06.09.2017

So bestimmen Sie Ihr Eigenkapital

 

 

Eigenkapital kommt von den Gründern, Projekteigentümern und solchen Geldgebern, die sich gegen Teilhabe an Gewinn und an einer Wertsteigerung am Unternehmen beteiligen und gemeinsam Chancen und Risiken tragen. Fremdkapitalgeber wie zum Beispiel Banken, erwarten, dass das Eigenkapital einen etwaigen Verlust von ca. drei Geschäftsjahren auffangen soll – worauf gerade bei jungen Unternehmen sehr geachtet wird. Damit gilt Eigenkapital als das klassische Risikokapital und ist eine wesentliche Voraussetzung für das Engagement von Förderbanken (zum Beispiel KfW) und Geschäftsbanken. Ein Anteil des Eigenkapitals von ca. 25% bis 30% am gesamten Kapital wird als ausreichend bis befriedigend betrachtet.

 

 

Eine gute Ausstattung mit Eigenkapital ist die Grundlage für die Unternehmensfinanzierung und zeigt weiteren Kapitalgebern wie auch dem Markt, Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern, dass die Eigentümer/Teilhaber an ihr Unternehmen sowie an seine Produkte und Leistungen glauben.

 

 

Definition Eigenkapital



Die Einlage von Eigenkapital begründet die Eigentümerbeziehung zwischen dem einlegenden Inhaber und dem Investor als Eigentümer einerseits sowie dem Unternehmen andererseits und etabliert damit eine Teilhaberschaft.

Eigenkapital steht generell auf unbestimmte Zeit zur Verfügung – es sei denn, es wurde bei der Einlage mit den (neuen) Teilhabern etwas anderes vereinbart. Dadurch wird es zur verlässlichen Basis – man könnte auch sagen „der“ Basis – der Unternehmensfinanzierung. Ein Anteil von mindestens 25%, besser 30% bis 35%, am Gesamtkapital ist generell ein vernünftiger Wert, jedoch hängt dies auch vom Geschäftsmodell (Herstellung, Handel, Dienstleistung) ab.

Da Eigenkapital in der Regel langfristig zur Verfügung steht, werden damit vorzugsweise die Vermögensgegenstände finanziert, die ebenfalls langfristig im Unternehmen gebraucht werden: zum Beispiel Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Geräte, Fahrzeuge, Rechte und Lizenzen. Grundsätzlich ist im Interesse einer gesicherten Unternehmensexistenz immer auf diese „goldene Bilanzregel“ zu achten: langfristig notwendige Dinge mit langfristigen Geld finanzieren! Oder auch als „11. Gebot: Du sollst Deine Werkshalle/Bürohaus/Maschinen/LKWs usw. nicht mit Monatsgeld finanzieren!“.

Somit wird sichergestellt, dass Eigenkapitalinvestments im Unternehmen bleiben, da es eigentlich nur in anderer Form – Maschinen, Fahrzeuge, Gebäude etc. – weiterexistiert und nicht als Ausgaben für laufende Kosten hinausgeblasen wird, „erst mal weg“ ist und – hoffentlich! – mit dem Umsatz bald wieder hereinkommt. Dieser Umstand ist besonders für Investoren beruhigend und macht sie zutraulich. Allerdings können mit eigenen Mitteln – besonders beruhigend in jungen Unternehmen – ebenfalls Ausgaben für Entwicklungen zur Marktreife, Zertifizierungen und Erstausstattung des Warenlagers bestritten werden.

Es ist – anders als Fremdkapitalvollständig Haftungskapital, was zum Beispiel im Falle einer Insolvenz von größtem Interesse wäre. Es wirkt nämlich wie ein „Verlustpuffer“. Dahinter steckt der Mechanismus, dass Verluste aus der Gewinn- und Verlustrechnung bzw. der Betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA) erst mal gegen das Eigenkapital gerechnet werden während andere Kapitalpositionen in der Bilanz unbeschadet bleiben. Es wird deswegen von Banken oder langfristigen Geschäftspartnern bei der Risikobeurteilung einer möglichen Zusammenarbeit gerne gesehen.

Mit dem Eigenkapital gehen Informations-, Kontroll- als auch Mitentscheidungsrechte der entsprechenden Investoren einher, welche, je nach Ausgestaltung und Vereinbarung, begrenzt oder auch sehr weitgehend sein können. Sogenannte strategische Investoren, welche sich beispielsweise auch aktiv in der Unternehmensführung beteiligen, bringen neben Geld auch Branchenkenntnisse, wertvolle Netzwerke wie auch persönliche Erfahrung als Unternehmer mit. Obwohl die Inhaber in ihren Entscheidungen dann nicht mehr völlig frei sind, sondern sich in der Unternehmensleitung mit den Investoren arrangieren müssen, kann dies für den Geschäftserfolg überaus hilfreich sein. Daneben gibt es jedoch auch Investoren, die hauptsächlich an einer attraktiven Rendite interessiert sind und sich mit vergleichsweise bescheidenen Informations- und Kontrollrechten zufrieden geben. Diese Beteiligungen werden deswegen oft als "stille Beteiligung“ beschrieben.

Für Eigenkapital werden, von erwähnten Ausnahmen abgesehen, keine festen Zinsen gezahlt, sondern es wird mit Blick auf den Geschäftserfolg vergütet und wächst oder schrumpft entsprechend mit. Damit ist es – weil es auch Verluste mitträgt – Risikokapital, für welches, im Gegensatz zu Fremdkapital, fairer Weise eine höhere Vergütung erwartet wird. Eine Rendite im zweistelligen Bereich wird sicher erwartet, wobei viele potentielle Investoren erst bei 15% und mehr richtig wach werden. Die Vergütung kann teilweise durch eine jährliche Ausschüttung erfolgen. Allerdings ist eine Wertsteigerung des Unternehmens – respektive des Eigenkapitals – für Investoren noch viel interessanter, weil sie nach 4, 5, 6 oder mehr Jahren ihre Beteiligung zu einem attraktiven Preis verkaufen und erst dadurch ihren eigentlichen Gewinn machen bzw. Nutzen ziehen. Salopp gesprochen: Investor bringt heute einen Sack Geld und holt in 5 Jahren wieder zwei Sack Geld ab.

 

 

Was gehört zum Eigenkapital?

Es kann in verschiedenen Formen zur Verfügung gestellt werden: aus eigenen Mitteln der Inhaber, als Beteiligung eines privaten Investors (Business Angel), einer Beteiligungsgesellschaft (zum Beispiel Venture Capital Gesellschaft, Private Equity) oder auch großer Unternehmen (Corporate Venture Capital, wie der High-Tech Gründerfonds, gespeist durch mehrere Großunternehmen). Es können auch bestimmte Förderprogramme der KfW oder der Managementbeteiligungsgesellschaften (MBG) sein. Die MBGs sind praktisch „Selbsthilfegruppen“ der Wirtschaft, welche durch Kammern, Banken, Versicherungen und Förderbanken getragen werden und in jedem Bundesland existieren.

Hinzu kommen sogenannte Nachrangdarlehen, die von Gesellschaftern oder Investoren ausgereicht werden wie auch Genussrechtskapital, welche sowohl fixe als auch variable Vergütungsbestandteile aufweisen können. Sie werden unter den Oberbegriff „Mezzanin-Kapital“ subsumiert, da sie kein klassisches Eigenkapital darstellen, jedoch wirtschaftlich bei Banken und Investoren aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften als Eigenkapital anerkannt werden. Der Nachrang bedeutet, dass diese Art von Darlehen im Falle einer Insolvenz erst nach den – vorrangigen – Fremdkapitalpositionen befriedigt, das heißt ganz oder teilweise zurück gezahlt werden. Eine neue Quelle ist das Crowdinvesting, durch welches eine hohe Anzahl von Privatpersonen über eine spezielle Internet-Plattform mit jeweils relativ kleinen Summen Beteiligungskapital bereitstellen kann. Schließlich gibt es noch das Eigenkapital durch die Ausgabe von Aktien an der Börse, welches jedoch meistens für größere Unternehmen in Frage kommt.

 

 

Warum Sie wissen müssen, wieviel Eigenkapital Sie haben

Investoren sind aus dem erwähnten Grunde natürlich besonders an der Entwicklung des Eigenkapitals interessiert, weil sie ja dort mit „drinhängen“. Nicht nur aus diesem Grunde ist die Sicherstellung einer ausreichenden Eigenkapitalquote von mindestens 25%, besser 30% bis 35%, wichtig. Noch bedeutsamer ist, dass es Ausweis einer soliden Unternehmensfinanzierung ist und damit ein beachtenswerter Hinweis auf die Stabilität des gesamten Unternehmens. Dies wiederum ist ein wesentlicher Teil der Beurteilungsgrundlage für Banken und Förderinstitute wie KfW u.s.w. dafür, inwiefern Ihr Projekt mit Fremdkapital in Form von Förderkrediten oder Geschäftsbankdarlehen unterstützt werden kann.

 

 

Aus gelebter Erfahrung noch eine Hinweis auf einen fatalen Trugschluss: Der Inhaber eines jungen Unternehmens, in welchem sich relativ bald nach Geschäftsaufnahme Zahlungsprobleme abzeichneten, tröstete sich mit der Vorstellung, dass ja noch das Eigenkapital da wäre – steht ja in der Bilanz.

 

 

Hierzu muss man sich daran erinnern, dass das Eigenkapital rein technisch und bilanziell gesehen nichts anderes ist, als die abstrakte Entsprechung des damit Finanzierten, das heißt bereits eingekauften Fahrzeuges, Gebäudes, Maschine u.s.w. Das Geld ist also aus der Kasse, nicht mehr am Konto und steht damit nicht mehr für etwaige Zahlungen von fälligen Rechnungen zur Verfügung sondern steckt in den angeschafften Dingen – eben nur in anderer Form.

 

 

Fazit/Nächste Schritte

Eine integrierte Finanzplanung mit Ertrags-, Liquiditäts- und Bilanzplanung ist der beste Weg, um den Umfang des notwendigen und des tatsächlichen Eigenkapitals zu bestimmen, sowie seine Entwicklung über die nächsten drei bis fünf Jahre abzuschätzen. Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, können eine vernünftige Finanzierungsstrategie erarbeitet und dann geeignete Kapitalquellen angegangen werden. Falls Sie weitere Informationen oder auch Unterstützung beim Thema Eigenkapital und Finanzplanung benötigen, dann können Sie mich gerne ansprechen; meine Kontaktdaten finden Sie in meinem Beraterprofil hier im FranchisePORTAL.

 

Expertenstimme Andreas Dittrich

Autor:

Cavendish Management Resources
Finden Sie Ihr passendes Franchise-System mit unserer Komfortsuche!
Angebote suchen
Informieren
Gründen!
Jetzt mein System finden

Glossar