9/4/2018

Versicherungen für Selbstständige: Welche Policen sind sinnvoll?

Der Schritt in die Selbstständigkeit birgt gewisse Risiken, gegen die sich Neugründer absichern können. Berufsunfähigkeitsversicherung, Firmenrechtsschutzversicherung, Risiko-Lebensversicherung, Geschäftsversicherung - die Liste ist lang. Doch welche Police braucht man als Selbstständiger wirklich? Generell lassen sich drei Arten von Versicherungen für Selbstständige unterscheiden:

 

 

  • Personenversicherungen (private Versicherungen)
  • Betriebs- und Berufshaftpflichtversicherungen (inkl. Rechtsschutz)
  • Sachversicherungen

 

 

Wichtige Personen- und Sachversicherungen

Wer sich selbstständig macht, ist für die eigene soziale Absicherung verantwortlich. Gesetzlich vorgeschrieben ist sowohl für Arbeitnehmer als auch für Selbstständige eine Kranken- und Pflegeversicherung. Wer vor der Selbstständigkeit als Angestellter gearbeitet hat, kann als freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bleiben oder die Aufnahme in eine private Krankenversicherung (PKV) beantragen. Ist der Wechsel zur PKV allerdings vollzogen, kann man als Selbstständiger nicht mehr in die GKV zurückwechseln. Alle Mitglieder der GKV sind automatisch pflegeversichert. Wer sich hingegen privat versichert, muss sich um eine zusätzliche Pflegeversicherung kümmern.

Sinnvoll ist eine Zusatzversicherung, die Krankentagegeld bzw. Krankengeld zahlt. Sie schützt vor dem Verdienstausfall im Krankheitsfall. Die Altersvorsorge ist ebenfalls jedem Selbstständigen selbst überlassen: Er kann eine private Rentenversicherung abschließen, freiwillig Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung werden oder beide Modelle kombinieren. Für bestimmte Berufsgruppen wie selbstständig tätige Lehrer, Handwerker, Hebammen sowie alle Selbstständige, die nur für einen Auftraggeber arbeiten, ist eine gesetzliche Rentenversicherung vorgeschrieben. Als Ergänzung dazu kann eine private Rentenversicherung wie die Basisrente abgeschlossen werden.

Selbstständige sollten rechtzeitig prüfen, ob für sie eine Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung besteht. Die Versicherung darf nämlich nicht geleistete Beiträge für 30 Jahre rückwirkend einfordern. Weitere Informationen dazu finden sich in § 2 Sozialgesetzbuch VI, das auch online einsehbar ist.

Als Selbstständiger sollte man außerdem über eine Privathaftpflichtversicherung verfügen, um im Fall von Personen-, Sach- und Vermögensschäden durch hohe Schadenersatzzahlungen nicht in finanzielle und existenzielle Not zu geraten. Vor Lohnausfall während einer schweren Krankheit oder nach einem Unfall sichern sich Selbstständige am besten mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung ab.

Wer freiwillig Mitglied in einer gesetzlichen Rentenversicherung ist und beispielsweise aufgrund einer schweren Krankheit seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, bekommt zwar eine Erwerbsminderungsrente. In den meisten Fällen reicht diese allerdings gerade einmal für eine Grundversorgung aus. Eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung hilft im Fall der Fälle, den gewohnten Lebensstandard aufrechtzuerhalten.

Zu den sehr wichtigen privaten Versicherungen zählen die Hausratversicherung (Sachversicherung) und die Risiko-Lebensversicherung. Mit der Hausratversicherung wird das gesamte bewegliche Eigentum in der Wohnung abgesichert, sprich das gesamte persönliche Inventar. Versichert sind Schäden aufgrund von Brand und Explosion, Wasserschäden, Frostschäden an Heizungen, Sturm- und Hagelschäden sowie Diebstahl nach einem Einbruch. Wer selbstständig und Alleinverdiener der Familie ist, sollte unbedingt eine Risiko-Lebensversicherung in Betracht ziehen. Diese ist besonders wichtig, weil sie die Hinterbliebenen im Todesfall vor einem existenzbedrohenden Einkommensausfall und damit einer großen Versorgungslücke absichert. Bei der Entscheidung für einen Anbieter können bei der Risiko-Lebensversicherung übrigens auch Testurteile von unabhängigen Institutionen wie Stiftung Warentest oder Focus Money eine große Hilfe sein. Dieser Ratgeber-Artikel von CosmosDirekt stellt verschiedene Vergleiche vor und erklärt die zugrunde liegenden Kriterien. Zu wichtigen privaten Versicherungen zählen außerdem die Rechtsschutzversicherung sowie die Unfallversicherung. Die gesetzliche Unfallversicherung, die bei Unfällen auf dem Weg von und zur Arbeit zahlt, ist für Selbstständige im Gegensatz zu Angestellten nicht verpflichtend. Sie können sich aber über ihre Berufsgenossenschaft freiwillig versichern lassen. Eine private Unfallversicherung sichert Unfälle im Privatbereich ab und übernimmt beispielsweise im Fall einer Invalidität Kosten für den behindertengerechten Umbau der Wohnung oder für Heilbehandlungen, die von der Krankenkasse nicht abgedeckt sind.

 

 

Wichtige betriebliche Versicherungen

Um sich vor betrieblichen Risiken zu schützen, braucht man als Selbstständiger ein gut durchdachtes Konzept, einen soliden Businessplan und bestimmte Versicherungen, die beispielsweise gegen Einbruchdiebstahl absichern. Eine der wichtigsten Versicherungen für Selbstständige ist zweifelsohne die Betriebs- und Berufshaftpflichtversicherung. Sollte ein Mitarbeiter, ein Kunde oder ein Besucher im Büro oder auf dem Firmengelände zu Schaden kommen, springt die Versicherung ein und übernimmt die Kosten, die beispielsweise durch die medizinische Behandlung oder die Reparatur des beschädigten Gegenstandes verursacht wurden. Eine Betriebshaftpflichtversicherung deckt Schadenersatzansprüche von Personen-, Sach- und Vermögensschäden ab.

Eine Betriebsunterbrechungsversicherung erweist sich immer dann als vorteilhaft, wenn der Betrieb aufgrund eines Wasserschadens, Sturms, Feuers, Einbruchdiebstahls oder Raubs für eine gewisse Zeit unterbrochen werden muss. In dieser Zeit kommt die Betriebsunterbrechungsversicherung für Miete, Löhne und Gehälter, Sozialausgaben sowie den durch einen Stillstand entstandenen Gewinnausfall auf. Bei vielen Versicherern bekommt man zur Betriebsunterbrechungsversicherung eine Geschäftsversicherung dazu, die mit einer klassischen Hausratversicherung vergleichbar ist. Sie sichert alle beweglichen Gegenstände, die sich in den Arbeitsräumen befinden, vor Schäden infolge von Explosion, Implosion oder Brand ab. Auch für Waren, die beispielsweise durch einen Sturm beschädigt oder zerstört wurden, kommt die Geschäftsversicherung auf. Teure Innenverglasungen im Gebäude können zusätzlich mit einer Glasversicherung abgesichert werden.

Zu wichtigen betrieblichen Versicherungen für Selbstständige zählen außerdem die Firmenrechtsschutzversicherung, Kfz-Versicherung (für Firmenwagen) sowie Risikolebensversicherung speziell für Unternehmer. Je nach Betätigungsbereich kann sich insbesondere die Firmenrechtsschutzversicherung als wichtige Absicherung erweisen, denn schließlich schützt sie im Falle eines Rechtsstreits vor hohen Anwalts-, Gutachter- und Gerichtskosten. Einige Versicherer übernehmen auch die Kosten für eine außergerichtliche Einigung, beispielsweise durch Mediation. Übrigens enthalten Firmenrechtsschutzversicherungen oft auch eine Absicherung bei privaten Streitfällen, sodass der Abschluss einer privaten Rechtsschutzversicherung gegebenenfalls überflüssig wird.

 

 

Fazit:

Die richtige Risikoabsicherung ist für Selbstständige von grundlegender, existenzieller Bedeutung. Welche und wie viele Versicherungen man als Selbstständiger braucht, hängt allerdings immer vom Geschäftsfeld und individuellen Bedarf beziehungsweise Sicherheitsbedürfnis ab. Wichtige Versicherungen zur Absicherung privater Risiken:

 

 

  • Kranken- und Pflegeversicherung
  • Rentenversicherung
  • Privathaftpflichtversicherung
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Hausratversicherung
  • Risiko-Lebensversicherung

 

 

Wichtige Versicherungen zur Absicherung betrieblicher Risiken:

 

 

  • Betriebs- und Berufshaftpflichtversicherung
  • Betriebsunterbrechungsversicherung
  • Firmenrechtsschutzversicherung
  • Risiko-Lebensversicherung für Unternehmer
  • Geschäftsversicherung

 

 

Optionale Versicherungen für Selbstständige:

 

 

  • Elektronikversicherung
  • Maschinenversicherung
  • Produkthaftpflichtversicherung
  • Umwelthaftpflichtversicherung

 

 

Die oben genannten Versicherungen für Selbstständige sind elementar. Wer jedoch sichergehen möchte, ausreichend abgesichert zu sein, sollte ein persönliches Gespräch mit einem Versicherungsberater vereinbaren und sich ein maßgeschneidertes Versicherungsportfolio zusammenstellen lassen.

Generell gilt: Bevor Selbstständige eine Versicherung abschließen, sollten sie sich immer die Frage stellen: Wie hoch ist das Risiko im schlimmsten Fall und kann ich es auch alleine tragen? Die Risikovorsorge sollte zudem in regelmäßigen zeitlichen Abständen überprüft und nach Bedarf angepasst werden. Häufig lohnt es sich, die bestehenden Versicherungen mit anderen aktuellen Angeboten zu vergleichen und gegebenenfalls den Versicherer zu wechseln. Insbesondere bei privaten Krankenversicherungen kann das Sparpotenzial sehr groß sein.

 

 

Bildquelle:
pixabay.com © Picography (CC0 Public Domain
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