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1/13/2012

Chatprotokoll: Erfolgreicher Aufbau eines Franchise-Systems

SYNCON International Franchise Consultants

Michaela JungFrau Michaela Jung:Guten Morgen liebe Live-Chatteilnehmer, ich freue mich auf 2 spannende Stunden, Ihre Michaela Jung

Leser:Liebe Frau Jung: Was betrachten Sie als Fundament eines Franchisesystems bzw. als Grundpfeiler für Aufbau und Weiterentwicklung?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, das Fundament eines Franchise-Systems muss ein erfolgreiches Geschäftskonzept sein. Nur wenn Sie erfolgreich mit dem sind, was Sie beruflich tun, dann können Sie auch im Franchising damit erfolgreich sein. Franchising ist kein Erfolgsversprechen, sondern eine Vertriebsform mit hohem Multiplikationspotenzial.

Leser:Guten Morgen Frau Jung. Mich würde interessieren, worin sich der Businessplan im Franchising von dem einer "normalen" Unternehmensgründung unterscheidet.

Michaela JungFrau Michaela Jung:Guten Morgen lieber Live-Chatteilnehmer! Im Franchising ist es meist eine Erfolgsplanung / Wirtschaftlichkeitsberechnung und damit nicht so umfassend, wie - laut Definition - ein richtiger Businessplan. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal zur Wirtschaftlichkeitsberechnung des klassischen Einzelkämpfers ist jedoch, dass auf der Kostenseite die anfallenden Franchise-Gebühren mitgeplant werden müssen. Und der Franchise-Partner soll sich selbst auch im Bereich Personalkosten in der Planung nicht vergessen :-)

Leser:Hallo und einen guten Morgen: Könnten Sie mir sagen, welches die wichtigsten Erfahrungswerte sind, die im Rahmen eines Pilotbetriebes gesammelt werden sollten?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Guten Morgen! Das ist eine spannende Frage und für alle Franchise-Starter relevant: In der Phase der Pilotierung wird in der Außensicht (dem Kunden gegenüber) sichtbar, ob das Sortiment / die DL marktgerecht ist, d.h. vielleicht gibt es noch die eine oder andere Lücke, die aufgrund von Nachfrage bzw. fehlender Umsätze geschlossen werden muss, bevor es in die Multiplikation geht. Dasselbe gilt für den Bereich des Marketing -> nehmen die Kunden das Geschäft / die Marke wahr? Passt die Frequenz (der Standort) auch über ein ganzes Jahr betrachtet etc. In der Innensicht gilt es zu prüfen, ob die organisatorischen Abläufe bereits klar und standardisiert genug sind für die Multiplikation (Stichworte: Bestellwesen, Führung der Mitarbeiter, Verkaufssituation, Training etc.). Solange Sie nicht den Eindruck haben (und dies mit Zahlen belegen können), dass Ihr Pilotbetrieb gut läuft, sollten Sie noch nicht in die Expansion gehen, denn mit jedem neuen Partner multiplizieren Sie auch die noch bestehenden Schwachstellen!

Leser:Welche vorvertraglichen Aufklärungspflichten halten Sie aufgrund Ihres Beratungsalltags für besonders brisant?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, der Deutsche und der Österreichische Franchise-Verband bieten eine Checkliste zur vorvertraglichen Aufklärungspflicht, in der alle relevanten Schritte erfasst sind. Wichtigster Punkt ist sicherlich, dass Sie diesen gesamten (zeitlichen) Prozess der vorvertraglichen Aufklärungspflicht dokumentieren und sich von Ihrem Franchise-Interessenten mit Unterschrift bestätigen lassen, dass er all die notwendigen / relevanten Informationen für seine Entscheidungsfindung erhalten hat.

Leser:Wie lassen sich die Details über die Erfolgsaussichten eines Franchise-Betriebes und die Zahlen über den Arbeits- und Kapitaleinsatz systematisch ermitteln, damit dem Interessenten eine fundierte und wahrheitsgemäße Auskunft erteilt werden kann?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, dies passiert im Rahmen der Wirtschaftsplanung für einen zukünftigen Standort. Basis der Wirtschaftsplanung sind die Erfahrungswerte aus bestehenden Filialen bzw. Pilotbetrieben. Es ist die Aufgabe des Franchise-Gebers das relevante Zahlenmaterial zu den Kosten und Erlösen, in Form einer Muster-Wirtschaftsplanung, zusammenzutragen und gemeinsam mit dem zukünftigen Franchise-Partner eine Planung zu erstellen (meist in drei Varianten: worst case / real case / best case) und auf ca. 5 Jahre ausgelegt).

Leser:Wie detailliert müssen im Franchising die Geschäftsprozesse analysiert und für den Franchisenehmer dokumentiert werden?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Liebe Live-Chatteilnehmerin, das System-Know-how muss - so schreibt es die Gruppenfreistellungsverordnung für vertikale Vertriebsbindungen vor - so detailliert sein, dass es als System-Know-how identifiziert werden kann, bedeutsam und für den Franchise-Nehmer nützlich ist. In der konkreten Umsetzung heißt das, solange Sie bei einem Thema noch eine (journalistische) "W-Frage" (wer macht was, wann, wie, warum, mit wem...) stellen können, haben Sie diesen Prozess nicht klar und in die Tiefe genug beschrieben. Franchise-Nehmer haben ein Anrecht auf konkretes Anwendungs-Know-how - im Idealfall ist dieses so detailliert, dass Ihr Franchise-Nehmer keine Frage dazu hat bzw. nicht zum Hörer greifen muss (um in der Franchise-Zentrale nachzufragen).

Leser:Gibt es zwischen Deutschland und Österreich irgendwelche Unterschiede hinsichtlich der vorvertraglichen Aufklärung?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Sehr geehrter Live-Chatteilnehmer, meines Wissens nach nicht (jedoch bin ich keine Juristin), da die Checkliste zur vorvertraglichen Aufklärungspflicht vom DFV auch vom ÖFV genutzt wird.

Leser:Können die Informationen zur Vorvertraglichen Aufklärung auch in elektronischer Form erteilt werden?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, die vorvertragliche Aufklärungspflicht ist ein zeitlicher Prozess, d.h. Sie legen etwa bei einem Termin die Zahlen und Fakten Ihrer Pilotbetriebe bzw. Standorte dem Interessenten offen und lassen sich diese geleistete Information mittels Unterschrift bestätigen. Bei einem anderen Termin erhält Ihr Interessent die Kontaktadresse der bestehenden Franchise-Nehmer, um sich - bei Bedarf - Referenzen einholen zu können. Auch diese Informationsvermittlung lassen Sie sich mit Unterschrift bestätigen und so weiter... Die vorvertragliche Aufklärungspflicht funktioniert nur im Dialog zwischen Ihnen und Ihren Interessenten. Wichtigster Punkt dabei ist eben die Dokumentation. Wenn Sie diese elektronisch durchführen ist das auch okay, sofern Sie diese Dokumentation nachvollziehbar d.h. reproduzierbar halten. Und das Thema der (händischen) Unterschrift muss geklärt sein.

Leser:Muss der Master eines ausländischen Franchise-Systems selbst auch eine Pilotphase vorsehen, um die notwendigen Anpassungen an die Marktverhältnisse vorzunehmen?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, es ist sehr empfehlenswert, bevor Sie als Master in Ihrem Land starten, eine Phase der Erprobung an 1-2 Standorten durchzuführen, um festzustellen, dass bzw. was angepasst werden muss. Schließlich müssen Sie Ihren zukünftigen Franchise-Nehmern belegen können, dass das Franchise-Konzept auch in Ihrem Land funktioniert.

Leser:Wie soll ein gerade erst gestartetes Franchise-System die Risiken im Zuge der vorvertraglichen Aufklärung wahrheitsgetreu darstellen, die mit dem Abschluss eines Franchise-Vertrages verbunden sind?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, wichtig ist, dass Sie offen legen, was der Entwicklungsstand Ihres Franchise-Systems ist. Wenn Sie am Anfang stehen, dann stehen Sie eben (erst am Anfang). Schmücken Sie sich nicht mit fremden Federn, sondern legen Sie das Zahlenmaterial, das Sie haben vor und zeigen Sie die Risiken auf. Meist sprechen junge Franchise-Systeme einen anderen Typ von Franchise-Nehmer an -> nämlich den Pionier, der vom Start weg mit dabei sein will und vielleicht auch bereit ist ein erhöhtes unternehmerisches Risiko zu tragen.

Leser:Welches sind nach Ihrer Ansicht die größten Hürden für den Initiator bei Aufbau und Entwicklung eines Franchise-Netzwerkes?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, mein Spezialgebiet in der Syncon ist die Know-how-Dokumentation, darum ist aus meiner Sicht eine große Hürde beim Aufbau eines Franchise-Systems das gesamte Unternehmens-Know-how so weit zu standardisieren und zu dokumentieren, dass von X Franchise-Nehmern an X Standorten erfolgreich umgesetzt werden kann. Franchising löst oft in Unternehmen einen Qualitätssprung aus, weil die Dinge, die bislang "aus dem Bauch heraus" gemacht wurden, klar definiert, hinterfragt und vielleicht auch vereinfacht werden müssen, um effizient und erfolgreich mit Franchise-Partnern arbeiten zu können.

Leser:Ich bin als Unternehmerin mit meinen Filialbetrieben ziemlich erfolgreich. Wie finde ich vorab heraus, ob ich auch die persönlichen Voraussetzungen und die notwendigen Ressourcen für den Aufbau eines Franchise-Systems mitbrächte?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Liebe Live-Chatteilnehmerin, wenn Sie mit Filialen bereits erfolgreich sind, dann haben Sie Ihr Geschäftskonzept schon soweit abstrahiert, dass es von Ihren Mitarbeitern ebenfalls erfolgreich umgesetzt werden kann. D.h. die persönlichen Voraussetzungen zur Systemführerschaft, Delegation, Innovationsfähigkeit sind gegeben. Die notwendigen Ressourcen erarbeiten wir mit unseren Kunden persönlich in einem sogenannten 1tägigen Franchise-Strategieworkshop, in dem wir sichtbar machen, was an Zeit, Geld und Experten notwendig ist, um Ihren Geschäftserfolg auch im Franchising erfolgreich zu multiplizieren.

Leser:Danke für Ihre Erläuterung. Halten Sie beim Markteintritt eines ausländischen Franchise-Systems eine Verkürzung der Pilotphase für möglich, da wesentliche Erfahrungen bereits im Ausland gesammelt wurden? Wäre in diesem Fall ein Jahr eventuell ausreichend?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, je näher (geografisch, sprachlich, kulturell) das Ursprungsland des Franchise-Systems dem geplanten Master-Land ist, umso kürzer kann sicherlich die Phase der Pilotierung gehalten werden. Jedoch sollten Sie auch darauf achten, dass Sie als Master ausreichend Informationen aus dieser Pilotierungsphase bekommen, die für eine Expansion mit Franchise-Nehmern im nächsten Schritt spricht. Ein ganzes Geschäftsjahr sollte die Pilotierung auf alle Fälle umfassen, damit Sie alle Saisonen durchlaufen und Mittelwerte über die Geschäftsentwicklung erstellen können. Vielleicht läuft ja der Sommer in Ihrer Branche besonders gut, der Winter jedoch eher schlecht, aber im Mittelwert passen die Zahlen dann wieder?!

Leser:Wo sehen Sie die wichtigsten Vor- und Nachteile einer webbasierten Handbuch-Lösung im Franchising?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Liebe Live-Chatteilnehmerin, ob Web oder Print, das ist nur die Darstellungsform. Viel wichtiger ist, dass die Inhalte passen ;o) Wenn Sie Ihren Franchise-Nehmer eine Printversion aushändigen, dann haben diese etwas "handfestes" in Händen, aber genauso wertvoll ist eine schnelle, bedienungsfreundliche Intranet-Lösung zur Know-how-Dokumentation. In der Printversion fallen Zeit- und Materialkosten zur Produktion an - in der Weblösung haben Sie diese Kosten nicht. Die meisten Franchise-Systeme händigen Ihren Franchise-Nehmern (noch) eine Printversion aus und stellen zeitgleich das Franchise-Handbuch auch im systemeigenen Intranet online.

Leser:Welche Unterstützungsleistungen kann Syncon für den Systemaufbau anbieten und welche Kosten – nur ganz grob – sind damit verbunden?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, im ersten Schritt empfehle ich den 1tägigen Franchise-Strategieworkshop, in dem wir eine Franchise-Eignungsanalyse mit Ihnen durchführen, Ihr individuelles Franchise-Leistungspaket erstellen und die zukünftige Franchise-Strategie festlegen. In diesen Tag investieren Sie EUR 3.000,--. Danach können Sie Ihr Franchise-Systems Schritt für Schritt selbst entwickeln, oder maßgeschneiderte Unterstützungsleistung von uns zukaufen (etwa in den Bereichen Know-how-Dokumentation, Spielregeln des Franchise-Vertrages, Rekrutierungswege und Instrumente etc.).

Leser:Aus welchen Komponenten besteht die von Ihnen erstellte Know-how-Dokumentation und welche Vorteile hat der der von Ihnen gewählte Aufbau? Oder gibt es einen Standardaufbau für Franchise-Handbücher?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Liebe Live-Chatteilnehmerin, wenn Sie mit uns eine Know-how-Dokumentation erarbeiten, dann erhalten Sie ein - auf Ihr Franchise-System - maßgeschneidertes Franchise-Handbuch, das konkretes Anwendungs-Know-how und Prozessbeschreibungen für Ihre Franchise-Nehmer enthält. Die großen Themenblöcke der Know-how-Dokumentation sind: Konzept, Mission / Vision / Philosophie, Markt, Informationen über Franchising, Bedeutung der Know-how-Dokumentation, Ansprechpartner und Funktionen der Franchise-Zentrale, alles rund um Ihre Franchise-Nehmer, alles zu den Produkten / Dienstleistungen, Thema Standort / Lokal, Marketing / Vertrieb, Organisation (intern: Wirtschaftsplanung, Finanzierung, evtl. Warenwirtschaftssystem, Mitarbeiter, Kommunikation), Training und Systemschutz (Handbuch, Vertrag, Gebühren, Qualitätssicherung). Das sind quasi nur die Headlines, die Inhalte und dazugehörigen Prozesse gilt es individuell zu erarbeiten. Inhaltlich verknüpft wird das Franchise-Handbuch mit ergänzenden Bestandteilen Ihrer Know-how-Dokumentation, etwa Intranet, CI-Manual etc.

Leser:In welchem Umfang können Sie Ihre Kunden speziell bei der Erstellung der Franchise-Handbücher unterstützen?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Liebe Live-Chatteilnehmerin, Sie selbst bestimmen den Umfang unserer Beratung: Vielleicht erarbeiten wir nur gemeinsam die Gliederung Ihres Franchise-Handbuches und Sie arbeiten selbstständig daran weiter, vielleicht liefern wir Ihnen Textvorschläge zu einzelnen Kapiteln zu, oder aber wir erarbeiten Ihre Know-how-Dokumentation im Komplettauftrag mit Ihnen in Form von Workshops und nachfolgender Projektarbeit. Manche Kunden erarbeiten Ihr Franchise-Handbuch vollständig autark und geben nach Fertigstellung ein sogenanntes Lückenprotokoll bei uns in Auftrag.

Leser:Welche Voraussetzungen müssen - neben der Know-how Dokumentation - für den erfolgreichen Start eines Franchise-Systems erfüllt sein? Mich interessieren auch die personellen und technischen Voraussetzungen in der Systemzentrale.

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, meist starten Franchise-Zentralen personell ganz klein und fein: Der Franchise-Geber ist oft Franchise-Manager und Partner-Manager in Personalunion und wird nur durch eine Assistenzkraft unterstützt. Dementsprechend klein sind auch die technischen Voraussetzungen: Arbeitsplätze mit PC, Internetanbindung, eigene Website, eigenes Intranet -> also "klassische Büroausstattung".

Leser:Sind in einem Franchisesystem ähnliche Margen realisierbar wie in einem Filialsystem?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Liebe Live-Chatteilnehmerin, Sie sollten die Frage umgekehrt formulieren: "Wie viel muss Ihr Franchise-Nehmer verdienen, damit er mit Ihrem Franchise-System erfolgreicher ist, als der Wettbewerb"? Haben Sie das einmal definiert, dann gehen Sie quasi von dort "rückwärts" und spielen die Zahlen, Varianten und Margen durch, die sich daraus ableiten lassen. Wichtig ist, dass Ihre Franchise-Nehmer bei Ihnen attraktiver einkaufen können, als etwa der Einzelhandel. Manches Mal ist es so, dass die Franchise-Nehmer die Produkte zu Selbstkosten beim Franchise-Geber einkaufen können und der Franchise-Geber ausschließlich über die Franchise-Gebühren verdient, manches Mal ist es genau umgekehrt und der Franchise-Geber verdient nur über die Produktmargen und stellt dafür keine Franchise-Gebühren. Das ist Ansichtssache. Sicher ist jedoch, die Haltung "was nichts kostet (etwa laufende Franchise-Gebühren), ist nichts wert (etwa die Unterstützungsleistungen der Franchise-Zentrale) -> und wenn Sie Margen auf Ihre Produkte schlagen, dann legen Sie das bitte Ihren Franchise-Nehmern gegenüber immer offen!

Leser:Mich interessieren ganz konkret die einzelnen Prozesse. In welche Schritte würden Sie die professionelle Partnergewinnung im Franchising unterteilen?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, an 1. Stelle definieren Sie das Anforderungsprofil an Ihre zukünftigen Franchise-Nehmer (persönlich, fachlich, finanziell), daraus leiten Sie die Zielgruppen ab, in denen Sie wahrscheinlich Ihre zukünftigen Franchise-Nehmer finden werden. Welche Expansionsstrategie verfolgen Sie? Die geografische "Zwiebel" - die Franchise-Zentrale ist der Kern und die ersten Franchise-Partner werden im Umfeld gesucht? Nach Bundesland-Verteilung? National und / oder international? Etc. Ist die Expansionsstrategie und die Zielgruppendefinition klar, dann müssen die adäquaten Rekrutierungsinstrumente erarbeitet und gestreut werden (etwa Rekrutierungs-Website, Systemdarstellungen, Präsenz auf (Online)-Messen, Vorträge...). Wichtig ist, es gibt nicht 1 Mittel der Franchise-Nehmeransprache, sondern der zielgruppengerechte Mix bringt den Erfolg.

Leser:Welche Möglichkeiten der Fremdfinanzierung würden mir als Franchisegeberin zur Verfügung stehen? Gibt es öffentliche Fördermittel oder Venture Capital etc.? Können Sie mir im Rahmen eines Beratungsauftrags diesbezügliche Kontakte zur Verfügung stellen?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Liebe Live-Chatteilnehmerin, es gibt verschiedene Förderungsmöglichkeiten - die Kontakte vermittle ich auch gerne ohne Beratungsauftrag: Die Deutsche Bank ist in Deutschland sehr engagiert, in Österreich gilt das für das AWS bzw. die Tourismusbank. Und es gibt auch "(EU-)Fördertöpfe", die über die Wirtschaftskammern in Österreich bzw. die IHS in Deutschland angesprochen werden können. Der umfassende Prozess zur Erreichung von Venture Capital wäre ein separater Beratungsauftrag, für den Sie vorab ein konkretes Offert erhalten würden.

Leser:Wo sehen Sie die Schulungs- und Trainingsschwerpunkte besonders erfolgreicher Franchise-Systeme? Gibt es branchenunabhängige Übereinstimmungen?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, wichtig ist die fundierte Grundschulung zu Beginn der Franchise-Partnerschaft, die natürlich zutiefst systemspezifisch ist, denn hier lernen der Franchise-Partner und seine Mitarbeiter das konkrete Anwendungs-Know-how zur Umsetzung vor Ort im Outlet. In der laufenden Weiterbildung gilt (branchenübergreifend), dass es wichtig ist, dass alle Franchise-Partner und ihre Mitarbeiter auf dem selben Wissensstand sind, um das Markenversprechen von Wiedererkennbarkeit und gleichbleibend hoher Qualität beim Kunden einzulösen.

Leser:danke für diese interessanten Hinweise, die mir bei der Abklärung eines Franchise-Projektes helfen werden. Gibt es für den Franchisegeber neben Gebühren und Aufschlägen weitere Einnahmequellen, z.B. obligatorische Schulungsmaßnahmen?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Liebe Live-Chatteilnehmerin, die Grundschulung des Franchise-Partners ist meist in der Einstiegsgebühr einkalkuliert. Die laufende Weiterbildung ist oft unterteilt in verpflichtend und freiwillig, wobei die Kosten für freiwillige Trainings komplett vom Franchise-Nehmer übernommen werden. Das Training der Franchise-Partner ist jedoch für den Franchise-Geber keine wirkliche "Einnahmequelle", denn die Kosten für das Training (Trainer, Veranstaltungsort, eventuelles Rahmenprogramm) trägt der Franchise-Geber, die Kosten für Anreise und Nächtigung der Franchise-Nehmer. Anders ist es eventuell, wenn es nicht Trainer aus dem eigenen Haus, sondern externe Trainer sind - dann können die Trainerkosten anteilig (ohne Aufschlag) an die teilnehmenden Franchise-Nehmer verrechnet werden. Manches Mal gibt es in Franchise-Systemen weitere Gebühren, wie etwa Marketingpool-Beitrag / Werbebeitrag, oder auch eine IT-Nutzungsgebühr -> diese bitte nicht in der Wirtschaftsplanung für Ihre Franchise-Nehmer vergessen!

Leser:Und wie sehen die weiteren Prozessschritte vom Erstkontakt bis zum Vertragsabschluss mit dem Franchisenehmer aus?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, das variiert natürlich von System zu System, aber die Schritte (in aller Kürze sind), Erstkontakt, Ausfüllen des sogenannten "Franchise-Antrages" durch den Interessenten, Prüfung der Eignung, Einladung zum Erstgespräch, Besprechung Standort, Finanzierung, ... Zweit-/Drittgespräch (eventuell mit Familie des Interessenten) Besprechung konkrete Wirtschaftsplanung, Planung des Standortes (Sortiment, Einrichtung, Ausstattung, Mitarbeiter), Zeitrahmen, Aushändigung Muster-Franchise-Vertrag,... Termin in der Franchise-Zentrale: Durchsprache Know-how-Dokumentation und Franchise-Vertrag, Finanzierungsgespräch bei der Bank ... Arbeit zur Probe, Vertragsunterzeichnung, Grundschulung ... Eröffnung.

Leser:Gibt es für den Franchisegeber eine rechtliche Verpflichtung zur kontinuierlichen Weiterentwicklung seines Geschäftskonzeptes?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Liebe Live-Chatteilnehmerin, als Franchise-Geber tragen Sie eine Mitverantwortung für den wirtschaftlichen Erfolg Ihres Franchise-Nehmers. Und es ist Teil Ihres Anspruchs als Systemführer für eine kontinuierliche Weiterentwicklung (gemäß der Markt- und Kundenanforderungen) zu sorgen. Als Franchise-Geber sind Sie nur dann erfolgreich, wenn Ihre Franchise-Nehmer erfolgreich sind. Darum ist es im ureigensten Interesse für den Erfolg und die Zufriedenheit Ihrer Franchise-Partner an der Systementwicklung zu arbeiten.

Leser:In welchen Schritten können wir die für unser System geeigneten Partner identifizieren?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, wir machen das im Rahmen eines halbtägigen Rekrutierungsworkshops, in dem wir zuerst das "ideale Anforderungsprofil" an einen Franchise-Nehmer definieren (persönlich, fachlich, finanziell) und dann daraus die Zielgruppen ableiten. Danach wird erarbeitet, mit welchen Instrumenten der Ansprache diese Zielgruppen erreicht werden sollen.

Leser:Wie schätzen Sie die Kosten-Nutzen-Relation bei der Partnergewinnung über Internetportalen, Printmedien, Direktmailings, Messen und Public Relations jeweils ein?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, es hängt sehr von Ihrer Branche ab, ob die von Ihnen genannten Kommunikationskanäle für Ihre Zielgruppe relevant sind! Wenn Sie sehr gutes Datenmaterial haben, ist ein Direktmailing natürlich super. Messen haben einen hohen Kostenfaktor - können aber relevant sein, wenn der Messeveranstalter und Sie als Aussteller sich gut darauf vorbereiten. In Österreich hatten wir 2011 zum Beispiel nach langer Zeit wieder eine eigenständige Franchise-Messe und das mit großem Erfolg! Online-Portale und die Mitgliedschaft im Franchise-Verband stellen sicher, dass Sie mit Ihrem Franchise-System sichtbar werden -> auch das ist wichtig! Wie gesagt, der Medien- und Kostenmix macht den Erfolg - immer ausgerichtet auf Ihre Zielgruppe. Ich finde jede Form der Ansprache ist relevant und wenn professionell durchgeführt rechtfertigt sie sicherlich die Investitionskosten - aber das ist nur ein "Allgemeinplatz" zur Rekrutierung und muss auf Ihre zukünftigen Franchise-Nehmer zugeschnitten werden.

Leser:Noch eine allerletzte Frage von mir: Es wird im Internet behauptet, dass im Durchschnitt nur 1% der Erstkontakte zu einem Franchise-Vertrag führen. Wie hoch ist der Anteil nach Ihrer Erfahrung wirklich? Vielen Dank!

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, über alle Medien der Ansprache gestreut: 100 Kontakte, 10 konkrete Interessenten, 1 Vertragsabschluss.

Michaela JungFrau Michaela Jung:Liebe Live-Chatteilnehmer, herzlichen Dank für diese sehr spannenden 2 Stunden mit Ihnen! Heute war für mich ein Chat mit besonders fundierten, Praxis-relevanten Fragen und der Austausch mit Ihnen hat mir sehr viel Freude gemacht! Ich wünsche Ihnen in diesem noch jungen Jahr 2012 viel Freude und Erfolg, Ihre Michaela Jung

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