All articles only available in German. Sorry!
7/17/2019

So gewinnen Sie Digital Natives als Franchisepartner

 

 

 

Einleitung

 

Digital Natives sind Menschen, die zwischen 1981 und 1998 geboren wurden. Sie machen mehr als ein Drittel der arbeitenden Bevölkerung aus. Digitale Technologien, aber auch Unsicherheit aus Banken- und Finanzkrisen, Umweltkatastrophen und Terror haben ihre Kindheit geprägt. Ihre Sozialisation ist deshalb eine vollkommen andere als bei älteren Generationen.

Ihr Informations- und Kommunikationsverhalten ist geprägt von digitalen Technologien. Sie kommunizieren über Messengerdienste, teilen ihr Leben über Social Media Kanäle, sind mit ihrem Handy mobil im Internet und always on. Sie streamen Musik und Filme und informieren sich online. Kaufentscheidend sind Bewertungen anderer Konsumenten.

Auch in der Arbeitswelt ticken sie anders als ältere Generationen – eine hohe Flexibilität mit einem hohen Maß an Selbstorganisation und Selbstbestimmung ist ihnen wichtig. Sie erleben den schnellen Wandel tagtäglich, Sicherheit, Stabilität und permanente Weiterbildung haben für sie deshalb eine hohe Bedeutung. Sie wünschen sich von Vorgesetzten und Kollegen Feedback und sind es gewohnt, selbst Feedback zu geben. Geld und Statussymbole haben an Bedeutung verloren. Aufgrund des wachsenden Fachkräftemangels sind sie sehr begehrt und können es sich „leisten“ ihre Wünsche gegenüber Arbeitgebern durchzusetzen.

Privat ist ihnen eine gute Vereinbarkeit von Job und Familie mit einer guten Work-Life-Balance sehr wichtig. Vor allem wünschen sie sich aber SINN, Zusammenhalt und Zugehörigkeit.

Wie passen diese Wünsche zum Franchisegedanken von Einheitlichkeit und Standardisierung? Sind sie überhaupt für eine Selbständigkeit geeignet?

 

 

Wie Sie junge Interessenten für Ihr System begeistern

Überarbeiten Sie Ihr Franchise-Paket! Am besten starten Sie mit einer sehr detailliert beschriebenen Persona der jungen Wunschpartner. Beantworten Sie die Frage, wie eine Selbständigkeit mit Ihnen mehr Selbstbestimmtheit und Selbstorganisation ermöglicht und sogar erfordert. Warum ist es mit Ihnen besser möglich, Job und Familie unter einen Hut zu bringen? Welchen Nutzen stiftet Ihr System? Wie vermittelt Ihre Franchise Community Zugehörigkeit?

Welche Gestaltungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten haben die Partner? Wie unterstützen Sie Ihre Partner bei der permanenten Weiterentwicklung?

Wenn das erneuerte Franchise-Paket steht, geht es an die Kommunikation der Inhalte. Wo treffen Sie Ihre Wunschpartner? Junge Interessenten, die auf Jobsuche sind oder sich für eine Selbständigkeit interessieren, informieren sich online – in Jobportalen, Franchiseportalen, Social Media, xing, Linkedin, auf Blogs zum Thema und sie suchen den Austausch mit anderen Interessierten online und offline wie z.B. in Meetups. Gestalten Sie deshalb möglichst viele Kontaktpunkte, über die Sie Informationen über Ihr System jung, frech und zielgruppengerecht steuern. Machen Sie die Kontaktaufnahme einfach und vermeiden Sie Barrieren durch übermäßig lange Formulare. Nutzen Sie kurze, aussagekräftige Filme, um Ihr System und die Chancen der Selbständigkeit vorzustellen. Wählen Sie die Kanäle und die richtigen Keywords auf Basis Ihrer Persona. Dreh- und Angelpunkt hierfür ist auch eine aussagekräftige Website zur Partnersuche, die modern und mobil optimiert ist. „Verstaubte“ Auftritte für Endkunden oder Partner werden sogleich durch den Klick zum nächsten System abgestraft.

 

 

Die Kommunikation: permanent, digital, mobil

Digital Natives sind es gewohnt, permanent, digital und mobil zu kommunizieren – privat und auch beruflich. Deshalb sind kurze Reaktionszeiten in den diversen Kanälen schon in der Akquisephase wichtig. Auch die spätere Partnerkommunikation sollte von überall abrufbar, digital und mobil optimiert sein. E-Mails erfüllen zwar grundsätzlich diese Anforderungen, in der Masse der Mails gehen die wichtigen aber oft verloren. Social Intranets hingegen geben die Möglichkeit über Foren, Gruppen und Chats zu kommunizieren. So vermitteln Sie Informationen und sorgen gleichzeitig für einen regen Austausch in der Community. Wenn Sie bei Fax und Mail bleiben, werden sich die Partner - übrigens längst auch schon die älteren - ihre eigenen Wege suchen. Meist sind das dann WhatsApp- oder Facebook-Gruppen, die Sie nicht steuern können und die erhebliche Datenschutzprobleme mit sich bringen.


 

Junge Franchise-Partner gewinnen - durch Mitbestimmung und Transparenz

Digital Natives wollen mitgestalten, und zwar nicht heimlich in ausgesuchten Beiräten, sondern ständig und transparent. Auch dies ist über Social Intranets möglich, indem Sie die Partner z.B. über Neuproduktideen abstimmen lassen und Sie auffordern, Ihre Verbesserungswünsche einzusteuern. So können Sie Innovationsprozesse enorm beschleunigen und näher an den Marktbedürfnissen entwickeln. Durch diese Art der Beteiligung schaffen Sie ein hohes Maß an Transparenz, Mitbestimmung, Anerkennung und Commitment.

Wenn es gut läuft. Wenn die Partner fair und wertschätzend mit diesem Vertrauensvorschuss Ihrerseits umgehen, denn Voraussetzung ist Vertrauen in die Loyalität der Partner, damit vertrauliche Informationen nicht publik werden. Außerdem gehört Mut dazu, sich etwaiger Kritik zu stellen und Konsequenz, um die Beschlüsse dann auch umzusetzen.

 

 

Die Know-how Vermittlung: mobil, kurz, mit Gamification

Digital Natives (und noch viel mehr die folgende Generation Z) lernen anders als frühere Generationen. Der erste Einstieg in ein neues Thema – ein Film auf youtube. Der Wunsch ein Thema noch viel tiefer zu durchdringen – ein interaktiver Onlinekurs, vielleicht sogar bei einer renommierten Uni im Ausland, mit Chatforen mit den Dozenten und den anderen Studenten für den Erfahrungsaustausch. Wie mag ein solcher Interessent auf ein Papierhandbuch reagieren, das ggf. sogar veraltet ist? Auf unübersichtliche Intranets, die sich schwer durchsuchen lassen? Begeisternd wäre eine Mobile Learning Plattform mit eher kurzen, knackigen Videos, die er sich mobil auf dem Handy anschauen kann. Ein digitaler Wissenstest als Battle mit anderen Startern macht dabei noch Spaß und schafft Sicherheit, ob das Erlernte auch wirklich sitzt.

 

 

Fazit/Tipp für den nächsten Schritt

„Diese Anspruchshaltung ist nicht durchsetzbar!“ „Die sind zu faul!“ „Die werden schon irgendwann vernünftig!“ – so lautet die Haltung mancher älterer Franchisevertreter – eine Haltung, die verständlich ist, da die Erwartungen der Digital Natives so sehr von den Erwartungen der vorherigen Generationen abweichen. Diese ablehnende Haltung schadet aber den betroffenen Franchisesystemen, denn sie verhindert eine Neuausrichtung und damit auf Sicht die zukünftige Expansion.

Fast 80% der Befragten Digital Natives sind bereit alles zu geben, wenn der Job ihnen Spaß macht und zwei Dritteln macht ein hohes Arbeitspensum nichts aus, wenn sie dafür Anerkennung erlangen. Und die nächste gute Nachricht, knapp 40% von ihnen kann sich eine Selbständigkeit vorstellen. (Quelle Zukunftsinstitut)

Es liegt also an den Systemen unter Beweis zu stellen, dass Franchising Spaß macht, eine sichere Zukunft und die Zugehörigkeit zu einer großen Gemeinschaft bietet. Und dass dieser Weg sehr erfolgreich sein kann, haben bereits Systeme wie Bodystreet bewiesen, die ihre Partner schon seit vielen Jahren fast ausschließlich aus Digital Natives rekrutieren.

Systeme, die sich in diese Richtung entwickeln wollen, brauchen eine klare Zielvorstellung und einen Plan, wie sie den Wandel in technologischer und kultureller Hinsicht angehen wollen. Wenn Sie tiefer einsteigen wollen, stehe ich Ihnen für ein persönliches Gespräch gerne zu Verfügung. Oder melden Sie sich zum nächsten Lehrgang zum Digitalisierungsmanager (DFI) an, der ab September startet.

 

Expertenstimme von Sylvia Steenken

 

Autor:

Glossar