1/2/2019

Finanzplanung für angehende Franchise-Nehmer: Liquidität, Ertrag, Bilanz

 

„Wieso planen wir eigentlich über Jahre hinweg Umsatz, Investitionen und Kosten, wenn im Markt dann sowieso alles ganz anders kommt“? Gegenfrage: „Warum planen Sie im Zuge eines Hauskaufs und seiner Finanzierung Ihre voraussichtlichen Einnahmen und Ausgaben, um festzustellen, ob Sie über Jahre hinweg das Darlehen bedienen können – wenn dann im Leben sowieso alles ganz anders kommt?“ Antwort: „Damit Sie nicht irgendwann mit einiger Wahrscheinlichkeit eine Bruchlandung erleiden und das Unternehmen zu machen oder das Haus wieder verkaufen müssen.“

Unternehmensführung: Die Finanzplanung für Ihr Unternehmen dient nicht nur als Zielvorgabe und Orientierung, quasi als Kompass, auf dem Weg zum Ziel. Sie zeigt, sofern realistisch und fundiert geplant, ebenfalls Höhen und Tiefen, gute und kritische Stellen im Laufe der Entwicklung Ihres Unternehmens, macht Sie frühzeitig auf Fehlentwicklungen aufmerksam und hält Sie zu Korrekturmaßnahmen an. Konkret zeigt Sie Ihnen zum Beispiel die Entwicklung des Geschäftserfolges (Ertrag/Gewinn), die Entwicklung der Liquidität (Über- oder Unterdeckung) und die Entwicklung der Vermögens- und Kapitalstruktur (lang- und kurzfristige Anteile) in der Planbilanz.

Finanzierung: „Wer eine Finanzierung braucht, braucht auch einen Businessplan“. So der Kundenberater einer Bank. Mit dem Businessplan – und darin der Finanzplanung – müssen Sie den Bankberater davon überzeugen, dass es eine gute Idee ist, Ihr Vorhaben mit Geld zu unterstützen. Besonders mit der Finanzplanung können Sie die Bank oder den Investor an Ihrem Blick in die Zukunft teilhaben lassen. Dadurch sehen diese selbst, wo es hingehen soll und inwiefern dies attraktiv ist. Erst wenn fundierte Zahlen den Geschäftsverlauf und seinen Erfolg quantitativ erfassen und die Finanziers von der seriösen Planung überzeugt sind, erst dann öffnet sich das Tor zum Geld, welches Sie brauchen, um Ihr Geschäft „zum Fliegen“ zu bringen.

Im Prinzip wird von unten nach oben geplant. Erst werden die Einzelpläne für Absatz, Material, Personal usw. erstellt, am besten von den jeweiligen Spezialisten oder Verantwortlichen im Unternehmen. In einem zweiten Schritt werden diese dann auf Plausibilität der zugrundeliegenden Annahmen, am besten von jemand anderem, geprüft („cross-check“) und einem dritten Schritt in zusammenhängende Planungsübersichten für Ertrag/Rentabilität, Liquidität sowie Vermögen und Kapital zusammengefügt.

 

 

Liquiditätsplan für Gründer

Sie ermittelt nicht nur den Kapitalbedarf, sondern im Laufe des Geschäftsbetriebes können Überschüsse und Lücken in Verbindung mit einem Soll-Ist-Vergleich frühzeitig erkannt und bereinigt werden. Diese Planung stellt alle Einzahlungen und Auszahlungen, also die geplanten Zu- und Abflüsse Ihrer flüssigen Mittel, gegenüber. Damit fallen Ihnen Lücken in der Geldversorgung schnell auf und Sie können frühzeitig entsprechend reagieren. Abschreibungen haben in der Liquiditätsplanung nichts zu suchen. Diese werden buchmäßig erfasst, führen jedoch nicht zum Abgang liquider Mittel, da die Auszahlung für abzuschreibende Vermögensgegenstände, also Investitionen, schon früher bei deren Erwerb oder Herstellung passiert ist. Um Zinsen und neutrale Aufwendungen und Erträge noch ergänzt, kommen Sie zum „betrieblichen Finanzsaldo“. Dieser Saldo ist ein Maß für die Fähigkeit Ihres Unternehmens, aus dem Umsatzprozess, d.h. aus dem normalen Geschäftsbetrieb, flüssige Mittel zu generieren. Die generierten Mittel werden nämlich nun für weitere Positionen gebraucht, welche zweckmäßigerweise im „Finanzierungs- und Investitionssaldo“ zusammengefasst werden. Es handelt sich dabei unter anderem um die Aufnahme und Tilgung von Darlehen, um Investitionen sowie um Kapitaleinlagen oder Entnahmen von Eigentümern.

Beide skizzierten Salden zusammen zeigen dann in der jeweiligen betrachteten Periode eine Überdeckung (gut) oder Unterdeckung, welche Ihren Kapitalbedarf angibt. In diesem Zusammenhang unterstreiche ich nochmals, dass der Kapitalbedarf aus der Differenz aus allen liquiden Zu- und Abflüssen resultiert. Eine Aufsummierung aller geplanten Anschaffungen macht zwar in der Regel den weitaus überwiegenden Teil aus, entspricht jedoch höchstens rein zufällig Ihrem tatsächlichen Kapitalbedarf.

 

 

So berechnet man den Ertrag

Diese Planung stellt Einnahmen und Ausgaben gegenüber. Umsatzerlöse, andere Einnahmen sowie etwaige Bestandsänderungen werden aufsummiert und stehen ganz oben auf der Übersicht. Nun werden die Materialkosten – das verbrauchte, nicht das eingekaufte Material – davon abgezogen und Sie erhalten den sogenannten Rohertrag. Davon ziehen Sie die operativen Ausgaben wie Personalkosten, Gemeinkosten und Abschreibungen ab und gelangen jetzt zum Betriebsergebnis, oft auch EBIT (Earnings before interest and tax) genannt. Diese Ergebnisstufe hebt also nur auf die eigentlichen Aktivitäten ab, für welche das Unternehmen ins Leben gerufen wurde, und zeigt den Geschäftserfolg unabhängig von der Finanzierung. Auch der sog. Break-Even-Point, wo die Umsätze zum ersten Mal die Kosten übersteigen und der Betrieb profitabel wird, könne Sie daraus entnehmen. Vom Betriebsergebnis werden dann Zinsen für Kredite, Gewerbe- und Einkommensteuer abgezogen sowie noch neutrale Aufwendungen und Erträge, die nichts mit Ihrem eigentlichen Geschäft zu tun haben, berücksichtigt. So gelangen Sie schließlich zum Jahresüberschuss (oder auch Jahresfehlbetrag) bzw. zum Gewinn nach Steuern.

 

 

Bilanz erstellen – so geht‘s

Die Planbilanz zeigt Ihnen sowohl Ihre Vermögens- als auch Ihre Kapitalstruktur nach Fristigkeiten. Anlagevermögen, was mehrere Jahre im Betrieb genutzt wird, sollte auch mit Mitteln finanziert werden, die ungefähr gleich lang dem Unternehmen zur Verfügung stehen. Dabei handelt es sich vornehmlich um Eigenkapital und langfristige Darlehen. Dies bedeutet, dass dann auch umgekehrt alle kurzfristigen Verbindlichkeiten auch durch Umlaufvermögen, insbesondere durch Forderungen und liquide Mittel wie Kassen- und Kontobestände, gedeckt werden sollten. Damit wäre als „Momentaufnahme“ das Unternehmen im Prinzip finanziell stabil – allerdings sagt das nichts darüber aus, inwiefern schon morgen die Bezahlung hoher Rechnungsbeträge oder Raten ansteht während Eingänge aus Umsatzerlösen noch auf sich warten lassen. Kurz: das äußerst kritische Thema der Zahlungsfähigkeit muss permanent – am besten wöchentlich – mit Hilfe der Liquiditätsplanung und -kontrolle überwacht werden.

Bei der Erstellung der Pläne für Liquidität, Erfolg und Bilanz benutzt man am besten Planungstools. Schon für 400 bis 500 Euro sind heute gute Programme, die auch für Kontrollzwecke eingesetzt werden können, auf dem Markt.

 

 

Fazit – Tipps für den nächsten Schritt

1.  Begonnen wird mit den Rohdaten: Umsatz, Material, Produktion (Kapazitätsplanung), Personal, Anlagevermögen/Investitionen und deren Abschreibungen, Gemeinkosten und Finanzierungskosten. Für alle Positionen sollten realistische sowie nachprüfbare/nachvollziehbare Annahmen und Herleitungen getroffen werden. Diese sind in einem gesonderten Blatt zu dokumentieren. Es wird über die nächsten zwölf Monate und über die folgenden vier Jahre geplant.

2.  Der Umsatz ist besonders sorgfältig zu planen, denn er treibt den Geschäftserfolg und triggert darüber hinaus auch zum größten Teil die Kosten, welche sozusagen das Benzin für den Umsatz darstellen.

3.  Dann werden die relevanten Größen in getrennte Ertragsplanung, Liquidtätsplanung (hier nur Kosten einbeziehen, die auch zu Ausgaben führen; also zum Beispiel keine Abschreibungen) und Bilanzplanung eingesetzt und die Ergebnisse und Auswertungen erstellt. Hinsichtlich der Liquiditätsplanung ist dabei auch der ermittelte Kapitalbedarf und seine Verwendung zu erörtern.

4.  Schließlich werden die Planungsergebnisse geprüft, insbesondere auf Stimmigkeit und Plausibilität beurteilt. Zur Präsentation für Finanziers sollten dann für entscheidende Größen wie Umsatz, Investitionen, Betriebsergebnis, Liquidität und Eigenkapitalentwicklung Schaubilder ergänzt werden.

Falls Sie weitere Informationen oder auch Unterstützung beim Thema Finanzplanung benötigen, dann können Sie mich gerne ansprechen.

 

 

Expertenstimme von Andreas Dittrich

Autor:

Cavendish Management Resources
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