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Ratgeber
für Franchise-Interessierte

Franchise-Fragen an die Beraterin Frau Veronika Bellone

Veronika Bellone: Grüss Gott, liebe Chat-TeilnehmerInnen. Ich freue mich auf Ihre Fragen. Ihre Veronika Bellone

Leser: Guten Tag, mir liegt das Angebot eines Franchisesystems aus dem Dienstleistungsbereich vor, das fast 50% des Umsatzes als Gebühren verlangt. Ist das nicht absurd?

Veronika Bellone: Guten Tag, lieber Chat-Teilnehmer. Das scheint mir effektiv etwas hoch gegriffen. Aber dennoch möchte ich das nicht so stehen lassen. Wichtig scheint mir zu überprüfen, welchen Gegenwert Sie bekommen würden. Welche Leistungen seitens der Zentrale bietet man Ihnen an. Wenn die Unterstützung eine dermassene Erleichterung für Ihren Tätigkeitsbereich darstellt, bei der Sie so allenfalls andere Fixkosten einsparen können, wäre es vielleicht eine Alternative. Entscheidend ist auch, was bei 50% Abgaben überhaupt finanziell übrig bleibt. Sie sollten, wenn Sie das Angebot interessiert, ganz offen über Ihre Bedenken sprechen und das Preis-/Leistungsverhältnis mit dem Franchisegeber besprechen.

Leser: Sehr geehrte Frau Bellone, können Sie mir bitte sagen wo ich Informationen zur Rechtslage (z.B. Insolvenz) von Franchisegebern finde.

Veronika Bellone: Sehr geehrter Chat-Teilnehmer. Bitte wenden Sie sich an den Deutschen Franchise Verband in Berlin 030 278 90 20.

Leser: Hallo Frau Bellone, wie kann ich den Rekrutierungsprozess so gestalten, dass keine vertraulichen Informationen an Mitbewerber gelangen?

Veronika Bellone: Hallo, lieber Chat-Teilnehmer. Sie sollten bitte Ihren Akquisitions-/Selektionsprozess in Phasen aufteilen, damit in Ihrem Unternehmen auch jeder weiss, was er in welchem Stadium dem Bewerber mitteilen darf. Wenn Sie das Profil Ihrer Partner bestimmt haben, dann kreieren Sie ein Präsentationsdossier mit einem Fragebogen. Im Dossier stehen die Eckdaten Ihres Franchise-Systems inklusive der Anforderungen, die Sie an den Partner stellen. Der Fragebogen efordert dann wiederum Aktivität vom Bewerber. Sie sollten darin gezielt fragen, warum er gerade mit Ihnen die Partnerschaft anstrebt. Was seine persönlichen und beruflichen Zielsetzungen sind. Versuchen Sie herauszubekommen, worin die wahre Intention des Bewerbers liegt. Bei den Kontaktgesprächen können Sie dem Partner einen Einblick in das Franchise-Handbuch gewähren - dieses selbstverständlich nicht herausgeben, wenn ein Vertrag noch nicht unterzeichnet ist. Möchte der Partner als Entscheidungshilfe auch einen "Schnuppertag" im Betrieb wahrnehmen oder tiefer in die Materie Ihrer Systeminhalte vordringen, dann gehen Sie mit ihm eine Optionsvereinbarung ein, die den pot. Partner zur Geheimhaltung verpflichtet und mit entsprechenden Sanktionen verknüpft ist. Ausserdem können Sie eine Gebühr verlangen im Rahmen der Option, die Sie anrechnen, wenn der Partner den Vertrag unterschreibt. Das Wichtigste sollte bei der Selektion sein, dass Sie den Partner mittels gezielter Fragestellung so gut kennenlernen, dass Sie einen entsprechenden Schutz erhalten.

Leser: Hallo, wie muss eine Marke etabliert sein und über welche Schutzrechte muss sie verfügen, um daraus ein Franchisesystem zu entwickeln?

Veronika Bellone: Grüss Gott, lieber Chat-Teilnehmer. Die Marke muss eingetragen sein, der Nachweis dafür wird in Kopie dem Franchise-Vertrag beigelegt. Um ein Franchise-System zu entwickeln, bedarf es der genügenden Erfahrung mit dem Unternehmenskonzept. Dafür richten Sie Pilot- bzw. Testbetriebe ein. Die Marke wird sich mit dem Aufbau des Systems etablieren, da Franchising auf Multiplikation setzt.

Leser: Schönen guten Tag Frau Bellone, das Franchisesystem Theo Tours wurde kürzlich verkauft. Können Sie mir etwas zu den Hintergründen sagen? Funktioniert das Geschäftsmodell?

Veronika Bellone: Liebe Chat-Teilnehmerin. Da muss ich ganz ehrlich passen, denn ich weiss die Hintergründe nicht. Ich würde jedoch immer den direkten Weg wählen und am Ort des Geschehens selbst nachfragen.

Leser: Ja das mache ich, danke. Noch eine Frage hätte ich: Kann ich im Falle einer schweren Erkrankung meine Geschäftstätigkeit einstellen oder kann mich der Franchisegeber zum Weitermachen zwingen?

Veronika Bellone: "Franchise-Geber sind Menschen!" Ich könnte mir keinen vorstellen, der einen Partner "versklaven" wollte. Im Vertrag werden Sie die Klausel zur Auflösung der Partnerschaft lesen, dort sind solche Fälle in der Regel ausführlich behandelt. Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft.

Leser: Wer entscheidet über den Geschäftsnachfolger, wenn ich mich mit dem Franchisegeber nicht einigen kann? Gibt es eine Regelung wie bei Mietverträgen?

Veronika Bellone: Wenn keine Einigung statfindet, muss ergründet warum nicht. Entsprechen die vorgeschlagenen Nachfolger nicht dem Profil? Ich würde eine neutrale "Schiedsstelle" hinzuziehen, wenn Sie die Einigung nicht untereinander klarmachen können. Ein Mediator bzw. eine Mediatorin kann hier Abhilfe schaffen.

Leser: Wo finde ich Vergleiche und Beurteilungen von Franchisesystemen der gleichen Branche (Diensleistung)?

Veronika Bellone: Die CD vom Kessler Verlag (siehe Franchise-Portal) bzw. die Franchise-Chancen vom Rentrop-Verlag (Katalog) geben Ihnen eine gute Übersicht, weil sie die Konditionen und die dargebotenen Leistungen einzelner Systeme nach Branchen vorstellen. Beurteilungen werden Sie weniger finden - diese können Sie nur einholen, wenn Sie sich für ein System interessieren und Franchisepartner selbst befragen (das sollten Sie vorab mit dem Franchisegeber absprechen).

Leser: Welche Bedeutung haben Ich-AGs im Franchising?

Veronika Bellone: Sie haben vor allem die Bedeutung, dass die Ich-AG's die Diskussion um die berufliche Selbstständigkeit angekurbelt haben. Viele Franchisenehmer-Betriebe stellen sich als Kleinstfirmen dar - von daher gibt es ebenfalls die Nähe zur Ich AG. Der Unterschied ist nur, dass beim Franchising bereits ein multiplizierbares Konzept mit Erfahrungswerten vorhanden ist und man nicht auf der "grünen Wiese" anfängt. Der Erfolg ist eher planbar.

Leser: Was halten Sie von den Aktivitäten der verschiedenen Franchisenehmer-Verbände?

Veronika Bellone: Verbände bzw. Verbandsverantwortliche erfüllen dann ihre Aufgabe, wenn sie nebst ihren diversen Leistungsaufträgen auch eine Portion Idealismus und Pioniergeist mitbringen. Das ist meine persönliche Meinung.Ich kenne vor allem die Franchise-Verbände - weniger die Franchisenehmer-Verbände, von daher darf ich mir kein Urteil erlauben über letztere. Von den Franchise-Verbänden habe ich den Eindruck, dass sie als wichtige Anlaufstelle genutzt werden.

Leser: Ich interessiere mich für die Übernahme einer Masterlizenz. Wo kann ich entsprechende Angebote finden?

Veronika Bellone: Lieber Chat-Teilnehmer. Verfolgen Sie bitte die Angebote auf dem Franchise-Portal - Sie werden dort auch eine virtuelle Messe vorfinden. Ausserdem sollten Sie sich die Franchise-CD vom Kessler Verlag zulegen und beim Deutschen Franchise Verband (DFV) nachfragen und bei GoFranchise (Spezialisten in der Vermittlung von Franchisegebern und -nehmern). Telefonnummern DFV 030 278 90 20 und Go Franchise 0202 69 55 777, Herr Feyh.

Leser: Welche Rechte und Pflichten hat der Master eines ausländischen Franchisesystems in Bezug auf die Handbucherstellung (Know-how-Dokumentation)? Muss er den Text wortwörtlich übersetzen und jede Abweichung mit dem Systemgeber abstimmen?

Veronika Bellone: Grüss Gott, lieber Chat-Teilnehmer. Der Master adaptiert in der Regel das System an die Marktverhältnisse seines Landes. Abweichungen sollten Sie dann besprechen, wenn effektiv Änderungen vorgenommen werden, die von den Inhalten des Konzeptes abweichen. Damit können sich auch die Erfolgschancen des Systems verändern. Eine nahe Zusammenarbeit beim Anpassen der Unterlagen würde ich empfehlen - bzw. mutet es auch merkwürdig an, wenn der Franchisegeber nicht wissen wollte, welchen Verlauf die Übertragung des Know-how's nimmt.

Leser: Ich bin mit einem großen kanadischen Franchisesystem in Kontakt, die vor einem Gesprächs- bzw. Prüfungstermin erst einmal 10.000 EUR überwiesen haben wollen. Im Falle einer Ablehnung soll ich das Geld zurück bekommen. Ist ein solches Vorgehen im Franchising üblich?

Veronika Bellone: Grüss Gott, lieber Chat-Teilnehmer. Solches Vorgehen kann in Ordnung sein, wenn man sich schützen will - z.B. vor Mitbewerbern. Allerdings, wenn es effektiv die erste Kontaktnahme ist, dann würde ich entsprechende Erkundigungen über das System einholen. Sie können mit dem IFA (dem Internationalen Franchise Verband) Kontakt aufnehmen (siehe Link auf der Website des DFV -Deutscher Verband). Erfragen Sie, ob Sie - sofern Partner in Europa vorhanden sind - mit diesen Kontakt aufnehmen können. Ausserdem sollte Ihnen ein LOI (Letter of Intent) zugestellt worden sein. Wenn man Sie zur Zahlung verpflichtet, dann können Sie auch eine schriftliche Erklärung erwarten, die Ihnen aufzeigt, in welche Geheimnisse man Sie einweiht.

Leser: Sind hohe Eintrittsgebühren eines ausländischen Franchisesystems zu rechtfertigen, wenn es auf dem nationalen Markt noch völlig unbekannt ist?

Veronika Bellone: Ist das System bzw. das Angebot tatsächlich noch von geringer Bedeutung, dann kann das Risiko entsprechend höher sein. Erfragen Sie, welche Hilfestellungen Ihnen der Franchisegeber bereit stellt. Damit das Risiko eingedämmt wird, können Sie z.B. versuchen, eine Master-Joint-Venture-Vereinbarung einzugehen - also die finanzielle Beteiligung des Franchisegebers an Ihrem Geschäft. Sie können auch vorschlagen, dass Sie für eine Pilotphase bereit sind, die Anfangsinvestitionen zu tätigen und Sie in Tranchen die Gebühr abzahlen würden. An Ihrer Stelle würde ich die eigenen Vorstellungen, Ihre finanziellen Möglichkeiten und das, was Sie sich an quantitativen Zielsetzungen zutrauen, als Ihre Verhandlungsbasis einbringen.

Leser: Hallo, ich bin Franchisenehmerin im Mobilfunkbereich und erhalte eine Provision auf den Kundenumsatz. Handelt es sich in diesem Fall überhaupt um Franchising oder tatsächlich um eine Handelsvertretung? Wäre nicht absolute Transparenz hinsichtlich der Kundenumsätze zu erwarten?

Veronika Bellone: Liebe Chat-Teilnehmerin. Provisionierungen können üblich sein in Franchisesystemen. Ob es sich tatsächlich um ein Franchisesystem handelt, hängt von vielen anderen Dingen ab. Welche unterstützenden Leistungen erhalten Sie zur Ausübung und Vermarktung des Angebotes, welche Freiheiten haben Sie, um tatsächlich unternehmerisch tätig zu sein. Transparenz bis zu einem gewissen Grad wäre sehr förderlich, damit keine unguten Gefühle bei den Partnern aufkommen. Ist das Franchisesystem Mitglied beim Deutschen Franchise Verband? Wenn ja, dann wurde der Vertrag geprüft und das Handbuch. Wenn Sie mit Ihrer Situation unzufrieden sein sollten, dann kontaktieren Sie zunächst an den Verband oder einen Berater.

Leser: Gibt es im Franchising personelle Unterstützung im Fall einer Schwangerschaft der Franchisenehmerin? Oder wird die Lizenz solange ausgesetzt?

Veronika Bellone: Liebe Chat-Teilnehmerin. Franchisenehmer/Franchisenehmerinnen sind selbstständige Partner/Partnerinnen, die die Verantwortung für den eigenen Betrieb haben - auch im Falle einer möglichen Abwesenheit oder Ausfalls.

Leser: Guten Tag! Gibt es Franchisegeber, die die Erstaustattung des Restaurantbetriebes inklusive Geschirr auf eigene Kosten übernehmen? Gehört dies nicht zum Corporate Design, das nach Ablauf des Franchisevertrages nicht mehr genutzt werden darf?

Veronika Bellone: Grüss Gott, lieber Chat-Teilnehmer. Die Ausstattung gehört zum Corporate Design und damit zum Konzept des Franchisegebers. Da man sich als Partner für die Aufnahme der beruflichen Selbstständigkeit entscheidet - ist in der Regel auch die Investition in den Betrieb zwingend. Es gibt einige Konzepte, die die Ladenausstattung gegen eine Miete zur Verfügung stellen, um damit die Anfangsinvestition zu erleichtern.

Veronika Bellone: Liebe Chat-TeilnehmerInnen. Vielen Dank für Ihre Fragen. Ich wünsche Ihnen einen schönen August und viel Erfolg bei Ihren Vorhaben. Herzlichst Veronika Bellone.

Prof. Veronika Bellone

Prof. Veronika Bellone

Bellone FRANCHISE CONSULTING GmbH

Franchise-Beratung, Professorin an zwei Schweizer Hochschulen, Publikationen zu Marketing- und Franchise-Themen. Konzeption des Greenfranchise Awards, der 2018 zum sechsten Mal vergeben wurde.

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