12/19/2018

„Geknebelt und gebunden“ – oder die Freiheit eines Franchise-Partners

 

 

Wer Franchise-Partner in einem Franchise-System wird geht vertraglich ein sogenanntes Dauerschuldverhältnis mit dem Franchise-Geber ein. Manche bezeichnen Franchise-Verträge unter der Hand auch schon mal als „Knebelungsverträge“.

Franchising bedeutet „partnership for profit“. Der Franchise-Geber hat ein Geschäftsmodell erfolgreich erprobt und bietet sein systemspezifisches Know-how zum Erfolg potenziellen Franchise-Partner an. Die Basis der Zusammenarbeit ist die unternehmerische Selbstständigkeit von beiden. Das Know-how des Franchise-Gebers umfasst konkretes Anwendungswissen, Prozessbeschreibungen und Systemvorgaben zur Umsetzung durch den Franchise-Partner. Die Arbeitsteilung im Franchising erscheint klar: Der Franchise-Geber entwickelt – der Franchise-Partner setzt um. Der Franchise-Geber hat einen machtvollen Wissensvorsprung; die Unwissenheit des Franchise-Partners kann als Machtlosigkeit erlebt werden. Durch den Vertrag geknebelt und an die Systemvorgaben gebunden – wie viel Freiheit bleibt da einem Franchise-Partner wirklich?!

 

 

Wie frei ist ein Franchise-Partner in seiner Selbstständigkeit?

Dauerschuldverhältnis 

In der Beratung sage ich oft „Wörter schaffen Wahrheit“. Das heißt nicht im Umkehrschluss, dass wir uns alles schön - oder mies - reden können. Gleichzeitig sollten wir uns der Macht der Sprache bewusst sein und sie für den gemeinsame Erfolg einsetzen. Zum Beispiel bedeutet das Wort „Dauerschuldverhältnis“ keine einseitige Abhängigkeit des Franchise-Partners vom Franchise-Geber. Im Gegenteil ist damit die wechselseitige Abhängigkeit der beiden Vertragsparteien von einander gemeint; Franchise-Geber und Franchise-Partner haben sowohl Rechte wie auch Pflichten in der Partnerschaft.

 

Knebelung

Was der eine als Knebelung des Franchise-Partners bezeichnet, nenne ich „Leitplanken zum Erfolg“: Wer Franchise-Partner wird hat mit gutem Recht die Erwartungshaltung auf ein erprobtes und erfolgreiches Konzept zu setzen und damit selbst erfolgreich werden zu können. Das dafür notwendige, systemspezifische Know-how und die Instrumente zum täglichen Einsatz liefert der Franchise-Geber – umsetzen muss der Franchise-Partner.

Dabei werden das Know-how und die Systemvorgaben zu den „Leitplanken zum Erfolg“ und der Franchise-Partner hat die Sicherheit, wenn er diese Vorgaben umsetzt, dass er sein Erfolgspotenzial ausschöpfen kann. Franchising funktioniert wie ein Marathon-Lauf: Der Franchise-Geber trainiert den Franchise-Partner, gibt ihm eine professionelle Ausrüstung und das Wissen zum Erfolg – laufen, kämpfen und siegen muss der Franchise-Partner selbst. Und die Erfolgsquoten sind im Franchising weit höher, als beim Marathon!

 

 

Das kann ein Franchise-Geber vorschreiben – und das nicht

Macht und Machtlosigkeit

Wer das Wissen hat, der hat die Macht. Der Franchise-Geber stellt das erprobte System-Wissen dem Franchise-Partner zur Verfügung. Auf der Metaebene teilt der Franchise-Geber seine (All-)Macht mit seinen Franchise-Partnern und bevollmächtigt (!) sie zur erfolgreichen Umsetzung des Konzeptes. Gleichzeitig hat der Franchise-Partner das Wissen (und die Macht) über die Bedürfnisse, Trends und Entwicklungen in seinem regionalen Markt. Und auch der Franchise-Partner teilt sein machtvolles Wissen in Form von Feedback mit dem Franchise-Geber, um das Franchise-System weiterzuentwickeln. Im Franchising ist der Franchise-Geber nicht machtvoll und der Franchise-Partner nicht machtlos, sondern beide teilen ihr Wissen und damit die Macht wechselseitig, gemäß dem Prinzip der Partizipation.

 

Arbeitsteilung

Auch das Prinzip der Arbeitsteilung im Franchising ist nicht (nur) das, was es im ersten Blick scheint. Arbeitsteilung bedeutet nicht „der eine schafft an und der andere setzt um“, sondern die Spezialisierung auf die eigenen Fähigkeiten. Im Franchising greift das Fließbandprinzip: Jeder erfüllt die Aufgaben, die er in seiner Funktion optimal erfüllen kann. So werden Synergiemöglichkeiten und Wettbewerbsvorteile geschaffen.

Konkret bedeutet das, der Franchise-Geber sorgt durch Unterstützungsleistungen dafür, dass sich der Franchise-Partner auf seine Kernkompentenz konzentrieren kann, nämlich auf den Vertrieb vor Ort in seinem Gebiet, die lokale Vernetzung und die Führung seiner Mitarbeiter. Arbeitsteilung bedeutet immer auch Spezialisierung und Spezialisten gewinnen vor den Universalisten.

 

Leitplanken zum Erfolg

Der Franchise-Geber hat das Recht und die Pflicht dem Franchise-Partner Vorgaben zur Umsetzung seines Franchise-Konzeptes an die Hand zu geben, um die Erfolgschancen des Franchise-Partners zu unterstützen. Diese Vorgaben sind in der Know-how-Dokumentation als verpflichtende Richtlinien formuliert, die dem Franchise-Partner als Leitplanken und Orientierung auf seinem Weg zum unternehmerischen Erfolg dienen sollen.

 

 

Fazit

Sie kennen das: Ist Ihr Wasserglas halb leer, oder halb voll? Vielleicht eine Binsenweisheit, gleichzeitig eine machtvolle Grundeinstellung: Sehe ich im Leben die Vorteile, oder die Nachteile? In meiner langjährigen Arbeit als Franchise-Beraterin treiben mich die Vorteile des Franchising täglich dazu an für meine Franchise-Geber-Kunden und ihre Franchise-Partner ganzheitliche, nachhaltige Erfolgskonzepte zu entwickeln und zu begleiten.

Die mögliche Knebelung eines Franchise-Partners ist in Wahrheit die Einbettung in ein erprobtes Geschäftsmodell und in ein starkes Netzwerk. Ray Kroc, der Begründer von McDonald’s hat es so formuliert:

 

 

None of us is as good as all of us.

 

 

Wer wie ich Franchising lebt und liebt ist davon überzeugt, dass Gemeinsamkeit eine machtvolle Stärke am Markt erzeugt und alle Beteiligten eines Franchise-Systems erfolgreicher macht, als den Einzelkämpfer.

 

Expertenstimme von Waltraud Martius

Autor:

SYNCON International Franchise Consultants
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