3/3/2010

Interview mit Dr. Marc Evers / DIHK

Herr Dr. Marc Evers ist bereits seit 2002 Leiter des Referats Mittelstand und Existenzgründung beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) e.V. und gibt in diesem Interview seine Ansichten und Erfahrungen zur Existenzgründung im Nebenerwerb wieder.


FranchisePORTAL: Herr Dr. Evers, was halten Sie für die Hauptargumente für oder gegen eine Existenzgründung im Nebenerwerb?


Dr. Marc Evers: Manchmal lohnt es sich, erst einmal klein zu starten. So kann man ausprobieren, ob die Geschäftsidee am Markt trägt und verfügt als Rückfallposition immer noch über die hauptberufliche Erwerbstätigkeit. Im Dienstleistungsbereich könnte man z. B. seinen Service erst einmal nur vormittags oder nur nachmittags anbieten. Es kommt jedoch entscheidend auf die Kundenbedürfnisse an: Wenn die Kundschaft Flexibilität wünscht, ist möglicherweise der Schritt zur selbstständigen Vollexistenz angezeigt. In manchen Branchen ist eine Selbstständigkeit im Nebenerwerb kaum denkbar. Wer etwa ein Hightech-Projekt starten will, sollte eine lange Vorlaufzeit bis zur Geschäftsreife und einen hohen Kapitalbedarf einkalkulieren. Dies erfordert, mit seiner Produktidee zu leben, immer seinen Finger am Puls des Marktes zu haben und auch schwierige Verhandlungen mit Kunden und Kapitalgebern zu führen. Dies lässt sich kaum in Teilzeit erledigen.


FranchisePORTAL: Ist die Existenzgründung im Nebenerwerb risikoarmer als eine Gründung im Vollerwerb?


Dr. Marc Evers: In dieser Pauschalität: Nein. Auch eine Nebenerwerbsgründung kann viel Startkapital erfordern und das Budget stark beanspruchen. Zum Beispiel IT-Serviceangebote. Ob halbtags oder ganztags: Sie brauchen eine professionelle PC-Infrastruktur, eine professionelle Website, möglicherweise zusätzlich zum Privatauto einen Firmenwagen. Banken und andere potenzielle Finanzpartner verlangen sauber kalkulierte Businesspläne, die das Risiko nicht unterschätzt darstellen. Ein gewisser Puffer für die private Lebenshaltung kann die parallele Vollerwerbsgründung sein. Doch wer pleitegeht, muss seine Gläubiger bedienen – ob Voll- oder Nebenerwerb.


FranchisePORTAL: Machen sich Ihrer Erfahrung nach besonders viele (Haus-)Frauen im Nebenerwerb selbstständig, um Familie und berufliche Herausforderung unter einen Hut zu bekommen?


Dr. Marc Evers: Diese Beobachtung machen die Industrie- und Handelskammern. Im Jahr 2008 haben sich bei den IHKs 125.000 Frauen zur unternehmerischen Selbstständigkeit erkundigt. Dies sind 7 Prozent mehr als 5 Jahre zuvor. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl der gründungsinteressierten Männer um 18 Prozent zurück – auf 195.000. Insgesamt sind schon etwa 40 Prozent aller Gründungsinteressierten weiblich. Viele wollen erst einmal eine Selbstständigkeit im Nebenerwerb angehen, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Doch mehr und mehr Frauen streben die unternehmerische Vollexistenz an, um finanziell und beruflich unabhängig zu sein.


FranchisePORTAL: Würden Sie eine Gründung im Nebenerwerb mit einem Franchise-System als doppelt abgesichert bezeichnen?


Dr. Marc Evers: Der Grad an Sicherheit ist abhängig von der persönlichen Finanzsituation, dem notwendigen Kapitaleinsatz für die Franchise-Gründung, dem Kundenkreis und den Anforderungen des Franchise-Gebers. Jeder Gründer sollte abwägen, welches Risiko er tragen will und sich dementsprechend das für ihn passende System aussuchen. Aber für jede Selbstständigkeit – auch im Franchise-Bereich – gilt: Zur Chance, Gewinne zu erzielen, gehört auch das Risiko, Verluste zu fahren und sogar das Unternehmen aufgeben zu müssen. Eine Selbstständigkeit ohne Risiko gibt es nicht.


FranchisePORTAL: Ist eine Gründung im Nebenerwerb mit Franchising im Hinblick auf eine möglichst geringe Zeitinvestition besonders sinnvoll? Schließlich nehmen die System-Zentralen großer Systeme ihren Partnern einiges an Bürokratie ab.
 

Dr. Marc Evers: Damit ist aber zumeist auch eine Einbuße an unternehmerischer Gestaltungsmöglichkeit verbunden. Auch hier gilt es, abzuwägen und sich für das richtige System zu entscheiden.


FranchisePORTAL: Vielen Dank für das Gespräch!


 03.03.2010 © FranchisePORTAL (vi)

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