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Gründungsfinanzierung: Die 3 häufigsten Fehler

Hat SIE oder ER eine Geschäftsidee, die umgesetzt werden soll, und es soll der Sprung in die Selbstständigkeit gewagt werden, dann birgt diese Entscheidung nicht immer nur Vorteile, wie „Ich bin mein eigener Chef“, sondern kann auch Risiken mit sich bringen. Oft sind der/die Unternehmensgründer/in bezüglich ihrer Geschäftsidee sehr euphorisch und betrachten ihre Unternehmensgründung nicht selten hinter einer rosaroten Brille. Um aber auch die ersten Klippen der Selbstständigkeit professionell und erfolgreich umsegeln zu können, bedarf es auch die Risiken – die ein Startup beinhaltet kann – nicht zu vernachlässigen bzw. sie mitabzuwägen bei der Vorbereitung und Gründung des Unternehmens.

Forschungen haben gezeigt, dass Startups oft in den ersten fünf Jahren scheitern. Dabei spielt die Finanzierung des neuzugründenden Unternehmens neben den anderen Bausteinen eines erfolgreich geführten Unternehmens, wie Marketing, Vertrieb, Einkauf, Produktion, professionelle Organisation und Kundenbetreuung etc., eine existentielle Säule bei der Unternehmensführung.

Jede/r Unternehmensgründer/in sollte sich im Vorfeld umfangreich über die Gründungsmöglichkeiten bei Kammern, Verbänden, im Internet und bei Kreditinstituten einschließlich Förderbanken (KfW und Landesbanken) informieren, bevor der Sprung in die Selbstständigkeit erfolgt. Immer wird er/sie bei den Gesprächen erfahren, dass zum Kurshalten ein Navigationshandbuch in Form eines Gründungskonzeptes inklusive eines Businessplans, der den Kapitalbedarf für die geplanten Investitionen und das Betreiben des Startup-Unternehmens samt Ertragsfähigkeit und Liquiditätsvorschau abbildet, notwendig ist.

Kommen wir nun zur Finanzierung der Geschäftsidee bzw. des Startup-Unternehmens.

Das sind die drei häufigsten Fehler in der Gründungsfinanzierung

Jede Geschäftsidee benötigt eine Finanzierung, die sich je nach Umfang der benötigten Finanzmittel meistens aus einer Mischung von Eigen- und Fremdkapital (Banken) zusammensetzt. 

Vorausgesetzt, der/die Gründer/in verfügt für ihre/seine Geschäftsidee zum Zeitpunkt der Gründung über genügend Eigenkapital und die
Geschäftsidee benötigt einen überschaubaren Finanzrahmen, kann es vorkommen, dass ein Startup nur aus Eigenmitteln finanziert werden kann. Meistens sind dann aber spätestens bei der ersten Expansion Finanzmittel von Kreditinstituten oder Dritten notwendig. Ist dieser nächste Schritt samt Finanzierung nicht bei der Vorbereitung und Umsetzung der Unternehmensgründung mitberücksichtigt worden, führt dies oft zur ersten Krise und kann möglicherweise auch zur Insolvenz des Startup-Unternehmens führen, bevor es richtig durchstartet.

Oft wird bei umzusetzenden Geschäftsideen, die mit Fremdkapital finanzierten werden sollen, der Eigenkapitalanteil von den Gründern unterschätzt, weswegen dann entsprechende Finanzierungsanfragen bei Kreditinstituten von diesen negativ beschieden werden. Aus unserer Erfahrung bei begleiteten Existenzgründungen zeigt sich, dass ein Eigenkapitalanteil von 10 % bis 15 % vorhanden sein sollte. Es sei noch angemerkt, falls öffentliche Zuschüsse von EU, Bund, Länder und Kommunen in dem Finanzierungskonzept des Startups Berücksichtigung finden und diese möglicherweise Eigenkapitalcharakter haben sollten, können diese beantragten Mittel – nach Erhalt eines entsprechenden Bewilligungsbescheides der Antragsstelle – dann als Eigenkapital angerechnet werden. Dies ist aber jeweils vom Einzelfall abhängig und sollte bei der Erarbeitung des Investitions- und Finanzplans im Vorfeld geklärt werden.

Ein weiterer oft auftretender Fehler bei der Finanzierung von Startups ist, dass die Finanzierung lückenhaft ist. Damit ist gemein, dass zwar oft bei der Erarbeitung des Finanzplans die zu tätigen Investitionen in einem Investitionsplan dargestellt sind und unter Berücksichtigung von Eigen- und Fremdmitteln in den Finanzplan einfließen, aber die Anlauffinanzierung vergessen wird. Oft kommt es auch vor, dass die Anlaufphase des Startups zeitlich unterschätzt wird, bis das Unternehmen kostendeckend, auch unter Mitberücksichtigung der Lebenshaltungskosten des/der Gründers/in, arbeitet. Daher sind Verzögerungen in Form eines Bad-Case-Szenarios bei der Finanzplanung für die ersten Monate mit einzubeziehen. Ferner ist in den ersten Monaten nach Gründung regelmäßig eine Übersicht über die Einnahmen und die Ausgaben in Form eines Liquiditätsplans zu führen, damit der/die Gründer/in einen Überblick über ihre/seine Zahlungsströme erhält und bei einer möglicherweise unterschätzten Anlaufphase, rechtzeitig Maßnahmen beispielsweise in Form einer Zwischenfinanzierung einleiten kann.

Tipp für den nächsten Schritt

Letztendlich hat der/die Existenzgründer/in ihre/seine Entscheidung abzuwägen, ob die Geschäftsidee ein gewisses Alleinstellungsmerkmal aufweist und ob in Zukunft mit dem Unternehmen der persönliche Lebensunterhalt bestritten werden kann. Innerhalb der Selbstständigkeit wird es immer wieder – auch nach einer erfolgreichen Vor- und Gründungsphase – dazu kommen, dass Probleme zu bewältigen sind. Gerade deshalb ist es notwendig, auch neben den Branchenkenntnissen und den anderen Disziplinen der Unternehmensführung, die Finanzierung des Unternehmens immer im Fokus zu haben.

Bezogen auf die Gründungsphase, ist es deshalb unbedingt notwendig, dass sich der/die Unternehmensgründer/in ein aussagefähiges Gründungskonzept inkl. Finanzierungsplan (Investitionen und Betriebsmittel) sowie Liquiditätsplan über mindestens drei Jahre erarbeitet. Dieser Finanzierungsplan sollte dann jeweils regelmäßig weitergeführt werden, da Finanz- und Liquiditätsplan wichtige Controllinginstrumente zur Unternehmenssteuerung auch nach der Gründungsphase sind.

Abschließend sei noch angeregt, dass falls sich schon bei den Vorarbeiten und Recherchen der Unternehmensgründung zeigen sollte, dass aus Finanzierungsmangel oder anderen Risiken (Standort, kaufmännischem Know-how etc.) die Geschäftsidee möglicherweise nicht alleine umzusetzen ist, aber es vielleicht ein Franchise-System gibt, in dem sich der/die Existenzgründer/in wiederfindet, dies möglicherweise eine Variante für die geplante Selbständigkeit ist, da die Geschäftsidee schon erfolgreich am Markt umgesetzt wurde und somit möglicherweise weniger Risiken mit sich bringt. Ferner kann hier, bei fehlenden Know-how (fachlich und kaufmännisch) des/der Existenzgründers/in, dieses weiter durch die Hilfestellung das Franchisegebers ausgebaut werden.

Expertenstimme von Till Hübner

 Dipl.-Kfm. Till Hübner

Dipl.-Kfm. Till Hübner

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