Die 10 Fairness-Regeln im Franchising

Die 10 Fairness-Regeln im Franchising beziehen sich auf einen fairen Umgang aller Franchise-Beteiligten: Franchise-Geber, Franchise-Nehmer, Franchise-Interessenten. Zu diesem Zweck haben wir die aus unserer Sicht wichtigsten Franchise-Compliance-Regeln zusammengestellt. Als Compliance (aus dem Englischen „to comply“ = Regeln einhalten bzw. befolgen) wird die Gesamtheit aller zumutbaren Maßnahmen verstanden, die für ein regelkonformes Verhalten eines Unternehmens und seiner Beteiligten erforderlich sind.

Die Einhaltung dieser Franchise-Compliance soll dazu führen, dass das Prinzip einer gelebten, vertrauensvollen Partnerschaft im Franchising zwischen den jeweiligen Beteiligten in transparenter Form dargestellt wird und aufrecht erhalten bleibt. Sie betreffen folgende Themenbereiche:

  1. Vorvertragliche Aufklärung
  2. Unterstützung in der Startphase
  3. Wissenstransfer und Kommunikationskultur
  4. Betreuung im Tagesgeschäft
  5. Partnerschaftliches Verhalten
  6. Effektives Konfliktmanagement
  7. Ausgewogene Vertragsregelungen
  8. Angemessene Gebühren
  9. Kontinuierliche Systementwicklung
  10. Maßnahmen zur Absicherung

 

Vorvertragliche Aufklärung im Franchise

Fragestellung:
Hat der Franchise-Geber das Dokument zur vorvertraglichen Aufklärung frühzeitig übergeben?

Empfohlene Franchise-Compliance:
Der Franchise-Geber stellt den Franchise-Interessenten im Rahmen der vorvertraglichen Aufklärung in einem frühen Stadium wahrheitsgetreue und aussagekräftige Informationen über die wesentlichen Merkmale des Franchise-Systems zur Verfügung.

Schlüsselworte:
Relevante Unterlagen zu Rentabilitätsberechnung, Betriebsvergleichen, internem Wettbewerb, in deutscher Sprache, Erfolgsaussichten des Franchise-Systems, Angaben über den erforderlichen Arbeits- und Kapitaleinsatz in der Anlaufphase bis zum Break-Even, Zahlenangaben über vergleichbare Franchise-Betriebe des Systems, Einblick in Betriebskennzahlen, Kontaktdaten aktiver Franchisenehmer, Aufklärung über persönliche Anforderungen an Franchisenehmer, etc.

 

Unterstützung in der Startphase

Fragestellung:
Sorgt der Franchise-Geber für eine intensive Unterstützung seiner neuen Franchise-Partner in der Startphase?

Empfohlene Franchise-Compliance:
Der Franchise-Geber stellt in der Startphase durch vorbereitende Maßnahmen und Schulungen sicher, dass die Franchise-Nehmer die mit dem Franchise-Geber abgestimmten Marketing- und Vertriebsaktivitäten verstehen und erfolgreich umsetzen können.

Schlüsselworte:
Standort- und Gebietsbewertung, Eröffnungsplanung, persönliche Betreuung durch FG, Grundschulung, Unterstützung bei Mitarbeitersuche und Betriebseröffnung, Schulungen, laufende Beratungen und Systemleistungen, einheitliche Werbeaktionen, Marktanalysen, PR (Public Relation) etc.

 

Wissenstransfer und Kommunikationskultur

Fragestellung:
Bietet das Franchise-System einen effektiven Wissenstransfer und eine offene Kommunikationskultur?

Empfohlene Franchise-Compliance:
Der Franchise-Geber sorgt durch die effektive Vermittlung von Know-How dafür, dass den Franchise-Nehmern alle für die Umsetzung des Franchise-Konzeptes erforderlichen Informationen vollständig, zeitnah und verständlich zur Verfügung stehen.

Schlüsselworte:
Aktuelle Betriebshandbücher, Wissensdatenbanken, fortlaufende, anwendungsorientierte Schulungs- und Trainingsmaßnahmen, interaktive Intranet- / Extranet-Lösungen, Zufriedenheitsanalysen, Online-Bewertungen, ausgefeilte Hilfsmittel wie Muster, Vorlagen, Checklisten, Formulare, Ablaufdiagramme etc.

 

Betreuung im Tagesgeschäft

Fragestellung:
Betreut die Systemzentrale den Franchise-Nehmer kontinuierlich in allen Aspekten des Tagesgeschäfts?

Empfohlene Franchise-Compliance:
Der Franchise-Geber sorgt durch kontinuierliche Betreuung im Tagesgeschäft dafür, dass die Franchise-Nehmer in vollem Umfang von den Unterstützungsleistungen der Systemzentrale profitieren können.

Schlüsselworte:
Auswahl der Lieferanten, Ausgereifte Marketing- und Vertriebskonzepte, Bereitstellung von Werbemustern bzw. -mitteln für lokale Werbekampagnen, Organisation eines Werbe- bzw. Marketingpools der Franchise-Nehmer, Einkaufsgemeinschaft, Großkundenakquisition, Feedback bei Qualitätskontrollen / Controlling-Maßnahmen / Betriebsvergleichen, Pressearbeit, Besuche des Partner-Managers, Service-Orientierung der Systemzentrale, etc.

 

Partnerschaftliches Verhalten

Fragestellung:
Zeichnet sich das Franchise-System durch ein partnerschaftliches Verhalten aller Systembeteiligten aus?

Empfohlene Franchise-Compliance:
Der Franchise-Geber achtet darauf, dass die System-Zentrale und die Franchise-Nehmer im partnerschaftlichen Miteinander das Win-Win-Prinzip zum Wohle des Franchise-Systems und der Franchise-Nehmer-Betriebe umsetzen.

Schlüsselworte:
Wertschätzung und Anerkennung, emotionale Heimat, keine bloße Zweckgemeinschaft, kooperativer Führungsstil, Zuverlässigkeit, Win-Win-Situation, soziale Kompetenz, offener Erfahrungsaustausch, keine Konkurrenz unter Franchisenehmern und durch Franchisegeber, Teamfähigkeit, Zusammenarbeit auf Augenhöhe, kein Wachstum auf Kosten der Betreuungsqualität, Jahrestagungen mit Freiraum, Mitsprache und Mitwirkung über Ausschüsse und Beiräte, Identifikation mit Marke, etc.

 

Effektives Konfliktmanagement

Fragestellung:
Werden Konflikte in dem Franchise-System kompetent und effektiv gelöst?

Empfohlene Franchise-Compliance:
Innerhalb des Franchise-Systems sorgen Franchise-Geber und Franchise-Nehmer dafür, dass durch beiderseitige Transparenz Auseinandersetzungen vermieden werden und bei auftretenden Meinungsverschiedenheiten das Bemühen um eine faire Einigung im Vordergrund steht.

Schlüsselworte:
Kompetenz für Konfliktlösungen, Bemühung um gütliche Einigung, externe Moderation und Mediation, Bedürfnisse der Partner berücksichtigen, Maßnahmen zur Konfliktvermeidung wie Transparenz von Kostenstrukturen / Rabatten / Bonifikationen / Werbekostenzuschüssen, Regelung der Verteilung von Kick-backs, Überwachung von Regelverstößen und Sanktionen, Vermeidung fauler Kompromisse, keine ungeklärten Konflikte, Unterstützung beim Ausstieg des FN, etc.

 

Ausgewogene Vertragsregelungen

Fragestellung:
Benachteiligen die Regelungen des Franchise-Vertrags einseitig den Franchise-Nehmer?

Empfohlene Franchise-Compliance:
Die vom Franchise-Geber zur Unterschrift vorgelegten Franchise-Verträge sind in deutscher Sprache sowie nach deutschem Recht verfasst und enthalten keine Vertragsregelungen, welche die Franchise-Nehmer unangemessen benachteiligen.

Schlüsselworte:
keine Verträge nach deutschem Recht und deutscher Gerichtsbarkeit Vertrag in deutscher Sprache, unangemessene Änderungsvorbehalte, Vertragsgebiete mit Gebietsschutz, ausgewogene Haftungsregelungen, Nachvertragliche Wettbewerbsverbote ohne angemessenen finanziellen Ausgleich, unüberschaubare Zahlungsverpflichtungen, keine überhöhte Abnahmeverpflichtungen, keine übertriebene Eingriffs- und Kontrollbefugnisse, angemessene Vertragsdauer, Kopplung von Franchise- und Mietverträgen ohne Mieteintrittsoption, angemessener finanzieller Ausgleich bei Unternehmensverkauf, Festlegung finanzieller und sonstiger sachlicher Gründe für Auswahl des Unternehmensnachfolgers, etc.

 

Angemessene Franchise-Gebühren

Fragestellung:
Entsprechen die zu zahlenden Franchise-Gebühren den Leistungen der Systemzentrale?

Empfohlene Franchise-Compliance:
Die Leistungen, welche die Systemzentrale für die zu entrichtenden Franchise-Gebühren erbringt, wurden vom Franchise-Geber schlüssig dargestellt und sind für die Franchise-Nehmer nachvollziehbar.

Schlüsselworte:
Vorleistungen des Franchise-Gebers, Entwicklung des Geschäftstyps, Image und Bekanntheitsgrad, Standortanalysen, Betriebsaufbau, Grundschulung, Unterstützung bei der Markteinführung Transparenz der Gebühren, Erprobung in mehrjähriger Pilotphase, ausgereifter und profitabler Betriebstyp, Sammlung und Aufbereitung von Know-how, umfassendes, professionelles Leistungspaket, Beschaffungs-, Absatz- & Organisationskonzept, Investition in den Ausbau, gesicherte Schutz- und Nutzungsrechte, Einbeziehung erfahrener Berater, transparenter Rekrutierungsaufwand, transparente Darstellung von Gebühren auf Investitionsgüter und Wareneinsatz, transparente Regelung für Preissteigerungen bei Warenbezug, Kostendeckelung bei Pflicht-Schulungen, etc.

 

Kontinuierliche Systementwicklung

Fragestellung:
Wird das Franchise-System von dem Franchise-Geber kontinuierlich weiterentwickelt?

Empfohlene Franchise-Compliance:
Der Franchise-Geber stellt eine fortwährende Weiterentwicklung des Franchise-Konzeptes sicher und sorgt dafür, dass die Franchise-Nehmer darüber zeitnah und ausreichend informiert werden.

Schlüsselworte:
Markt- und Wettbewerbsbeobachtung, Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen, Fortentwicklung bestehender Schutzrechte, Innovationsfreudigkeit des Franchisegebers, Optimierung der Geschäftsprozesse, Controlling und Benchmarking, Informations- und Logistiksystem, Synergie-Effekte des Netzwerkes, Geschäftsidee- und Markenentwicklung, Entwicklung von Qualitäts-Standards, Entwicklung von Strategien, , ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen zur Systementwicklung, Integration zusätzlicher Franchise-Nehmer und Standorte, kurze Entscheidungswege, Berücksichtigung von Franchisenehmer-Ideen und von Verbesserungsvorschlägen, etc.

 

Maßnahmen zur Absicherung

Fragestellung:
Bemüht sich der Franchise-Geber um die Absicherung meiner Zukunft als ehemaliger Franchise-Nehmer des Systems?

Empfohlene Franchise-Compliance:
Der Franchise-Geber hat im Franchise-Vertrag für Regelungen gesorgt, welche die beiderseitigen Interessen nach Beendigung des Franchise-Vertrages angemessen berücksichtigen.

Schlüsselworte:
Ausschluss von Interessenskonflikten bei Wahl der Unternehmensform, Festigung der geschäftliche Bindungen auf persönlicher Ebene, Vorsorge für Notfälle, Betriebsübergabe als Altersvorsorge, geregelte Unternehmensnachfolge und Betriebsübergabe, keine willkürliche Ablehnung des Nachfolgers, Kompensation bei Unternehmensaufgabe nach Handelsvertreterrecht, Schiedsgutachten bei unterschiedlichen Preisvorstellungen, Regelung für den Todesfall des FN, transparente Modalitäten des Weiterverkaufs, Angemessenheit des Verkaufspreises bei Vorkaufsrecht des Franchise-Gebers, Unterstützung bei Nachfolgersuche, Einarbeitung des Nachfolgers, etc.

 

Autor:

Ulrich Kessler
Ulrich Kessler
FranchisePORTAL GmbH 2018
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