18.12.2017

Stirbt das Bargeld in Deutschland bald aus?

Der Umgang mit Geld und die Bezahlmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Weltweit werden bargeldlose Zahlungen immer beliebter. Das Internet und die Digitalisierung machen dies möglich. Obwohl die Entwicklung der bargeldlosen Transaktionen global betrachtet sehr heterogen verläuft und in Deutschland die meisten Bezahlvorgänge noch immer in bar erfolgen, werden der Handel- und Dienstleistungssektor durch bargeldlose Zahlungen beeinflusst.

 

 

Entwicklung bargeldloser Zahlungen

Betrachtet man die bargeldlosen Transaktionen seit 2015, so ist in den letzten zwei Jahren weltweit ein Anstieg des bargeldfreien Zahlungsverkehrs zu erkennen. Die von smava veröffentlichte Infografik über die weltweite Anzahl bargeldloser Transaktionen zeigt, dass sich dieser Trend Schätzungen zufolge auch bis 2020 weiter fortsetzen wird. Weltweit wird eine Zunahme der digitalen Bezahlvorgänge von 10,9 Prozent erwartet.

 

 

Wenn in den Jahren 2015 und 2016 der Großteil der weltweiten bargeldlosen Zahlungen in Nordamerika durchgeführt wurde, so ist in den kommenden Jahren mit einer Verschiebung zu rechnen. Prognosen zufolge werden bereits 2020 die meisten bargeldlosen Transaktionen in den asiatischen Schwellenländern vorgenommen werden, wohingegen von einem in etwa stagnierenden Wert für Nordamerika ausgegangen wird. Bargeldloses Zahlen in Nordamerika hängt somit allgemein hinter den Erwartungen. Durch Kundenbindungsprogramme sowie gezielte Werbemaßnahmen soll in den kommenden Jahren eine deutliche Steigerung der Wachstumsprognose erzielt werden.

In den asiatischen Schwellenländern sollen die bargeldlosen Transaktionen bis 2020 um 30,9 Prozent ansteigen. Für Europa, die asiatischen Industrieländer sowie Südamerika konnte in den Jahren 2015 und 2016 ein leichter Anstieg bargeldloser Zahlungen verzeichnet werden. Aller Voraussicht nach ist in der Eurozone bis 2020 von einer Zunahme der digitalen Zahlungsvorgänge von 6,5 Prozent zu rechnen.

Vorreiter in Europa sind eindeutig die skandinavischen Länder. In Schweden und Dänemark werden bereits circa 80 Prozent der Bezahlvorgänge elektronisch oder per Bankkarte getätigt. Auch wenn in Deutschland immer häufiger bargeldlos bezahlt wird, ist hierzulande eine generelle Zurückhaltung gegenüber bargeldlosen Bezahlvorgängen festzustellen. Noch immer ist Bargeld mit 79 Prozent das meistgenutzte Zahlungsmittel. Erst bei größeren Summen greifen deutsche Verbraucher zur Girocard oder Kreditkarte, deren Verbreitung in Deutschland nach Angaben der Bundesbank in den letzten zehn Jahren um fast 60 Prozent gestiegen ist.

 

 

Entwicklung des Zahlungsverkehrs in Deutschland

Die Gründe, weshalb der bargeldlose Zahlungsverkehr bei deutschen Verbrauchern nicht ähnlich populär wie in Schweden oder Dänemark ist, sind äußerst vielfältig. Zum einen kann mit einer emotionalen Zurückhaltung der deutschen Verbraucher argumentiert werden. Neuerungen zu kritisieren und abzulehnen liegt in der Natur des Menschen. Es verwundert nicht, dass vor allem ältere Verbraucher, die weniger internetaffin sind, dem bargeldlosen Transfer häufig skeptisch gegenüberstehen. Im Gegensatz zu den Deutschen gelten Schweden zudem generell als äußerst technikaffin. Ein weiterer Aspekt, der die Abneigung deutscher Verbraucher gegenüber des bargeldlosen Transfers begründet, liegt in der Angst davor, Opfer von Datenmissbrauch zu werden oder in einem gläsernen Staat zu leben. Durch bargeldloses Bezahlen können sämtliche Bewegungen des Geldes nachverfolgt werden, wodurch die Anonymität des Individuums verloren geht. Verfechter der bargeldlosen Zahlungen sehen hier jedoch vor allem die Möglichkeit, illegale Geschäfte zu unterbinden.

Aber selbst Verbraucher, die Bargeld ablehnen und keinen Datenmissbrauch befürchten, haben es in Deutschland schwer auf Scheine und Münzen zu verzichten. In diesem Zusammenhang ist vor allem auf die schlechte Infrastruktur zu verweisen, die den bargeldlosen Zahlungsverkehr erschwert. Zwar ist es in großen Supermärkten kein Problem mit Girocard oder Kreditkarte zu zahlen und auch NFC wird immer häufiger angeboten, allerdings ist es keine Seltenheit, dass Gastronomiebetriebe oder kleinere Läden nur Bargeld annehmen. Man denke hier beispielsweise an den Bäcker von nebenan, der (wenn überhaupt) erst eine Kartenzahlung ab einem bestimmten Einkaufswert offeriert.

 

 

Konsequenzen für den (Franchise-)Einzelhandel

Dass vor allem kleinere Beträge oft in bar gezahlt werden, verwundert hinsichtlich der infrastrukturellen Gegebenheit, sprich der oft fehlenden bargeldlosen Bezahlmöglichkeiten oder der innovativen Anbieter, nicht. Gastronomie und Einzelhandel haben eine große Aufgabe vor sich und müssen sich anpassen und mehr bargeldlose Bezahlmöglichkeiten bereitstellen, sodass tatsächlich mehr Verbraucher bargeldlos zahlen können – gerade in Franchise-Systemen lässt sich die flächendeckende Verbreitung entsprechender Bezahlsysteme leichter einführen. Das Restaurant-Konzept „Vapiano“ ist ein anschauliches Beispiel für die erfolgreiche Integration eines bargeldlosen Bezahlsystems. Bei „Vapiano“ wird Kunden zu Beginn ihres Besuchs eine Karte ausgehändigt, auf die das bestellte Essen gebucht wird. Beim Verlassen des Restaurants müssen sich Kunden dann an der Kasse anstellen und den auf der Karte gespeicherten Betrag begleichen – mit Karte oder in bar. Der Vorteil für das Franchise-System: Köche müssen nicht mit Bargeld hantieren, sodass einerseits keine Keime und Bakterien von den Münzen und Scheinen auf das Essen gelangen können, und andererseits die Essensausgabe insgesamt beschleunigt wird. Zudem kann so Servicepersonal eingespart werden. Ein anderes Beispiel stellt McDonald's dar. In einigen Filialen, etwa in dem Franchise-Betrieb am Bahnhof Zoo in Berlin, ist es möglich Bestellungen per Touchscreen aufzugeben, die direkt per Kartenzahlung am Terminal beglichen werden können. Bei einem derart stark frequentierten Bahnhof mit internationalen Besuchern, die unter Zeitdruck stehen, stellen die sogenannten „Easy-Order-Terminals“ eine geeignete Bestell- und Bezahlmöglichkeit dar.

Trotz der genannten Beispiele können viele Geschäfte oder Gastronomiebetriebe derzeit noch nicht genug bargeldlose Bezahlsysteme anbieten. Ein Grund hierfür liegt in der Annahme, dass einerseits die Anschaffung der technischen Systeme sehr teuer ist und sich nicht rentieren würde. Zudem befürchten Unternehmen andererseits einen bürokratischen Aufwand, der mit der Einführung bargeldloser Zahlungssysteme verbunden ist. Unternehmen, die mit spezialisierten Dienstleistern zusammenarbeiten, zeigen jedoch, dass sich die entsprechenden Bezahlsysteme unkompliziert und ohne großen Aufwand implementieren lassen.

 

 

Wird das Bargeld in Deutschland in absehbarer Zeit verschwinden?

Der Ausbau bargeldloser Bezahlsysteme ist für alle Bereiche des Handels äußerst lukrativ – somit auch für deutsche Franchise-Systeme, die allein in 2017 einen Umsatz von mehr als 20 Mrd. erwirtschaften konnten. Wenn allein in diesem Bereich das Kontingent an bargeldlosen Bezahlmöglichkeiten (NFC, Mobile Payment etc.) erhöht würde, so könnten mit großer Wahrscheinlichkeit die Umsätze gesteigert werden. Bargeldlose Bezahlsysteme können als Chance verstanden werden, um auch all jene Verbraucher anzusprechen, die kein Bargeld dabei haben oder verwenden möchten. Auch wenn bargeldloses Zahlen von vielen Unternehmen derzeit noch vor allem als Kostenfaktor betrachtet wird, stellt es ebenso einen Erfolgsfaktor dar. Unternehmen, die bargeldloses Zahlen ignorieren, riskieren gegebenenfalls Umsatzeinbußen. Die Erweiterung der bargeldlosen Infrastruktur bedeutet dabei keinesfalls zwangsläufig die vollständige Abschaffung des Bargeldes. Die Tatsache, dass Ende 2018 die 500 Euro Scheine aus dem Verkehr gezogen werden sollen, kann jedoch langfristig gesehen als richtungsweisend angesehen werden.

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