7/11/2013

Beteiligungskapital als Finanzierungsmultiplikator: Stille Beteiligungen für kleine und mittlere Unternehmen (Franco Ottavio Mathias, HCM Handwerk Capital Management Ltd. & Co. KG)

Die neue Richtlinie zur Bankenaufsicht (Basel III) ist seit langer Zeit nicht nur in Fach- und Bankenkreisen ein wichtiges Gesprächsthema, sondern auch bei vielen mittelständischen Unternehmern bekannt. Ein wesentlicher Kernbestandteil ist, dass Banken eine stärker risikoorientierte Eigenkapitalunterlegung für Kredite vorgeben, als dies noch bei Basel II gefordert wurde. Dies erfordert nun eine verstärkte Bonitätsbetrachtung der Kreditnehmer und zunehmend wird Wert auf die Risikobegrenzung gelegt. Ziel ist eine risikoorientierte Kreditpreisbildung. Kreditnehmer mit einem höheren Ausfallrisiko sollen demnach einen höheren Zins bezahlen als Kreditnehmer mit geringerem Ausfallrisiko.


Auf diese veränderten Finanzierungsbedingungen müssen sich Unternehmen einstellen. Dabei ist nun die Suche nach Alternativen schwieriger als in den Jahren zuvor. Viele Unternehmer und damit auch Franchisepartner suchen nach Alternativen zur traditionellen Bankenfinanzierung oder zumindest nach einer Ergänzung.


Alternative Finanzierungsansätze wie die Finanzierung über typisch stille Beteiligungen sind ein möglicher Ansatz diese Finanzierungslücke zu schließen bzw. zu ergänzen. Die Ausgestaltung und Umsetzung dieser Form der Beteiligung obliegt dabei den Vertragsparteien (Vertragsfreiheit), wobei neben ergänzenden Regelungen gemäß §§ 230-236 HGB die zweckgebundene Verwendung sowie eine Gewinnbeteiligung zwingend erforderlich sind. Die weitere Form einer stillen Gesellschaft ist die atypisch stille Beteiligung, bei der im Gegensatz zur typischen Gesellschaft u.a. auch eine Vermögensbeteiligung sowie erweiterte Vermögens- und Kontrollrechte vereinbart werden können. Ein Einfluss in die operativen Entscheidungen ist damit jedoch nicht verbunden. Damit unterscheiden sich diese Formen der Beteiligung von echten Gesellschaftsbeteiligungen.


Für Franchisevorhaben können sich hieraus sowohl Vorteile für den Franchisegeber als auch den Franchisenehmer ergeben. Der Franchisegeber könnte bspw. bei der Finalisierung seines Konzeptes und dessen Ausrichtung partizipieren. Wohingegen der Franchisenehmer die notwendigen Vorrausetzungen und Bedingungen für die erfolgreiche Umsetzung des Franchisekonzeptes ermöglichen könnte. Die Bedeutung einer breit aufgestellten Finanzierung mit Eigenmitteln, eigenkapitalähnlichen Mitteln, Fördermitteln und Fremdkapital ist für eine nachhaltige und kostenoptimierte Unternehmensfinanzierung jedoch nicht zu vernachlässigen und bedingt somit vielfach den Erfolg eines Unternehmens- bzw. Franchisekonzeptes. Das finanzielle Engagement stiller Gesellschafter ist hierbei immer nur als Baustein eines Gesamtansatzes zu verstehen.


Das Gesamtkonzept dieser Multikomponentenfinanzierung besteht dabei sowohl aus Eigenmitteln der bestehenden Gesellschafter bzw. Franchisepartner (neu einzubringende Finanzmittel oder thesaurierte Gewinne) als auch aus stillen Beteiligungen von ein oder mehreren Investoren, als auch von Kreditmitteln von Banken. Zusätzlich können noch weitere Beteiligungen oder Förderungen von öffentlichen Institutionen (Mittelständische Beteiligungsgesellschaften der Bundesländer, Bürgschaftsbanken) hinzukommen. Die vielfach anerkannte Ausweisung dieser Beteiligungsform als wirtschaftliches Eigenkapital bzw. Eigenkapital ersetzende Mittel ist vor allem auf folgende Vertragsbestandteile zurückzuführen:

  • Langfristigkeit der Kapitalüberlassung
  • Nachrangigkeit des Kapitals
  • gewinnabhängige Vergütung (Risikokomponente)
  • Verlustbeteiligung in Höhe der Einlage


Die Erfahrung zeigt, dass mit einem weiteren externen Investor als stiller Gesellschafter ein „Hebel“ für eine darauf aufbauende Fremdkapitalfinanzierung realisiert werden kann. Durch die Zuführung einer oder mehrerer Beteiligungen könnte eine komfortable Eigenkapitalsituation erzielt werden, welche die Unabhängigkeit der Unternehmen erhöht und damit auch die Risikoempfindlichkeit minimiert, was insbesondere aktuell wichtig ist. Somit ist dieser Finanzierungsansatz auch interessant für Franchise-Konzepte, deren Erfolg hauptsächlich davon abhängt, mit geeigneten Franchisenehmern das Unternehmens- und Markenkonzept erfolgreich umzusetzen. Vor allem zur Initiierung sowie Vervollständigung von Gesamtfinanzierungslösungen sind solche alternativen Finanzierungsansätze geeignet und können grundlegend dazu beitragen interessante Franchisekonzepte in deren Expansionsphase zu unterstützen.


Somit können mit dieser Form der Beteiligung investive Maßnahmen sowie betriebliche Erweiterungen finanziert werden, wobei dies nicht nur auf Hochtechnologiebranchen beschränkt sein muss, sondern auch die klassischen Branchen wie Handel und Dienstleistungen sowie das Handwerk bedingen kann.


Aktuell hat der externe Investor jedoch nicht nur eine Hebelfunktion, sondern dient auch als „Türöffner“. Viele Finanzierungen werden nur noch wahrgenommen, wenn auch ein weiterer Investor sich mit seinem Kapital engagieren will und damit zeigt, dass er an das Vorhaben und an das Unternehmen mit seiner Leistungsfähigkeit glaubt und dies mit einer eigenen Kapitalinvestition mit trägt. Hierbei ist es vermehrt auch gängige Praxis, dass sich Investoren syndizieren und gemeinsam im Pool ein finanzielles Engagement eingehen. Ein Leadinvestor kann hierbei diesen Investorenpool organisieren und führen, wobei die einzelnen Beteiligungen hinsichtlich der Höhe in den zurückliegenden Jahren rückläufig waren und die Tendenz vorherrscht, kleinere Beteiligungen je Unternehmen einzugehen, dafür jedoch auf mehrere Unternehmen verteilt. Somit erfolgt in diesem Beteiligungsbereich vermehrt eine Streuung der Investitionen sowie eine damit verbundene Diversifizierung des Risikos. Allerdings liegt die Problematik derzeit auch darin, dass klein- und mittelständische Unternehmen keinen eigenen Kapitalmarktzugang besitzen – im Gegensatz zu börsennotierten und/oder Großunternehmen. Der einzige Kapitalmarktzugang läuft über die Bank, welche im Wesentlichen nur Fremdkapital zur Verfügung stellt.


Durch eine Finanzierung mit einer stillen Beteiligung, welche durch seine Ausgestaltung als wirtschaftliches Eigenkapital dargestellt werden kann und vielfach auch anerkannt wird, kann sich somit die Eigenkapitalsituation eines Unternehmens verbessern. Die Eigenkapitalquote steigt bei gleich bleibenden anderen Bilanzpositionen. Hierdurch kann sich auch das Rating verbessern. Des Weiteren kann sich durch den Mittelzufluss die Liquiditätssituation verbessern. Außerdem kann sich mit der Durchführung der geplanten Investitionen die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Durch die Eroberung neuer Märkte, Erweiterung des Produkt- und Leistungsprogramms und Verbesserung der Kostenrelationen wird dabei nicht nur die Marktsituation verbessert, sondern auch die Profitabilität gesichert oder gesteigert. Franchisekonzepte können so erfolgreich am Markt implementiert bzw. bei der Marktdurchdringung unterstützt werden. Dementsprechend können in Deutschland erfolgreiche Konzepte im nächsten Schritt auch die Internationalisierung des Geschäftsmodells voranbringen bzw. erwogen werden. Die Mezzanine-Finanzierung von privaten Investoren ist damit ein Instrument, um Unternehmen und Franchisekonzepte weiterzuentwickeln als auch das Rating bzw. die Unternehmensbewertung nachhaltig zu verbessern.


Die Verbesserung der Bilanzrelationen ist daher ein wesentliches Mittel, um sich auch weiterhin kostengünstig finanzieren zu können. Dies ist insbesondere aktuell bei steigenden Ausfallrisiken wichtig, um weiterhin die Marktposition zu verbessern.


Die typisch stille Beteiligung kann damit ein Instrument sein, welches Konzepte und Unternehmensansätze ermöglicht sowie zur Verbesserung des Unternehmensratings beitragen kann. Darauf aufbauend bzw. anschließend können Folgefinanzierungen über anderweitige Finanzierungspartner und -modelle die weiterführende Unternehmensstrategie sowie deren Umsetzung ermöglichen. Die typisch stille Beteiligung kann somit ein wichtiger Finanzierungsbaustein in einem immer komplexer werdenden Finanzierungsprozess sein. Gerade im Bereich Franchise, wo viele eigenständige Franchisenehmer zusammen den Erfolg des Konzeptes bedingen, sind alternative und standardisierte Finanzierungsansätze unabdingbar. In Abstimmung mit dem Franchisegeber könnten den potentiellen Franchisenehmern so Finanzierungsansätze angeboten werden und deren Finanzierung sicherstellen bzw. einen Teil davon ermöglichen. Hier kann diese Form der Beteiligung einen Beitrag leisten und Unternehmens- und Franchisekonzepten bei der Umsetzung helfen.

 

11.07.13 © copyright Franco Ottavio Mathias

Franco Ottavio Mathias ist seit 2006 Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft HCM Handwerk Capital Management Ltd. & Co. KG. Darüber hinaus unterstützt er seit 1996 als Geschäftsführer der HCM Handwerk Consult Mittelstandsberatung e.K. kleine und mittelständische Unternehmen in betriebswirtschaftlichen und kaufmännischen Belangen. Seit 2003 agiert er zusätzlich als Business Angel.


/// HCM Handwerk Capital Management Ltd. & Co. KG
Heideweg 29 a – 25451 Quickborn
Ruf 04106 / 77 42 72 – Fax 04106 / 7742 20
HRA 4891 AG Pinneberg

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