewerten kann?
Herr Klaus Morin: Ja, dafür bieten wir
spezielle Beratungspakete an. Da wird vor Ort der Wettbewerb besichtigt und
bewertet nach Umsatz, Kundenstruktur usw. usw. Auf diese Weise lassen sich auch
aktivierbare Waren- und Absatzpotenziale innerhalb spezieller Sortimente
ermitteln. Dergleichen nennt sich Sortiments- und Absatzanalyse.
Leser: Welche Maklergebühren würden Sie bei
der Vermittlung von Ladenlokalen als marktüblich bezeichnen?
Herr Klaus Morin: Das ist stets abhängig vom
Wert der Lage eines Ladenlokals. Marktüblich sind drei Netto-Monatsmieten
zuzüglich Abgeltungen für Optionen sowie Mehrwertsteuer. Bei schlechteren Lagen
und Büros wird zuweilen eine niedrigere Provision erhoben oder die Provision
wird zuweilen vom Vermieter bezahlt.
Leser: Erheben Sie als Immobilienmakler eigene
Standortdaten? Listen Sie in Ihrem Exposé die wichtigsten Frequenzbringer sowie
die Verkehrssituation auf?
Herr Klaus Morin: Nein, wir erheben in der
Regel keine eigenen Daten zum Standort also der Makrosituation. Hinsichtlich der
Lage bieten wir jedoch spezielle Beratungspakete an, die sich mit den
Marktchancen innerhalb einer speziellen Lage beschäftigen. Alle verfügbaren
Marktdaten und Informationen zum Umfeld des Standortes sowie der Lage und
natürlich des Objektes werden im Exposee genannt oder werden auf Nachfrage
recherchiert.
Leser: Wo kann ich die Übersicht Ihrer
aktuellen Immobilienangebote einsehen? Haben Sie exklusiven Zugriff auf diese
Immobilien?
Herr Klaus Morin: Auf unserer Website
www.3C-consult.com als auch im Franchiseportal werden regelmäßig unsere
aktuellen Angebote veröffentlicht und ältere können eingesehen werden. Jedoch
werden nicht alle Angebote veröffentlicht. Angebote hochwertiger Lagen werden im
Exposee nur an vorgemerkte Suchprofile versendet. Jeder Suchende kann sein
Profil kostenfrei einstellen und erhält so Zugriff auf alle möglicherweise
geeigneten Objekte. Das Profil wird ebenfalls über die Website
www.3C-consult.com eingestellt beziehungsweise nachgefragt.
Leser: Gibt es bei den Kommunen eine
Anlaufstelle, wo man die im Umfeld eines Standorts regelmäßig stattfindenden
Aktivitäten, Events oder Märkte in Erfahrung bringen kann?
Herr Klaus Morin: In der Regel ist dies das
Wirtschafts- und Ordnungsamt.
Leser: Ist es üblich, ehemalige Besitzer oder
Mieter von Ladenlokalen bzw. benachbarte Geschäftsleute zu ihren Erfahrungen zu
befragen?
Herr Klaus Morin: Möglich ist das, üblich
ist es eigentlich nicht. Sehr zweifelhaft sind auch die Informationen, die man
auf diesem Wege in Erfahrung bringt. Aber versuchen kann man es ja. Man kann
sich aber auch schaden damit.
Leser: Wenden Sie sich als Immobilienmakler
vorrangig an Franchisegeber oder Franchisenehmer? Stimmen Sie sich in letzterem
Fall mit dem Franchisegeber ab?
Herr Klaus Morin: Wir arbeiten gern sowohl
mit Franchisegebern als auch Franchisenehmern. Wir arbeiten ebenfalls gern mit
Existenzgründern und anderen Immobilien-Suchenden unabhängig von Franchise. Jede
Anfrage wird mit gleicher Sorgfalt bearbeitet.
Leser: Wie stelle ich fest, ob die für
Mietkosten entscheidende Einordnung der Lage eines Standorts den Tatsachen
entspricht? Ich denke an ein mir angebotenes Objekt, das am Rande der Innenstadt
liegt.
Herr Klaus Morin: Man zählt die Frequenz der
Passanten. Die Anzahl der Passanten und damit der potentiellen Kunden ist
entscheidend für die Lagezuordnung. Diese Anzahl kann nun aber in ein und
derselben Straße recht unterschiedlich ausfallen. Mir sind Stellen bekannt, an
denen sich die Anzahl der Passanten ohne ersichtlichen Grund innerhalb von 5 m
um ein Drittel reduziert. Auch ist die Straße selbst kein wirkliches Kriterium.
So kann die linke Straßenseite doppelt so viele Passanten aufweisen wie die
rechte. Diese Dinge müssen vor Ort festgestellt beziehungsweise gezählt
werden.
Leser: Welche Bedeutung hat die jeweilige Höhe
der Gewerbesteuer für die Standortwahl?
Herr Klaus Morin: Die Bedeutung besteht
darin, dass Sie je nach Standort mehr oder weniger Gewerbesteuer bezahlen. Meist
ist jedoch der Standort beziehungsweise die Lage wichtiger als die Differenz in
der Gewerbesteuer. Dies gilt zumindest für die meisten Franchisenehmerbetriebe.
Für standortunabhängige Betriebe ist es jedoch durchaus einen Gedanken wert, die
Höhe der Gewerbesteuer als ein Kriterium für die Standortwahl
einzubeziehen.
Leser: Warum werden Immobilienprovisionen so
hoch bezahlt? Man müsste, glaube ich, Immomakler werden, weil man dabei so viel
verdient. Wenn man sich vorstellt, dass man bei einer guten Lage ja sofort die
Taschen voll hat. Könnten nicht die Franchisegeber die Immobilienprovision
bezahlen?
Herr Klaus Morin: Die Provisionen der
Immobilienvermittler sind insbesondere im gewerblichen Bereich durchaus
berechtigt. Die Vorstellungen über den Beruf der Immobilienprofis und deren
Einkommen stimmen meist nicht mit der Realität überein. Vielmehr handelt es sich
um langjährig ausgebildete Spezialisten, die ihre Arbeit mit einer hohen
Verantwortung für beide Seiten erledigen. Etwas anders mag es im Bereich der
Wohnimmobilien sein. Hier sind aber auch die Provisionen vom Gesetzgeber
begrenzt. Die Provision für den Makler, die so genannte Courtage, wird in der
Regel vom Mieter oder Käufer bezahlt. Wenn der Franchisegeber den
Hauptmietvertrag oder den Kaufvertrag übernimmt, so wird er auch die Courtage
tragen müssen. In diesem Fall kann der Franchisenehmer in ein
Untermietverhältnis eintreten, um seinen Franchisenehmerbetrieb zu
eröffnen.
Leser: Warum sind die guten Lagen so
teuer?
Herr Klaus Morin: Wegen der Anzahl der
Passanten, die potentielle Kunden darstellen. Die natürliche Lauffrequenz ist
das stärkste Werbemittel überhaupt. So kann beispielsweise ein Ladenbesitzer in
einem laufenden Einkaufszentrum seine Werbekosten auf ein Minimum reduzieren.
Die Hochfrequenzlagen sind insbesondere für Anbieter interessant, deren Kunden
zu Spontankäufen neigen oder den direkten Angebotsvergleich suchen. Lage und
Konzept müssen stets in Einklang gebracht werden, um ein wirtschaftlich
optimales Betriebsergebnis zu erzielen. Eine gezielte Geschäftspolitik, die
Standort und Lage als Marketinginstrument eingesetzt kann ganz entscheidende
Wettbewerbsvorteile für sich besetzen.
Herr Klaus Morin: Ich danke für Ihre
Aufmerksamkeit und die interessanten Fragen. Gern stehen wir Ihnen beim Gewinnen
eines geeigneten Standortes oder eines übernahmebereiten Betriebes zur
Verfügung. Wir freuen uns auf Ihre direkte Kontaktaufnahme.