19.04.2017

Vor der Franchise-Gründung: Was können Sie, und wo wollen Sie hin?

 

 

Der Einstieg in ein Franchise braucht nicht nur finanzielle Voraussetzungen, sondern auch emotionale. Es wird nicht reichen, in irgendein Konzept zu investieren und sich an einen großen Namen hängen zu wollen. Denn wenn Sie Kunden gewinnen und halten wollen, dann verkaufen Sie immer auch ein menschliches Erlebnis, einen emotionalen Mehrwert. Ohne den können Ihre Kunden ein ähnliches Produkt oder eine ähnliche Dienstleistung schlicht woanders kaufen. Oder im Internet bestellen.

Wenn Sie in ein Weinfranchise einsteigen, werden Ihre Kunden – egal ob Endkunden oder Gastronomen – ausgiebig mit Ihnen über Anbaugebiete, Rebsorten und Geschmacksnoten plaudern wollen. Sie möchten nette Schwätzchen halten, fachsimpeln, vielleicht mit eigenen Kenntnissen prahlen. Das sollten Sie ihnen nicht verwehren, schon gar nicht mit dem Gesichtsausdruck „Interessiert mich nicht“. Der Kunde wird zu Recht denken „Der ist Weinhändler -- und interessiert sich nicht für Wein??“

Selbst wenn der Kunde nicht viel weiß, wird er erst recht erwarten, dass Sie etwas zu Ihren Weinen erzählen können – und zwar mit Begeisterung. Denn die steckt an. Nur dann hat der Kunde, die Kundin ein gutes Gefühl. Und nur dann werden ihre Kunden wiederkommen und Sie weiterempfehlen: „Das ist aus diesem Laden, der Inhaber weiß unheimlich viel, und kann so toll erzählen. Und total nett ist er auch.“

Noch dringlicher werden diese Gedanken, wenn es um Dienstleistungen wie Nachhilfe geht. Eine Mutter, die Nachhilfestunden bezahlt, will ihr Kind gut versorgt wissen. Sie will sicher sein, dass der Nachhilfeanbieter alles tut, damit sich die Schulleistungen des Kindes bessern. Jeder, der schon einmal Nachhilfe gegeben oder genommen hat, weiß, wie wichtig eine solide emotionale Grundlage für den Lernerfolg ist. Wenn Ihnen der Schulerfolg der Kids egal ist – vergessen Sie’s. Dann passen Blumen vielleicht besser.

Neben Geld ist also Gefühl gefragt. Und damit sind wir bei einem ganz schwierigen Thema, nämlich der Selbstreflexion.

 

 

Was entfacht Leidenschaft in Ihnen?

 

In etwas gut zu sein, heißt nicht unbedingt, dafür auch eine Leidenschaft zu haben. In etwas schlecht zu sein, heißt nicht, dass man es nicht lernen kann. Eine Begeisterung kann verschüttgehen, aber revitalisiert werden. Wo also anfangen beim Nachdenken über das richtige Franchisekonzept?

Die Antwort ist einfach und doch kompliziert: Man fängt an bei sich selbst. Und zwar unabhängig von allen Franchiseangeboten, die der Markt bietet oder noch bieten wird.

Der Blick geht nach innen – nicht nach außen: Was interessiert mich? Was ist mir wichtig? Was mache ich von selbst an einem freien Tag? Worüber lese ich von mir aus Bücher und Fachzeitschriften? Und wofür würde ich auch an einem schlechten Tag freiwillig früh morgens aufstehen?

Bevor man in Wolkenkuckucksheim landet („Ich interessiere mich für Nachhaltigkeit und würde gern die Menschheit vor der Klimakatastrophe retten“), empfiehlt es sich, erst einmal auf die letzten Monate und Jahre zu schauen. Oder auch Jahrzehnte. Vielleicht sogar auf Kindheit und Jugend. Wo gab es Situationen, in denen ich ganz viel Energie hatte? Wann war es ganz leicht, die Nacht durchzuarbeiten? Wann war ich richtig motiviert?

 

 

Diese Situationen geben Aufschluss über die eigene Motivationslage. Nehmen Sie ruhig ein großes Blatt Papier und schreiben Sie alles auf, was Ihnen einfällt. Oder Sie schreiben eine Woche lang jeden Tag eine Whatsapp an sich selbst: „Situationen aus meinem Leben, in denen ich überdurchschnittlich motiviert war.“

 

 

Schauen Sie sich diese Situationen an. Analysieren Sie: Was genau hat mich da motiviert? Die Natur, die Bewegung, dass Sie anderen etwas beibringen konnten? Kreativität, Ästhetik, dass Sie etwas gestalten konnten? Genuss, gutes Essen und Trinken, Gastgeber sein? Schreiben Sie so viel wie möglich auf. Überschrift: „Was mich motiviert“.

 

 

Leidenschaft entdeckt? Jetzt bringen Sie Ihre Stärken ein!

 

Fähigkeiten und Stärken, die jedem Franchise gut bekommen, sind mindestens: Kommunikation, Organisation, Selbstständigkeit, gute Manieren (ja, Manieren), Ausstrahlung, Rechnen und mit Geld umgehen können, Kundenorientierung, Disziplin und Umgang mit Autorität – sowohl nach unten (gegenüber Angestellten) als auch nach oben (Franchisegeber).

All das werden Sie brauchen, egal, ob Sie in eine Autovermietung, eine Musikschule oder eine Optikkette einsteigen. Das Fundament, auf das Sie Ihr Franchise mit diesen Stärken bauen, ist Ihre eigene Begeisterung, ihre Motivation und – wenn Sie so wollen – Leidenschaft.

Im Amerikanischen spricht man von transferable skills – von Fähigkeiten, die man auf ein neues Gebiet überträgt. Also: Kundenorientierung aus der früheren Arbeit als Angestellter. Rechnen und mit Geld umgehen können als Familienvorstand oder aus dem BWL-Studium. Disziplin vom Erlernen einer Sprache oder eines Instruments. Planen von Reisen aus einer früheren Tätigkeit als Sekretärin oder aus dem Privatleben.

 

 

Welche Branchen kommen für Sie in Frage?

 

Das Fundament Ihrer Entscheidung für ein Franchise ist ein emotionaler Bezug zur Idee. Wenn Sie selbst keine Lust haben, ins Fitnessstudio zu gehen, kaufen Sie sich nicht in ein Sportfranchise ein. Wenn Sie keine Tee trinken, lassen Sie die Finger von einem Teeladenkonzept. Denn Ihre Kunden werden von Ihnen Begeisterung und Authentizität erwarten. Gemeinsam werden Sie Ihre Nase in die Teedose stecken und über den Geruch philosophieren. Ist das Erlebnis geglückt, wird der Kunde beim nächsten Teeeinkauf auch einen Umweg zu Ihrem Laden in Kauf nehmen.

 

 

Ein Franchise ist nicht nur ein erprobtes Konzept. Das Franchise wird einen Impact auf Ihr Leben und Erleben haben, auf Ihre Gespräche und die Themen, mit denen Sie sich beschäftigen. Dieser Impact sollte Sie emotional bereichern und nicht zur Selbstkasteiung werden.

 

 

Fazit

 

Zuerst muss es emotional stimmen, dann finanziell. Das ist die Reihenfolge für eine gelungene Franchisegründung. Um die Dinge weiter zu verfestigen, sollte man erst einmal Stammgast seines zukünftigen Franchises werden. Kaufen Sie, testen Sie, konsumieren Sie. Sprechen Sie mit anderen Kunden. Mieten Sie im nächsten Urlaub vom Mietwagenfranchisegeber, buchen Sie um, stornieren Sie, buchen Sie neu (bitte nicht übertreiben!). Kaufen Sie im Baumarktfranchise Ihrer Wahl, und lassen Sie sich zum Thema Fenster, Böden, Lacke, Werkzeug, Garten, Selberbauen beraten. Sprechen Sie mit anderen Kunden dort. Und mit Angestellten. Stehen die hinter dem Konzept? Sind die ebenfalls begeistert?

Wenn Sie zu all dem keine Lust haben…, dann ist es nicht das richtige Franchise für Sie.

Uta Glaubitz berät seit 20 Jahren Menschen bei der Berufswahl. Ihr Bestseller „Der Job, der zu mir passt“ wird regelmäßig im Campusverlag neu aufgelegt.

 

 

Expertenstimme von Uta Glaubitz

Autor:

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