20.08.2018

Marktnischen bieten Existenzgründern die besten Chancen – Beispiel Shisha-Bars

 

 

Es gibt einige Produkte und Dienstleistungen, bei denen in Deutschland aktuell noch sogenannte Marktnischen gefüllt werden können. Solche Bereiche mit wenig Konkurrenz sind die optimale Geschäftsidee für Existenzgründer, weil sie einen schnellen Anstieg der Umsätze und Gewinne unmittelbar nach dem Start fast garantieren, wenn der Existenzgründer keine gravierenden Fehler macht.

Dabei sind Franchise-Systeme grundsätzlich eine gute Wahl, weil auf bestehende und bereits bewährte Konzepte zurückgegriffen werden kann. Doch die gibt es in Deutschland leider noch nicht für alle nutzbaren Marktnischen. Wer sich beispielsweise mit einer Shisha-Bar selbstständig machen möchte, ist aktuell noch auf Anbieter aus dem Ausland angewiesen. Alternativ können natürlich eigene Konzepte entwickelt werden.

 

 

Wie ist die Rechtslage zum Betrieb von Shisha-Bars in Deutschland?

Viele potenzielle Existenzgründer sind sich nicht sicher, ob sie nach der Verschärfung der deutschen Nichtrauchergesetze und der daraus im Jahr 2007 resultierenden kompletten Rauchverbote in gastronomischen Einrichtungen überhaupt legal eine Shisha-Bar eröffnen dürfen. Hier gab es anfänglich unterschiedliche Auffassungen in den einzelnen Bundesländern. Die Behörden in Nordrhein-Westfalen waren beispielsweise der Meinung, dass mit Shisha-Bars gegen das generelle Rauchverbot in Gaststätten verstoßen wird. In diesem Fall sind Gerichtsurteile gefällt worden, mit denen das verneint wurde.

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen kam im März 2014 im Verfahren mit dem Aktenzeichen 19 K 2289/13 zu dem Schluss, dass die Verbote aus dem Nichtrauchschutzgesetz auf eine Shisha-Bar nicht angewendet werden können. Allerdings gelten für die Ausnahmeregelung auch einige Einschränkungen. Die Verbote gelten nur dann nicht, wenn ausschließlich Shiazo-Steine und getrocknete Früchte verwendet werden. Zuvor lehnte das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen unter dem Aktenzeichen 4 B 608/13 bereits den Antrag der Gewerbeaufsicht zur Erteilung einer einstweiligen Verfügung gegen die Betreiberin der Shisha-Bar zur Einstellung des Geschäftsbetriebs ab. Fazit: In der Bundesrepublik Deutschland können Shisha-Bars ganz legal betrieben werden, solange sich die Betreiber an bestimmte Auflagen halten.

 

 

Dürfen Shisha-Bars nur getrocknete Früchte und Shiazo-Steine anbieten?

Das legt zumindest die Begründung des Urteils des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen nahe. Eine solche Interpretation des Urteils wäre allerdings falsch, denn die benannten Beschränkungen gelten lediglich für die Innenräume. Die Nichtraucherschutzgesetze lassen bei gastronomischen Einrichtungen das Rauchen grundsätzlich ist speziell gekennzeichneten Raucherräumen und Außenbereichen zu.

Diese Ausnahmen gelten natürlich ebenso für die Shisha-Bars. Das heißt, die Betreiber dürfen für die Nutzung in diesen Bereichen und gesonderten Räumen auch Tabakprodukte mit und ohne Nikotin anbieten. Allerdings müssen dabei die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes beachtet werden. Daraus resultiert das Erfordernis von Altersprüfungen bei den Kunden, die zur Sicherheit der Betreiber über die Vorlage des Personalausweises erfolgen sollten. Außerdem sind die Betreiber von Shisha-Bars dazu verpflichtet, jederzeit die Herkunft ihrer Tabakprodukte zweifelsfrei nachweisen zu können. Dabei müssen sie Kontrollen der Gewerbeämter, der Gastronomieaufsicht und der Ermittlungsbehörden dulden. Damit will der Gesetzgeber verhindern, dass in solchen Bars illegale Tabakprodukte genossen werden.

 

 

Benötigen die Betreiber von Shisha-Bars spezielle Genehmigungen?

In der Regel erfolgt immer zumindest ein Getränkeausschank. Damit zählt die Shisha-Bar als Schankwirtschaft im Sinne des Paragrafen 1 des Gaststättengesetzes. Eine spezielle Erlaubnis zum Betrieb einer Gaststätte (Schankgenehmigung) wird nach dem Paragrafen 2 der gleichen Rechtsnorm dann benötigt, wenn auch alkoholhaltige Getränke ausgeschenkt werden sollen. Allerdings ist die Inbetriebnahme der Räume auch ohne die Notwendigkeit einer Schankgenehmigung erst nach einer Abnahme durch die Gewerbeaufsichtsbehörde möglich.

Die Überprüfung erfolgt im Rahmen der Gewerbeanmeldung. Die Gewerbeerlaubnis gibt es nur dann, wenn die Mindestanforderungen an Gastronomiebetriebe erfüllt werden. Dazu zählen Mindestwerte bei der Raumgröße, der Abstände zwischen der Bestuhlung, die Ausstattung mit Sanitäranlagen sowie die Flucht- und Rettungswege. Die Schankanlagen müssen regelmäßig gewartet werden. Auch dafür müssen die künftigen Betreiber von Shisha-Bars entsprechende Nachweise vorlegen. Soll das reine Getränkeangebot um Speisen ergänzt werden, sind zusätzliche Genehmigungen erforderlich, die von speziellen Belehrungen im Lebensmittelrecht bis hin zur Erfüllung von Mindestanforderungen an die Ausstattung (beispielsweise Handwaschbecken, Fettabscheider und Lüftungssysteme) reichen.

 

 

Welche Überlebenschancen haben neue Shisha-Bars in Deutschland?

Inzwischen gibt es bundesweit schon mehrere Tausend Lokale, die sich auf die Freunde der Shisha spezialisiert haben. Ausreichend ist das Angebot allerdings noch lange nicht. Im Jahr 2013 wurde deshalb in Frankfurt am Main die weltweit erste Fachmesse etabliert, die sich ausschließlich mit den Wasserpfeifen und dem dafür erforderlichen Zubehör beschäftigt. Das Interesse an dieser Fachmesse ist immens, was ein Blick auf die rasant steigenden Besucher- und Ausstellerzahlen belegt. Deshalb haben sich die Organisatoren dazu entschlossen, eine weitere Fachmesse dieser Art jedes Jahr in Berlin zu veranstalten.

Auch das Portfolio ist entscheidend gewachsen. Nachdem sich E-Zigaretten erfolgreich verbreitet hatten, wurde die E-Technik bei den Shishas ebenfalls eingeführt. Dadurch können in der Wasserpfeife Liquids verdampft werden, was das Hantieren mit Shisha-Kohle erspart. Damit wird der Aromengenuss umwelt- und gesundheitsfreundlicher. Gleichzeitig stieg mit der Einführung der E-Shishas die Palette der verfügbaren Geschmacksrichtungen erheblich. Für die Betreiber und Gäste der Bars hat das den Vorteil, dass der Tabakgeschmack auch mit Nikotin mittlerweile auch in den Innenräumen möglich ist.

 

 

Die Zahl der Shisha-Fans ist weiter steigend

Wie groß die Chancen sind, mit einer Shisha-Bar erfolgreich in eine selbstständige Existenz zu starten, machen Zahlen aus dem Präventionsradar des Jahres 2017 deutlich, die von der DAK veröffentlicht wurden. Danach ist der Kundennachschub auf jeden Fall garantiert, denn jeder fünfte Schüler der Klassenstufen 5 bis 10 gab an bereits erste Erfahrungen mit dem Shisha-Rauchen gemacht zu haben. Werden nur die Schüler der 10. Klassen betrachtet, steigt die Zahl derjenigen, die regelmäßig Shisha rauchen, bis auf knapp die Hälfte aller Schüler an. Die Studie der DAK ist repräsentativ, denn dabei wurden rund 7.000 Schüler befragt. Das heißt, Existenzgründer sind in dieser Marktnische gut beraten, wenn sie sich auf ein junges Kundenklientel einstellen.

Dass die Shisha bei Jugendlichen so beliebt ist, hat gleich mehrere Gründe. Relaxen und Diskutieren in der Gruppe liegt insgesamt voll im Trend. Es ist eine nette Abwechslung zur digitalen Kommunikation. Dabei ist es von Vorteil, dass mehrere Schläuche und Mundstücke an eine Wasserpfeife angeschlossen werden können. Damit wird das Shisha-Rauchen zum verbindenden Gruppenerlebnis. Hinzu kommt, dass die gesundheitlichen Risiken der Wasserpfeife vor allem bei den Jugendlichen erheblich unterschätzt werden. Dazu trägt auch das süßliche und harmlos wirkende Aroma der Liquide, der getrockneten Früchte und Shiazo-Steine bei. An diesem Trendvergnügen wird sich trotz aller Bemühungen um Aufklärung so schnell nichts ändern, denn viele junge Menschen sehen in der Wasserpfeife eine wesentlich gesundheitsfreundlichere Alternative zu klassischen Zigaretten.

 

Bildquelle:

pixabay.com xusenru (CC0 Public Domain)

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