Prüfung im Franchising Detailprüfung

Unternehmenskultur

Auf den ersten Blick mag die Unternehmenskultur eher nebensächlich erscheinen. Tatsächlich prägt die jeweilige Unternehmenskultur die Umgangsformen und die Stimmung im System, wodurch sie entscheidend zur Dynamik eines Franchise-Systems beiträgt. So ist von den Beteiligten an einem Franchise-System ein partnerschaftlicher Umgang zu erwarten. Dafür müssen bereits die vertraglichen Leistungen und Gegenleistungen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Ein verantwortungsvoller Franchise-Geber nimmt die Probleme seiner Partner ernst und setzt sich mit ihren Anregungen vorurteilsfrei auseinander. Eine intensive Kommunikation zwischen Systemzentrale und Franchise-Nehmer sorgt dafür, dass die Beteiligten zunehmendes Verständnis für die Interessen und Sachzwänge ihrer Partner entwickeln.

Angebotsvergleich

Der Vergleich verschiedener Franchise-Angebote ist selbst bei einem übereinstimmenden Tätigkeitsfeld äußerst schwierig, da die dem Franchise-Interessenten vorgestellten Leistungspakete sehr komplex sind. Deshalb sollte der Franchise-Geber durch eine detaillierte Aufstellung der vorgesehenen Leistungen zumindest konkrete Anhaltspunkte bieten.

Konzeptumsetzung

Sie sollten in dieser Phase unbedingt in Erfahrung bringen, ob das dargestellte Konzept in den wichtigen Punkten tatsächlich umgesetzt wurde oder eine bloße Zielvorstellung geblieben ist. So ist beispielsweise zu klären, auf welche Weise der Franchise-Geber sein Marketing-Mix den speziellen Marktgegebenheiten angepasst hat. Zu diesem Zweck sollten Sie möglichst präzise Fragen vorbereiten, mit denen Sie die Vorgehensweise des Franchise-Gebers systematisch überprüfen können. Wesentlich ist dabei die Möglichkeit, in die Betriebsrichtlinien oder Betriebshandbücher eines Franchise-Systems Einblick zu nehmen, um zu prüfen, ob Ihnen die Betriebsrichtlinien verständlich, nachvollziehbar und plausibel erscheinen.

Wettbewerbsvorteile

Sie sollten feststellen, welche Wettbewerbsvorteile der Franchise-Geber selbst als bester Kenner seines Systems geltend macht und inwieweit sie Ihnen zur Verfügung stehen werden. Diese Angaben können anschließend in Gesprächen mit Franchise-Nehmern und Wettbewerbern gezielt überprüft werden. Nicht weniger wichtig ist angesichts des sich durch die Globalisierung verschärfenden Verdrängungswettbewerbes, inwieweit diese Wettbewerbsvorteile auch in Zukunft bestehen werden. Achten Sie gerade auf diese Innovationsverpflichtung und fragen Sie ganz konkret nach den Vorstellungen Ihres potentiellen Franchise-Gebers zu Aufrechterhaltung und Ausbau der von ihm geltend gemachten Wettbewerbsvorteile.

Schwachstellen

Weist das System Schwachstellen auf, die bereits für den Interessenten erkennbar sind, darf er sich nicht mit Versprechungen zufrieden geben. Es muss eindeutig geklärt werden, warum diese Schwächen noch nicht beseitigt wurden und bis wann dies verbindlich geschehen wird. In einem solchen Fall liegt allerdings der Verdacht nahe, dass bei näherer Kenntnis des Systems weitere Schwachstellen sichtbar werden.

Wirtschaftliches Potential

Es ist sicherzustellen, dass das für die Geschäftstätigkeit in Aussicht gestellte Gebiet ein ausreichendes Potential bietet und nach Möglichkeit kein anderer Franchise-Nehmer in diesem Gebiet geschäftlich tätig wird. Dies kann vom Franchise-Geber durch geeignete Marktstudien, die je nach Tätigkeitsfeld Kriterien wie Bevölkerungsdichte, Kaufkraft, soziales Umfeld, Konkurrenz und Verkehrsanbindung untersuchen, belegt werden.

Rentabilitätsberechnungen

Der Franchise-Geber kann sich damit begnügen, auf Anfrage Statistiken von bestehenden Betrieben zur Verfügung zu stellen, damit der Interessent die Rentabilität seines künftigen Betriebes selbst berechnet. Er kann aber auch einem ernsthaften Bewerber Muster-Rentabilitätsberechnungen für den vorgesehenen Standort vorlegen, die die persönlichen Verhältnisse des Bewerbers sowie die lokalen bzw. regionalen Besonderheiten berücksichtigen. In letzterem Fall ist der Franchise-Geber zur richtigen und vollständigen Durchführung dieser Berechnung verpflichtet, zumindest aber muss er bei seiner Prognose nachweisbar von der richtigen Berechnungsbasis ausgehen. Ansonsten läuft er bei einer späteren Klage Gefahr, wegen Verstoßes gegen die Aufklärungspflicht zur Zahlung von Schadensersatz verurteilt zu werden.

Gebührentransparenz

Für die Erhebung von Franchise-Gebühren gibt es keine Richtwerte und ihre Angemessenheit ist im Einzelfall sehr schwer zu beurteilen. Entscheidend ist nicht allein die Höhe der zu entrichtenden Gebühren, sondern die Gegenleistung, die der Franchisenehmer für seine Gebühren bekommt. Darum bieten immer mehr Anbieter eine detaillierte Aufschlüsselung der Gebühren nach den einzelnen Leistungen. Sie sorgen auf diese Weise für Transparenz und unterstreichen im Sinne der Partnerschaft das ausgewogene Verhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung.

Preisgestaltung

Für Ihre wirtschaftliche Zukunft als Franchise-Nehmer ist es entscheidend, dass Ihnen bei marktgerechter Gestaltung der Verkaufspreise ein angemessener Gewinn verbleibt. Selbstverständlich müssen in der Kalkulation alle Kosten inkl. Franchise-Gebühren und Bezugspreise Berücksichtigung finden. Zum Zweck einer Überprüfung sollte Ihnen der Franchise-Geber konkrete Wirtschaftlichkeitsberechnungen vorlegen.

Rechtliche Erfordernisse

Die meisten Franchise-Geber unterstützen ihre neuen Partner bei der Erfüllung etwaiger administrativer Auflagen und achten auf die Einhaltung der rechtlichen Erfordernisse in Hinblick auf die bevorstehende Betriebseröffnung.

Betreuung in der Startphase

Der Beginn einer Geschäftstätigkeit stellt für den Franchise-Nehmer immer eine besonders schwierige Phase dar. Nicht selten erweist sich die Startphase als entscheidend für den Ruf und die weitere Entwicklung eines Betriebes. Deshalb ist zu klären, ob qualifizierte Helfer aus der Systemzentrale bei der Eröffnung anwesend sein werden und welche unterstützenden Maßnahmen die Zentrale in diesem Zusammenhang bietet. Besonders schwerwiegend sind die Folgen einer Erkrankung des Franchise-Nehmers in der Startphase, die die gesamte Geschäftsplanung in Frage stellen und finanzielle Engpässe verursachen können. Einige besonders partnerschaftlich ausgerichtete Systeme haben für solche Notfälle Springerdienste und Solidaritätsfonds eingerichtet.

Ausgewogenheit des Vertrages

Ein ausgewogener und fairer Vertrag, der die Interessen beider Seiten gleichermaßen berücksichtigt, schafft die Grundvoraussetzungen für die Funktionsfähigkeit jedes Franchise-Systems. Bei der Komplexität von Franchise-Verträgen sollte kein Vertragsentwurf ohne eingehende Prüfung durch in Franchise-Fragen bewanderte Berater unterschrieben werden. Auf jeden Fall sind solche Vorsorgekosten oft günstiger für einen Franchise-Nehmer, als spätere Konflikte mit einem Franchise-Geber durch mangelnde Kenntnisse der tatsächlichen und rechtlichen Problematik eines Franchise-Angebotes.

Autor:

Ulrich Kessler
Ulrich Kessler
FranchisePORTAL GmbH 2019
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