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9/13/2005

Chatprotokoll: Strukturelles Ungleichgewicht: Ohnmacht der Franchise-Nehmer

Klaus LockemannHerr Klaus Lockemann:Grüß Gott und herzlich willkommen. Ich bin ab sofort online und freue mich auf Ihre Fragen. Klaus Lockemann

Leser:Hallo Herr Lockemann, könnten Sie mir bitte einen Hinweis geben, woraus die neuen Rahmenbedingungen zur Franchise-Nehmer-Finanzierung bestehen? Ich tappe hier völlig im Dunkeln.
Herr Klaus Lockemann:Auf Grund der sehr positiven Entwicklung im Bereich des Franchisings hat z.B. die KfW-Mittelstandsbank eine etwas einfachere Bearbeitung der Franchise-Finanzierungen angedacht. Grundvoraussetzungen sind eben die Bonität des Kreditnehmers (=Franchise-Nehmer) und auch die Seriosität des Franchise-Geber. Dies wird durch die Hausbank (=Hausbankprinzip) im Vorfeld geprüft.
< SPAN> Leser: Wie können FranchiseNehmer die Skepsis und Vorurteile der verantwortlichen Bankmanager überwinden?
Herr Klaus Lockemann:Franchising bedeutet auch Partnerschaft. Der Franchise-Nehmer kann oder besser gesagt muss auch die Seriosität des Franchise-Gebers darstellen. Dabei ist es auch nicht unwichtig, ob der Franchise-Geber ordentliches Mitglied im Verband (z.B. DFV e.V.) ist. Präsentationsunterlagen, Unterlagen des Pilotprojektes und/oder auch die Zahlen des Pilotprojektes (Bilanz, GuV, etc.) können hier sehr hilfreich sein. Des Weiteren kann auch eine entsprechende Pressemappe des Franchise-Gebers vorgelegt werden.
Leser: Sehr geehrter Herr Lockemann, neulich las ich von einem neuen Venture Capital Fonds der Bundesregierung. Gibt es auch öffentliches Risikokapital für die Franchise-Wirtschaft? Wenn nein, warum nicht?
Herr Klaus Lockemann:Es gibt von der KfW-Mittelstandsbank Nachrangdarlehen für Existenzgründungen. Risikokapital speziell für die Franchise-Branche ist mir nicht bekannt. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass das Franchising bei uns in Deutschland noch zu klein ist (1% BIP). Des Weiteren wird Risikokapital in ‚größeren Summen’ ausgereicht, damit sich der hohe Aufwand für die Geldgeber noch lohnt. Hinzu kommt noch, dass die Zinsen für das Risikokapital entsprechend hoch sind.
Leser: Hallo Herr Lockemann, was macht ein seriöses Franchise-System aus? Welche Bedeutung hat dabei das Renommee eines Anbieters für den Erfolg einer Finanzierungsverhandlung?
Herr Klaus Lockemann:Wie ich schon sagte, bedeutet Franchise auch Partnerschaft. Wenn der Partner (=Franchise-Geber) erfolgreich ist, so kann der Franchise-Nehmer auch erfolgreich sein, da dieser das erfolgreiche Franchise-System anwendet. Der Franchise-Geber sollte Offenheit und Ehrlichkeit auf seine Fahne geschrieben haben. Der Franchise-Geber kann auch ein erfolgreiches Pilotprojekt vorweisen. Dies kann der seriöse Franchise-Geber auch entsprechend dokumentieren. Diese Unterlagen können Sie bei den Finanzierungsverhandlungen vorlegen. Ich nenne dies positive Beweislast. Die Seriosität des Franchise-Gebers ist bei den Finanzierungsverhandlungen ein wichtiger Verhandlungspunkt.
< SPAN> Leser: Guten Tag, erwarten Sie von einem etwaigen Regierungswechsel Auswirkungen auf die Förderpraxis?
Herr Klaus Lockemann:Ich denke schon, dass es kleinere Änderungen, wie z.B. bei der ICH-AG, geben wird. Großartige Änderungen, wie z.B. bei den Förderungen der KfW-Mittelstandsbank, denke ich wird es vorerst nicht geben. Da die Förderpraxis hier in Deutschland grundsätzlich über die Hausbank abgearbeitet wird, gehe ich davon aus, dass auch hier keine große Veränderung statt findet.
Leser: Guten Tag Herr Lockemann, ich bin Franchise-Geber des Unternehmens Dialight. Wir sind als System-Geber sehr enttäuscht über die Risikobereitschaft der Banken in Deutschland. Unsere Unterlagen (Rentabilitätsberechnungen, Standort- und Potentialanalysen etc.) sind von kompetenten Fachleuten erstellt. Dennoch erhalten die Bewerber oft zuhören, "Existenzgründer stellen ein Risiko dar!" Die Finanzierungen werden zum Teil komentarlos abgelehnt. Wird das besser werden?
Herr Klaus Lockemann: Eine Finanzierung im Existenzgründungsbereich stellt für ein Geldinstitut das größte Risiko dar. Keiner kann genau sagen, ob die geplante Gründung wirklich so erfolgreich sein wird, wie es geplant worden ist. Bei einer ‚normalen’ Existenzgründung beträgt die Ausfallrate bei ca. 60%, dass heißt, von 100 Gründern werfen anschließend 60 Gründer wieder das Handtuch. Anders ist dies beim Franchising, hier beträgt die Quote nur 2%. Damit ist das Risiko für das Geldinstitut auch viel geringer. Dies kann und sollte man der entsprechenden Hausbank einfach mal klar machen (z.B. mit Statistiken) bzw. erläutern. Es ist richtig, dass viele Geldinstitute, auf Grund der Historie, kaum noch ein Risiko eingehen wollen.
Leser: Kann sich auch eine Kapitalgesellschaft i.G. um Fördermittel bemühen?
Herr Klaus Lockemann:Grundsätzlich: ja. Es gibt kaum ein Bereich, der nicht gefördert wird. Auch schon bestehende Firmen können eine Förderung erhalten. Allerdings muss genau analysiert werden, wofür und wie viel gefördert werden kann. Deshalb kann ich hier nur allgemein antworten.
Leser:Stimmt es, dass die KfW als Förderbank des Bundes Förderanträge zunehmend restriktiv (Ablehnung der Haftungsfreistellung) behandelt und Entscheidungen hinauszögert?
Herr Klaus Lockemann:Ihre Aussage kann ich leider nicht bestätigen. Gerade im Franchise-Bereich bemüht sich die KfW stark. Sicherlich, die Bearbeitung der Anträge benötigt zurzeit bei der KfW ca. 3 – 4 Wochen. Wir sind hier noch etwas von der damaligen DtA (Deutschen Ausgleichsbank) verwöhnt. Was die Haftungsfreistellung angeht, so ist zu beachten, dass wir seit dem 01. Apr. 2005 neue Richtlinien haben. Leider sind dabei auch Haftungsfreistellungen gestrichen worden, z.B. Unternehmerkredit. Aber dies liegt nicht an der KfW, sondern an unsere Regierung, die die entsprechenden Richtlinien herausgeben.
Leser: Worin besteht das strukturelle Ungleichgewicht der Franchisenehmer?
Herr Klaus Lockemann:Seit dem 1. April haben wir neue Richtlinien für die Zinsermittlung bei den meisten Förderprogrammen bekommen. So wird der Zins jetzt durch zwei Preisklassen ermittelt. In der ersten Preisklasse wird die Bonität des Kreditnehmers (=Franchise-Nehmer) und das Ausfallrisiko ermittelt. In der zweiten Preisklasse werden die Sicherheiten des Kreditnehmers ermittelt. Beide Preisklassen ergeben später eine Preisgruppe, wo dann der Zins bestimmt wird. Allerdings ist mit dieser Zinsermittlung bei vielen Förderprogrammen gleichzeitig die Haftungsfreistellung entfallen. Früher galt die Regelung, wenn wir z. B. den Unternehmerkredit nehmen, dass von der KfW für die alten Bundesländern eine 40%ige und für die neuen Bundesländern eine 50%ige Haftungsfreistellung gab. Diese Regelung ist mit den neuen Zinsermittlungsverfahren leider weggefallen. Somit gibt es keine Haftungsfreistellung mehr. Sollte der Kreditnehmer keine entsprechenden Sicherheiten haben, so muss er u.U. die Bürgschaftsbank dann in Anspruch nehmen.
< SPAN> Leser: Sehr geehrter Herr Lockemann, ist es möglich einen Franchiebetrieb ausschließlich mit Eigenmitteln, ERP-Unternehmerkapital (KfW) und ERP-Unternehmerkredit (KfW) zu finanzieren? Z.B. in der genannten Reihenfolge zu den Anteilen 15, 25, 60%. Oder muss ein Teil der Finanzierung immer auch auf einem Kredit der Hausbank selbst beruhen?
Herr Klaus Lockemann:Sicherlich gibt es Konstruktionen, wo Sie die Finanzierung nur über öffentliche Förderprogramme aufbauen können. Aber macht dies auch Sinn? In Ihrem Beispiel nehmen Sie auch den Unternehmerkredit. Da es hier bei diesem Programm keine Haftungsfreistellung mehr gibt (siehe vorherige Antwort) und der Zins im Verfahren ermittelt wird, warum soll dann nicht auch ein entsprechendes Hausbankdarlehen ausgereicht werden? Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Geldinstitute an den öffentliche Förderprogramme nicht viel verdienen. Können die Geldinstitute zu gleichen Bedingungen (Zins, etc.) ein Hausbankdarlehen geben, warum sollte der Kreditnehmer diesen dann nicht annehmen? Eine gute Partnerschaft ist es, wenn beide Parteien an dem Geschäft verdienen.
Leser: Zu Ihrer Antwort betreffs Regierungswechsel…Ich AG… Ich wollte erst Anfang Nov. eine Ich-AG gründen, da mein Konzept noch nicht fertig ist. Meinen Sie es ist besser das jetzt noch schnell durchzuziehen? Finazierung ist kein Problem!!
Herr Klaus Lockemann:Als erstes empfehle ich Ihnen, sprechen Sie bitte mit Ihrer Agentur für Arbeit (alt: Arbeitsamt). Die Agentur für Arbeit kann Ihnen hier wohl eher weiter helfen. Allerdings sehe ich keinen Grund um in Hektik zu verfallen. Die Wahlen sind erst in einer Woche. Heute habe ich gehört, dass das amtliche Ergebnis frühestens 14 Tage später (Todesfall) bekannt gegeben wird. Dann muss erstmals die Regierung gebildet werden. Anschließend werden die neue Regelungen getroffen und verabschiedet, wenn überhaupt. Mit Sicherheit gibt evtl. auch noch eine Übergangszeit. Somit sollte u.U. noch genügend Zeit sein, aber bitte sprechen Sie auf jeden Fall vorab mit Ihrer Agentur für Arbeit.
Leser: Sehr geehrter Herr Lockemann, halten Sie es für sinnvoll, dass der Franchise-Geber bei den ersten Bankgesprächen dabei ist, oder sollte er erst später hinzugezogen werden?
Herr Klaus Lockemann:Ich empfehle Ihnen, dies mit der Terminvereinbarung mit Ihrem Banker zu klären. Fragen Sie bitte einfach, ob die Bank / Sparkasse es für sinnvoll ansieht, ob der Franchise-Geber bei dem Erstgespräch dabei sein soll. Somit bauen Sie auch eine erste Vertrauensbasis mit dem Banker auf.
Leser:Sehr geehrter Herr Lockemann, auf welchen ungefähren Zeitraum beziehen sich die Zahlen 60% und 2% bei der Ausfallrate die Sie oben nennen? Wo kann man hierzu Statistiken finden? Ich konnte nur welche finden die immer auf Zahlen der KfW beruhen. Leider wurde Franchising hier nie einzeln berücksichtigt.
Herr Klaus Lockemann:Finanztechnisch gesehen, kann die Existenzgründung selber bis 2 max. 3 Jahre angesehen werden. Die Existenzfestigungsphase kann bis zu 5 Jahre dauern. Die von mir genannten Zahlen beziehen sich auf das erste Jahr (Volljahr). Ermittelt wurden diese Daten durch verschiedenen Ausarbeitungen und Erhebungen von Universitäten. Auch die KfW-Mittelstandsbank hat in der Vergangenheit eine entsprechende Statistik geführt. Leider ist das Franchising hier Deutschland noch zu klein, um eine Statistik von der KfW explizit für das Franchising weiterzuführen. Setzen Sie sich bitte mit den entsprechenden Verbänden (z.B. DFV e.V.; DFNV e.V.) oder auch mit Ihrem Franchise-Geber in Verbindung. Vielleicht können diese Ihnen noch mehr Zahlenmaterialen zur Verfügung stellen.
Leser:Guten Tag Herr Lockemann, ich habe Finanzierungsbedarf in einer Größenordnung von 50.000 EUR. Welches Vorgehen empfehlen Sie mir? Danke im Voraus und viele Grüße, H. Dworschak
Herr Klaus Lockemann:Sie müssen einen Businessplan mit allen wichtigen Punkten, einschl. der Prognoseberechnung der ersten 3 Jahre (max. 5 Jahre) erstellen. Dabei sollte das erste Jahr monatlich (mind. Quartalsweise) dargestellt werden. Nach Erstellung des Businessplans sollten Sie diesen Ihrer Hausbank vorstellen. Bei einem Finanzierungsbedarf in Höhe von EUR 50.000,00 kann Ihnen u.U. das Fördergramm ‚StartGeld’ der KfW-Mittelstandsbank weiter helfen. Dieses Förderprogramm ist für Kleingründungen bis EUR 50.000,00 gedacht und kann eine 80%ige Haftungsfreistellung haben. Informationen hierzu finden Sie im Internet bei der KfW-Mittelstandsbank.
Leser: Was halten Sie von einer Beteiligung des Franchisegebers an dem Franchisenehmer-Betrieb in der Aufbauphase? Die Sandwich-Kette Subway hat dies meines Wissens in den USA sehr erfolgreich vorgeführt.
Herr Klaus Lockemann:Franchise bedeutet, dass der Franchise-Nehmer ein selbständiges Unternehmen ist (mit allen Rechten und Pflichten). Beteiligt sich der Franchise-Geber bei dem Franchise-Nehmer, so ist dies meiner Meinung nach, ein Ritt auf der Rasierklinge. Sehr leicht könnte diese Art der Beteiligung als Filialbetrieb ausgelegt werden. Dies ist auch nicht die Aufgabe des Franchise-Gebers, ansonsten könnte er gleich ein Filialbetrieb eröffnen.
Herr Klaus Lockemann: Leider ist die Zeit schon wieder vorüber. Herzlichen Dank für die vielen interessanten Fragen. Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche, mit den besten Grüßen, Ihr Klaus Lockemann.

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