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Factoring im Franchise-Glossar

Was ist Factoring?

Unter Factoring versteht man den Verkauf von Forderungen an Dritte. Konkret tritt ein Unternehmen seine offenen Kundenrechnungen an einen Factoring-Anbieter oder Factorer ab. Statt vom Kunden erhält das Unternehmen das Geld vom Factorer sofort – abzüglich einer Gebühr. Der Factorer übernimmt in der Regel das gesamte Forderungsmanagement gegenüber dem Kunden.

 

Was bedeutet Factoring (Definition)?

Factoring wird auch als eine Form der Absatzfinanzierung bezeichnet. Das liefernde Unternehmen ist der Gläubiger oder Kreditor (vom lateinischen credere = glauben). Statt auf den Rechnungseingang durch die Kunden (Debitor, von debere = schulden) zu warten, überträgt der Gläubiger die offenen Forderungen an einen Factorer.

 

Wer bietet Factoring an?

Factoring-Anbieter sind Finanzierungsinstitute, vor allem aber spezialisierte Factoring-Gesellschaften.

Factoring ist sowohl ein Dienstleistungs- als auch ein Finanzierungsmodell, wie Reinhard Wingral von der Global Franchise AG in diesem Video für FranchisePORTAL erklärt. Unternehmen können ihre Forderungen an eine Factoring-Gesellschaft verkaufen. So erhält das Unternehmen umgehend Liquidität, wenn auch nicht zu 100 Prozent, denn es fallen Gebühren und Steuern an.

Meist übernehmen die Factorer auch den Bereich Mahnwesen und Inkasso. Sie können aber sogar die gesamte Buchhaltung abdecken, so Reinhard Wingral weiter. In diesem Fall entfällt für den Kreditor nicht nur das gesamte Forderungsmanagement, sondern er vereinfacht auch seine Buchführung.

 

Welche Factroing-Möglichkeiten gibt es?

Im Wesentlichen wird unterschieden zwischen:

  • echtem Factoring
  • unechtem Factoring

Beim echten oder Delkredere-Factoring tritt der Kreditor seine Forderungen samt des kompletten Ausfallrisikos ab. Del credere heißt auf Italienisch „des Glaubens“; gemeint ist das Riskio des Gläubigers.

Unechtes Factoring heißt: das Delkredere-Risiko verbleibt beim ursprünglichen Rechnungssteller, also dem Kreditor oder Lieferanten.

 

Wann ist Factoring sinnvoll?

Factorer sind Finanzierer. Sie sichern sofortige Liquidität, erhöhen das Eigenkapital und die Eigenkapitalquote. Dadurch schaffen sie auch Planungs- und Investitionssicherheit.

Grundsätzlich eignet sich Factoring bei einer Kundschaft mit schlechter Zahlungsmoral. Es kann in Zeiten höherer Kreditvergabe-Hürden durch die Vorgaben aus Basel III oder IV aber auch als alternatives oder sogar unentbehrliches Finanzierungsmodell infrage kommen.

Gerade für kleinere Unternehmen stellt Factoring daher ein interessantes Angebot dar, so Reinhard Wingral. Er hält es für durchaus sinnvoll, die Angebote von Factoring-Gesellschaften zu prüfen.

Der Nachteil: Die Kosten sind hoch. Sie können das Modell Factoring unrentabel machen. Im Regelfall übernehmen Factorer nämlich alle Forderungen des Kreditoren: Sie kaufen keine einzelnen Rechnungen spät zahlender Kunden auf. Außerdem übernehmen Factoring-Gesellschaften allgemein nur jene Forderungen, bei denen eine Bonitätsprüfung ergeben hat, dass es eine gute Chance auf Zahlung gibt.

Der Franchise-Experte weist in seinem Video aus einen weiteren Minuspunkt des Factoring hin. Man solle sich bewusst sein, so Reinhard Wingral, dass der Eindruck entstehen könne, man habe selbst Liquiditätsprobleme, wenn man Forderungen an Factoring-Gesellschaften verkaufe.

 

Was kostet Factoring?

Meist ziehen Factorer zwischen 10 und 20% der offenen Forderung als Gebühren ab. Diese gleichen insbesondere das Ausfallrisiko beim Delcredere-Factoring aus. 

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