Unternehmensfinanzierung im Franchise-Glossar

 

Welche Ziele verfolgt die Unternehmensfinanzierung?

Die Unternehmensfinanzierung befasst sich mit der Bereitstellung von Kapital für Unternehmen. Dabei gibt es mit Eigenkapital und Fremdkapital grundsätzlich zwei verschiedene Ansätze für die Kapitalbeschaffung. Der Begriff umfasst alle finanziellen Fragen und Maßnahmen der Existenzgründung, der Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes sowie der Expansion

Die Unternehmensfinanzierung geht über die anfängliche Gründerfinanzierung hinaus. Zu den Zielen der Unternehmensfinanzierung zählen nicht nur Existenzgründung und Unternehmensaufbau sowie Sicherung der Unternehmensziele (z.B. durch Expansion oder Aufbau eines Franchise-Netzwerkes). Weitere Ziele heißen Sicherung der Liquidität und Schutz vor Insolvenz sowie Errechnung des zukünftigen Finanzbedarfs.

Basis der Unternehmens-Finanzierung ist der Finanzplan bzw. Finanzierungsplan. Er ist ein Bestandteil sowohl des Businessplans für die Existenzgründung als auch der Strategieplanung bestehender Unternehmen.

Was gehört zur Unternehmensfinanzierung?

Die Unternehmensfinanzierung beinhaltet Planungs-Tools wie Investitionsplan, Umsatz- & Kostenplan und Liquiditätsplan. Grundlage von Unternehmensfinanzierung und Finanzplan ist die Entscheidung,

  • wie viel Gesamtkapital benötigt wird (Kapitalbedarf)
  • wie hoch der Anteil von Eigenkapital und Fremdkapital sein sollte
  • wie, wo und zu welchen Kosten Kapital zu beschaffen ist


Sicher gründen mit fundierter Finanzierungsplanung

Das Eigenkapital dient in der Regel als Sicherheit. Banken streben zur Kreditvergabe häufig Quoten von 15 bis 30 Prozent des Gesamtkapitalbedarfs als Sicherheiten an. Das Eigenkapital kann sowohl aus dem Besitz des Gründers, aus Bürgschaften oder aus Fördermitteln generiert oder vermehrt werden. Als gängigste Quelle für Fremdkapital gelten klassische Bankdarlehen wie z.B. Gründungskredite.

Weiterhin unterscheidet man in der Unternehmensfinanzierung zwischen Eigenfinanzierung und Fremdfinanzierung. Zur Eigenfinanzierung gehören u.a. der Einsatz von Gewinnen oder die Kapitalerhöhung durch Gesellschafter. Die Fremdfinanzierung kennt neben Darlehen oder Finanzierungsformen wie Venture Capital, Private Equity oder Crowdfunding auch Lieferantenkredite.


Unternehmensfinanzierung als Erfolgsfaktor für Existenzgründer

Bei der Unternehmens-Finanzierung für Gründer gilt es, das richtige Maß zwischen Unter- und Überfinanzierung zu finden. Unterfinanzierung bedeutet geringere Verschuldung und z.B. niedrigere Tilgungsraten für Kredite. Nachteil: Der Existenzgründung kann die Luft ausgehen, wenn das eingesetzte Kapital vor dem Erreichen des ROI oder der Gewinnschwelle bzw. des Break-even-Points aufgezehrt ist. Zu hohe Kapitalschulden können dazu führen, dass z.B. die Kosten für Kredite die Gewinne übersteigen. Das heißt, das Unternehmen fährt Verluste ein.

Die Unternehmensfinanzierung bedarf daher einer fundierten Finanzplanung, für die erfahrene Unternehmensberater ihre Dienste anbieten. Die Kosten für sie sind zuschussfähig (siehe Beratungsförderung für Gründer). Berater zu konsultieren kann Existenzgründer vor gravierenden und mithin viel teureren Fehlern bewahren.


Unternehmensfinanzierung für Franchise-Gründer

Franchisenehmer und Franchisegeber haben einen sehr unterschiedlichen Kapitalbedarf zur Gründung und Aufrechterhaltung ihres Geschäftsbetriebes sowie zur Erreichung ihrer Unternehmensziele.

Gründer eines Franchisegeber-Betriebes starten häufig aus einem erfolgreichen Einzelbetrieb mit einer regional begrenzten Zielgruppe. Sie investieren in Konzepte zur Standardisierung ihrer Prozesse und die Multiplizierbarkeit ihres Geschäftsmodells. Hinzu kommen Kosten für den Aufbau einer Systemzentrale und ggf. für die Entwicklung von Marke und Corporate Design. Erst nach dem Aufbau einer Systemzentrale können Partner akquiriert und geschult werden.

Rückflüsse von Kapital durch Eintrittsgebühren und erste Franchisegebühren sind erst nach Monaten oder sogar Jahren zu erwarten. Dabei kann sich der Franchisegeber aus Zeitgründen nur noch begrenzt um die rein operative Führung seines Ursprungs-Betriebes kümmern, der in der Regel zum Pilotbetrieb und Ausbildungszentrum für die Franchisenehmer avanciert. Kurzum: Franchisegeber in spe brauchen einen langen Atem bei der Unternehmensfinanzierung und ein Geschäftskonzept, das kritische Geldgeber (Stichwort: Basel III und Basel IV sowie zukünftige Franchise-Partner überzeugt.


Franchisenehmer-Finanzierung

Franchisenehmer müssen weder in die Entwicklung der Geschäftsidee und des Geschäftskonzeptes noch in den Markenaufbau oder ins Marketingkonzept investieren. Im Unterschied zu Einzelunternehmern können sie im Allgemeinen jedoch nicht „auf Sparflamme“ starten (Ausnahme: z.B. Franchise-Konzepte für die nebenberufliche Selbstständigkeit). Ein Franchisenehmer benötigt vom Tag seiner Geschäftseröffnung an einen vollständigen „Filialbetrieb“, sprich, ein Äquivalent zum Franchisegeber-Betrieb – unter anderem mit kompletter Einrichtung (Anlagevermögen), Produktion, Waren- und Personalausstattung.

Neben dieser „Komplett-Investition“ zahlt ein Franchisenehmer in der Regel eine Eintrittsgebühr, die eine fünfstellige Höhe erreichen kann, sowie seine monatliche Franchisegebühr. Diese Investitionen sollten sich allerdings durch die hohe Wirtschaftlichkeit von Franchisenehmer-Betrieben durch die Arbeitsteilung im Franchising amortisieren, wozu die Leistungen der Franchise-Zentrale wesentlich beitragen. Franchisenehmer haben außerdem den Vorteil, dass ihnen ihr Franchisegeber im Regelfall Vorlagen und Unterstützungsleistungen zur Erstellung des Businessplans, des Investitionsplans, des Umsatz- und Kostenplans und des Liquiditätsplans anbietet – plus bestehende Bankkontakte.


Fachliteratur-Tipps zur Finanzierung:

Autor:

Jens Kügler
Jens Kügler
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