3/15/2016

Kapitalbeschaffung für Franchisegründer

Die Frage der Finanzierung gehört zu den wichtigsten Themen, mit denen man sich im Vorfeld einer Gründung beschäftigen muss. Das gilt auch und besonders für Franchisenehmer. Denn auch wer auf ein bewährtes Geschäftsmodell mit etabliertem Markenauftritt und erprobten Geschäftsprozessen setzt, muss zu Beginn große Investitionen tätigen. Neben der Einstiegsgebühr und den laufenden Franchisekosten muss beispielsweise in der Gastronomiebranche mit hohen Gründungskosten gerechnet werden, weil kostenintensive Anschaffungen wie eine professionelle Großküche und die Ladeneinrichtung notwendig sind.


Bild: Ein leidiges Thema für Franchisegründer: Kapitalbeschaffung
Bildquelle: schankz – 243652990 / Shutterstock.com


Sich intensiv mit der Kapitalbeschaffung für seine Franchisegründung auseinanderzusetzten ist schon deshalb wichtig, weil der Kapitalbedarf und seine Aufbringung elementarer Bestandteil des Businessplans sind. Der Plan dient nicht nur dazu, den Franchisegeber davon zu überzeugen, ein geeigneter Lizenznehmer zu sein, sondern auch, um Kapitalgeber zu Investitionen zu bewegen. Schließlich verfügen nur wenige Franchisenehmer über ausreichende Mittel, um die Gründung allein stemmen zu können.


Wurde im Rahmen des Businessplans ein umfassender Finanzplan aufgestellt, der die unmittelbaren Gründungskosten, Betriebsmittel für die ersten Monate, aber auch die laufenden Kosten der privaten Lebensführung berücksichtigt, muss man sich Gedanken darüber machen, woher das Startkapital kommen soll. Grundsätzlich gibt es dafür mit dem Eigenkapital und mit dem Fremdkapital zwei Möglichkeiten, auf die folgend genauer eingegangen werden soll.


Eigenkapital aus eigner Kraft
Je mehr des Kapitalbedarfs ein Gründer aus eigenen Mitteln decken kann, desto besser. Die Beschaffung von Fremdkapital ist nämlich aufwändig und in der Regel mit hohen Kosten verbunden. Genau wie über die von Branche zu Branche stark schwankenden Gründungskosten keine pauschale Aussage getroffen werden kann, so kann auch über die Höhe des Eigenkapitals nicht generell geurteilt werden. Fakt ist allerdings, dass auch der Franchisegeber für gewöhnlich voraussetzt, dass der Franchisenehmer ein bestimmtes Investitionsvolumen mitbringt, selbst wenn er ihn bei der Finanzierung unterstützt, was jedoch eine seltene Ausnahme bleibt.


Auch Fremdkapitalgeber wollen in der Regel sehen, dass ein Gründer einen bestimmten Prozentsatz der Gründungskosten aus eigener Tasche aufbringen kann, so wie beispielsweise auch bei Eigenheimkrediten. Experten empfehlen eine Eigenkapitalquote von mindestens 20 Prozent. Öffentliche Förderinstitutionen wollen meist Belege dafür, dass mindestens 15 Prozent der Gründungkosten selbstständig finanziert werden können.


Eigenkapital verbleibt im Unternehmen
Eigenkapital bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass der Gründer allein ein entsprechendes Vermögen besitzen muss. Man kann es sich auch beschaffen, indem man Dritte ins Boot holt. Schließlich bedeutet Eigenkapital nichts anderes, als dass die Mittel im Unternehmen verbleiben und nicht zurückgezahlt werden müssen. Dafür verlangen Eigenkapitalgeber in der Regel Anteile am Unternehmen.


Je nach Höhe ihrer Anteile fordern Investoren ein Mitspracherecht bei unternehmerischen, insbesondere strategischen Entscheidungen. Man begibt sich also auch in Abhängigkeiten, weshalb Eigenkapitalgeber gewissenhaft geprüft und ausgewählt werden sollten. Hier kommt es eben nicht nur auf die Investitionssumme, sondern auch auf die Chemie zwischen den Geschäftspartnern an. Dennoch sind Eigenkapitalgeber gerade bei Franchisegründungen mit hohen Gründungskosten ein guter Weg, um später auch Fremdkapitalgeber auf seine Seite bringen zu können.


Öffentliche und private Eigenkapitalquellen
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet für Existenzgründer im Haupterwerb bis zu 500.000 Euro ERP-Kapital für Neugründungen, wobei zehn Prozent an eigenen Mitteln vorhanden sein müssen. Die Bundesländer besitzen eigene Beteiligungsgesellschaften, mit denen sie sich zwecks Gründungsförderung an Unternehmen beteiligen.


Alternativ kann man sich auch private Geldgeber suchen, sogenannte Business Angels. In entsprechenden Netzwerken haben sich finanzstarke Privatpersonen organisiert, oft selbst (ehemalige) Unternehmer, die Gründer unterstützen wollen und sich deshalb an ihren Unternehmen beteiligen. Vorteil dieser Miteigentümer: Sie stehen einem oft auch als Ratgeber mit langjähriger unternehmerischer Erfahrung zur Seite. Dass kann aber auch nach hinten losgehen, wenn sich Business Angels zu sehr einmischen wollen.


Nicht zuletzt kann man natürlich auch Eigenkapitalgeber aus dem rein privaten Umfeld an der Unternehmensgründung beteiligen. Auf diese Weise erhalten sie für ihre Unterstützung einen Gegenwert.


Mit Ausnahme vielleicht der letztgenannten Gruppe versprechen sich alle Investoren natürlich auch finanzielle Vorteile von ihrem Einsatz. Im Verhältnis zur Beteiligung erwarten sie eine entsprechende Gewinnbeteiligung, die sich langfristig zu einem größeren Betrag summiert, als sie eingebracht haben. Eigenkapitalgeber sind in der Regel risikofreudiger als Fremdkapitalgeber.


Fremdkapital oft unumgänglich
Nicht immer hat man das Glück, selbst genügend Kapital aufbringen zu können oder spendable Gönner zu finden. Oft reicht das Startkapital auch beim Einstieg von Eigenkapitalgebern nicht aus. In diesem Fall muss Fremdkapital her. Der klassische Kredit ist der bekannteste und nach wie vor beliebteste Weg, um Finanzmittel für eine Neugründung zu beschaffen. Banken tun sich allerdings recht schwer bei der Zuteilung von Krediten an Selbstständige, insbesondere an Gründer. Sie verleihen ihr Geld lieber an etablierte mittelständische und große Unternehmen.

 

Kreditvergabe

 

Bild: Durchschnittlich fallen circa 70.000 Kredite pro Quartal aus. Für die Banken ist die Prüfung der Bonität des Kreditnehmers daher unabdingbar.
Bildquelle: kreditrechner.com


Wer als Gründer einen Kredit aufnehmen will, muss nicht nur einen überzeugenden Businessplan vorweisen, sondern auch Sicherheiten mitbringen. Der Kreditzins orientiert sich am Ausfallrisiko, also an der Bonität des Kreditnehmers. Wie es um die eigene Kreditwürdigkeit bestellt ist, können Franchisegründer mittels eines Kreditrechners herausfinden. So kann im Vorfeld abgeschätzt werden, wie hoch der Darlehnszinssatz in etwa sein wird.


Deutlich besser als bei der Hausbank stehen die Chancen bei Förderbanken wie der KfW. Ziel der weltgrößten nationalen Förderbank und der drittgrößten Bank Deutschlands ist es unter anderem, unternehmerische Selbstständigkeit zu fördern. Deshalb vergibt sie Gründerkredite zu sehr günstigen Konditionen und ohne die zum Teil hohen Hürden der Privatbanken. Neben der bundesweit tätigen KfW hat in Deutschland jedes Bundesland seine eigene Förderinstitution.


Bürgschaftsbanken als Rückendeckung
Banken als Fremdkapitalgeber verlangen natürlich Sicherheiten, um bei einer etwaigen Rückzahlungsunfähigkeit des Schuldners nicht mit leeren Händen dazustehen. Damit auch junge und mittellose Gründer diese Hürde meistern können, gibt es Bürgschaftsbanken. Wie bei den Förderbanken hat jedes Bundesland in Deutschland seine rechtlich eigenständige Bürgschaftsbank. Eine klassische Ausfallbürgschaft der Bürgschaftsbank NRW beispielsweise sichert 80 Prozent der Kreditsumme ab.


Sowohl die Beantragung von Förderkrediten als auch von Förderbürgschaften erfolgt in der Regel über die eigene Hausbank. Für Bürgschaften gilt dies sogar, wenn noch keine Kreditzusage vorliegt. Mit einer sogenannten Bürgschaft ohne Bank kann man sich darauf ein geeignetes Kreditinstitut suchen.


Neben Geld von offiziellen Stellen kann man sich Fremdkapital natürlich auch bei Familie und Freunden sowie (zukünftigen) Geschäftspartnern beschaffen. Ein Darlehnsvertrag ist auch ohne Notar schnell aufgesetzt. Ob Zinsen fällig werden, muss in diesem Fall aber individuell ausgehandelt werden.

 

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