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8/2/2018

Interview zum Gütesiegel Partnerurteil: Wie glücklich und zufrieden Franchise-Partner sind

Interview zuerst erschienen in: FranchiseErfolge, Ausgabe Nr. 81, Aug./Sept. 2017, Herausgeber: Unternehmerverlag.

 

Welches Franchise-System passt zu mir? Und wie kann ich herausfinden, ob ein Franchise-System „gut“ ist? Früher oder später beschäftigt sich jeder angehende Franchise-Partner mit diesen Fragen. Das Gütesiegel Partnerurteil bietet jetzt eine zusätzliche Orientierungshilfe. Es gibt Aufschluss, wie glücklich und zufrieden die Franchise-Partner eines Systems sind. Franchise-Experte und Unternehmensberater Felix Peckert und Prof. Dr. Thorsten Semrau, Professor für Management an der Universität Trier, erklären im Interview, was es damit auf sich hat.

 

 

Welche Idee steckt hinter Partnerurteil?

Peckert: Ganz einfach: Wir lassen die Partner selbst zu Wort kommen. Für Franchise-Interessenten ist es von großem Interesse zu wissen, wie zufrieden die Franchise-Partner eines Systems sind. Sie erhalten mit dem Partnerurteil-Gütesiegel einen verlässlichen und belastbaren Eindruck. Es dient ihnen damit als eine wertvolle Orientierungs- und vielleicht sogar Entscheidungshilfe.

Franchise-Gebern bietet Partnerurteil zudem die Chance, mehr Transparenz zu zeigen. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es etwa 200 Arbeitgeber-Siegel – von „Great Place to Work“ bis „Deutschlands beste Arbeitgeber“. Auch Franchise-Systeme, die neue Partner suchen, bewegen sich auf dem Arbeitsmarkt. Für sie ist es aber vergleichsweise schwer, sich hervorzutun. Das soll Partnerurteil ändern.

 

 

Wofür vergeben Sie das Gütesiegel?

Semrau: Grundsätzlich zeichnen wir Franchise-Systeme aus, deren Franchise-Partner in den drei Kategorien Arbeitszufriedenheit, Lebensglück und Commitment im Durchschnitt mindestens durchschnittliche Bewertungen abgegeben haben. Unser Maßstab sind aber nicht andere Franchise-Systeme. Wir vergleichen die Antworten der Franchise-Partner vielmehr mit denen von Arbeitnehmern in Deutschland.

Peckert: Vier Sterne werden vergeben, wenn die Franchise-Partner im Mittel mindestens so zufrieden sind, wie der Durchschnitt der Arbeitnehmer. Fünf Sterne bedeuten, dass die Franchise-Partner überdurchschnittlich zufrieden sind. Und für die absoluten „Überflieger“ mit deutlich überdurchschnittlichen Bewertungen gibt es die Zusatzkategorie „5 Sterne plus“. Die Franchise-Partner eines solchen Systems sind dann im Durchschnitt so zufrieden wie die zufriedensten 16 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland.

 

 

Warum befragen Sie Franchise-Partner und vergleichen sie mit Arbeitnehmern?

Peckert: Sicherlich kann man auch Experten befragen, was ein empfehlenswertes Franchise-System ist. Wir halten ein solches Vorgehen jedoch nur für bedingt aussagekräftig oder belastbar. Deshalb greifen wir auf die Einschätzung von Franchise-Partnern im Vergleich zu externen Benchmarks zurück, mit denen wir die Befragungsergebnisse der Franchise-Partner eines Systems vergleichen. Bei Partnerurteil sind das die Zufriedenheitswerte von Arbeitnehmern aus repräsentativen Befragungen wie dem Sozio-ökonomischen Panel (SOEP).

Semrau: Wir möchten erreichen, dass sowohl die Franchise-Systeme selbst als auch potenzielle Franchise-Partner die Ergebnisse möglichst gut einordnen können. Die Bewertung anhand der Gesamtheit der Arbeitnehmer erschien uns deshalb angebracht, weil dem Einzelnen ja als Alternative zur Franchise-Partnerschaft eine Vielfalt an Möglichkeiten, wie z. B. die abhängige Beschäftigung oder die Gründung eines ganz unabhängigen Unternehmens offen stehen.

 

 

Wie funktioniert das in der Praxis?

Semrau: Für Partnerurteil greifen wir auf Fragen zurück, die bereits in wissenschaftlichen Studien verwendet werden. Damit sichern wir nicht nur die Qualität unseres Fragebogens, sondern ermöglichen vor allem die gewünschte Vergleichbarkeit.

Peckert: Außerdem haben wir uns selbst strengen Grundsätzen verpflichtet und arbeiten nach klaren Standards. So werden stets alle Franchise-Partner eines Systems zur Befragung eingeladen. Ausgenommen werden lediglich jene, die aus dem System ausscheiden werden oder mit denen es rechtliche Auseinandersetzungen gibt. Wir gewähren den befragten Franchise-Partnern völlige Anonymität und verlangen eine Rücklaufquote von mindestens 50 Prozent, die übrigens in der Realität schnell 70 bis 80 Prozent erreicht.

 

 

Welche Rolle spielt die Zufriedenheit von Franchise-Partnern?

Semrau: In der Forschung haben Studien zu Arbeitszufriedenheit und Commitment eine lange Tradition. Die Zufriedenheit wird sowohl von individuellen Faktoren als auch durch Merkmale der Arbeitssituation und -tätigkeit beeinflusst. Aus Studien mit abhängig Beschäftigten wissen wir: Wer mit seine Arbeit zufrieden ist, zeigt ein höheres Commitment und eine höhere Leistungsbereitschaft. Wir nehmen an, dass das grundsätzlich auch auf Franchise-Partner zutrifft. Dies wollen wir im Rahmen des Forschungsprojekts, das wir mit Partnerurteil verbinden, aber näher untersuchen. Dabei interessiert uns insbesondere auch, welche Leistungen des Franchise-Gebers die Zufriedenheit und das Commitment der Franchise-Partner beeinflussen.

Peckert: Die Zufriedenheit gibt letztendlich auch Aufschluss darüber, wie die Franchise-Partner die Bedingungen ihrer Franchise-Partnerschaft bewerten. Dahinter stehen beispielsweise Faktoren wie die Attraktivität des Betriebstyps oder die Entwicklungs- und Expansionsmöglichkeiten für den Partner.

 

 

Man hört immer wieder davon, dass Mitarbeiter in Unternehmen zu einem nicht geringen Prozentsatz innerlich gekündigt haben. Wie sieht das in Franchise-Systemen aus?

Peckert: Laut „Gallup Engagement Index“ haben 70 Prozent der Arbeitnehmer nur eine geringe emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber. Trotz aller gebotener Vorsicht vor der Vergleichbarkeit mit diesen Zahlen – ein solches Bild können wir bisher ganz und gar nicht bestätigen. In den bisher durchgeführten Befragungen haben die meisten Franchise-Partner angegeben, dass sie sich mit ihrem System stark verbunden fühlen. Bei Town & Country Haus haben fast 85 Prozent der „bauenden“ Partner gesagt, dass sie eine starke oder sehr starke Systemzugehörigkeit empfinden und dass dieses eine große persönliche Bedeutung für sie habe. Von innerlicher Kündigung kann da keine Rede sein. Das spricht vielmehr für eine sehr starke emotionale Bindung der Partner an das System.

Semrau: Für einen Franchise-Geber ist es von großem Interesse, dass seine Franchise-Partner sich auch mit dem System verbunden fühlen. Diese Partner würden auch eher den Franchise-Vertrag erneut unterschreiben und stehen stärker hinter der Entscheidung für ihre Franchise-Partnerschaft. Das ist eine wertvolle Information für jeden, der sich für ein bestimmtes Franchise-System interessiert.

Peckert: Die meisten Franchise-Partner bleiben nicht nur aus rationalen Gründen oder gar alleine aus Mangel an Alternativen einem System treu. In der Regel sind sie begeistert von ihrem Betrieb, ihrem Erfolg, dem Markenauftritt und der Gemeinschaft. Für das Wachstum eines Systems ist ein Mangel an „echter Bindung“ tatsächlich fatal. Franchise-Geber sind hier aufgefordert, der Franchise-Partnerschaft eine stärkeren Sinn und den Franchise-Partnern einen Mehrwert zu bieten.

 

 

Stichwort Geld: Wie zufrieden sind Franchise-Partner mit ihrem Einkommen?

Semrau: Auch das ist Gegenstand unser Befragungen. Für ein abschließendes Urteil ist es noch etwas früh. Die Zufriedenheit mit dem Einkommen als Unternehmer hängt vermutlich auch stark davon ab, was jemand vorher verdient hat. Außerdem kann die Dauer der Systemzugehörigkeit eine entscheidende Rolle spielen – muss aber nicht. Selbst ein Franchise-Partner, der sich in der Startphase befindet und deshalb mehr investiert als er einnimmt, kann mit seinem Einkommen zufrieden sein, weil er eben genau das erwartet hat.

 

 

Sind Franchise-Partner glücklich?

Peckert: Tatsächlich können wir bisher sehen, dass die Franchise-Partner der befragten Systeme im Mittel glücklicher sind als der Durchschnitt der Arbeitnehmer in Deutschland. Diese allgemeine Lebenszufriedenheit hängt natürlich nicht allein von der beruflichen Situation ab und ein Franchise-Geber kann darauf auch nur begrenzten Einfluss haben. Gleichwohl können wir in den bisher durchgeführten Befragungen einen starken Zusammenhang zwischen Glück und Arbeitszufriedenheit erkennen.

 

 

Was können Interessenten von den Ergebnissen ableiten?

Peckert: Ich weiß mit Partnerurteil ein Stück weit mehr, auf was ich mich einlasse. Sind die Partner eines Systems glücklich und zufrieden, spricht das für das System und die mir angebotene Franchise-Partnerschaft. Das Gütesiegel gibt mir also eine zuverlässige Orientierung und zeigt mir, wo die Franchise-Partnerschaft in der Regel für den Franchise-Geber und die Franchise-Partner aufgeht. Warum sollte das also nicht auch für mich zutreffen?

 

 

Thorsten Semrau ist Professor für Management an der Universität Trier. In Forschung und Lehre befasst sich Thorsten Semrau insbesondere mit Fragen aus den Bereichen Organisation und Unternehmensentwicklung. In diesem Rahmen hat er bereits mehrere Forschungsprojekte zu Motivation und Erfolg von Franchisenehmern durchgeführt.

 

 

Felix Peckert gilt als einer der renommiertesten Franchise-Experten in Deutschland. Seit 1988 berät er Unternehmen beim Auf- und Ausbau, der Kommunikation und der Expansion ihrer Filial-, Lizenz- und Franchise-Systeme. Der Diplom-Volkswirt ist u. a. Gründer des Instituts für Markenfranchise, das sich mit den Erfolgsfaktoren von Franchise beschäftigt.

 

 

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