Prüfung im Franchising Ausschlusskriterien

Privatleben

Unternehmerische Fehlentscheidungen können schwerwiegende Folgen für den Existenzgründer selbst und seine Familie haben, die über den Verlust der Ersparnisse möglicherweise weit hinausgehen. Der Unternehmensaufbau verlangt den ganzen Einsatz und für Familie, Sport und Hobbies verbleiben meist nur wenig Zeit. Eine 60-70 Stunden-Woche ist eher die Regel als die Ausnahme, wobei sich die schwierige Aufbauphase über Monate und manchmal Jahre erstrecken kann. Der potentielle Unternehmer muss sich der privaten Opfer und der Gefahren für sein Familienleben bewusst sein.

Gesundheitszustand

Die Gründung einer selbstständigen Existenz stellt hohe Anforderungen an die geistige und körperliche Belastbarkeit der Betroffenen. Da die Betriebsführung in den ersten Jahren weitgehend von dem Franchise-Nehmer als selbstständigen Unternehmer abhängt, sollten bestehende chronische Krankheiten oder Anfälligkeiten in die Überlegungen einbezogen werden.

Wirtschaftliche Sicherheit

Der Franchise-Nehmer ist trotz verschiedener Beschränkungen seines wirtschaftlichen Spielraums ein selbstständiger Unternehmer mit den damit verbundenen Rechten und Pflichten. Während er als Angestellter gegenüber seinem Arbeitgeber sowie dem Staat auf bestimmte Schutzrechte für sich und seine Familie zählen kann, beginnt mit der Gründung einer selbstständigen Existenz nicht selten ein erbitterter Kampf um das wirtschaftliche Überleben. Verglichen mit klassischen Unternehmensgründungen kann zwar die Wahrscheinlichkeit eines Fehlschlags durch Franchising deutlich gesenkt werden, doch bietet selbst ein vielfach erprobtes Franchise-System keine Erfolgsgarantie.

Unternehmerische Abhängigkeit

Während die Entscheidung für ein erfolgreiches Franchise-System einerseits das wirtschaftliche Risiko einer Existenzgründung deutlich verringert, birgt sie andererseits erhebliche Einschränkungen der unternehmerischen Entscheidungsfreiheit. Mit der Entscheidung für ein Franchise-System vertraut sich der Existenzgründer auf Gedeih und Verderben einem Konzept an, das er strikt einzuhalten hat. Als Franchise-Nehmer tritt er unter dem Namen und dem Logo des Franchise-Systems auf, dessen Kunden überall die gleichen Leistungen und Produkte erwarten können. Gewöhnlich hat er über die gesamte Laufzeit des Franchise-Vertrages sowie einer etwaigen zeitlichen Verlängerung Lizenzgebühren an den Franchise-Geber zu leisten. Nach Ablauf der vereinbarten Vertragsdauer kann der Franchise-Geber unter bestimmten Voraussetzungen die Zusammenarbeit auch gegen den Willen des Franchise-Nehmers beenden und ihn an der weiteren Ausübung seines Geschäftes hindern.

Selbstverwirklichung

Die Philosophie des Franchising eignet sich nicht für überzeugte Einzelkämpfer, die frei von allen Vorgaben ihre Entscheidungen treffen wollen. Auch Existenzgründer mit einem hohen Maß an eigener geschäftlicher Kreativität sollten lieber ihren Weg gehen, da sie sich durch Vorgaben erfahrungsgemäß sehr schnell in ihrer unternehmerischen Selbstverwirklichung behindert fühlen. Dem einzelnen Franchise-Nehmer verbleibt zwar deutlich mehr Raum für Individualität, Unabhängigkeit und Eigenverantwortung als beispielsweise einem Filialleiter, doch stößt er immer wieder an die Grenzen des Systems. Die Selbstprüfung des Franchise-Nehmers darf der Frage nicht ausweichen, ob er die Eingriffe und Kontrollen des Franchise-Gebers auf Dauer hinnehmen will und kann.

Teamfähigkeit

Die Teilnahme an einem Franchise-System verlangt in besonderer Weise die Bereitschaft und Fähigkeit zur Teamarbeit. Ein einzelner Franchise-Nehmer kann dem System schweren Schaden zufügen, wenn er sich immer wieder durch destruktive Kritik gegenüber anderen Franchise-Nehmern oder an die Adresse des Franchise-Gebers bemerkbar macht. Während der Erwerb spezieller Fachkenntnisse durch intensive Schulungen meist gewährleistet werden kann, lässt sich das Sozialverhalten eines Franchise-Nehmers nur begrenzt und mit unverhältnismäßig hohem Aufwand verändern.

Berufliche Illusionen

Während es grundsätzlich ratsam ist, eine neue Existenz auf zuvor gesammelten beruflichen Erfahrungen, fachlichen Fähigkeiten und persönlichen Kontakten aufzubauen, werden von Franchise-Nehmern nur selten spezielle Branchenkenntnisse erwartet. Mancher Gründungswillige sucht und ergreift mit dem Franchise-Angebot bewusst die Chance, aus der Monotonie des erlernten Berufes auszubrechen und berufliches Neuland zu betreten. Es besteht allerdings die Gefahr, dass die Vorstellungen des Franchise-Nehmers nur wenig mit der Realität übereinstimmen und er nach einigen Monaten seine fehlende Eignung oder Neigung für das neue Geschäftsfeld feststellen muss. Zu diesem Zeitpunkt hat er bereits Zeit und Geld investiert und ist zudem langfristige Verpflichtungen eingegangen. Deshalb sollten Sie sich vor einem Vertragsabschluss so intensiv mit dem neuen Geschäftsfeld beschäftigt haben, dass Sie eine fundierte langfristige Entscheidung treffen können.

Autor

Ulrich Kessler
Ulrich Kessler
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