27.01.2016

Masterplan für internationale Expansion von Franchisesystemen

Deutschland war einst das Land mit der stärksten Wirtschaftskraft. Das hat sich in den vergangenen Jahren etwas gewandelt, nicht zuletzt weil sich auch die globale Wirtschaft wandelt.

Das BIP-Wachstum fluktuierte in den vergangenen 6-7 Jahren sehr stark. So erreichte das BIP in den Jahren 2012-2013 ein geringes Wachstum von lediglich 0,3 und 0,4 %. In 2014 betrug das Wachstum bereits 1,6 % und im Jahr 2015 1,7 %, was immer noch über dem 10-Jahresdurchschnitt (1,3 %) ist. 

Und dennoch, im Vergleich mit anderen entwickelten Ländern der EU scheint Deutschland langsam den Status der Wachstumslokomotive zu verlieren. Zum Teil könnte das auch daran liegen, dass Deutschland entgegen der weit verbreiteten Annahme nicht mehr so exportlastig ist wie angenommen.

In 2015 wurde das Wachstum größtenteils von Konsumenten getragen. Damit verzeichnete der Konsum den größten Anstieg seit 2000, wie Andreas Rees, Chefökonom der UniCredit, in Magazin welt.de erklärte. Getragen wird dieser Konsum allerdings weniger durch reine Ertragskraft, sondern durch die Zuwächse bei der Beschäftigung bei gleichzeitig niedriger Inflation und Mindestlohn.

 

Jahresdurchschnitt Arbeitslosenquote
Statistik: Arbeitslosenquote in Deutschland im Jahresdurchschnitt (1995-2016)
Quelle: www.franchiseportal.de

 

Hohe Beschäftigungsraten verhindern Expansion

Die hohen Beschäftigungsraten wirken sich dementsprechend insgesamt auf die Entwicklung von Neugründungen aus. Diese stagnieren, da der Wettbewerb um Spezialisten und Fachkräfte seinen Höchststand erreicht hat und unter anderem wegen der Zuwächse der Löhne und Gehälter bei niedriger Inflation.

Das stagnierende Interesse an Neugründungen wiederum, hat auch Auswirkungen auf den Franchisemarkt. Einer kontinuierlichen Studie des deutschen Franchiseverbandes (DFV), dem Franchise-Barometer , zufolge, stagnieren die Neugründungen von Jahr zu Jahr mit einer immer stärker werdenden Dynamik und verhindern damit die Expansion bereits bestehender Systeme.

 

 

Franchisesysteme Report
Bild: Franchisesysteme Report Infografik
Quelle: www.franchiseportal.de

 

 

Gemäß der Studie haben 63 % aller befragten Franchisegeber in 2015 ihre Expansionsziele nicht erreicht. Das ist bereits ein Anstieg um 10 % im Vergleich zum Vorjahr. Hinzu kommt, dass diejenigen, die in 2015 doch wachsen konnten, das mit weniger Partnern getan haben als zuvor, wie es weiter in der Studie heißt. Während in 2014 der Anteil der Franchisegeber mit über 11 neuen Partnern 33 % betrug, waren es in 2015 nur noch 21 %, die mehr als 11 neue Partner hinzubekamen.

Es sind daher zwingend Alternativen zu suchen, um den Markt nicht vollends stagnieren zu lassen. Dazu kommen generell drei Möglichkeiten in Frage.

 

  1. Mit eigenen Filialen expandieren
  2. Mit bestehenden Franchisenehmern und Unternehmern expandieren
  3. Expansion ins Ausland

 

Während die ersten beiden Alternativen bereits stark etabliert sind und die Rückgänge bei den Neugründungen teilweise kompensieren (Expansion mit eigenen Filialen wächst von 2014-2015 von 9 auf 12%; Expansion mit bestehenden Franchisenehmern und Unternehmern wächst von 2014-2015 von 28 auf 31 %), stellt sich die dritte Alternative als nicht so einfach dar.

Hier sind neben den Eintrittsbarrieren für eine Neugründung, sollte eine in Erwägung gezogen werden, weitere Informationen einzuholen, um den Zugang zum ausländischen Markt zu bekommen. Ohne professionelle Hilfe wird dieser Umstand kaum zu lösen sein. Hier kann ebenfalls der Deutsche Franchiseverband erste Hilfestellung leisten.

Die Institution Franchise Pool International ist dabei speziell als Anlaufstelle für Interessenten gedacht. Mit Hilfe internationaler Partner, kann der Pool dabei helfen den richtigen Standort auszuloten oder den ausländischen Markt zu analysieren. Auch Berater sind hierfür empfehlenswert.

 

 

Grundlegende Überlegungen für Expansion ins Ausland

Wenn man ins Ausland expandieren möchte, ist von vorherein zunächst mal die Frage zu beantworten, mit welcher Art von Partner man expandieren möchte. Das ergibt sich bereits grob aus der Strategie, die man für jede Expansion benötigt.

Im Rahmen der Strategieausarbeitung ist natürlich ebenfalls die Frage nach dem geeigneten Standort bzw. dem Land vordergründig. Marktanalysen sollten zwingend stattfinden. Nicht jedes Franchisesystem eignet sich auch für jedes Land. 

Besonders zu beachten und was oft nicht bedacht wird, ist nicht nur die sprachliche Barriere, sondern auch die Mentalität des jeweiligen Landes. Die Unterschiede zu Deutschland führen oft dazu, dass gewisse Franchisesysteme besser, manche weniger etabliert sind. Welche Mentalität sich für das geplante System eignet ist nicht einfach herauszubekommen, daher sollte eine Analyse bereits bestehender Systeme stattfinden und deren Erfolg betrachtet werden.

 

 

Schritt

Fragestellungen

1. Ausarbeiten einer Strategie

  • Was soll expandieren? Soll ein neues System aufgebaut werden oder sollen nur neue Partner (Filialen) gesucht werden?
  • Welche Länder eignen sich am besten für die Expansion? Marktanalyse der jeweiligen Länder und der dort bereits etablierten Systeme.
  • Analyse der wirtschaftlichen Verhältnisse z.B. des Arbeitsmarktes und treffen von Prognosen

2. Auswahl des Partners Master, Area Developer oder Joint Venture

  Master, Area Developer oder Joint Venture

  • Master - wer neue Master im Ausland sucht, wird umfassende Analysen anstellen müssen und mehr Kapital mitbringen, da in der Regel ein Pilotbetrieb aufgebaut wird. Master bauen ein ganzes System innerhalb eines Landes oder einer Region auf.
  • Area Developer sind das Bindeglied zwischen den neuen Franchise-Nehmern und den Gebern. Sie betreuen ganze Regionen, betreiben Marketing und helfen beim Aufbau von neuen Betrieben. Manchmal treten sie nur als Makler auf, oft bauen sie selbst Pilotbetriebe auf, um sie nachher an neue Franchisenehmer zu vermitteln.
  • Joint Venture - hierbei bietet der Franchisegeber dem Franchisenehmer eine Kooperation an. Damit hilft er einerseits mit seinem Know-How und zusätzlichen Kapital dem Franchisenehmer, sichert sich auf der anderen Seite jedoch auch mehr Kontrollmöglichkeiten.

3. Planung des Budgets und Finanzierung

  • Die Finanzierung kann über mehrere Wege erfolgen. Es hat sich jedoch eine Art Mischform von Fremd- und Eigenkapital bei der Finanzierung eines Franchiseunternehmens etabliert (auch im Rahmen eines Joint Ventures z.B.). So werden Kredite an Franchisenehmer vor allem von Sparkassen und Förderbanken bedient.

 

 

Die Finanzierung von Franchiseunternehmen

 

 

Finanzierung Franchisenehmer
Bild: So finanzieren sich Franchisenehmer
Quelle: Deutscher Franchise Verband (DFV)

 

 

Laut dem DFV hat sich besonders die Mischfinanzierung etabliert. Dabei wird Fremdkapital hauptsächlich von Geldinstituten wie Sparkassen beschafft, auch Förderbanken (KfW, Bürgschaftsbanken) gehören zu den größten Kapitalgebern. Ein geringerer Anteil entfällt auf private Kapitalgeber. Die neuen Formen des Crowdfunding oder Venture Capital wurden bei Franchiseunternehmen noch nicht genutzt, laut dem DFV sollen diese Möglichkeiten allerdings nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

 

 

Fazit – Expandieren ins Ausland

Der hiesige Arbeitsmarkt behindert aktuell neue Franchise-Partnerschaften, wenngleich Angebote wie das des FranchisePORTAL eine deutliche Hilfestellung darstellen. Alternativen für Wachstum sollten daher ausgelotet werden. Dazu gehört auch die Expansion ins Ausland. Doch wer ins Ausland expandieren möchte, sei es mit bestehenden Unternehmen oder um ein System aufzubauen, stellt sich einer nicht leichten Aufgabe. Auf dem Weg dorthin gibt es allerdings eine Menge Unterstützung, die in jedem Fall in Anspruch genommen werden sollte.

 


Quellen:
https://www.kredite-ohne-schufa.eu/
http://www.franchiseverband.com/fileadmin/dfv-files/Dateien_Dokumente/Ergebnisse_DFV-Barometerumfrage_2015.pdf
http://www.welt.de/wirtschaft/article151018114/Deutschland-ist-in-Europa-nur-noch-Mittelmass.html
http://www.franchisepool.org/
http://www.franchiseportal.de/franchise-interviews/Franchise-Pool-International-Interview-mit-Rolf-G.-Kirst-.htm
https://www.xing.com/communities/posts/master-franchising-wichtige-strategische-entscheidungen-bei-der-expansion-von-franchise-systemen-1000443170


Glossar