Vor- & Nachteile im Franchising Nachteile des Franchise-Gebers

Partnerwahl

Die Auswahl künftiger Partner ist für den Franchise-Geber eine ebenso wichtige wie schwierige Aufgabe. Größere Systeme haben dafür detaillierte Auswahlverfahren entwickelt. Jeder seriöse Franchise-Geber verfügt über ausführliche Franchise-Nehmerprofile, anhand derer er seine Kandidaten prüft. Dabei spielen vor allem persönliche Eigenschaften, fachliche Qualifikationen und Berufserfahrungen sowie finanzielle Voraussetzungen eine Rolle. Jeder Irrtum kann schwerwiegende Folgen für das System nach sich ziehen, die in der Regel nicht mit einer bloßen Vertragskündigung zu beheben sind.

Umsetzung

Obgleich der Franchise-Geber über ein begrenztes Weisungs- und Kontrollrecht verfügt, kann er seine Vorgaben meist nicht ohne intensive Überzeugungsarbeit durchsetzen. Die Umsetzung zentral gesteuerter Maßnahmen erfolgt deshalb häufig mit zeitlicher Verzögerung. Allerdings wird dieser Nachteil durch die positiven Effekte einer offenen Diskussion meist mehr als ausgeglichen.

Die am 01.06.2000 in Kraft getretene neue europäische Freistellungsverordnung (VGVO) setzt den Weisungs- und Kontrollrechten des Franchise-Gebers im Interesse des Wettbewerbs und der Unabhängigkeit des Franchise-Nehmers voraussichtlich engere Grenzen. Respektiert der Franchise-Geber - unter Aufrechterhaltung der Systembindung - die Unabhängigkeit seines Partners, vermeidet er zudem die Umwidmung des Franchise-Vertrages in einen Arbeitsvertrag.

Gewinnspanne

Die Einnahmen eines Franchise-Gebers aus dem Franchising beschränken sich in der Regel auf die Eintrittsgebühr und laufende Franchise-Gebühren. Zum Teil werden bei Bezugsbindungen auf die Vertragswaren für den Franchise-Geber noch Aufschläge einkalkuliert. Für den Franchise-Geber wären eigene Betriebe oft rentabler, doch hat er in diesem Fall auch die Risiken bzw. die Kosten eines Fehlschlags zu tragen.

Konfliktbewältigung

Zu Missverständnissen und Interessengegensätzen kann es in jeder Partnerschaft kommen. Fatalerweise erhöht sich in Franchise-Systemen bei Erfolgen erst einmal das Konfliktpotential, denn der einzelne Franchise-Nehmer führt den wirtschaftlichen Erfolg verständlicherweise auf das eigene Engagement zurück und empfindet die Hilfestellung des Franchise-Gebers zunehmend als lästige Bevormundung. Bleibt in dieser Phase eine partnerschaftliche Regelung aus, können diese Reibereien in Rechtsstreitigkeiten und der Auflösung des Franchise-Verhältnisses münden. Hier sollte immer darauf geachtet werden, dass gerichtliche Auseinandersetzungen möglichst vermieden werden sollten, da diese Zeit, Geld und Nerven kosten und man häufig den Ausgang eines Verfahrens nicht sicher abschätzen kann. Vorausschauende Franchise-Geber bieten schon heute Schlichtungsverfahren oder Mediationsverfahren an.

Vertragsbeendigung

Die Beendigung eines Franchise-Verhältnisses ist mit mannigfaltigen Problemen verbunden, wobei insbesondere für die Zukunft des Betriebes sowie den Verbleib der Einrichtungsgegenstände und des Warenlagers eine faire Lösung gefunden werden muss. Darüberhinaus sind etwaige Ausgleichsansprüche und nachvertragliche Konkurrenzprobleme zu regeln. Wird keine einvernehmliche Lösung gefunden, sind negative Auswirkungen auf andere Franchise-Nehmer oder Franchise-Interessenten nicht auszuschließen. Da Franchise-Geber sowohl hinsichtlich der Partnergewinnung als auch der Geschäftstätigkeit auf ihren guten Ruf zu achten haben, müssen die Folgen etwaiger Imageschäden in zweifacher Hinsicht bedacht werden.

Autor:

Ulrich Kessler
Ulrich Kessler
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Glossar