Existenzgründung im Franchise-Glossar

 

 

Was bedeutet eigentlich Existenzgründung?

Definition: Existenzgründung ist der Schritt in die berufliche Selbstständigkeit durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit im eigenen Namen und auf eigene Rechnung. Es handelt sich um die Gründung eines kleineren Unternehmens, das aus einem oder mehreren Mitarbeitern bestehen kann. Unter Existenzgründung versteht man aber auch den Beginn einer freiberuflichen Tätigkeit. 

 

 

Die Gründung als Geburtsprozess eines Unternehmens

Die Gründung beschreibt im Lebenszyklus einer Firma deren „Geburt“, während der vorbereitende Planungsprozess oft den schmerzhaften „Geburtswehen“ entspricht. Es handelt sich um die Phase bis zur Erreichung des Break-even bzw. der erfolgreichen Markt-Etablierung des Unternehmens. Darüber hinaus gehende Strategien und Entwicklungen gehören in den Bereich Expansion.

 

Verschiedene Arten der Firmengründung

Nicht jede Firmengründung ist gleichbedeutend mit einer Existenzgründung oder Neugründung. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird nicht immer klar differenziert. Diesem Zweck dient die folgende Übersicht:

  • Der Begriff der Unternehmensgründung wird vorwiegend für die Gründung größerer Unternehmen verwendet. Meist wird in diesem Fall die Rechtsform der Kapitalgesellschaft gewählt.
  • Bei einer Existenzgründung handelt es sich um den Schritt eines Gründers oder Gründerteams in die berufliche Selbstständigkeit. Sie umfasst sowohl gewerbliche als auch freiberufliche Gründungen umfasst. Solche kleinen oder mittleren Unternehmen (KMU) werden meist als Einzelunternehmen oder im Fall von Gründerteams als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet.
  • Eine Sonderform unter den Gründungen stellt die Ausgliederung bzw. Abspaltung von Unternehmensteilen in eigenständige Rechtskörper dar, die als Ausgründung (englisch: Spin-Off) bezeichnet wird.
  • Ein weiterer Sonderfall sind Start-up-Unternehmen (alternative Schreibweise: Startup-Unternehmen). Startup-Unternehmer streben den Aufbau innovativer, schnell wachsender Unternehmen für einen gewinnbringenden Verkauf an Investoren oder am Aktienmarkt an. Der Begriff wird auch als Synonym für Gründungen in technisch-innovativen Branchen verwendet, z.B. im Bereich digitaler Medien.
  • Weitere Firmengründungen erfolgen im Rahmen von Übernahmen, Umwandlungen und Fusionen sowie im Franchising.

 

Grundsätzliche Gewerbefreiheit für Firmengründer

Für eine Firmengründung gelten nur wenige Einschränkungen, jedoch mehrere bis zahlreiche Verpflichtungen – je nach Art des Unternehmens. So herrscht in Deutschland die freie Berufswahl laut Grundgesetz-Artikel 12, Absatz 1. Laut Paragraf 1 der Gewerbeordnung besteht Gewerbefreiheit. 

Von der allgemeinen Gewerbefreiheit ausgenommen sind die konzessionspflichtigen Branchen oder erlaubnispflichtigen Gewerbe wie z.B. Gastronomie, Wach- und Sicherheitsdienste, Ehevermittlung, Immobilienmakler, Reise- oder Beförderungsgewerbe (z.B. Taxiunternehmen), Heilpraktiker, Casino-Betriebe oder bestimmte Personal-/Zeitarbeitsvermittler. Sie benötigen eine besondere Genehmigung zur Gründung. 

In Branchen ohne Konzessionspflicht gilt die Gründung häufig schon mit der Gewerbeanmeldung als vollzogen – spätestens aber mit der Aufnahme erster, nach außen erkennbarer unternehmerischer Tätigkeiten wie etwa Kundenakquise. Dies ist z.B. bei Freiberuflern der Fall.

Entscheiden sich die Gründer für eine Kapitalgesellschaft wie GmbH oder UG, gilt der Eintrag ins Handelsregister als wesentlicher Akt der Gründung. Er erfolgt nach Unterzeichnung der Gesellschafterverträge beim Notar.

 

Firmenaufbau und Finanzierung

Ein Unternehmensaufbau erfordert im Regelfall hohe finanzielle Aufwendungen. Ausnahmen bilden Einzelunternehmer, die als Kleingewerbetreibende, als Nebenerwerbsgründer oder – in manchen Branchen – als Freiberufler starten. Größere Gründungsvorhaben benötigen Startkapital zur Gründerfinanzierung. Die „klassische“ Gründerfinanzierung beinhaltet Fremdkapital in Form von Bankdarlehen. 

Kein Gründer kann erwarten, dass die Kunden schon bei der Eröffnung vor seiner Tür Schlange stehen und all ihre Rechnungen im Voraus begleichen. Es kann Monate, sogar Jahre des Aufbaus dauern, bis ein Unternehmen Rendite abwirft. 

Eine Alternative zum hohen finanziellen Aufwand bieten Franchise- oder Lizenzsysteme mit Geschäftsideen zur Gründung mit geringem Kapitalbedarf oder ohne Eigenkapital sowie nebenberufliche Existenzgründungen.

 

Wie viel Kapital braucht ein Gründer?

Beim Firmenaufbau muss in den meisten Fällen das Anlagevermögen mit Maschinen, Geräten oder Immobilien finanziert werden. Genauso gilt es, das Umlaufvermögen zu sichern, das unter anderem aus Wareneinkauf, Löhnen und laufenden Kosten besteht. Hinzu kommt, dass die Kosten für Marketing, Kundengewinnung und – last but not least – den eigenen Lebensunterhalt des Gründers und seiner Familie in der Startphase abgedeckt sein müssen. Der Lebensunterhalt ist ein Punkt, der in der Finanzierungsplanung häufig vernachlässigt wird. 

Das Anlagevermögen wird im Allgemeinen über Investitionskredite bereitgestellt. Beim Umlaufvermögen kommen die kurzfristiger bereitzustellenden Betriebsmittelkredite zum Tragen. Meist verlangen die Kreditgeber für die Finanzierung Eigenkapital als Sicherheit. Die Regel-Forderung beläuft sich auf 15 bis 20 Prozent. Dabei können die eigenen Reserven durch Fördermittel aufgestockt werden. 

Um Darlehen wie Förderkredite zu beantragen, benötigt der Gründer einen Businessplan. Im Businessplan werden Geschäftsidee, Marktanalysen, Marketingmaßnahmen und vor allem das Konzept zur Finanzierung dargelegt. Er dient als „Bewerbungsgrundlage“ für Kreditverhandlungen mit den Geldgebern (siehe unter „In 8 Schritten zur Existenzgründung“ Schritt 4: Kapitalbeschaffung: Finanzplan und Businessplan).

 

Wie lange dauert eine Firmengründung?

Wie lange muss Geld „zugeschossen“ werden – und der „Atem“ des Gründers reichen? Laut der jährlichen Studie „KfW-Gründungsmonitor“ beträgt die durchschnittliche Vorbereitungszeit von der Idee bis zum Geschäftsstart bzw. der Eröffnung sieben Monate. Weniger Zeit benötigen Unternehmer, die sich mit ihrer Geschäftsidee schon länger beschäftigt und Kontakte sowie Netzwerke bereits in ihrer Zeit als Angestellte geknüpft hatten. Viele Unternehmen entstehen auch als nebenberufliche Gründung. Der Vorteil: weniger Startkapitalbedarf, geringeres Risiko. Nachteile: unter anderem keine Vollzeit-Kapazität zum Unternehmensaufbau, dadurch langsameres Wachstum und geringere Marktdurchdringung.

 

Wie wird man Existenzgründer?

Viele Angestellte setzen aufgrund ihrer Sicherheitsbedenken die Existenzgründung mit dem „Sprung ins kalte Wasser“ gleich. In Deutschland besteht eine Scheu vor der Selbstständigkeit, was unter der Rubrik „Was ist das Gründungsklima“ mit Zahlen belegt wird. Gründer aus dem Angestelltenverhältnis hören aus dem Umfeld ihrer Kollegen oft Aussagen wie: „Selbstständig machen? Ich hätte nicht den Mut dazu“. Dabei müssen Gründer nicht zwangsläufig in eine ungewisse Zukunft investieren.

 

Welche Möglichkeiten hat ein Gründer?

  • Ein Gründer kann sich mit einer eigenen Geschäftsidee, unter seinem eigenen Firmennamen und mit einer eigenen Marke oder eigenen gewerblichen Schutzrechten selbstständig machen
  • Außerdem können sich Existenzgründer als Freiberufler selbstständig machen. Diese Form des Unternehmertums ist besonders unter Berufsgruppen wie Künstlern, Journalisten, niedergelassenen Ärzten, Rechtsanwälten, Steuerberatern, Unternehmensberatern oder IT-Dienstleistern verbreitet.

 

Trotz aller Vorbehalte gelten Existenzgründer als heimliche Hoffnungsträger der Gesellschaft. Man sieht in ihnen die Initiatoren für Erneuerung und Flexibilität. Die Gründer sind es, die eines Tages wesentlich zum gemeinsamen Wohlstand beitragen können.

 

Wer sind die Existenzgründer?

Schwerpunktmäßig setzen sich die Existenzgründer aus zwei Altersgruppen zusammen:

  • Junge Leute, die nach Ausbildung oder Studium einige Jahre berufstätig waren
  • Gründer über 40 mit Berufserfahrung

 

Junge Gründer sind von der beruflichen Realität des Angestelltendaseins oft enttäuscht oder sehnen sich nach der Verwirklichung ihres Traums von Unabhängigkeit und Erfolg. Ihr Nachteil: Manche junge Unzufriedene können sich im Wettbewerb nicht durchsetzen und suchen nach kurzer Zeit wieder eine feste Anstellung. (Das gilt nicht für innovative Startups, die von hochqualifizierten Tüftlern und Wissenschaftlern – mit dem Ziel der Aufnahme von Beteiligungskapital, des Börsengangs oder des Verkaufs an Investoren – im Bereich der Spitzentechnologie gegründet werden). 

Erfolgreicher sind im Markt jene Gründer über 40, die über Spezialwissen verfügen sowie in renommierten Unternehmen Erfahrungen gesammelt und ein Beziehungsnetzwerk aufgebaut haben. Häufig handelt es sich um Akademiker, die sich mit unternehmensnahen Dienstleistungen selbstständig machen.

 

Was charakterisiert und motiviert Firmengründer?

Ein Großteil aller Gründer und Selbstständigen unterscheidet sich in wesentlichen Denk- und Handlungsweisen oder Charaktereigenschaften von Menschen, die ein Arbeitsleben als Angestellte bevorzugen. Häufig geäußerte Beweggründe für den Sprung in die Selbstständigkeit sind folgende:

  • Firmengründer möchten ihre eigene Geschäftsidee umsetzen. Gegebenenfalls identifizieren sie Lücken im Angebot ihrer Arbeitgeber oder die abweichenden Wünsche ihrer Kunden und möchten ein „optimiertes“ Unternehmen aufbauen. Möglicherweise haben sie damit innerhalb ihrer Branche eine neue Marktlücke identifiziert.
  • Unternehmensgründer verwirklichen Lebensträume mit ihrer Unternehmensgründung – z.B. mit den Produkten, die sie herstellen oder den Arbeiten, die sie durchführen. Sie suchen Selbstverwirklichung als Triebfeder für die berufliche Selbstständigkeit.
  • Firmengründer möchten ihr „eigener Chef“ sein – und in ihren Entscheidungen frei und nicht weisungsgebunden. Sie hatten möglicherweise schon immer diesen Traum. Viele Gründer bauen ihr eigenes Unternehmen nach einem längeren Angestelltendasein auf. Sie haben sich ausreichend Kompetenz und Branchenerfahrung angeeignet und verfügen über ein tragfähiges Kontakt-Netzwerk. Für weiteren Ansporn sorgen: Unzufriedenheit im Angestelltenverhältnis, wiederkehrende Konflikte mit Chef oder Kollegen sowie das Aufbegehren gegen als unsinnig bzw. willkürlich empfundene Anweisungen.
  • Unternehmensgründer streben ein höheres Einkommen oder bessere wirtschaftlich Verhältnisse als jene an, die sie als Angestellte hatten oder voraussichtlich haben könnten.
  • Manche Firmengründer handeln hingegen aus einer wirtschaftlichen oder existenziellen Notlage heraus, zum Beispiel, um eine Arbeitslosigkeit zu beenden. In der Regel haben diese Menschen allerdings schlechtere Voraussetzungen bei der Gründungsfinanzierung, da ihnen das notwendige Eigenkapital als Sicherheit für Kredite fehlt. Um ihre finanzielle Ausgangslage zu verbessern, können Arbeitslose mit Gründungsplänen und tragfähigen Geschäftskonzepten staatliche Gründungszuschüsse beantragen.
  • Nicht wenige Existenzgründer machen sich selbstständig, weil sie darin die bestmögliche Karriere-Chance sehen (siehe unten).

 

Gründung als Karriere-Chance

Manchen Menschen erscheint eine Firmen- oder Existenzgründung sogar als einzige reelle Chance auf eine Karriere. Dies gilt beispielsweise für Frauen, denen – trotz Führungskompetenz – der Aufstieg in höhere Positionen in deutschen Unternehmen häufig verwehrt bleibt. Gründe sind fehlende „Seilschaften“ bzw. Förderer in den Chefetagen oder familiäre Pausen für die Kindererziehung. Statt in der Hierarchie voranzukommen, stoßen sie an eine viel zitierte „Glasdecke“ (siehe auch Kapitel „Existenzgründung durch Frauen“).

 

Gründer aus Notwendigkeit

Ähnliche Aufstiegs-Probleme haben in deutschen Unternehmen insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund. Als Gründe hierfür gelten ebenfalls fehlende Netzwerke und Förderer, vor allem aber stille Ressentiments gegen fremdländische Namen und Kulturen. Laut Studien des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit sowie der Universität Koblenz sind Menschen dieser Bevölkerungsgruppe schon allein aufgrund ihres fremdländischen Namens bei der Bewerbung um höher qualifizierte Jobs gegenüber Bewerbern mit einheimischen Namen benachteiligt. Auf diesen Umstand führen es die Meinungsforscher zurück, dass die Quote der Firmengründer unter dieser Gesellschaftsgruppe doppelt so hoch wie im gesamtdeutschen Durchschnitt ist.

 

Existenzgründung von Frauen

Verglichen mit Männern treten Frauen als Firmengründer seltener in Erscheinung. In der Gründerszene setzt sich damit fort, was sich im Bereich der Vorstände oder Aufsichtsräte mittlerer oder größerer Unternehmen unverändert beobachten lässt: Frauen in Führungspositionen sind weitaus unterrepräsentiert.

 

Statistiken: Anteil der Frauen unter den Firmengründern

Nach einem Bericht der OECD aus dem November 2015 sehen sich nur 31 Prozent aller Frauen in Deutschland grundsätzlich zur Selbstständigkeit befähigt. Unter den Männern lag die Quote derer, die sich laut ihrer Veranlagungen und Fähigkeiten eine Existenzgründung zutrauten, bei 45 Prozent. Für andere europäische Länder kommt die Studie zu ähnlichen Ergebnissen (Quelle: Statista). Laut Deutschem Startup-Monitor 2015 wurden immerhin über 43 Prozent aller neuen Unternehmen in Deutschland von Frauen gegründet. Doch der Anteil der Start-up-Gründerinnen lag bei lediglich 13 Prozent.

Immerhin: Laut KfW-Gründungsmonitor 2019 stieg die Zahl der Frauen unter den Existenzgründern in Deutschland im Jahr um 4% auf 40%, während die Zahl der männlichen Existenzgründer um 5% zurückging. Nichtsdestotrotz:

 

Was unterscheidet Existenzgründungen von Frauen und Männern?

Frauen gründen Unternehmen auffällig häufig in den sogenannten „Frauenberufen“ (siehe Absatz unten). Außerdem lässt sich beobachten, dass Frauen zu kleineren Gründungen mit einem niedrigere finanziellen Risiko tendieren. Oftmals gründen Frauen ihr Unternehmen im Home-Office, um Arbeit und Familienleben in Einklang zu bringen.

 

Selbstständigkeit mit Startups ist weiterhin „Männerdomäne“

Der Deutsche Startup-Monitor 2015 nennt Argumente für diese Differenz in den Berufsfeldern: Es heißt dort, Existenzgründungen von Frauen konzentrieren sich vor allem in Branchen mit sogenannten klassischen Frauenberufen wie Kosmetik, Geschenkversand, Mode oder Trendküche. Persönliche Dienstleistungen und Tätigkeiten im Gesundheits- und Sozialwesen liegen vorn in der Beliebtheitsskala, dahinter Gründungen im Handel und Gastgewerbe.

Eine Studie der KfW-Förderbanken unter der Bezeichnung „Branchenverteilung bei Gründungen nach Geschlecht im Zeitraum von 2008 bis 2010“ kommt zu folgenden Ergebnissen: Knapp 43 Prozent aller Gründungen von Frauen wurden in den „persönlichen Dienstleistungen“ getätigt. Hier liegt ein Schwerpunkt in den sozialen Berufen. Weniger als drei Prozent aller Frauen gründeten Firmen im Bereich Bau oder verarbeitendes Gewerbe. Männer taten sich als Firmengründer nur zu rund 20 Prozent in den persönlichen Dienstleistungen, allerdings zu 40 Prozent in den wirtschaftlichen Dienstleistungen hervor (Vergleich Frauen: 32%). Nur im Handel lag der Gründeranteil der beiden Geschlechter in etwa gleichauf.

 

Existenzgründung von Frauen im Franchising

Viele Existenzgründerinnen entscheiden sich für eine Franchise-Gründung, um mit einer bereits erfolgreich etablierten Geschäftsidee zu starten. Einblicke ins Thema Frauen als Gründerinnen findest du unter anderem auch in diesem Artikel über Frauen als Unternehmerinnen.

 

Was bedeutet Entrepreneurship?

Im Zusammenhang mit Denk- und Handlungsweisen von Unternehmens- oder Existenzgründern taucht oft ein abstrakter Begriff auf: Unternehmergeist oder Entrepreneurship. Hier spielen neben dem Wunsch nach Unabhängigkeit und Handlungsfreiheit eine Vielzahl an Charakteristika mit hinein, die Gründern und Unternehmern nachgesagt werden.

Zum Beispiel:

  • Firmengründer sind risikobereiter. Als Unternehmern fehlt ihnen die finanzielle Sicherheit, die ein regelmäßiges Angestelltengehalt bietet. Sie schließen die Möglichkeit mit ein, zu scheitern und für Misserfolge notfalls mit ihrem Eigentum einzustehen.
  • Firmengründer arbeiten mehr. Unternehmer haben im Allgemeinen keinen „geregelten“ Acht-Stunden-Tag. Nicht wenige Selbstständige sind fast rund um die Uhr für ihre Kunden erreichbar. Besonders in der Startphase eines Unternehmens, in der sich bei den Arbeitsprozessen noch keine Routine eingestellt hat, arbeiten Gründer nicht selten 12, ja 16 Stunden am Tag und sind auch an Sonn- oder Feiertagen im Einsatz. Daher sind physische Gesundheit und Belastbarkeit eine ebenso wichtige Voraussetzung wie ein familiäres Umfeld, das die Firmengründung mit trägt und den damit einhergehenden Zeitmangel für das Privatleben akzeptiert.
  • Firmengründer sind motivierter. Unternehmer lassen sich durch Erfolge zu weiteren Zielen anspornen. Sie lassen sich durch Misserfolge nicht von ihren Zielen abbringen.
  • Firmengründer können Mitarbeiter führen. Erfolgreiche Unternehmer verstehen es, ihr Team für ihre Ziele zu gewinnen und zu bestmöglichen Arbeitsleistungen zu bewegen.
  • Firmengründer sind Organisationstalente. Selbstständige können Teams, Lieferanten und Arbeitsprozesse organisieren und koordinieren.
  • Firmengründer sind Finanz-Profis. Als Selbstständige tragen sie meistens eine weitaus höhere finanzielle Verantwortung wie als Arbeitnehmer. Sie haben Aufträge, Forderungen, Verbindlichkeiten und Zahlungsflüsse im Griff.

 

In 8 Schritten zur Existenzgründung

Die Gründung kann in acht Schritten zusammengefasst werden. Sie reichen von der Persönlichkeitsprüfung über die Aneignung von Gründerwissen, die Wahl der Unternehmensform, die Businessplan-Erstellung, die Begleitung durch Unternehmensberater und die Kreditverhandlungen bis hin zur Geschäftseröffnung.

 

Erfolgreich gründen: In 8 Schritten zum eigenen Unternehmen

  1. Persönlichkeits-Check: Sind Sie ein Unternehmertyp?

  2. WAS gründen: die Geschäftsidee, das Geschäftskonzept

  3. Gründung absichern: Existenzgründerseminar und Unternehmensberatung

  4. Kapitalbeschaffung: Finanzplan und Businessplan

  5. Erste Hürde meistern: Aufs Bankgespräch gut vorbereiten!

  6. Gründung „abschließen“: Rechtsform wählen

  7. Geschäftseröffnung vorbereiten: Konten einrichten, Versicherungen abschließen, Mitarbeiter gewinnen

  8. Marketing starten: erste Kunden akquirieren

 

Gründer-Schritt 1: Persönlichkeits-Check

Sind Sie ein Unternehmertyp? Seien Sie selbstkritisch!

Jede Unternehmensgründung sollte mit der Frage beginnen, ob die persönlichen Konsequenzen einer Selbstständigkeit für Sie wirklich erwünscht sind und ob Sie über die richtigen Fähigkeiten und Charaktereigenschaften für die jeweilige Start-up verfügen.

Als Existenzgründer haben Sie keinen „Nine-to-five-Job“ mehr! Erfüllen Sie die körperlichen Voraussetzungen, um über längere Zeiträume hinweg lange Arbeitstage zu meistern? Und sind Sie als Gründer bereit, Ihr Privat- und Familienleben zumindest phasenweise dem eigenen Unternehmen unterzuordnen? Sie werden sich 50, 60 oder mehr Stunden pro Woche engagieren müssen. Gerade aus diesem Grund müssen Partner und Familienmitglieder Ihr Gründungsvorhaben mittragen. Ihre Partnerschaft sollte diese Gründungs-Belastung überstehen.

Sind Sie sich auch des Risikos und der Verantwortung einer Existenzgründung vollständig bewusst? Verfügen Sie als Existenzgründer über das grundlegende betriebswirtschaftliche Know-how für die selbstständige Existenz? Sind Sie als Gründer bereit, den mit der Selbstständigkeit verbundenen Konkurrenzdruck auf sich zu nehmen?

Konnten Sie schon immer gut verkaufen, Menschen überzeugen und begeistern? Dies ist Ihre vielleicht wichtigste Qualifikation als Unternehmer. Eine weitere heißt: Organisationstalent. Können Sie sich und Ihre Arbeit gut strukturieren? Auch und erst recht, wenn Sie viel um die Ohren haben? Beherrschen Sie Zeitmanagement?

Last but not least: Sind Sie von Ihrer Geschäftsidee vollkommen überzeugt? Sind Sie ein Mensch, der sich bisher von Rückschlägen nicht entmutigen ließ, erfolgreich „weitergekämpft“ und Ziele erreicht hat?

Sollten Sie sich selbstständig machen? Führen Sie den Selbsttest durch. Existenzgründer und potenzielle Franchise-Gründer finden Checklisten und Persönlichkeitstests in der Rubrik Gründerwissen auf FranchisePORTAL. Laden Sie hier unsere Persönlichkeits-Checkliste für Existenzgründer herunter.

 

Gründer-Schritt 2: WAS gründen – die Geschäftsidee, das Geschäftskonzept

Haben Sie die brillante Geschäftsidee, bei der Sie wissen, Sie haben die „Nase vorn“ vor der Konkurrenz? Möchten Sie unter Ihrem eigenen Namen gründen, Ihre eigene Marke etablieren und Ihre Entscheidungen ganz souverän treffen, ohne dass andere mitreden? Gründen Sie Ihr eigenes Einzel-Unternehmen.

„Das kann ich besser“ …. solch eine Aussage oder Denkweise kann die Motivation hinter einer Firmengründung sein. Der Gründer möchte sein Unternehmen als Qualitätsführer positionieren. Mit dem Versprechen „das geht auch günstiger“ impliziert er oder sie einen anderen klaren Kundenvorteil, den Preis. „Das bietet ja noch gar keiner an“ offenbart ein Alleinstellungsmerkmal – typischerweise für einen Nischenmarkt.

Es bleibt die Aufgabe, aus der Geschäftsidee ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Das Marktpotenzial und die Marktsituation lassen sich durch Marktanalysen ermitteln. Bei der Erarbeitung des Geschäftsmodells empfiehlt sich die Hilfe von Gründer-Coaches mit ihrer Erfahrung in Unternehmensaufbau und Management. Ein hilfreiches Tool bei der Ausarbeitung des Geschäftsmodells bietet die Methode „Business Model Canvas“ des Schweizer Unternehmers, Dozenten und Autors Alexander Osterwalder, das im Folgenden beschrieben wird.

 

Das Business Model Canvas für die Firmengründung

Auf einem großen Papierbogen (z.B. im Format DIN A0) werden neun Felder eingezeichnet und jeweils mit den Schlüsselfaktoren tituliert:

  • Schlüssel-Partner: Wer sind strategische Partner für Synergien und die Verteilung der Risiken auf mehrere Schultern?
  • Schlüssel-Aktivitäten: Welche Tätigkeiten sind notwendig, welche können ausgelagert werden?
  • Nutzen-Versprechen: Welchen Bedarf hat die Zielgruppe? Welchen Kundennutzen oder welchen USP bietet das Produkt?
  • Kunden-Beziehung: Wie werden die Kunden gewonnen? Werden sie persönlich betreut – oder z.B. via Internet?
  • Kunden-Arten: Wer bildet die Zielgruppe: Ist es ein Massen- oder oder ein Nischenmarkt?
  • Schlüssel-Ressourcen: Welche Mittel sind für die Produktion oder Dienstleistung unverzichtbar?
  • Vertriebs- und Kommunikations-Kanäle: Wie werden die Kunden akquiriert?
  • Kosten: Welches sind die wichtigsten Ausgaben, ohne die das Geschäftsmodell nicht funktioniert?
  • Einnahmequellen: Soll die Firmengründung von Einmalzahlungen oder Dauereinnahmen etwa durch Abonnements oder Serviceverträge leben?

 

Die Stichworte zu diesen Fragestellungen werden auf Klebezetteln notiert und in die neun Felder geklebt. Die Ergebnisse sollten eine erste Struktur für Schritt 2 bilden: den Businessplan.

 

Alternative zur eigenen Geschäftsidee: Franchising

Neu-Gründung, Franchise-Gründung oder Unternehmensnachfolge – entscheiden Sie! Wer das „Rad nicht neu erfinden“ und auf ein bereits erfolgreiches Konzept setzen möchte, kann sich mittels einer Franchise-Geschäftsidee selbstständig machenAls Existenzgründer können Sie viele Probleme und Risiken vermeiden, die der Weg in die Selbstständigkeit im Alleingang mit sich bringt, wenn Sie ein fertiges Franchisekonzept erwerben. 

In der Virtuellen Messe auf FranchisePORTAL stellt sich eine große Zahl an Franchisesystemen vor, die Franchisenehmer suchen. Siehe Kapitel „Franchise-Existenzgründung“.

 

Weitere Option für Gründer: die Unternehmensnachfolge

Haben Sie schon einmal über eine Unternehmensnachfolge nachgedacht? Laut Annahmen des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) standen bzw. stehen zwischen 2014 und 2018 mehr als 135.000 Unternehmen zur Nachfolge an.

In der alternden Gesellschaft gibt es ein Überangebot an Unternehmen (z.B. Familienbetrieben), die einen „neuen Chef“ suchen! Ihr Vorteil: Sie übernehmen einen etablierten Betrieb mit Kundenstamm und erfahrenen Mitarbeitern. Die Nachteile liegen in der schwierigen Errechnung eines realistischen Kaufpreises (was ist ein Unternehmen wirklich wert?) und in der Tatsache, dass Sie sich in ein bereits bestehendes System einfügen.

 

Bevorzugen Sie eine Gründung mit System?

Wenn Sie sich für eine Existenzgründung interessieren, aber noch keine passende Geschäftsidee gefunden haben, sollten Sie mal unser Matching Tool ausprobieren! Hier erhalten Sie individuelle Vorschläge, die zu Ihren Angaben passen. Vielleicht passt ja ein Franchise- oder Lizenzsystem perfekt zu Ihnen und Ihren Vorstellungen einer Existenzgründung! Im Rahmen der Unternehmensnachfolge werden mitunter auch bestehende Franchise-Betriebe angeboten, dazu bietet das Portal Unternehmer-gesucht spezielle Angebote.

 

Gründer-Schritt 3: Gründung absichern

Existenzgründerseminar und Unternehmensberatung

Haben Sie schon einmal ein Unternehmen aufgebaut? Wissen Sie, wie man ein Unternehmen führt? Welche Rechtsformen ist für Ihre Existenzgründung die richtige? Als Unternehmer brauchen Sie Kenntnisse aus den Bereichen Kaufmännisches, Betriebswirtschaft, Management und Rechtsformen, die Sie als Arbeitnehmer kaum oder nur marginal erworben haben dürften. Eine erste Einführung bieten Existenzgründerseminare.

 

Unterstützung bei der Existenzgruendung

Gerade weil Existenzgründungen ein so komplexes Vorhaben darstellen, sollten Jungunternehmer den Weg zu Hilfsangeboten und Beratern nicht scheuen. Spezielle Hilfe für Existenzgründer gibt es inzwischen auf allen Ebenen: sei es von Ministerien, Industrie- und Handelskammern (IHK), Handwerkskammern (HWK), lokalen Existenzgründungsbüros, Gründungsberatern oder Verbänden. Viele Einrichtungen unterstützen Existenzgründungen zumindest in der Anfangsphase auch kostenlos.

 

Gründung „absichern“: Unternehmensberater involvieren!

Wissen Sie, wie Sie Ziele und Strategien festlegen? Wie Sie einen Businessplan schreiben, vor Bankberatern auftreten, eine Geschäftseröffnung durchplanen und ein Unternehmen samt Mitarbeiter führen? Sicher nicht. Sie sind Profi in Ihrem operativen Geschäft, aber kaum als Existenzgründer. Hier kommt der Gründungsberater ins Spiel. Er begleitet Existenzgründungen täglich, sie sind sein Kerngeschäft. Rechnen Sie mit Honoraren im mittleren vierstelligen Bereich. Sie schützen Sie vor noch kostspieligeren Starter-Fehlern und juristischen Fallstricken. Wussten Sie, dass die Gründungsberatung durch spezielle staatliche Programme finanziell gefördert werden kann?

Der Weg zu Gründungsberatung lohnt sich aber nicht nur, um die ganze Komplexität einer Existenzgründung kennen zu lernen. Sie kann sich auch in barer Münze auszahlen. Denn Gründungsberater kennen meist auch diverse Fördertöpfe, die den Start in die Selbstständigkeit bzw. die Gründungsfinanzierung erleichtern können. Fördermöglichkeiten für Existenzgründungen gibt es auf lokaler, regionaler, nationaler, ja sogar EU-weiter Ebene. Existenzgründer sollten besonders hier aufmerksam sein und alle Chancen nutzen. Denn gerade zu Beginn einer Gründung kann es zu finanziellen Engpässen kommen. Und die können am einfachsten überbrückt werden, wenn die Finanzierung für die eigene Existenzgründung auf festen Füßen steht.

 

Gründer-Schritt 4: Kapitalbeschaffung

Finanzplan und Businessplan

Keine Firmengründung ohne Kapital und Finanzplan! Zur Finanzierungsplanung gehören der Investitionsplan, der Umsatz- & Kostenplan sowie der Liquiditätsplan. Ist der Kapitalbedarfsplan für die Investitionskredite und ggf. erste Betriebsmittelkredite errechnet, muss eine Liste der Sicherheiten aufgestellt werden. Üblicherweise verlangen die Banken rund 15 bis 25 Prozent der Kreditsumme als Sicherheiten bzw. Eigenkapital. Diese können durch Fördermittel aufgestockt werden. Mehr Informationen hierzu siehe Unternehmensfinanzierung.

Übrigens: Warum scheitern Existenzgründer? Am häufigsten nicht wegen Überschuldung, sondern wegen Unterfinanzierung.

Laut der Risikokapital-Datenbank CB Insights gehen junge Unternehmen insolvent wegen Unterfinanzierung von Anfang an oder aufgrund zu hoher Kapitalschulden und Ausgaben bei unzureichender Finanzplanung (Quelle: Online-Portal selbststaendigkeit.de). Lesen Sie dazu auch den Beitrag „Woran scheitert die Mehrzahl der Startups?" im Ratgeber unseres Schwesterportals sowie den Artikel Hürden und Hindernisse bei der Unternehmensgründung" hier im FranchisePORTAL.

 

Von der Geschäftsidee zum erfolgreichen Geschäftskonzept: So entsteht Ihr Businessplan!

Möchten Sie so fachmännisch gründen wie Sie arbeiten? Für Ihre Gründung mit Perspektive benötigen Sie einen professionellen Businessplan. Im Businessplan wird aus ihrer Geschäftsidee ein konkretes Konzept.

 

Was gehört in den Businessplan?

In Ihrem Businessplan beschreiben Sie detailliert Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung mit Alleinstellungsmerkmal und Kundennutzen. Sie grenzen Ihre Kern-Zielgruppe ein, fügen Ergebnisse Ihrer Marktanalysen und ein prognostiziertes Marktpotenzial ein, legen Ihre Unternehmensziele und Ihre Marketing-Strategie fest und – einer der wichtigsten Punkte – fügen die fundierte Finanzierungsplanung in Kurzform ein.

Ein Executive Summary gehört ebenfalls in den Businessplan. Diese Zusammenfassung dient Geldgebern als „Türöffner“ zum Weiterlesen und dem Neu-Unternehmer als Grundgerüst für die erfolgreiche Eigenpräsentation vor Bankberatern sowie möglichen Investoren oder strategischen Geschäftspartnern.

 

Warum ist der Businessplan unverzichtbar?

Zum einen ist die Erstellung des Businessplans für die meisten Gründer die erste eingehende Beschäftigung mit ihrem Geschäftskonzept und dessen Erfolgsaussichten. Zum anderen dient Ihnen der Businessplan als Guideline für die Existenzgründung, den Geschäftsaufbau und die ersten zwei oder drei Geschäftsjahre. Das wichtigste Argument: Nur mit einem überzeugenden Businessplan gewinnen Sie Geldgeber oder Partner! Er dient als „Bewerbung“ bei den Banken für die Gründungskredite.

 

Wie viel Seiten hat der Businessplan?

Je nach Größenordnung des Gründungsvorhabens haben Businesspläne üblicherweise Umfänge von etwa 25 bis 60 Seiten, sie können bei Klein-Gründungen aber auch deutlich geringer ausfallen.

 

Wer hilft beim Businessplan?

Ein Tipp: Gründer-Coaches helfen bei der Erstellung eines professionellen Businessplans. Für ihre Dienste gibt es Beratungsförderung sowie Zuschüsse der öffentlichen Hand. Gründen Sie in einem Franchise-System? Dann bieten Ihnen die meisten Franchisegeber Unterstützung bei der Businessplan-Erstellung – aus ihrem Erfahrungsschatz und z.B. durch Vorlagen/Templates.

 

Gründer-Schritt 5: Erste Hürde meistern – aufs Bankgespräch gut vorbereiten!

Kommen wir zum nächsten Punkt: Finanzierung und Fördermittel beantragen. Ihr Businessplan steht. Sie kennen Ihren Kapitalbedarf an Eigen- und Fremdkapital. Sie wissen, welche Fördermittel Ihre Finanzierung unterstützen können. Ihr Gründungsberater hat Sie auf die Erwartungshaltung der Kreditgeber vorbereitet. Jetzt ist es an Ihnen, den ersten Punktsieg zu landen: Bereiten Sie sich akribisch auf das Bankgespräch vor. In Zeiten restriktiver Kreditvergabe – Stichwort Basel IV – erhalten nur die überzeugendsten Präsentationen den Zuschlag.

 

Mit dem Gründungs-Berater zur Bank

Gründungsberater begleiten die Antragsteller gern auf das für sie oftmals neue Terrain dieser Art von Bankgesprächen. Sie beraten sie auch zum Thema Fördermittel, welche über die Hausbanken beantragt und von den öffentlichen Förderbanken wie der KfW bereitgestellt werden.

 

Alternative Gründer-Finanzierung

  • Erfolglos bei den Kreditanträgen? Stuft Ihre Bank Ihre Existenzgründung als zu risikoreich ein? Gerade bei Start-ups in innovativen Technologiebranchen können die Bankberater die Erfolgschancen oft nur schwer einschätzen. Denken Sie über Möglichkeiten der alternativen Unternehmensfinanzierung wie Risikokapital (Venture Capital), Crowdfunding oder Business Angels nach!

 

Gründer-Schritt 6: Gründung „abschließen“ –  Rechtsform wählen

Schritt sechs zur Firmengründung beginnt mit der Entscheidung über die Unternehmensform. Möglich sind Personengesellschaften (z.B. in freien Berufen, früher auch „Ich-AGs“) oder Kapitalgesellschaften wie UG (haftungsbeschränkt) oder GmbH. Achtung: Die oHG zählt zu den Personengesellschaften, muss aber wie eine Kapitalgesellschaft notariell beurkundet werden. Mehr Informationen: siehe Rechtsformen.

Für Kapitalgesellschafts-Gründer führt nun der Weg zum Notar, um dort unter anderem die Gesellschafterverträge abzuschließen. Mit dem Handelsregistereintrag durch den Notar wird das Finanzamt automatisch über die Firmengründung benachrichtigt. Doch sollten sich Gründer rechtzeitig proaktiv um die Abgabe aller anfallenden Steuererklärungen, Gewerbesteuern oder Umsatzsteuer-Voranmeldungen kümmern. Verspätete Abgaben, die etwa aus „Warten auf Aufforderungen“ entstehen, münden in Säumniszuschlägen und erregen schlimmstenfalls den Verdacht auf Steuerhinterziehung.

 

Gründer-Schritt 7: Geschäftseröffnung vorbereiten – Konten einrichten, Versicherungen abschließen, Mitarbeiter gewinnen

Die heiße Phase der Firmengründung hat begonnen. Je nach Wichtigkeit des Faktors Standort hat die Standortsuche und Standortanalyse bereits stattgefunden, sodass nunmehr die Miet- oder Pachtverträge unterzeichnet oder das/die Grundstücke erworben werden können.

Können Sie mit Geld umgehen wie ein Kaufmann? Spätestens jetzt müssen Sie es. Trennen Sie Privat- und Geschäftskonten, eröffnen Sie mindestens ein Kontokorrentkonto. Behalten Sie Ihre Liquiditätsplanung im Blick.

 

Gründung: von der Gewerbeanmeldung zur Geschäftseröffnung

Zum siebten Schritt der Firmengründung zählt auch die Gewerbeanmeldung beim zuständigen Ordnungsamt, sofern diese nicht schon vorher erfolgte. Wer ein Konzessionsgewerbe betreiben möchte, sollte sich spätestens jetzt um die entsprechenden Genehmigungen bemühen. Zuständig ist häufig die Kreisbehörde.

Ferner empfiehlt es sich, gewerbliche Schutzrechte in Anspruch zu nehmen – z.B. die Patentanmeldung für den Firmen- oder Markennamen. Essenziell ist auch die Domain-Reservierung für den Internetauftritt.

Spätestens nach Abschluss der Gesellschafterverträge sollte das Geschäftskonto eingerichtet werden. Für Kapitalgesellschaften ist es vorgeschrieben. Personengesellschaften trennen damit private und geschäftliche Einnahmen und Ausgaben.

Starten Sie jetzt die Suche nach den Mitarbeitern, die Sie für den Geschäftsstart und die ersten Monate benötigen.

In dieser Phase sollten auch Versicherungen abgeschlossen werden, um das private wie unternehmerische Risiko zu mindern. Als unverzichtbar gelten Betriebshaftpflicht und Rechtsschutz, empfohlen wird unter anderem auch die Berufsunfähigkeitsversicherung.

 

Welche Versicherungen für Existenzgründer brauchen Sie?

Entscheiden Sie sich für die passende Kranken- und Pflegeversicherung: Wägen Sie die Vor- und Nachteile der freiwillig gesetzlichen und privaten Krankenversicherung ab. Schließen Sie die Versicherungen ab, die Sie wirklich brauchen – von Betriebshaftpflicht über Firmenrechtsschutz bis hin zu Berufsunfähigkeit. Und jetzt: Stellen Sie Mitarbeiter ein.

Es folgt die Einrichtungsplanung und Bestückung der Büros oder Produktionsgebäude mit der Geschäftsausstattung. Im Falle einer Firmengründung in Handel oder Gastronomie wird jetzt das Ladenlokal eingerichtet, ein Händler bestellt gegebenenfalls die Erstausstattung an Ware.

Was zu tun bleibt, sind unter anderem vermeintliche Kleinigkeiten wie AGBs definieren oder Impressum fürs Internet schreiben. Darüber hinaus müssen bei Bedarf Kundenverträge vorbereitet (zum Beispiel mittels Musterverträgen) und erste Arbeitnehmer rekrutiert werden. Für viele Handwerksbranchen gilt die Meisterpflicht. Ist der Gründer selbst kein Meister, muss er einen einstellen.

 

Gründer-Schritt 8: Marketing starten – erste Kunden akquirieren

Rechtzeitig vor der Firmengründung sollten Marketing-Aktivitäten und Kampagnen starten. Idealerweise wissen die Kunden bereits vorher, welche Angebote sie ab dem Eröffnungstag erwarten können. Ob klassische Werbung mittels Kampagnen, ob moderne Social-Media-Aktivitäten: Ideal ist eine Verknüpfung der Kanäle. Per Direktwerbung kann in der unmittelbaren Zielgruppe akquiriert werden, ohne Einschränkungen jedoch nur im Bereich Business-to-Business.

Im Vorfeld sollte eine Marketing-Agentur bereits Logo, Claim, Website samt Text sowie die Werbemittel entwickelt haben (siehe Branding/Markenbildung). Nun startet sie die Werbekampagnen.

 

Große Herausforderung für Gründer

Ist die Gründung erst vollzogen, der Laden, das Büro oder die Werkstatt eröffnet, werden weitere offene Fragen zu klären sein – selbst bei penibelster Vorbereitung. Deshalb ist auch in der Zeit nach dem Start in die Selbstständigkeit stets der ganze Unternehmer, die ganze Unternehmerin gefordert. Und hier liegt für viele letztendlich auch der Reiz einer Existenzgründung: Stetiger Wandel, lebenslanges Lernen, enger Kontakt zum Markt und viele andere Herausforderungen gehören zum Alltag – oder noch besser: bereichern den Alltag.

 

Was zeichnet eine Existenzgründung im Franchise aus?

Ein Firmenaufbau im Franchising kann ohne eigene Geschäftsidee erfolgen: Ein zukünftiger Franchise-Unternehmer „mietet“ sich das Geschäftsmodell samt Außenauftritt gegen Gebühr und setzt es in einem geschützten Vertriebsgebiet um. Er ist rechtlich selbstständig, arbeitet aber unter der Marke und nach dem bewährten Geschäftskonzept des Franchisegebers.

Im Franchising lassen sich zweierlei Arten des Unternehmensaufbaus unterscheiden: Zum einen die Gründung eines Franchise-Systems bzw. einer Franchise-Geber-Firma und der Umbau eines bestehenden Unternehmens in eine Franchise-Zentrale. Zum anderen der Aufbau eines Franchise-Nehmer-Betriebes.

 

Firmenaufbau eines Franchise-Nehmers

Informationen, welche Franchise-Systeme sich anbieten und Partner suchen, findet der Existenzgründer unter anderem auf Franchise-Messen, Gründertagen oder der Virtuellen Messe auf FranchisePORTAL. Schon nach der Kontaktaufnahme und bei den ersten Gesprächen zwischen dem zukünftigen Franchise-Geber und Franchise-Nehmer entsteht eine vorvertragliche Auskunftspflicht – wie in diesem Video von Rechtsanwalt Martin Niklas beschrieben:

 

Wer sich für den Eintritt in ein bestehendes Netzwerk mit einem erprobten Geschäftsmodell entscheidet, muss ein Unternehmer besonderen Typs sein: Als Franchise-Nehmer bringt er die Bereitschaft mit, sich nicht vollkommen selbst zu verwirklichen. Er „mietet“ und „multipliziert“ eine vorgegebene Geschäftsidee. Er stellt sich in den Dienst einer Marke und setzt die klaren Regeln und Abläufe um, die der Franchise-Geber vorschreibt. Und er kann nur unter der Voraussetzung über sein Vertriebsgebiet hinaus expandieren, dass er weitere Lizenzen oder zum Beispiel eine Masterlizenz erwirbt.

Bedenken Sie: Als Franchisenehmer sind Sie rechtlich vollkommen selbstständig und müssen den Firmenaufbau finanziell komplett selbst stemmen. Trotzdem unterliegen sie den Weisungsbefugnissen Ihres Franchisegebers. Franchisenehmer sind „besondere“ Unternehmer. Team- und Netzwerk-Fähigkeit sind wichtig.

Hat sich der Gründer in spe für ein System entschieden, dem er sich anschließen möchte, unterzeichnet er einen Franchise-Vertrag. Da ein Franchise-Geber, der um Partner wirbt, allerdings naturgemäß nicht neutral und unparteiisch sein kann, sollte der zukünftige Franchise-Nehmer einen Anwalt oder Berater konsultieren, der das System und seine Kennzahlen bewerten und den Vertrag juristisch prüfen kann. Gibt der Franchise-Experte grünes Licht, kann der Gründer mit dem Firmenaufbau beginnen. Das heißt, er erstellt einen Businessplan (Geschäftsplan), führt die Finanzierungsverhandlungen, lässt sich schulen und einweisen, richtet seinen Standort ein und rekrutiert gegebenenfalls Mitarbeiter. Gemeinsam mit dem Franchise-Geber führt er erste Marketingmaßnahmen an seinem Standort durch und eröffnet schließlich sein Geschäft.

 

Die Gründer-Vorteile für Franchisenehmer – zusammengefasst:

  • Der Gründer übernimmt als Franchisenehmer ein etabliertes Geschäftsmodell. Angebot, Geschäftsprozesse und Abläufe sind erprobt. Er vermeidet Gründerfehler und startet mit besten Erfolgschancen.
  • Der Franchise-Gründer startet in der Regel unter einer allgemein oder in der Branche bereits bekannten Marke. Er muss nicht für den Markenaufbau sorgen.
  • Ein Alleinstellungsmerkmal (USP). Für Franchisesysteme mit ihren meist hochspezialisierten Produkten und Dienstleistungen gehört der USP zu den tragenden Säulen der Geschäftspolitik
  • Die Firmenphilosophie. Der Leitgedanke des Unternehmens lässt sich am Markt kommunizieren und sorgt für Loyalität bei Kunden wie Mitarbeitern. Franchisegeber entwickeln diese Firmenphilosophie, ihre Partner übernehmen sie und erfüllen sie mit Leben
  • Realistische Ziele bezüglich der Marktanteile, Margen, Gewinne, Erlöse und ROI. Eine Strategie zum Erreichen dieser Ziele, die z.B. mit Hilfe von Franchise-Experten ausgearbeitet wird
  • Ein glaubwürdiger Businessplan und eine detaillierte Finanzierungsplanung, um den Investitionsbedarf klar abschätzen und Geldgeber überzeugen zu können
  • Ein erprobtes Kommunikationskonzept, um Kunden zu gewinnen, Image aufzubauen etc.)

 

Diese und weitere Vorteile sprechen für eine Existenzgründung im Franchising. Die Franchisegeber unterstützen ihre Partner im Aufbauprozess sowie im laufenden Betrieb. Zudem müssen Franchisenehmer Ihren Betrieb nicht komplett „erfinden“. Sie können vieles von ihrer Systemzentrale übernehmen oder dabei auf die Erfahrungen anderer Netzwerk-Partner zurückgreifen). Der Gründer profitiert von der Arbeitsteilung im Franchisesystem. Er kann sich auf sein Kerngeschäft fokussieren: Viele administrative Aufgaben wie Einkauf, überregionales Marketing, Schulung/Weiterbildung oder kaufmännische Unterstützung werden als Leistungen der Systemzentrale übernommen.

Der Gründer erhält im Allgemeinen eine umfassende Ausbildung – fachlich wie kaufmännisch und in Fragen der Unternehmensführung. Der Franchise-Gründer profitiert nicht nur vom Praxiswissen seines Franchisegebers: In den meisten Netzwerken findet regelmäßig Erfahrungsaustausch mit den anderen Franchisenehmern z.B. in Partnertagungen statt.

Franchising wird häufig als „Unternehmerschule“ bezeichnet. Viele Gründer gehen bei ihrem Erst-Start in die Selbstständigkeit den als sicherer geltenden Weg des Franchising statt der als risikoreicher geltenden Eigengründung. Er bleibt zwar auf ein im Franchisevertrag definiertes Vertriebsgebiet beschränkt. Möglichkeiten zu expandieren bieten sich Franchisenehmern jedoch ebenfalls – z.B. in Form von Master Franchising.

 

Die Gründer-Nachteile für Franchisenehmer – zusammengefasst:

  • Keine Umsetzung einer eigenen Geschäftsidee; „Unterordnung“ unter bestehende Marke und das Geschäftskonzept, unter Umständen keine volle „Selbstverwirklichung“.
  • Beschränkte unternehmerische Freiheit durch Weisungsbefugnisse des Franchisegebers.
  • Es ist eine einmalige, oft fünfstellige System-Eintrittsgebühr zu zahlen.
  • Es sind meist monatliche Franchisegebühren zu zahlen, teilweise auch Werbegebühren. Die Franchisegebühren sind manchmal fix, meist aber umsatz- oder gewinnabhängig. Für seine Gebühren erhält der Franchisenehmer unter anderem die Nutzungsrechte für Marke und Geschäftskonzept, den Know-how-Transfer sowie die Leistungen der Systemzentrale, siehe Pflichten des Franchisegebers. Aber er ist auch vertraglich verpflichtet, diese möglichst 1:1 umzusetzen, was seine unternehmerische Freiheit stark einschränkt (siehe Pflichten des Franchise-Nehmers).

 

Videos zum Thema Unternehmensgründung:

In einer Video-Serie für FranchisePORTAL beschreibt der Unternehmensberater Reinhard Wingral den Weg zum Unternehmensaufbau innerhalb eines Franchise-Netzwerkes. Der Titel der Video-Serie lautet: „Die 5 Schritte zum Franchise-Nehmer“. Sie behandelt die Themen von der eingehenden Information über bestehende Franchise-Systeme über die Prüfung und Eingrenzung der Systeme und den Vertragsabschluss bis hin zur Integration ins bestehende Netzwerk.

Sind Sie ein Franchisenehmer-Typ? Laden Sie unser eBook herunter: „Die wichtigsten Eigenschaften erfolgreicher Franchise-Nehmer“!

Klicken Sie auf die Videos des Franchise-Experten Reinhard Wingral:


Firmengründung mit Lizenzsystemen

Eine Alternative zum Franchising bieten Lizenzsysteme. Bei ihnen erwirbt der Gründer ebenfalls die Vertriebslizenz einer etablierten Marke. Ihm bleibt jedoch in der Regel die Freiheit, uneingeschränkt zu akquirieren und Neukunden zu gewinnen. Dagegen erhält er selten jene umfangreiche administrative Unterstützung durch den Lizenzgeber, wie sie für die Leistungen einer Franchise-Zentrale kennzeichnend ist.

 

Franchising kontra MLM: Was ist Multi-Level-Marketing?

Bisweilen wird Franchising mit Multi-Level-Marketing verglichen. Es besteht jedoch ein erheblicher Unterschied zwischen beiden Vertriebssystemen. Multi-Level-Marketing wird auch als Netzwerk-Marketing oder Strukturvertrieb bezeichnet. Wer in einen Strukturvertrieb einsteigt, verkauft nicht nur Produkte an den Endkunden, sondern wirbt weitere Verkäufer. Gewinne stellen sich für ihn zumeist erst dann ein, wenn eine Vielzahl an Weiterverkäufern gewonnen ist, an deren Verkaufsanteilen er verdient. Häufig mündet MLM in sogenannten Schneeballsystemen: Die Zahl der Verkäufer steigt endlos, das Marktpotenzial schöpft sich jedoch aus. Die zuletzt akquirierten Verkäufer verdienen nichts mehr, das System kollabiert. Mitunter sind solche Schneeballsysteme auch illegal.

Im Franchising übernimmt der Existenzgründer ein erfolgreich erprobtes Geschäftsmodell. Er praktiziert es zumeist exklusiv in einem vertraglich geschützten Vertriebsgebiet. Die weitaus meisten Franchisesysteme arbeiten seriös und bieten ihren Franchisenehmern eine reelle Existenzgrundlage. Beispielsweise teilen sie ihre Vertriebsgebiete so ein, dass jedem Franchise-Partner ein vergleichbares Marktpotenzial mit fairen Wachstumschancen zur Verfügung steht. Die Rechtsgrundlage für Franchise-Systeme bildet die Gruppenfreistellungsverordnung der EU.

 

Seriöses Franchising ist keine Scheinselbstständigkeit

Gelegentlich bezeichnen sich Unternehmen als Franchise-Systeme, die ihren Vertrieb ausschließlich oder überwiegend über freie Mitarbeiter oder Selbstständige ohne Arbeitsverträge organisieren. Hier besteht jedoch Abhängigkeit, während sich Franchising als kooperative Partnerschaft versteht. Lesen Sie mehr zum Thema Scheinselbstständigkeit.

 

Firmenaufbau eines Franchise-Gebers

Beim Firmenaufbau eines Franchise-Gebers lautet das Ziel, das Unternehmen über Franchise-Partner expandieren zu lassen.

Lesen Sie mehr dazu in unserem Franchise-Lexikon-Artikeln „Franchisesystem-Aufbau“ und „Franchise-Vorteile und Nachteile

 

Allgemeines Gründer-Wissen

  • Ausführliche Informationen für Gründer bietet das FranchisePORTAL unter der Rubrik Gründerwissen.

 

Viel Erfolg als Existenzgründer!

 

 

 

 

Rahmenbedingungen des Gründungsgeschehens: Aktuelle Studien zum Gründungsklima

Was ist das Gründer-Klima?

Mit dem Gründerklima oder Gründungsklima wird sowohl die Quote der Existenzgründungen im Vergleich zur Gesamt-Erwerbstätigkeit als auch das gesellschaftliche wie politische Umfeld für Gründer umschrieben. Wie viel Prozent aller Erwerbstätigen machen sich selbständig? Welche Chancen haben sie? Zum Gründungsgeschehen in Deutschland gibt es vielfältige Statistiken und Studien.

KfW-Gründungsmonitor

Der jährlich erscheinende Gründungsmonitor der KfW-Förderbankengruppe veröffentlicht Statistiken zu den Firmengründungen in Deutschland. Laut KfW-Gründungsmonitor 2017 fiel die Zahl der Gründer im untersuchten Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr um 91.000 auf einen Tiefststand von 672.000. Der KfW-Gründungsmonitor 2019 verzeichnet für das Jahr 2018 eine relative Stabilisierung: Die Zahl der Existenzgründer sank nur leicht um ca. 2% gegenüber dem Vorjahr (siehe unten: KfW-Gründungsbarometer“). Als Grund für den Existenzgründer-Rückgang wird die positive Arbeitsmarktsituation vermutet. Einen Vorteil sehen die KfW-Marktforscher darin, dass weniger sogenannte Notgründungen (aus Arbeitslosigkeit heraus) und mehr „Chancen-Gründungen“ von Menschen erfolgen, die sich mit ihrer Selbstständigkeit einen Traum erfüllen.

 

KfW Gründungsbarometer

Nach dem KfW Gründungsbarometer mit dem Titel "Gründungstätigkeit in Deutschland stabilisiert sich 2018 auf niedrigem Niveau" ist die Zahl der Gründungen in Deutschland im Jahr 2018 erneut leicht zurückgegangen: So haben sich aufgrund der guten Beschäftigungslage mit 547.000 Personen nochmals knapp 2 % weniger als im Vorjahr selbstständig gemacht. Voll- und Nebenerwerbsgründungen liegen jetzt erstmals fast auf gleichem Niveau, nachdem die Zahl der Vollerwerbsgründer um 21.000 zunahm und die der Nebenerwerbsgründer um 31.000 zurückging. Die positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung vermochte den anhaltenden negativen Trend bei der Gründungstätigkeit erneut nicht auszugleichen. Vielmehr verfügen potenzielle Gründer über attraktive Jobalternativen, welche die Opportunitätskosten einer Gründung erhöhen. Ohne die positive Entwicklung bei den Gründungsaktivitäten von Frauen, die um 4 % auf 40 % zulegten, könnte von einer Stabilisierung der deutschen Gründungstätigkeit keine Rede sein. Die als Jobmotor wichtigen Chancengründer, die eine Geschäftsgelegenheit nutzen wollen, gingen um 2 % auf 382.000 zurück und machen unverändert 70 % aller Gründungen aus. Dagegen legten die Notgründer, die sich in Ermangelung einer besseren Erwerbsalternative zur Gründung entschlossen, trotz der unveränderten Dynamik des Arbeitsmarktes um fast 10 % auf 135.000 zu.

Diese und andere Studien verdeutlichen, dass das Gründungsinteresse immer neue Tiefpunkte erreicht. Doch enthalten aktuelle Studien zarte Hoffnungsschimmer für ein positiveres Gründungsklima:

 

„Gründungstätigkeit trotzt der Demographie“ von ZEW und Creditreform

In einer Studie zum Gründungsgeschehen in Deutschland mit dem Titel "Gründungstätigkeit trotzt der Demographie" stellen ZEW und Creditreform 2017 fest, dass der kontinuierliche Rückgang der Gründungstätigkeit endlich zum Stillstand gekommen ist. Die Zahl wirtschaftlich aktiver Neugründungen stagniert seit drei Jahren bei knapp 160.000, dem bislang tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung. Üblicherweise wird dieser Rückgang mit den guten alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten begründet. Zu wenig beachtet wird dabei die demographische Entwicklung, wodurch die gründungsstarken Altersgruppen der 35- bis 45-Jährigen schrumpfen. Jedoch könnten auch Finanzierungs- und Wachstumshemmnisse ein entscheidender Faktor sein, weshalb die Gründungstätigkeit in Deutschland weiterhin stagniert. Während Neugründungen in nicht-technologie- oder wissensintensiven Dienstleistungen etwas zugenommen haben, ist deren Zahl im Bereich Handel, Verkehr, Kredit, Versicherungen sowie in der forschungsintensiven Industrie deutlich zurückgegangen.

 

DIHK-Gründerreport 2018

Dem DIHK-Gründerreport 2018 zufolge mit dem Titel "Endlich mehr Gründungsinteresse - Politik muss jetzt liefern" kam in das Gründungsgeschehen in Deutschland endlich Bewegung. Wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag in seinem aktuellen Report feststellte, nahm die Zahl der persönlichen Gespräche mit Gründungsinteressierten in 32 von 79 IHK-Regionen zu. Mit rund 200.000 Interessenten betrachteten erstmals wieder mehr Menschen die unternehmerische Selbstständigkeit als mögliche Alternative zu ihrer aktuellen Erwerbstätigkeit. Zum positiven Bild des Unternehmertums trug die günstige Konjunkturlage und die verstärkten medialen Aktivitäten bei. Allerdings sprangen sie häufig wieder ab, sobald das Gründungsvorhaben konkreter wurde. Zu attraktiv waren in Zeiten des Fachkräftemangels und geringer Arbeitslosigkeit die Konditionen im Angestelltenverhältnis. Negativ wirkte sich die rückläufige demographische Entwicklung insbesondere bei den gründungsaffinen Jahrgänge zwischen 25 und 45 Jahren aus. Erneut sprach sich der DIHK für die stärkere Vernetzung zwischen GründerInnen, die Weiterentwicklung der Beratungsinfrastruktur, den Ausbau der digitalen Infrastruktur, die Beschleunigung des Bürokratieabbaus, die Einrichtung effizienter One-Stop-Shops und die Verbesserung der Finanzierungsbedingungen aus.

Bereits 2017 hatte das DIHK in einer internationalen Vergleichsstudie festgestellt, dass das Gründungsinteresse in Deutschland besonders gering ist. So interessieren sich beispielsweise in Großbritannien fast doppelt so viele Menschen für eine Unternehmensgründung. Der größte Hebel für mehr wachstumsstarke und innovative Existenzgründungen liegt nach Ansicht des DIHL in der frühen Vermittlung von Unternehmertum und IT im Schulunterricht. Zudem eigne sich die unternehmerische Selbstständigkeit als Integrationsweg für Geflüchtete.

 

Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM)

Eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) aus dem Jahr 2015, welche die Umsatzentwicklung neugegründeter Unternehmen in den ersten sieben Jahren auf Basis des Umsatzsteuerpanels 2001 bis 2010 untersucht, kommt zu folgendem Ergebnis: Anfangs verzeichnen junge Unternehmen ein dreimal stärkeres Wachstum als ältere Unternehmen, allerdings bleibt nur ein gutes Drittel - trotz temporärer Rückschläge - dauerhaft auf Wachstumskurs. In der Meldung 'Gründerschwund?' (IfM-Standpunkt 13) wird vor einer Dramatisierung der rückläufigen Gründungszahlen gewarnt und der Blick auf einige positive Faktoren gelenkt. Demnach handelte es sich bei jeder vierten gewerblichen Existenzgründung in 2014 um die "Betriebsgründung einer Hauptniederlassung", der eine höhere wirtschaftliche Bedeutung als einer Kleinstgewerbegründung beizumessen sei. Außerdem gäbe es neben den klassischen Unternehmensgründungen eine wachsende Zahl von Solo-Selbstständigen und technologischen Start-ups, deren kreative Impulse zu einer permanenten Erneuerung und Modernisierung der Wirtschaft beitrügen.

 

Welche Gründer-Wettbewerbe gibt es?

In vielen deutschen Bundesländern finden jährlich Gründerwettbewerbe oder Businessplan-Wettbewerbe von Gründer-Initiativen statt. Dabei werden die innovativsten Gründer oder erfolgversprechendsten Geschäftsideen mit Geld- und Sachpreisen prämiert. Informationen erteilen u.a. die örtlichen Industrie- und Handelskammern.

 

Autor:

Ulrich Kessler
Ulrich Kessler
FranchisePORTAL GmbH 2019
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