Kleingewerbe im Franchise-Glossar

Was ist eigentlich unter einem Kleingewerbe zu verstehen?

Das Kleingewerbe ist eine der häufigsten Formen der Existenzgründung. Wer ein Kleingewerbe gründet, benötigt in der Regel wenig oder gar kein Startkapital. Laut gesetzlicher Definition in Deutschland ist ein Kleingewerbetreibender von der Buchführungspflicht befreit. Die maximale Umsatzgrenze für ein Kleingewerbe beträgt 17.500 Euro pro Jahr vor Steuern.

Kleingewerbe und Kleinunternehmen sind jedoch nicht dasselbe: Den Kleinunternehmer betrifft laut deutschem Gesetz nicht die oben genannte Regelung zur Buchführung. Für ihn gilt, dass er auf seine Rechnungen keine Umsatzsteuer aufschlägt und keine Vorsteuer zahlt. Für die Schweiz und Österreich können unterschiedliche Regelungen und abweichende Bezeichnungen vorliegen, dieser Artikel behandelt die Rechtslage in Deutschland (Stand Anfang 2018).

 

Das Kleingewerbe: Vor- und Nachteile

Die Gründung eines Kleingewerbe-Unternehmens erfolgt weitgehend formlos und kostengünstig per Anmeldung beim Gewerbeamt. Der Kleingewerbetreibende kann sich freiwillig ins Handelsregister eintragen, ist jedoch nicht dazu verpflichtet.

Das wesentlichste Merkmal: Beim Kleingewerbe entfällt die Buchführungspflicht. Überschreitet der Jahresumsatz die Grenze von 17.500 Euro nicht, reicht eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) zur Gewinnermittlung. Der Gründer und Inhaber eines Kleingewerbes ist ferner von der Sozialversicherungspflicht befreit.

Ein Kleingewerbetreibender ist per Gesetz kein Kaufmann. In § 1 Absatz 2 des Handelsgesetzbuches (HGB) heißt es, dass sein Unternehmen „nach Art und Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert“.

Beim Firmennamen bestehen jedoch Einschränkungen: Der Kleingewerbetreibende muss sein Unternehmen unter seinem persönlichen Vor- und Zunamen führen. Dazu kann die Firmierung einen sachlich korrekten Zusatz oder eine Sachbezeichnung enthalten (z.B. Malereibetrieb Johann Pfeiffer).

Ein Kleingewerbebetrieb muss Gewerbesteuer zahlen, jedoch erst ab einem jährlichen Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro. Außerdem kann ein Kleingewerbetreibender die Kleinunternehmerregelungin Anspruch nehmen, das heißt, er kann unter den gegebenen Voraussetzungen die Umsatzsteuer-Befreiung beantragen.

 

Was unterscheidet Kleingewerbetreibende von Freiberuflern?

Freiberufler können Kleinunternehmen sein, aber  keine Kleingewerbetreibenden (zumal viele Freiberufler nicht gewerblich, sondern z.B. künstlerisch oder publizistisch tätig sind). Sie können ebenfalls bei weniger als 17.500 Euro Jahresumsatz die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, sind aber auch bei höheren Jahresumsätzen von der Buchführungspflicht befreit.

 

Kleingewerbe im Franchising

In der virtuellen Franchise-Messe suchen zahlreiche Franchise- und Lizenzsysteme nach Partnern und ermöglichen eine Existenzgründung auch ohne oder mit wenig Eigenkapital. Siehe Geschäftsideen mit geringem Kapitalbedarf sowie Geschäftsideen für ein zweites Standbein bzw. die nebenberufliche Selbstständigkeit. Ob die Franchisenehmer-Betriebe als Kleingewerbe nach HGB geführt werden können, ist beim Franchisegeber zu erfragen.

Autor:

Jens Kügler
Jens Kügler
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