12/19/2017

Wie kann eine Unternehmensphilosophie in andere Kulturen übertragen werden?

 

 

Die Selbstständigkeit stellt für viele Arbeitnehmer die ultimative Erfüllung ihrer beruflichen Ziele dar. Die Aussicht auf eigenverantwortliches Arbeiten, das kompromisslose Realisieren eigener Ideen und die leider oftmals zu sehr romantisierte Vorstellung des „Hobbys zum Beruf machen“, sind nur ein paar der zahllosen Gründe, sich selbst als CEO seiner eigenen Unternehmung zu installieren. Neben einem gewissen Startkapital, bedarf es zusätzlich dem notwendigen betriebswirtschaftlichem Know-how und idealerweise bereits einigen Kontakten zu Personen mit Branchen- und Gründungswissen, die ihre Expertise gewinnbringend in der Gründungs- sowie Wachstumsphase einbringen können. Über allem steht jedoch die Geschäftsidee, auf der das ganze Projekt Selbstständigkeit aufgebaut wird. Mit ihr steht und fällt das gesamte Vorhaben, weshalb eine gründliche Planung im Vorfeld unausweichlich ist. Grade junge Unternehmer und Neu-Gründer sollten für diesen wichtigen Schritt auf professionelle Gründungsberatung zurückgreifen.

Einfacher und sicherer als die eigene Geschäftsidee umzusetzen ist hingegen der Erwerb einer Franchiselizenz. Diese gestattet dem Franchisenehmer unter anderem die Nutzung der Markenrechte sowie des Geschäftskonzeptes des Mutterkonzerns. Weitere Richtlinien wie beispielsweise Schulungs-, Marketing- oder Werbekonzepte, sowie Abwerbe- und Wettbewerbsverbot und weitere betriebswirtschaftliche Aspekte wie die Buchführung werden im Franchisevertrag geregelt. Einer der Hauptgründe für Unternehmen, Franchiselizenzen zu verkaufen, ist die internationale Expansion: Einige der größten Franchise-Unternehmen weltweit stammen aus den USA und agieren im Gastronomie-Gewerbe. Wenn wir nun einen Blick auf drei Beispiele werfen, was ist an ihnen auffällig?

 

 

Drei der größten Franchise-Unternehmen weltweit

 

  1. McDonald's
  2. Subway
  3. Domino's

 

Was fällt auf, wenn wir drei der weltweit größten Lizenzgeber betrachten?

Sie alle haben ihren unternehmerischen Ursprung in den USA. Allerdings haben sie sich klar positioniert und sind vom bundesweiten Markt nicht mehr wegzudenken. Wichtig ist es nämlich, seine Unternehmensphilosophie an den zu erschließenden Markt anzupassen. Ein gutes Negativbeispiel hierfür ist der US-Einzelhandelskonzern Walmart, der bereits 1997 begann, erste Filialen am deutschen Markt zu eröffnen. Dieser galt neben dem amerikanischen und japanischen Markt als drittgrößtes Einzugsgebiet und war dementsprechend attraktiv aus Unternehmenssicht. Wenn Sie sich nun fragen "Moment, Walmart am deutschen Markt? Wieso erinnere ich mich daran nicht?", dann hat das einen einfachen Grund: Für jeden am deutschen Markt umgesetzten Euro stand ein Verlust von 20 Cent zu Buche. Es war schlichtweg nicht ausreichend, das Erfolgskonzept aus den USA eins zu eins in die jeweilige Landessprache zu übersetzen. Walmarts für den deutschen Markt wortwörtlich übersetzter Werbeslogan "Every Day Low Prices – jeden Tag Niedrigpreise", entpuppte sich Untersuchungen zufolge als ein leeres Werbeversprechen, da Walmart nie in der Lage war, Discounter wie Aldi langfristig zu unterbieten.

 

 

Unfreiwillig komisch

Doch nicht nur Slogans, sondern auch Produktnamen sollten grade von international agierenden Unternehmen auf ihre potentielle Doppeldeutigkeit untersucht werden. So gibt es bereits etliche kuriose Beispiele, bei denen eine nachträgliche Kontrolle durch Muttersprachler dafür gesorgt hätte, etwaige böse Überraschungen hinter den oftmals unschuldig-melodischen Klängen zu erkennen.

Der Automobilhersteller Ford ist mit gleich mehreren Beispielen einer der Marktführer in Sachen anzüglicher Konnotation und dies zeigt, dass insbesondere bei Produkten am spanischen Markt, immerhin der am vierthäufigsten gesprochenen Sprache auf der Welt, es nach wie vor zu Missverständnissen in der Übermittlung von international gültigen Produktbeschreibungen kommen kann.

 

  1. Ford brachte Anfang der 1960er den Ford Comet unter dem Namen Ford Caliente in Mexiko auf den Markt. Caliente (spanisch für "heiß") bedeutet jedoch im mexikanischen Slang nichts Geringeres als "Bordsteinschwalbe".
  2. Normalerweise ziehen Unternehmen aus solch weitreichenden Fauxpas ihre Lehren, dennoch sorgte der Ford Cortina für viele weitere Schmunzler auf den Straßen Spaniens. Zwar bedeutet "cortina" im spanischen "Vorhang", allerdings wird das Wort ebenfalls für die Beschreibung von einer "Klapperkiste", also umgangssprachlich einem ramponierten Automobil verwendet.
  3. Doch auch andere Automobilhersteller haben mit unpassenden Markennamen für Aufsehen gesorgt. So bat das Land Chile den Fahrzeugfabrikanten Mazda, den Laputa auf dem heimischen Markt umzubenennen – da das spanische "la puta" im Deutschen etwa so viel wie "die Hure" bedeutet.
  4. Ähnlich unglücklich war Toyota bei der Einführung des MR2 auf den französischen Markt. Schließlich klang der Name des Fahrzeugs im französischen (MR-deux) erschreckend ähnlich wie merde, was ohne Frage wohl das beliebteste französische Schimpfwort ist.

 

Es gibt also viele gute Gründe, nicht nur aus der Automobilindustrie, bei der Erschließung ausländischer Märkten genauestens hinzuschauen, um zu verhindern, dass ein unglücklich gewähnter Produktname gewählt wird. Daher sind gerade die Anbieter technischer Produkte gut daran beraten, sich an Übersetzungsbüros zu wenden, die auch eine technische Übersetzung an kulturelle Unterschiede anpassen, um peinliche Fehltritte zu vermeiden.

 

 

Unternehmenskultur ist nicht nur das geschriebene Wort

Weiteres Alleinstellungsmerkmal Walmarts war das auf dem US-amerikanischen Heimatmarkt erfolgreich integrierte Servicekonzept, welches deutlich an den Bedürfnissen des deutschen Marktes vorbeiging. Dazu gehörte unter anderem der "Greeter", der jeden Kunden persönlich in der Filiale willkommen hieß. Während dieser am Heimatmarkt ein großer Teil der Unternehmenskultur sowie sein bekanntestes Markenzeichen ist, gab es in Deutschland schnell Beschwerden seitens der Kunden, sie seien auf dem Firmengelände von Fremden belästigt worden.

Bei einem Franchiseunternehmen ist die Gefahr ähnliche Fehler zu begehen sehr gering. Durch jeden Franchisenehmer erweitert der Mutterkonzern seine Expertise um weitere Erfahrungswerte, die sie bewusst einzusetzen wissen. So wird der Gründungs-Prozess von der Idee bis hin zur Eröffnung in enger Abstimmung mit den Zentralen umgesetzt. Diese übernehmen viele administrative Aufgaben, vom Einkauf, über den kontinuierlichen Know-how-Transfer bis hin zum Marketing.

Für Franchisegeber ist die lokale Stärke der selbstständigen Franchisenehmer eines der Hauptargumente, wenn sie expandieren möchten. Nicht selten übernehmen führende Unternehmen der Systemgastronomie bestehende Marken und wandeln die Betriebe peu-â-peu in ihre eigenen, selbstständig geführten Franchisestandorte um. Für das notwendige regionale Marketing bezieht der Franchisenehmer in der Regel umfassendes Material, welches die Corporate Identity ideal übermittelt. Die zur Verfügung gestellten Materialien gilt es für die jeweilige zu bewerbende Region zu individualisieren. Hier hat der Franchisenehmer einige Freiheiten. Das überregionale Marketing allerdings wird so gut wie immer von den Zentralen übernommen. Das ist auch gut so, denn so bleibt es dabei, dass jedes Kind auf der Welt weiß, dass die McDonald's-Filialen weltweit fest mit dem Claim "Ich liebe es" verbunden sind, dass es bei Subway "eat fresh" heißt, oder dass Kentucky Fried Chicken "finger lickin' good" ist.

 

Bild: ©istock.com/tumsasedgars
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