7/17/2019

Kredite nach der Gründungsphase: Diese Hürden müssen Selbstständige nehmen

 

 

Die Zeiten für Existenzgründer sind nicht schlecht. Vor allem im Franchisebereich bekommen viele Selbstständige ihre Chance auf dem globalen Parkett. Wer den Sprung in die Selbständigkeit wagen möchte, muss sich neben einem guten Geschäftskonzept und einem soliden Businessplan natürlich um die Startfinanzierung kümmern. Im Franchising können Unternehmer dabei in der Regel auf die Erfahrung und den guten Namen ihrer Franchisepartner zurückgreifen und starten so aus einer günstigen Position.

Eine stabile Gründerfinanzierung lässt sich über verschiedene Fördermöglichkeiten aufbauen. Viele Banken und private Finanzdienstleister bieten günstige Förderkredite an, um jungen Gründern und Franchisenehmern auf die Beine zu helfen. Ist der Startschuss geglückt, wird es in den meisten Branchen aber nicht leichter. Auch in boomenden Branchen kostet eine Selbstständigkeit Geld, und das auch weit über die Gründungsphase hinaus. Wer sein Business langfristig auf sichere Beine stellen möchte, muss den laufenden Betrieb auch weit jenseits der ursprünglichen Investitionssumme finanzieren können. Sollen größere Projekte angestoßen werden oder ist vielleicht sogar eine Erweiterung der Geschäftstätigkeit oder der Betriebsstätte geplant, sind erneute Investitionen erforderlich, die Franchisenehmer je nach Vertragsart selbst stemmen müssen.

Wo Existenzgründer in der deutschen Bankenwelt vielfach noch offene Türen einrennen, werden die Kreditgeber sehr viel zurückhaltender, wenn es zu einem späteren Zeitpunkt um Kredite für Selbständige geht. Wer kein festes Einkommen vorweisen kann und stattdessen mit schwankenden Bilanzsummen vor dem Kreditberater sitzt, wird nur allzu häufig abschlägig beschieden. Unzählige Kreditanfragen müssen oft gestellt werden, um nach vielen Gesprächen vielleicht den gewünschten Kreditvertrag in der Tasche zu haben. Die Konditionen sind dabei meist deutlich schlechter als in Kreditverträgen, die Banken Antragstellern mit festen Einkommen anbieten. Unter Umständen erheben die Kreditinstitute auch noch Vorkosten, um den Antrag auf einen Kredit für Selbstständige zu prüfen. Läuft es schlecht, wird der Kredit abgelehnt und die Bearbeitungsgebühr ist weg.

Aber warum machen vor allem Banken es Selbstständigen so schwer, ihr gut gehendes Business durch einen Kredit weiter voranzubringen? Selbst Unternehmen, die durchgehend schwarze Zahlen schreiben, kommen nur mit Schwierigkeiten an einen Kredit. Diese Hürden müssen Selbstständige nehmen, wenn sie auch nach der Gründungsphase noch einen Kredit in Anspruch nehmen möchten.

 

 

1. Die Sache mit dem Einkommen

Wer einen Kredit in Anspruch nehmen möchte, muss der Bank ein regelmäßiges Einkommen vorweisen können. Für Angestellte ist das in der Regel kein Problem. Die Bank prüft die Gehaltsabrechnungen in einem relevanten Zeitraum und kann daraufhin meist recht schnell ein Angebot für einen Kreditvertrag unterbreiten.

Bei Selbstständigen ist das mit dem Einkommen so eine Sache. Selbstverständlich generiert ein gut aufgestelltes Unternehmen Einkünfte, die in den meisten Fällen sogar über dem durchschnittlichen Gehalt eines Angestellten liegen. Was für Banken und andere potenzielle Kreditgeber problematisch ist, sind die Schwankungen, die in jeder Selbstständigkeit unvermeidbar sind.

Um sich ausreichend abzusichern, legen Banken ein Mindesteinkommen fest, das erreicht werden muss, um die Voraussetzungen für einen Kredit zu erfüllen. Hierzu informiert der Deutsche Kreditservice:

 

 

  • Die Höhe des Mindesteinkommens beträgt bei manchen Banken 901,00 EUR, wobei das Mindesteinkommen in der Regel über der gesetzlichen Pfändungsgrenze liegen sollte. Beim Antragsteller mit einem geringen Einkommen überprüft die Bank vor Allem die Schufa, in der kein Negativeintrag vorhanden sein sollte und auch keine bestehenden Verbindlichkeiten vermerkt sein sollten.

 

  • Wenn man einen Sofortkredit ohne Schufa beantragen möchte, ist die Einkommensgrenze höher als bei Krediten mit Schufa Auskunft. Hier wäre z.B. der Schweizer Kredit, bei dem das Mindesteinkommen bei 1.100,- EUR liegt und unter diesem Einkommen keinerlei Möglichkeit besteht, über die Schweiz ein Darlehen zu erhalten.

 

 

 

Da Selbstständige, auch in einem Franchise-Verhältnis, in der Regel kein gleichbleibendes monatliches Einkommen vorweisen können, ermitteln Banken bei der Kreditprüfung hier einen Durchschnittswert. Dies kann einige Zeit in Anspruch nehmen und vom Antragsteller verlangen, dass er eine Vielzahl von Unterlagen und Einkommensnachweisen vorlegt. Das ermittelte Durchschnittseinkommen wird, wie bei Angestellten auch, in Relation zur gewünschten Kreditsumme gesetzt, um festzulegen, ob eine regelmäßige Rückführung der Zinsen und der Tilgung gewährleistet ist.

 

 

2. Ohne betriebswirtschaftliche Auswertung kein Kredit

Neben der Prüfung der Einkünfte wird eine Bank vor einer möglichen Kreditvergabe auch eine umfangreichere betriebswirtschaftliche Auswertung einfordern. Mit der BWA soll die finanzielle Gesamtsituation des Unternehmens inklusive aller Kosten und Erlöse transparent gemacht werden.

Für Selbstständige und Franchisenehmer bedeutet das, dass sie ihre aktuellen Zahlen aus der Finanzbuchhaltung offenlegen müssen, gegebenenfalls auch über mehrere Veranlagungszeiträume rückwirkend. Potenzielle Kreditgeber arbeiten lieber mit der betriebswirtschaftlichen Auswertung als mit der jährlichen Bilanz, weil daraus aktuellere Zahlen zu entnehmen sind und deutlich wird, wie es dem Unternehmen ganz aktuell zum Zeitpunkt einer Kreditvergabe wirtschaftlich geht.

Da Unternehmen gesetzliche nicht dazu verpflichtet sind, eine BWA zu erstellen, kann dies einen enormen zusätzlichen Aufwand bedeuten, wenn eine Bank auf die aktuelle Auswertung der Finanzsituation besteht. In diesem Fall muss in der Regel ein Steuerberater beauftragt werden, der die Zahlen ermittelt und zusammenstellt. Dies ist unter Umständen mit hohen Zusatzkosten verbunden.

Eine BWA muss bestimmte Vorgaben erfüllen:

 

  • Sie muss unabhängig von der Rechtsform des Unternehmens gestaltet sein

 

  • Sie muss mit einem System zum Branchenvergleich kompatibel sein, wie beispielsweise DATEV

 

  • Sie muss die aktuellen Zahlen so abbilden, dass sie neutral in jede unternehmerische Größenordnung einzupassen sind

 

  • Sie muss sich ohne großen Aufwand standardisieren lassen

 

  • Sie muss Zahlen des gesamten Rechnungswesens so aufbereiten, dass sie statistisch darstellbar sind.

 

 

3. Die Selbstständigkeit muss seit mehreren Jahren bestehen

Banken arbeiten am liebsten mit Unternehmern zusammen, die bereits Erfahrung gesammelt haben und wirtschaftliche Erfolge vorweisen können. Deshalb werden Kredite an Selbstständige und Franchisenehmer in der Regel nur vergeben, wenn die Selbstständigkeit bereits seit mehreren Jahren (mindestens fünf) besteht und durchgehend erfolgreich gewesen ist.

 

 

4. Zusätzliche Sicherheiten

Auch wenn ein ausreichendes Durchschnittseinkommen erzielt wird und auch die BWA den Anforderungen der Bank genügt, kommt es oft vor, dass eine Kreditvergabe an zusätzliche Sicherheiten geknüpft wird. Oft verlangen Banken die Benennung eines Bürgen, der als Schuldner in den Kreditvertrag mitaufgenommen wird, für den Fall, dass der Selbstständige seiner Zahlungsverpflichtung nicht nachkommen kann.

 

 

Auf ein standardisiertes Prüfungsverfahren dürfen Selbstständige bei der Beantragung eines Kredites üblicherweise nicht hoffen. Die individuelle Prüfung der Kreditwürdigkeit kann viel Zeit in Anspruch nehmen und viel Mitarbeit von Seiten des Antragstellers erfordern. Es ist deshalb empfehlenswert, immer mehrere Kreditanfragen parallel zu starten, um bei einem abschlägigen Bescheid weitere Eisen im Feuer zu haben und nicht ganz von vorne anfangen zu müssen.

 

Bildquelle: pixabay.com © rawpixel

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