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10/5/2017

Interview mit Herrn Ales Tulpa zum Thema Franchising in Tschechien

Herr Dipl.-Ing. Tulpa hat ein betriebswirtschaftliches Studium absolviert. Seit 1985, nach der Etablierung in Deutschland, hat er in mehreren international tätigen und renommierten Firmen in der Geschäftsleitung gearbeitet. Von 1991 bis 1995 war er Geschäftsführer des Großversandhauses Quelle, Fürth, verantwortlich für die Tschechische und Slowakische Republik. Seit 1995 war er sieben Jahre lang als Geschäftsführer von OBI in Tschechien und in den Jahren 2002-2004 als Vorstandsmitglied der österreichischen Lasselsberger-Gruppe tätig. Im Mai 2007 wurde er geschäftsführender Gesellschafter der neu gegründeten Systemzentrale AVEX BAUMARKT in Prag. Er hat in Kooperation mit dem deutschen Konzern BayWa mit Sitz in München ein eigenes Franchise-Konzept in der DIY-Branche unter dem Namen AVEX Baumarkt entwickelt. Des Weiteren war Herr Tulpa ehrenamtlich als Präsident der Tschechischen Franchise Assoziation und als Vorstandsmitglied des tschechischen Handelsverbandes fünf Jahre lang tätig. Seit 2004 ist er als internationaler Unternehmens- und Franchiseberater aktiv. Er ist auch seit einigen Jahren Mitglied des Franchise Pool International und war in den Jahren 2006-2016 auch Kooperationspartner von SYNCON. Herr Tulpa wurde im Jahre 2016 ins Buch der Persönlichkeiten in der Tschechischen und Slowakischen Republik OXFORD ENCYCLOPEDIA 2016 für seinen Beitrag und Erfolge im Franchising eingetragen. Seine Master Franchise Konferenz in Prag, an welcher in den vergangenen fünf Jahren rund 600 Interessenten teilgenommen haben und welche insgesamt 75 Franchise-Konzepte vorgestellt hat, wurde von der Tschechischen Franchise Assoziation (CAF) als „Beste Veranstaltung des Jahres 2016“ im Franchising ausgezeichnet.

 

Könnten Sie kurz den tschechischen Markt charakterisieren?

Der tschechische Markt befindet sich auf hohem Integrationskurs was die EU betrifft:

  • es gibt ein vergleichbares Rechtsumfeld. Die tschechischen Gesetze und die davon abgeleiteten Rechtsnormen entsprechen aufgrund des Harmonisierungsprozesses weitestgehend dem EU-Recht
  • das Steuersystem wurde auch schrittweise harmonisiert
  • das steigende Interesse an Tschechien wird durch eine relativ günstige und stabile wirtschaftliche Entwicklung unterstützt
  • der tschechische Handel ist sehr intensiv mit den EU-Ländern – insbesondere Deutschland und Österreich – verbunden

 

Der tschechische Handel ist ein Spiegelbild Europas: auf der relativ überschaubaren Landesfläche sind viele Vertriebslinien und ihre Sortimente präsent. Die internationalen Handelsunternehmen haben einen Marktanteil von mehr als 70 Prozent. Trotz eines verschärften Wettbewerbs bleibt Tschechien für internationale Gesellschaften interessant.

Der bisherige Expansionsfokus der meisten international tätigen Unternehmen waren Großstädte mit über 100.000 Einwohnern inkl. der Einzugsgebiete. Es gibt jedoch neue Trends in den letzten Jahren: die Erschließung von Regionen in Tschechien. Internationale Unternehmen sind in den letzten Jahren in Regionen expandiert und allmählich eine starke Konkurrenz für mittelständische Unternehmer geworden. Dem Druck großer Konzerne kann auf Dauer nur in einem starken Verbund erfolgreich entgegengewirkt werden.

Franchising ist in vielen Fällen für den Mittelstand die einzige Chance, sich im Wettbewerbsumfeld zu behaupten. Es wird für Einzelunternehmer in der Zukunft kaum möglich sein, sich ohne Kooperation oder Franchisesysteme und damit verbundenen Synergie-Effekten und Vorteilen, weiter zu entwickeln oder im harten Wettbewerb am Markt durchzusetzen.

 

Wie war die bisherige Entwicklung des Franchisings in Tschechien?

Franchising als Methode der Unternehmenstätigkeit ist in der Tschechischen Republik noch nicht so verbreitet wie in anderen westeuropäischen Ländern, wie z.B. in Belgien oder Portugal, d.h. in den Ländern, welche man mit Tschechien vergleichen kann. Der Beginn der Entwicklung reicht ins Jahr 1991 zurück, als die ersten ausländischen Franchisesysteme in Tschechien einstiegen. Einer rascheren Verbreitung des Franchisings stand im Wege, dass seine Anwendung wenig bekannt war, was geringeres Vertrauen der Unternehmer zur Folge hatte. Weitere wesentliche Faktoren, die die Entwicklung des Franchisings bremsten, waren Finanzierungsprobleme, eine noch nicht so weit entwickelte Unternehmenskultur auf dem tschechischen Markt, fehlendes Rechtsbewußtsein, unerfahrenes Management, nicht ausreichendes Know-how über diese Form der Zusammenarbeit zwischen Unternehmern – Franchisegebern und Franchisenehmern, Mangel an Erfahrung mit Franchising und an eigenen Finanzmitteln seitens der Franchisenehmer. Die Banken waren und sind immer noch sehr zurückhaltend, wenn es um die Bewertung potentieller Franchisenehmer geht. Und es fehlen zudem alternative Angebote was Finanzquellen und Förderprogramme für Franchisegeber und -nehmer betrifft.

Die Entwicklung in den letzten Jahren zeigt jedoch, dass sich Franchising auch im tschechischen Marktumfeld mehr und mehr durchsetzen wird. Das steigende Interesse vor allem ausländischer Franchisegeber in Tschechien aktiv zu werden, wird durch eine relativ günstige und stabile wirtschaftliche Entwicklung und auch steigende Nachfrage nach Franchise-Konzepten unterstützt.

In den letzten zehn Jahren haben hauptsächlich ausländische Franchisesysteme auf dem tschechischen Markt dominiert. Erst in den letzten fünf Jahren sind einige neue tschechische Franchisegeber erschienen. Mit Zufriedenheit können wir feststellen, dass das Interesse am Franchising seitens der Tschechen stark zugenommen hat.

 

Und wie ist der aktuelle Stand des Franchisings in Tschechien?

Ende 2016 waren ca. 275 Franchise-Systeme in Tschechien aktiv und weitere 25-30 denken über eine Expansion nach Tschechien nach. Unserer Prognose nach und laut Angaben von CAF könnten bis 2018 ca. 300 Franchisesysteme auf dem tschechischen Markt tätig werden.

 

 

Diese Tabelle zeigt, wie sich die Zahl der Franchise-Systeme in den letzten Jahren entwickelt hat.

Von den 275 Franchisegebern sind ca. 60% im Dienstleistungssektor und ca. 40% im Handel angesiedelt. Wenn wir uns anschauen, welche Branchen auf dem Markt in Sachen Franchising dominieren, dann sind es eindeutig die Gastronomie, die Immobillien-Makler und der Einzelhandel.

 

Hat Franchising in Tschechien neue Arbeitsplätze geschaffen?

Wir haben die Franchise-Landschaft auch auf die Beschäftigungsrate der Mitarbeiter hin analysiert. Es wurde festgestellt, dass mehr als 120 Franchisegeber ca. 1-5 Mitarbeiter pro Franchise-Betrieb und weitere 35 FG ca. 6-10 MA beschäftigen. D.h. in Tschechien sind es meistens kleinere Betriebe, die auf dem Markt aktiv sind. Laut der Schätzung von Experten beschäftigt die Franchise-Branche in CZ zur Zeit ca. 55.000 Mitarbeiter.

 

Wie ist das Verhältnis zwischen den tschechischen und ausländischen Franchise-Systemen auf dem tschechischen Markt?

Ca. 51% der Franchise-Systeme sind in Tschechien entstanden und es gibt ca. 49% Franchisegeber, die aus dem Ausland stammen. Ursprungsländer der Franchisesysteme, die in Tschechien tätig sind, sind z.B. USA, Deutschland, Italien, Frankreich, Polen, Spanien, Österreich, usw. Von den ca. 140 tschechischen Franchisegebern haben bis jetzt nur ungefähr 40 ins Ausland expandiert. Die Gründe dafür können wie folgt zusammengefasst werden: keine Auslandserfahrung, wenig oder keine Vorbereitung für die Expansion, fehlende finanzielle Mittel, mangehalfte Franchise-Pakete für die Master-Franchisenehmer, wenig Konkurrenzfähigkeit.

 

Gibt es Entwicklungspotential für das Franchising und Perspektiven für Interessenten in Tschechien?

Franchising zeichnet sich durch hohes Entwicklungspotential in Tschechien aus: es gibt ca. 800.000 kleine und mittelständische Unternehmen, die ca. 2 Mio Arbeitnehmer beschäftigen. Franchising bietet den mittelständischen Unternehmern Alternativen an:

  • Abrufen/Erschließen von Entwicklungspotentialen
  • Neu-/Umorientierung der Unternehmensaktivitäten und in vielen Fällen ist Franchising die einzige Chance sich im harten Wettbewerbsumfeld zu behaupten.

 

Wie sind Ihre Empfehlungen für ausländische Franchisegeber, die sich eine Expansion nach Tschechien überlegen?

Bevor man seine Entscheidung bezüglich einer Expansion nach Tschechien trifft, sollte man zuerst eine gute, professionelle, landes- und branchenspezifische Marktanalyse erstellen lassen. Diese können von guten und praxiserfahrenen Franchise-Beratern, die in Tschechien tätig sind, oder auch von ausgewählten Master-Franchisenehmern, die sich in den jeweiligen Branchen auskennen, durchgeführt werden. Die Franchisegeber sollen auch Referenzen von Ihren zukünftigen Masterfranchisenehmern und Franchisenehmern oder Joint-Venture-Partnern erfragen. Und Franchisegeber sollten sich Zeit für ihre strategischen Entscheidungen lassen und nicht unter Druck handeln.

 

Was können Sie als lokaler Franchise-Berater den ausländischen Franchisegebern anbieten und wie können Sie behilflich sein?

Bei der Suche nach potentiellen Franchise-Partnern oder Master-Franchisepartnern können wir anbieten:

  • Ein Workshop zu dem Thema „How to expand to the Czech Republic“. Aus den Themen, die wir mit den Mitarbeitern der ausländischen Franchisesysteme besprechen und diskutieren, würde ich als Beispiele nennen: die Franchise-Landschaft in Tschechien, rechtliche Rahmenbedingungen, Finanzierungsmöglichkeiten für die Master-FN und Franchisenehmer, empfohlene Expansionsstrategien.
  • Praxisbezogene Erfahrungen und Empfehlungen, wo und wie man Masterfranchisenehmer und Franchisenehmer auf dem tschechischen Markt findet; Mittel, die zur Ansprache dienen; häufigste Probleme bei der Expansion, etc.
  • Suche/Finden von potentiellen Kandidaten für Master-Franchise und/oder Franchisenehmer
  • Erstkontakt – Infogespräch mit den Kandidaten
  • Vorbereitung auf das nächste Gespräch mit dem Franchisegeber
  • Frage & Antwort Treffen – Follow-up-Gespräch
  • Beurteilung von potentiellen Master-Franchisenehmern und Franchisenehmern
  • Hilfestellung bei der Erstellung einer Marktanalyse, einer Länderstrategie, Marketingstrategie, des Businessplans, der Finanzierungsplanung, Bewertung der Marktattraktivität, etc.
  • Hilfestellung und Anpassung (inkl. fachlicher Übersetzung) der Franchise-Handbücher, des Businessplans, etc. an die lokalen landesspezifischen Marktgegebenheiten
  • Interimsmanagement, Mediation, Coaching, Schulungen
  • Kontakte zu lokalen Banken, Leasinggesellschaften, Medien, Franchise-Portalen, der Franchise Assoziation CAF, wo wir seit Jahren auch Mitglied sind, etc.

 

Welche ist die größte und wichtigste Veranstaltung für das Franchising in Tschechien 2017?

Es ist ganz eindeutig die Master-Franchise-Konferenz (MFK) und Franchise Ausstellung in Prag – die größte Franchise Veranstaltungen in 2017 in Tschechien und der Slowakei, welche am 15.11.2017 zusammen für die Märkte der Tschechischen und Slowakischen Republik veranstaltet werden. Die MFK organisieren zusammen das Beratungsunternehmen AVEX Systems zusammen mit dem Tschechischen Franchise-Verband (CAF). Franchise-Systeme, die ihr Konzept vorstellen oder die Veranstaltung kennenlernen möchten, können sich noch für die Konferenz und Ausstellung anmelden.

Die Konferenz bietet Franchise-Systemen, die bisher nicht in Tschechien und der Slowakei aktiv sind, die Möglichkeit, Kontakte zu potenziellen Master- oder Einzel-Franchise-Nehmern zu knüpfen. Die Teilnahme an der Konferenz ist den etablierten und bereits erfolgreichen Franchisegebern vorbehalten. Die Konferenz und Ausstellung richtet sich zudem an Franchise-Unternehmen, die noch keine konkreten Pläne für einen Markteintritt haben, sich aber über die Möglichkeiten einer Franchise-Expansion informieren möchten.

Mehr dazu finden Sie auch in einem kurzem Video von dieser Veranstaltung.

Veranstaltungsort ist das Kongresszentrum Slovansky dum, Prag 1 (Na Prikope 22). Weitere Informationen stehen auch auf den Veranstaltungswebseiten bereit: www.masterkonference.cz und www.veletrhfranchisingu.cz.

Die Veranstaltung wird in der Presse, im Rundfunk – z.B. ZET/BBC news, Europa2, Frekvence1, etc., online auf Webseiten der Tschechischen und Slowakischen Franchise Assoziationen, in Internetseiten der größten Franchise-Portals in Tschechien und der Slowakei, bei Institutionen im Bereich Gründungsberatung, Kammern und Verbänden, bei allen Partnern der Konferenz und der Franchise-Ausstellung, Fachzeitungen und -zeitschriften, z.B. Brands&Stories, Vlastni firma FRANCHISING, etc. erworben.

Wer mehr über das Franchising in der Tschechischen und Slowakischen Republik erfahren möchte, neue Kontakte und potentielle Master-FN, Franchisenehmer, Geschäftspartner sucht oder den Franchise-Markt in diesen beiden Ländern analysieren und testen möchte, sollte diese Master Franchise Konferenz besuchen. Mehr Informationen findet man auf www.masterkonference.cz oder www.avexsystems.eu. Wenn Sie Interesse haben, dann können Sie Detailinformationen auch unter ales.tulpa@avexsystems anfordern oder rufen Sie an: +420 724 007 505.

Glossar