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Ratgeber
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DFV-Aktivitäten im Rahmen der Gründerwoche

Torben Leif Brodersen: Guten Morgen, liebe Chat-Teilnehmer und Franchise-Interessierte. Ich freue mich auf Ihre Fragen.

Leser: Guten Morgen Herr Brodersen: Welchem Zweck dient die Gründerwoche Deutschland? An wen richtet sie sich?

Torben Leif Brodersen: Die Gründerwoche ist eine internationale Veranstaltung, die einmal im Jahr ausgelobt wird. In diesem Jahr hat die Bundesregierung beschlossen, sich daran zu beteiligen. So ist das Bundeswirtschaftsministerium (in Person von Minister Rainer Brüderle) offizieller Schirmherr dieser Aktion, die sich an alle richtet, die sich mit dem Gedanken der Existenzgründung beschäftigen. Sie soll die Gründerkultur in Deutschland vorantreiben. Deswegen sind wir als DFV für die Franchise-Wirtschaft dabei.

Leser: Guten Morgen Herr Brodersen! Ich möchte mich gerne mit einem Partner selbstständig machen und interessiere mich auch für einige Franchise-Systeme. Welche Erfahrungen haben Sie mit Teamgründungen im Franchising gemacht? Halten Sie diese Form der Existenzgründung in Kombination mit Franchising für sinnvoll?

Torben Leif Brodersen: Das ist eine sehr gute Frage. Für mich ist entscheidend, wer dieser "Partner" ist. Denn die Gründung - gerade auch im Franchising - ist eine sehr langfristige Sache. Daher ist es also essentiell, dass man weiß, dass der Partner der Richtige ist (sowohl der Team-Partner, als auch der Franchise-Geber). Ich weiß, dass es durchaus Franchise-Systeme gibt, die mit einer solchen Konstellation keine Probleme haben. Die überwiegende Mehrheit wird das allerdings nicht sein. Fraglich ist am Ende, wer von Ihnen beiden schlussendlich den "Hut auf hat" bzw. die Gesamtverantwortung trägt. Ich werde Ihre Frage in unsere aktuell laufenden Umfragen unter unseren Mitgliedern einfließen lassen. Dann haben wir hierfür eine statistische Grundlage.

Leser: Wird bei den Veranstaltungen der Gründerwoche Deutschland auf Franchising hingewiesen? Bei früheren Gründerinitiativen wurde Franchise ziemlich stiefmütterlich behandelt.

Torben Leif Brodersen: Das BMWi hat auf der Website www.gruenderwoche.de eine Veranstaltungsliste. Dort sind auch die aus dem Franchise-Bereich eingepflegt. Ihre Frage möchte ich gern auch grundsätzlich beantworten. In den vergangenen Jahren ist durch unterschiedliche Aktivitäten des BMWi zum Ausdruck gekommen, dass die Entwicklung der Franchise-Wirtschaft sehr wohlwollend registriert wird. So konnten wir verschiedene Repräsentanten für die unterschiedlichsten Franchise-Aktivitäten gewinnen (z.B. Herrn Brüderle selbst als Schirmherrn des Franchise-Geber-Preises).

Leser: Welche Aktionen führt der DFV bzw. die Franchise-Wirtschaft im Rahmen der Gründerwoche Deutschland durch?

Torben Leif Brodersen: Wir sind den ganzen Herbst über unterwegs mit den verschiedensten Veranstaltungen. Teilnahme an Gründertagen an den IHK'n in Hannover und München, Vortrag an der IHK Leipzig, Franchise-Sprechtag an der Handelskammer Hamburg usw.. Die Gründerwoche selbst unterstützen wir mit verschiedenen Aktivitäten, wie z.B. der Veröffentlichung einer Checkliste mit den Bürgschaftsbanken am Montag, einer Telefon-Hotline gestern, dem Chat hier heute und weiteren Vorträgen, so z.B. in Mannheim am Samstag. Der Herbst ist immer "heiß" für uns. Die gesamten Termine finden Sie auf unserer Homepage www.franchiseverband.com

Leser: Guten Morgen Herr Brodersen, gibt es einen Grund, warum man den Franchisevertrag (vor Unterzeichnung) nicht ausgehändigt bekommt, damit ein RA den kontrollieren kann ?

Torben Leif Brodersen: Nein, im Gegenteil. Der Franchise-Geber muss Sie vorvertraglich aufklären. Dazu gehört auch die Preisgabe des Vertrages. Das ist ein Muss! Bitte lesen Sie in diesem Zusammenhang auch unsere Checkliste, die sich an angehende Franchise-Nehmer richtet. Sie finden diese unter der Rubrik "Fragen an den Franchise-Geber" auf unserer Homepage www.franchiseverband.com. Sie liegen im Übrigen vollkommen richtig damit, dass Sie den Vertrag von einem Franchise-Anwalt prüfen lassen sollten.

Leser: Warum sucht man in Deutschland, Österreich und der Schweiz vergeblich nach Franchising-Messen? Hat etwa das Internet den Messen den Rang abgelaufen?

Torben Leif Brodersen: Vielen Dank für diese Frage. Nach der letzten Franchise-Messe in Frankfurt 2002 etablierten die regionalen Gründermessen (wie die START-Messen) einen größeren Franchise-Teil. Gerade in diesen Tagen diskutieren wir innerhalb der Franchise-Wirtschaft sehr intensiv darüber, ob wir eine eigene Franchise-Messe wieder etablieren wollen. Insofern ist Ihre Frage sehr aktuell. Von zahlreichen Franchise-Gebern hören wir dabei in der Tat, dass sie bei der Akquise von Franchise-Nehmern vermehrt auf die online-Präsenz setzen. Für mich sind jedoch die Messen nach wie vor sehr wichtig, um auf Gründungswillige zugehen und diese aktiv informieren zu können.

Leser: Hallo Herr Brodersen -Inwieweit sind Franchisenehmer vor ungerechtfertigten Kündigungen geschützt? Was geschieht mit dem aufgebauten Franchisenehmer-Betrieb, wenn der Franchisegeber kündigt? Besteht seitens des Franchisenehmers Anspruch auf Schadensersatz?

Torben Leif Brodersen: Die Bejahung eines Ausgleichsanspruches für den Franchise-Nehmers hängt von folgenden Punkten ab: Die Art der Kündigung, wie lange bestand das Vertragsverhältnis, die Höhe der Investitionssumme, Größe des Kundenstammes, welche Art des Franchisings liegt vor (z.B. Produkt oder Dienstleistungs-Franchising). Im Grunde muss hier im Einzelfall entschieden werden. Wann eine Kündigung ungerechtfertigt ist oder nicht, kann ich an dieser Stelle leider nicht beurteilen. Sollte dies dennoch der Fall sein, kann ein Franchise-Nehmer ohne Weiteres Schadensersatzforderungen gegen den Franchise-Geber geltend.

Leser: Welche konkreten Vorteile bietet mir denn eine Franchise-Partnerschaft? Mir gefällt zwar die Vorstellung einer gewissen Unterstützung meiner Selbstständigkeit, aber eine totale Bevormundung schreckt mich ab.

Torben Leif Brodersen: Diese Frage ist für alle potentiellen Franchise-Nehmer essentiell. Dem Franchise-Prinzip liegt eine Arbeitsteilung (FG stellt Konzept zur Verfügung und entwickelt weiter, FN bearbeitet den Markt vor Ort) sowie ein gemeinsamer Auftritt zugrunde. Das ist zeitgleich auch ein Erfolgsfaktor bzw. ein Hauptvorteil. Als angehender Franchise-Nehmer muss man daher wissen, dass jedes Franchise-System durch die Einheitlichkeit auch Standards hat, die für alle Beteiligten gelten. Schließlich sind diese ja auch wichtig, um Kunden adäquat ansprechen zu können. Sie als Franchise-Nehmer profitieren von diesem Auftritt und vor allem von dem gesammelten Know-how. Eine totale Bevormundung findet in guten und modernen Franchise-Systemen nicht statt. Im Gegenteil, die Erfahrungswerte des Franchise-Nehmers vor Ort müssen in die Weiterentwicklung des Konzeptes einfließen. Dazu benötigen wir eine intensive Kommunikation, einen intensiven Austausch.

Leser: Ich kann mir die Kündigung meiner Anstellung finanziell nicht leisten, solange kein anderweitiges Einkommen in Sicht ist. Wie weit darf ich die Vorbereitungen als künftiger Franchisenehmer treiben, ohne meinen jetzigen Arbeitgeber zu informieren?

Torben Leif Brodersen: Hierbei gibt es keinerlei Einschränkungen. Ihre Vorbereitungen können Sie ohne Weiteres vorantreiben, bis zur Erklärung Ihrer Kündigung. Dem Arbeitgeber gegenüber sind Sie nicht auskunftspflichtig.

Leser: Nach zehnjähriger Berufstätigkeit in der Textilwirtschaft würde ich gerne die Branche wechseln und etwas Neues kennenlernen. Gibt es Franchise-Unternehmen, die Seiteneinsteiger als Partner akzeptieren würden?

Torben Leif Brodersen: Aus dem Bauch heraus würde ich sogar sagen, dass 80% der Franchise-Geber Seiteneinsteiger willkommen heißen. Wichtig für Franchise-Gründer sind vielmehr kaufmännische Fähigkeiten und Vertriebserfahrung. Das Know-how des Systems wird durch umfangreiche Schulungen übertragen.

Leser: Warum sollte ein Existenzgründer ein fremdes Geschäftskonzept umsetzen, anstatt seine eigene Geschäftsidee zu verwirklichen? Wendet sich Franchising vorrangig an Menschen ohne eigene Geschäftsideen?

Torben Leif Brodersen: Im Franchising ist es erlaubt, sich mit "fremden Federn zu schmücken". Franchise-Gründer setzen darauf, dass sie ein erprobtes Geschäftsmodell übernehmen und nicht alle Fehler selbst machen müssen. Dabei gilt jedoch auch, dass Teamfähigkeit gefragt ist. Franchising richtet sich also an alle, die auf ein bewährtes Konzept aufsetzen wollen. Klar sollte auch gesagt werden, dass Franchise-Systeme wahrscheinlich eher nichts sind für überzeugte Einzelkämpfer, die ihre eigene Geschäftsidee auch selbst umsetzen wollen. Vielleicht wird aus denen einmal ein Franchise-Geber?

Leser: Muss der FG dem FN die vom FG erhobenen Marktdaten zu Verfügung stellen, so er denn überhaupt eine Markterhebung gemacht hat.

Torben Leif Brodersen: So eine Markterhebung vorgenommen wurde, muss der Franchise-Geber auch die Ergebnisse dem angehenden Franchise-Nehmer zur Verfügung stellen. Hierzu ist er im Rahmen seiner vorvertraglichen Aufklärung verpflichtet.

Leser: Wie hoch ist die Fluktuation im Franchising? Aus welchen Gründen müssen Franchise-Geber bzw. Franchise-Nehmer wieder aufgeben?

Torben Leif Brodersen: Die Fluktuation in den einzelnen Systemen ist sehr unterschiedlich und hängt vor allem auch von der Expansionspolitik des Franchise-Gebers ab. Allzu schnelles Wachstum steigert die Gefahr einer höheren Fluktuation.Wir sprechen uns immer für ein solides und gesundes Wachstum aus, dass eine genaue Auswahl der jeweiligen Partner ebenso ermöglicht wie eine genaue Analyse des Standortes. Beide eben genannten Faktoren sind häufig auch dann Grund für ein Scheitern, wenn sie seitens des Franchise-Gebers und auch der Franchise-Gründer zu wenig Beachtung finden.

Leser: Kann ich einfach auf Franchise-Nehmer eines Franchise-Systems zugehen, um weitere Informationen über das Unternehmen zu erhalten? Werden diese vielleicht Informationen preisgeben, die der Franchise-Geber zurückhält?

Torben Leif Brodersen: Sie sollten unbedingt bestehende Franchise-Nehmer ansprechen, um Informationen über das System erhalten zu können. Der Franchise-Geber sollte Ihnen hierfür auch eine Liste mit den Daten von Franchise-Nehmern zur Verfügung stellen. Auch dieses gehört zu seiner vorvertraglichen Aufklärungspflicht.

Leser: Welchen Anteil an der Einstiegsgebühr eines Franchise-Systems kann ich als Kredit einer Bank erwarten?

Torben Leif Brodersen: Gern möchte ich Ihre Frage umgekehrt beantworten: Wir müssen die Gesamtinvestition (Ladenausstattung u.ä.) betrachten, in die die Einstiegsgebühr einfließt. Der Franchise-Nehmer sollte dabei über einen Eigenkapitalanteil von mindestens 20% verfügen. Im Schnitt erwarten die Banken einen Anteil zwischen 20 und 40%. Das hängt vom Franchise-System ab.

Leser: und wie erkenne ich generell, ob der Franchisegeber, mit dem ich in Verbindung stehe, seriös ist?

Torben Leif Brodersen: Nehmen Sie noch die bereits oben angesprochene Checklisten des DFV zur Hand. Überlegen Sie, welche Fragen Sie dem Franchise-Geber stellen können. Achten Sie darauf, dass er transparent ist und seine Pflicht zur vorvertraglichen Aufklärung nachkommt. Wie ist die Stimmung in seinem System? Was sagt Ihr Bank- oder Steuerberater, was sagt die IHK zu dem System? Und nicht zuletzt: Wie ist Ihr persönlicher Eindruck, stimmt die Chemie zwischen Ihnen? All diese Fragen führen dazu, dass Sie am Ende eine gute Entscheidung fällen können. Ob Pro oder Contra.

Leser: Sehr geehrter Herr Brodersen, wie schätzen Sie Franchise-Systeme ein, die keine oder eine verschwindend geringe Einstiegsgebühr oder sogar keine laufenden Kosten erheben? Ist das seriöses Franchising?

Torben Leif Brodersen: Ja. Viele Franchise-Systeme im Einzelhandel kommen sogar ohne jegliche Gebühren aus. Allerdings steht der Zahlung einer Gebühr stets auch eine Gegenleistung gegenüber. Etwas salopp formuliert: Wenn ich als Franchise-Geber Leistungen erbringen will, kann ich mir diese auch bezahlen lassen. Und umgekehrt. Häufig ist es so, dass Franchise-Systeme dann, wenn sie über keine Einnahmen aus Gebühren etc. verfügen, auch keine Leistungen erbringen können. Da kommt die Organisation des Systems, die Betreuung der Partner zu kurz. Wir brauchen ein gesundes Verhältnis zwischen Leistungen und Gegenleistungen. Frei nach dem "do ut des"-Prinzips: Ich gebe, damit Du gibst.

Leser: Wo liegt der Vorteil einer Franchise-Partnerschaft für das Franchise-System? Nur im Gewinn durch die Franchise-Gebühr?

Torben Leif Brodersen: Der Geschäftserfolg für alle beteiligten Unternehmer steht im Vordergrund, genauso wie zufriedene Kunden. Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus dem Netzwerk zwischen Franchise-Geber und Franchise-Nehmern, aus dem permanenten Austausch von Erfahrungen. Hierdurch können Franchise-Systeme schneller auf Anforderungen der Kunden reagieren. Es kommt, wie Sie es völlig richtig sagen, auf die Ausgestaltung der Partnerschaft an.

Leser: Ich würde mich aufgrund des Chats gerne intensiver mit Franchising befassen und wäre für eine Literaturempfehlung (keine Vorkenntnisse) dankbar.

Torben Leif Brodersen: Da empfehle ich Ihnen den Besuch unserer Homepage, dort finden Sie direkt auf der Startseite eine Literaturliste.

Leser: Als normaler Existenzgründer kenne ich in etwa mein Risiko. Trage ich als Franchisenehmer nicht zusätzlich das für mich in der Regel nicht überschaubare Risiko des Franchisegebers?

Torben Leif Brodersen: Der Franchise-Geber muss dem Franchise-Gründer Auskunft zu den eigenen wirtschaftlichen Daten geben (hier kommt wieder seine Pflicht zur vorvertraglichen Aufklärung ins Spiel). Und danach, während der Vertragslaufzeit, ist es eine Frage des Vertrauens und der Transparenz zwischen allen Beteiligten. Keiner von uns mag es, ein hohes Risiko einzugehen. Ich würde als Franchise-Geber mit Transparenz und Offenheit operieren, um seitens meines Partners Vertrauen herzustellen. Das trägt zur Reduzierung des Risikos entscheidend bei. Ich kenne Franchise-Systeme, in denen jeder über die Zahlen des Anderen Bescheid weiß.

Leser: Was kann ich zusätzlich tun, um nicht auf ein dubioses Franchise-Angebot hereinzufallen? Und wie sichere ich mich ab, dass das von mir ausgewählte Franchiseunternehmen nicht kurz nach Zahlung der Eintrittsgebühr plötzlich Insolvenz anmeldet?

Torben Leif Brodersen: Oben hatte ich bereits auf Checklisten verwiesen, die wichtige Fragen beinhalten, die Sie mit dem Franchise-Geber klären sollten. Damit können Sie gut die Spreu vom Weizen trennen. Zur möglichen Insolvenz des Franchise-Gebers verweise ich auf meine letzte Antwort und die Pflicht des Franchise-Gebers zur Offenlegung seiner Zahlen.

Leser: Können Sie mir noch abschließend sagen, wie viele Franchise-Unternehmen es in Deutschland gibt und wie viele davon aus Ihrer Sicht seriöses Franchising anbieten?

Torben Leif Brodersen: Es gibt in Deutschland heute in etwa 980 Franchise-Systeme. Sehr viele davon bieten ein etabliertes, professionelles und partnerschaftliches Franchising an. Und es gibt natürlich auch ganz junge Konzepte, die gerade erst in der Aufbauphase sind. Und nur, weil sie jung und nicht so etabliert sind, sind sie nicht automatisch unseriös. Nehmen Sie die 250 DFV-Mitglieder, die sich alle auf einen Kodex und andere Standards im Franchising berufen. Damit stellen wir eine Positivliste zur Verfügung. Ja, es gibt auch im Franchising - als Spiegelbild der gesamten Unternehmenslandschaft in Deutschland - "schwarze Schafe". Je mehr ein angehender Gründer sich jedoch informiert, desto geringer wird das Risiko sein, auf ein solches hereinzufallen. Ich glaube, gerade im Zeitalter des Internets (Web 2.0 etc.) werden es unseriöse Anbieter zukünftig immer schwerer haben.

Torben Leif Brodersen: Liebe Chat-Teilnehmer! Ich danke Ihnen herzlich für Ihr reges Interesse und Ihre Fragen. Wenden Sie sich bitte gern persönlich an mich, sollten weitere Fragen auftauchen. Ein herzliches Dankeschön geht zudem noch an FranchisePORTAL, die uns diesen Chat im Rahmen der Gründerwoche ermöglicht haben. Selbstverständlich werden die restlichen Fragen sehr kurzfristig beantwortet.

Leser: Woher weiß ich, ob Franchising das Richtige für mich ist und umgekehrt? Welche Unterstützungsleistungen sollte ein Franchisesystem anbieten, um den Erfolg seiner Partner sicherzustellen? Welche Hilfen bieten Franchisesysteme bei der Finanzierung von Franchise-Existenzen?

Torben Leif Brodersen: Lassen Sie mich mit dem letzten Teil Ihrer Frage beginnen: Ja, sehr häufig unterstützen Franchise-Geber ihre angehenden Partner auch in Fragen der Finanzierung. Dazu gehört z.B., dass Bankgespräche und häufige Fragen der Kreditsachbearbeiter zur Vorbereitung nachgestellt werden. Denn wichtig ist, dass der Gründer sich im eigenen Business-Plan auskennt und Fragen gut parieren kann. Darüber hinaus verfügen Franchise-Geber immer wieder auch über Kontakte zu Banken. Damit kann dem Franchise-Nehmer gleich eine Finanzierungsperspektive gegeben werden. In Bezug auf den ersten Teil Ihrer Frage darf ich erneut auf die existierenden Checklisten verweisen. Auf unserer Website finden Sie zudem auch Antwort darauf, welche Unterstützung (das Leistungsspektrum ist sehr umfangreich) der Franchise-Geber leisten kann. Wie oben bereits gesagt, achten Sie stets darauf, dass Leistungen und Gegenleistungen sich die Waage halten.

Leser: Rechnen Sie aufgrund der Gründerwoche Deutschland mit verstärktem Interesse am Franchising? Was müsste getan werden, um Franchising einen ähnlichen Stellenwert wie in den USA zu verschaffen?

Torben Leif Brodersen: Ja, wir verzeichnen jetzt schon einen positiven Rücklauf: So verlief unsere erste Telefonsprechstunde sehr erfolgreich und zeigt uns, dass wir mit diesem Angebot „ins Schwarze“ getroffen haben. Und auch die Checkliste, die wir zusammen mit dem Verband der Bürgschaftsbanken (VDB) entwickelt haben, wird rege nachgefragt. Durch die Gründerwoche bemerken wir also bereits jetzt positive Impulse was das Thema Franchising angeht. Damit sind wir durchaus für's Erste zufrieden, doch "Luft nach oben" besteht durchaus auch noch. Ich plädiere dafür, dass derlei Aktionen in Zukunft regelmäßig durchgeführt werden. Die Politik und die Wirtschaft müssen hier am Ball bleiben, damit eine Ankurbelung der Gründerkultur tatsächlich auch nachhaltig ist. Der Stellenwert des Franchising in Europa ist in allen Ländern vergleichbar, der in den USA dennoch in der Tat deutlich höher. Das hängt u.a. auch damit zusammen, dass die US-Amerikaner eine breitere Franchise-Definition anwenden als die europäischen Länder.

Leser: Wie ist Ihre Position zu "Stresstests" von Systemanbietern und einer damit verbundenen Veröffentlichung der Ergebnisse durch den DFV (sowohl postive als auch neative)

Torben Leif Brodersen: Stresstests stehen für Simulationen von Situationen, die möglicherweise eintreten könnten. Wir wissen aber doch alle, dass die Zukunft mit all ihren unterschiedlichen Parametern nicht wirklich vorhersehbar ist - das gilt auch für die unternehmerische Perspektive. Aus diesem Grund finde ich verpflichtende Tests dieser Art nicht sinnvoll. Im Übrigen kenne ich noch keine Ansätze in dieser Richtung, hierzu ist der DFV noch nicht kontaktiert worden. Der DFV hat mit seinem System-Check hingegen ein hilfreiches Tool installiert, dass etwas über die Zukunftsfähigkeit eines Systems aussagt – und neben der Wirtschaftlichkeit viele andere Aspekte berücksichtigt, wie z.B. die Zufriedenheit der Franchise-Partner.

Leser: Mit welchen Leistungen unterstützt der DFV junge Franchisesysteme? Lohnt sich die Mitgliedschaft auch für "Franchise-Starter"?

Torben Leif Brodersen: Gerade für Franchise-Starter lohnt sich die Mitgliedschaft im DFV, da wir über ein regelmäßiges Veranstaltungsprogramm verfügen, welches speziell auf junge Systeme zugeschnitten ist. Darüber hinaus denken wir gerade über ein Mentoren-Programm nach. Ältere und etablierte Franchise-Geber stehen hierbei Newcomern unterstützend zur Seite. Auch dieses Programm stünde lediglich Mitgliedern zur Verfügung. In diesem Zusammenhang gilt: gerade junge Franchise-Geber sollten über das DFV-Netzwerk versuchen, möglichst viel Know-how einzusammeln, um eigene Fehler zu vermeiden.

Leser: Bieten Gründermessen den geeigneten Rahmen, um Gründungskonzepte zu hinterfragen oder geht es dort in erster Linie um die Selbstdarstellung der Anbieter?

Torben Leif Brodersen: Eine gute Frage. Messen finden grundsätzlich statt, um Ausstellern eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung zu geben. Und um Gespräche zwischen Ausstellern und Besuchern zu fördern. Ich glaube, dass eine Hinterfragung der Konzepte nach einer Messe stattfinden sollte. Denn sehr häufig sammeln die Besucher ja auch Ideen und Anregungen in den parallel stattfindenden Workshops. Ein Aussteller auf einer Messe kann einen ersten Eindruck vermitteln (positiv oder negativ). Der Prüfungsprozess des angehenden Franchise-Nehmers wird durch den Besuch einer Messe gefördert. Das ist auch gut so, denn niemand unterschreibt einen Vertrag nach einem ersten Gespräch auf der Messe.

Leser: Was sind die derzeit wichtigsten Trends im Franchising und wie werden sie sich wirtschaftlich auswirken?

Torben Leif Brodersen: Wir beobachten gerade eine starke Zunahme von Franchise-Konzepten im Pflege-Sektor. Zudem gibt es Bestrebungen, auch in anderen Bereichen des Gesundheitswesens, Franchise-Konzepte zu etablieren (Ärzte, Heime, Krankenhäuser, Apotheken). Es wird also über Franchising auch in Bereichen nachgedacht, die bisher noch nicht über Kooperationsmodelle verfügten. Gleiches gilt für das Handwerk. Heute kommen nur 8% der Franchise-Systeme aus diesem Bereich. Ich bin davon überzeugt, dass sich hier in den nächsten Jahren vermehrt auch Zusammenschlüsse von selbstständigen Unternehmen vollziehen. Denn es gilt vor dem Hintergrund eines zunehmenden Verdrängungswettbewerbes, Kompetenzen zu bündeln, eine clevere Arbeitsteilung aufzubauen und damit Synergiepotential zum Wohle aller zu entwickeln. Die Konsequenzen auf die wirtschaftliche Entwicklung halte ich durch die Schaffung von Netzwerken für immens.

Leser: Rechnen Sie für die nahe Zukunft mit innovativen Franchise-Konzepten aus dem Ausland? Wie kann man solche Angebote frühzeitig ausfindig machen?

Torben Leif Brodersen: Immer wieder finden ausländische Franchise-Geber den Weg nach Deutschland. Dabei ist der Grad der Innovationen allerdings sehr unterschiedlich. Denn nicht alle Systeme, die sich für ganz besonders innovativ halten, finden mit ihrem Modell auch Anklang auf dem deutschen Markt. Daher ist sehr häufig eine Konzeptanpassung unabdingbar. Der DFV hat mit dem Franchise-Pool-International eine Organisation gegründet, die ausländische Anbieter mit deutschen Interessenten zusammenbringen soll. Gemeinsam haben wir erst vor wenigen Tagen Master-Franchise-Konferenzen durchgeführt. Nähere Informationen finden Sie unter www.franchisepool.org oder direkt über Nachfragen bei mir.

Leser: Kann man sich im Internet über FG informieren (anonym), was andere Partner von ihm halten. Wenn ja wo ?

Torben Leif Brodersen: Ein Austausch über Franchise-Geber findet in den vielfältigsten Foren und Blogs statt. Die bekannten Suchmaschinen werden Sie dorthin führen. Allerdings gibt es bislang keine zentrale Adresse im Internet, die Erfahrungen der Franchise-Nehmer sammelte. Ich halte sehr viel von persönlichen Kontakten. Berücksichtigt werden sollte daher bei allen Möglichkeiten, die das Internet heute bietet, dass der persönliche Kontakt zu Franchise-Nehmern vor der Vertragsunterzeichnung essentiell ist, um sich ein realistisches Bild über den Anbieter zu verschaffen. Die Kommentare im Netz stellen in diesem Kontext nur ein Mosaikstein dar. Ich finde die Frage sehr wichtig, da hier deutlich wird, dass die durch das Internet forcierte Transparenz von Unternehmen die Qualität auch im Franchising gefördert wird. Diesen Prozess begrüße ich ausdrücklich.

 Torben Leif Brodersen

Torben Leif Brodersen

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