05.08.2016

Chatprotokoll: Know-how-Dokumentation in Franchise-Systemen

SYNCON International Franchise Consultants

Michaela JungFrau Michaela Jung:Liebe Live-Chatteilnehmer, Know-how bedeutet übersetzt "gewusst wie" - darum dreht sich heute alles im Live-Chat! Tipps, Tricks und Erfahrungswerte rund um die Know-how-Dokumentation. Ich freue mich auf 2 spannende Stunden, Ihre Michaela Jung

Leser:Guten Morgen, liebe Frau Jung: Welche inhaltliche Struktur hat sich für die Know-how-Dokumentation in Franchise-Systemen bewährt?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Guten Morgen lieber Live-Chatteilnehmer, wenn es im Franchise-System ein sogenanntes Franchise-Leistungspaket gibt, in dem die Leistungen für den Franchise-Partner stichwortartig aufgelistet sind (wird oftmals im Rekrutierungsprozess eingesetzt) - dann wäre diese Struktur eine gute Ausgangsbasis für die Know-how-Dokumentation!

Leser:Sind Anweisungen in der Know-how-Dokumentation für den Partner stets verbindlich oder muss dies entsprechend gekennzeichnet sein?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, die Know-how-Dokumentation enthält Prozessbeschreibungen, Empfehlungen und Systemvorgaben - sogenannte Richtlinien. Diese Richtlinien / Anweisungen haben verpflichtenden Charakter und sind idealerweise optisch hervorgehoben bzw. gekennzeichnet. Richtlinien dienen dem Franchise-Partner als Leitplanken zum wirtschaftlichen Erfolg.

Leser:Guten Tag Frau Jung! Sehe ich das richtig, dass im Franchise-Vertrag auf verbindliche Vorgaben in der Know-How-Dokumentation konkret hingewiesen werden muss?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, der Franchise-Vertrag regelt die "Hauptleistungsverpflichtungen" - die Know-how-Dokumentation formuliert diese im Detail aus und beschreibt auch die "Nebenleistungsverpflichtungen". D.h. ja, was im Franchise-Handbuch als verpflichtend beschrieben wird, braucht eine entsprechende Formulierung im Franchise-Vertrag. Ansonsten wird die Know-how-Dokumentation zum "zahnlosen Tiger" ;o)

Leser:Hallo! Ich wüsste gerne von Ihnen, ob das Franchise-Handbuch eher die Basis oder das Ergebnis der Systementwicklung ist.

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, meiner Erfahrung nach geben uns zwar viele Kunden den Auftrag zur Erarbeitung der Know-how-Dokumentation; allerdings erarbeiten wir zuerst die Franchise-Strategie bzw. legen diese endgültig fest und schreiben parallel alles in der Know-how-Dokumentation nieder.

Leser:Inwieweit sind wir als Franchise-Geber rechtlich zur Bereitstellung von Know-how in schriftlicher Form verpflichtet?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, ich bin keine Juristin. Allerdings definiert die europäische Gruppenfreistellungsverordnung für vertikale Vertriebsbindungen den rechtlichen Rahmen für Franchising in der EU. Und diese verlangt ein dokumentiertes Know-how, das die Kriterien geheim, wesentlich und identifiziert erfüllt. Somit ist eine Know-how-Dokumentation kein "Kann-", sondern ein "Muss-Kriterium" für Franchise-Systeme.

Leser:Und geht es nicht an den Praxisbedürfnissen vorbei, wenn ein Newcomer mit großem Aufwand sein Know-how dokumentiert? Es bindet damit Ressourcen, die anderswo dringend gebraucht werden. Außerdem nimmt das Know-how mit den ersten Partnern überproportional zu.

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, das sehe ich anders. Franchising beruht auf einem erprobten (!) Geschäftskonzept und der Franchise-Partner darf fundiertes Know-how, Erfahrungswerte, Systemvorgaben und Empfehlungen erwarten. Die Entwicklung und Perfektionierung eines Franchise-Systems VOR dem Start ist nicht nur ein Indikator für seriöses Franchising, sondern auch ein wichtiger Erfolgsfaktor für den Franchise-Geber. Denn werden Schwächen im Geschäftskonzept erst im Prozess der Multiplikation erkannt, multiplizieren sich diese und damit die einhergehenden Probleme mit jedem weiteren Franchise-Partner.

Leser:Guten Morgen: Meine Frage geht in eine ähnliche Richtung: Eine Online-Version des Handbuchs dürfte heutzutage im Franchising unverzichtbar sein. Macht der Aufwand für eine ergänzende Printversion noch Sinn?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Liebe Live-Chatteilnehmerin, in meiner Wahrnehmung befinden wir uns in einer Übergangsphase von Print zu digital. Selbstverständlich ist die digitale Know-how-Dokumentation die Zukunft - und die Zukunft beginnt bereits jetzt. Gleichzeitig stecken viele Franchise-Geber noch im Veränderungsprozess und vor der Herausforderung, ihr Know-how in ein digitales System zu übertragen. Das sind spannende Zeiten, in denen wir leben!

Leser:Wäre es nicht völlig ausreichend, den ersten Franchise-Partnern das notwendige Know-how im Rahmen einer Hospitation zu vermitteln? Bei Bedarf könnte es dann im Rahmen eines Workshops vertieft oder aufgefrischt werden.

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, eine fundierte Grundausbildung des Franchise-Partners und seiner Mitarbeiter zu Beginn der Franchise-Partnerschaft erspart Ihnen in der laufenden Beratung sehr viel Zeit, Nerven und Geld. Je besser ausgebildet Ihre Franchise-Partner starten, desto rascher können sie erfolgreich werden und desto weniger Rückfragen und Betreuungsaufwand entsteht bei Ihnen in der Franchise-Zentrale. In der Grundausbildung zeitlich und inhaltlich zu sparen, ist meiner Erfahrung nach eine Fehlentscheidung.

Leser:Als Kompromiss könnte ich mir vorstellen, dass wir uns zu Beginn mit einem rudimentären Systemhandbuch zur Vertragsergänzung begnügen und die Dokumentation dann schrittweise ausbauen. Wir würden dieses Vorgehen gegenüber Kandidaten dann auch offen kommunizieren.

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, ich schreib jetzt mal provokant: rudimentäres Know-how wird rudimentären wirtschaftlichen Erfolg bringen. Ihr 1. Franchise-Partner hat das Anrecht auf dasselbe fundierte Know-how, wie Sie es etwa Ihrem 100. Franchise-Partner zur Verfügung stellen werden. Gleichzeitig ist es auch legitim, mit den ersten Franchise-Partnern als sogenannten Pilotpartnern zu starten. Wichtig ist, dass die Rollenverteilung zwischen Ihnen und Ihren Pilotpartnern klar ist und Ihre Pilotpartner über das erhöhte unternehmerische Risiko aufgeklärt sind.

Leser:Welche praktischen Vorteile sehen Sie in Ihrem Vorschlag gegenüber einer ablauforientierten Handbuchstruktur?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, diese Frage verstehe ich nicht. Eine Handbuchstruktur, die auf dem Franchise-Leistungspaket aufsetzt, ist immer Ablauf- und Prozess-orientiert. Wir beschreiben beispielsweise nicht, was ist Marketing und laden die Definition aus Wikipedia herunter. Sondern wir erarbeiten mit unseren Kunden, welche Marketinginstrumente der Franchise-Partner lokal (am PoS) einsetzen wird, welche im Verbund mit anderen Franchise-Partnern (regionale, gemeinschaftliche Aktivitäten) und welche nationalen, internationalen Aktivitäten die Franchise-Zentrale übernimmt (etwa Website, Social Media, etc.). Das sind konkrete Abläufe und Prozesse -> systemspezifisches Know-how für den Franchise-Partner.

Leser:Wir wollen unser Franchise-System nach Geschäftsfeldern organisieren. Welche Anpassungen erfordert dies gegenüber der klassischen Know-how-Dokumentation?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, können Sie das bitte konkretisieren? Welche Geschäftsfelder etwa - dann kann ich besser abgleichen. Fortsetzung folgt!

Leser:Welche Herangehensweise würden Sie einem Journalisten empfehlen, der sich kurzfristig in das Thema ‚Franchising‘ einarbeiten will?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, im Franchiseportal sind Sie genau an der richtigen Adresse! Hier finden Sie eine Fülle an Wissen und Experten rund um Franchising. Selbstverständlich bieten ergänzend auch die nationalen Franchise-Verbände Wissen und Unterstützung. Und auch auf unserer Website www.syncon-international.com / Wissenswertes gibt es hilfreiche Information.

Leser:Unsere Geschäftsführung will in Zukunft verstärkt auf Multi-Units setzen nur noch vorübergehend Single-Units zulassen. Hat dieser Strategiewechsel auch Konsequenzen für die Know-how-Dokumentation?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, Ihre Know-how-Dokumentation ist ein zeitnahes Abbild Ihres Franchise-Systems. Wenn Sie Ihre Strategie verändern, dann sollten Sie das auch in der Know-how-Dokumentation aktualisieren; etwa im Kapitel Konzept, Strategie, Philosophie, aber auch im Anforderungsprofil an zukünftige Franchise-Partner und in Ihren Unterstützungsleistungen wird sich etwas verändern und auch das sollten Sie dokumentieren.

Leser:Die Nutzung und Aktualisierung des Handbuchs sehe ich in der Praxis als große Herausforderung. Ist eine Lösung bekannt, die Informationsfunktion für den Franchisenehmer effizient abdeckt?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, ich empfehle Ihnen ein digitales Tool zu verwenden, das eine "intelligente" Aktualisierungs-Benachrichtigung für den Franchise-Partner beinhaltet. Syncon ist Kooperations- und Vertriebspartner von goalcampus und unsere Kunden machen gute Erfahrungen damit.

Leser:Unsere Geschäftsfelder beruhen auf unterschiedlichen Produkten für verschiedene Zielgruppen, die sich kaum überschneiden. Die Synergien ergeben sich vorwiegend aus dem Produktionsprozess.

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, ich denke, dass die Geschäftsfelder sicherlich der Kern Ihres Franchise-Leistungspaketes für Franchise-Partner sind und damit auch die Grundstruktur der Know-how-Dokumentation darstellen. Im Franchising brauchen wir neben einem erfolgreichen Geschäftstyp auch noch ergänzende Elemente / Kapitel etwa, Betrieb / Standort, Marketing, Training, Organisation des Franchise-Partners, Systemschutz (Vertrag, Handbuch, Gebühren, Qualitätssicherung).

Leser:Einem Multi-Unit-Owner werden mehrere eigene Filialen unterstehen. Mit den Filialleitern wird eine zusätzliche Hierarchieebene mit Rechten und Pflichten eingezogen. In welcher Weise muss das in den internen Abläufen berücksichtigt und abgebildet werden?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, zuerst einmal ändert sich das Anforderungsprofil an Ihre Multi-Unit-Franchise-Partner: mehr Management-Fähigkeiten, höhere Investitionssumme, ... In der Know-how-Dokumentation braucht es ein Kapitel zum Thema Mitarbeiter, in dem u.a. die Funktionen und Stellenbeschreibungen der Mitarbeiter dokumentiert sind sowie eine Empfehlung zur Team-Zusammensetzung für den Franchise-Partner. Wenn Sie Ihr Know-how online zur Verfügung stellen, dann braucht der Filialleiter Zugriff auf das System-Know-how mit klaren Zugriffsrechten, die etwa die unternehmensrelevanten Bereiche des Franchise-Partners "ausblenden": Wirtschaftsplanung, Controlling & Benchmarking, Franchise-Gebühren, Mitarbeiter-Führung...

Leser:Erhält der Filialleiter im Multi-Unit-Franchising umfassenden Zugriff auf die Know-how-Dokumentation, wie das sonst einem Franchise-Nehmer zusteht?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, siehe Antwort zuvor.

Leser:Ist im Multi-Unit-Handbuch ein eigenes Kapitel zur Aus- und Fortbildung des Filialleiters vorzusehen? Sollte sich die Systemzentrale an der Schulung beteiligen oder ist dies alleinige Aufgabe des Multi-Unit-Owners?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, in der Know-how-Dokumentation werden immer die Grundausbildung und die weiterführenden Trainings des Franchise-Partners und seiner Mitarbeiter (egal ob Filialleiter oder Mitarbeiter) dokumentiert - Inhalte, Dauer, Kostenverteilung. Dies ist auch im Franchise-Vertrag zu regeln. Es ist Ihre strategische Entscheidung, ob der Franchise-Partner seine Mitarbeiter selbst ausbilden soll - dann braucht er das notwendige Wissen und die Tools dazu (d.h. er braucht eine "Train-the-Trainer"-Ausbildung) oder ob es für den Erfolg des Franchise-System wichtig ist, dass alle Mitarbeiter durch Sie in der Franchise-Zentrale ausgebildet werden. Beide Varianten werden im Franchising praktiziert.

Leser:Gibt es systemimmanente Schwachstellen in Franchisesystemen, welche von Mitwerbern gezielt ausgenutzt werden könnten?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, mit systemimmanent meinen Sie Branchen-spezifisch? Ich denke Schwachstellen gibt es in jedem Franchise-System - welches Unternehmen ist schon perfekt? Wichtiger ist, ob die Erfolgsfaktoren im Franchise-System stärker sind und ob permanent an der Weiterentwicklung und Optimierung gearbeitet wird. Innovation und Weiterentwicklung sind überzeugende Faktoren für Franchise-Partner und wenn der wirtschaftliche Erfolg aller Beteiligten vorhanden ist, sind kleine Schwachstellen kein Hebel für Mitbewerber.

Leser:Wir wollen im nächsten Schritt die Internationalisierung angehen. Entspricht das Manual für Multi-Unit-Owner weitgehend dem für ausländische Master oder Area Manager? Welche Unterschiede sehen Sie (abgesehen von der Sprache)?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, wenn Sie über nationale Grenzen wachsen wollen, dann braucht es neben der Know-how-Dokumentation für den (Multi-Unit)Franchise-Partner eine fundierte Know-how-Dokumentation für den Internationalisierungs-Partner -> oft Master-Manual genannt (obwohl es nicht immer Master-Franchising sein muss). Ihr Internationalisierungs-Partner wird ja zum "nationalen Franchise-Geber" und braucht Ihr Wissen, wie er seine Organisation / seine Franchise-Zentrale im Land aufbaut, wie er Franchise-Interessenten anspricht, Franchise-Partner rekrutiert, diese an das Franchise-System bindet und laufend berät.

Leser:Müsste es nicht zwei getrennte Know-how-Dokumentationen geben, da die meisten Franchise-Systeme mit Endverbrauchern und Gründern in mindestens zwei Märkten mit unterschiedlichen Zielgruppen tätig sind? Sind die Lieferanten neben Konsumenten und Gründern womöglich ein dritter Markt, den es im Handbuch zu berücksichtigen gilt?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, die Know-how-Dokumentation für den Franchise-Partner umfasst das konkrete Anwendungs-Know-how für das daily business des Franchise-Partners: also auch Vertrieb / Umgang mit Kunden, Bestellung von Produkten (bei Lieferanten) u.v.m. Was Sie bitte nicht im Franchise-Handbuch für den Franchise-Partner beschreiben, sind Ihre internen Prozesse in der System-Zentrale - diese werden in einem eigenen Prozesse-Manual dokumentiert, etwa wie Sie richtig schreiben, der Umgang mit 2 Märkten (Kunden / Franchise-Interessenten), die Lieferanten-Beziehungen etc.

Leser:Stehen für den Aufbau des Franchise-Systems und insbesondere die Know-how-Dokumentation öffentliche Gelder zur Verfügung? An wen können wir uns wegen Fördermitteln wenden?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, die nationalen Franchise-Verbände geben Empfehlungen, Tipps bezüglich Förderstellen. Aktuell fördert in Deutschland u.a. die BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) und in Österreich die Gründer-Center der Wirtschaftskammern.

Leser:Ich meinte weniger branchenspezifische als franchisespezifische Schwachstellen, die von klassischen Einzelunternehmen genutzt werden könnten. Anders gefragt, welches sind die Schwachstellen im heutigen Franchising?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, ein Franchise-System ist nur so gut wie der Betriebstyp, auf dem es aufbaut. Franchising ist ein Multiplikator. D.h. ist das Geschäftskonzept nicht ausgereift und kann ein Partner damit wirtschaftlich nicht erfolgreich werden, dann werden auch die Synergiemöglichkeiten eines Franchise-Systems keine Erfolge bringen. Gleichzeitig ist es notwendig, als Franchise-Geber die Balance zwischen Systemvorgaben, unternehmerischen Freiräumen für den Franchise-Partner, Systemführerschaft, Partizipation der Franchise-Partner und Innovation zu finden. Eine komplexe Aufgabe! Franchise-Systeme, die kontinuierlich an sich arbeiten und weiterentwickeln, werden heute und auch in Zukunft erfolgreich sein. Franchise-System, die das nicht tun, werden es schwer haben.

Leser:Sehen Sie keine Verwandtschaft zwischen dem ausländischen Master und dem Multi-Unit-Owner, der weitere Franchise-Betriebe aufbauen soll? Ähnlichkeiten könnten die Handbucherstellung doch u.U. vereinfachen.

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, nein das sehe ich nicht, denn die Aufgaben- und Rollenverteilung ist eine ganz andere: int. Franchise-Zentrale (Konzeption und Weiterentwicklung des Franchise-Systems), nationale Franchise-Zentrale / Internationalisierungs-Partner (Anpassung des Konzeptes auf nationale Gegebenheiten und Aufbau des Franchise-Systems), Multi-Unit-Franchise-Partner (systemkonforme Umsetzung / local hero).

Leser:Bedeutet dies, dass beispielsweise der Rekrutierungsprozess nur im internen Handbuch der Systemzentrale behandelt wird?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, genau! Im internen Prozesse-Manual beschreiben wir mit unseren Kunden, wie die Rekrutierung von Franchise-Partnern erfolgt, wie diese in das Franchise-System integriert werden ("Partner-ans-Netz"-Plan), wie sie in der laufenden Franchise-Partnerschaft von den einzelnen Abteilungen der Franchise-Zentrale betreut werden und auch was zu Vertragsende zu berücksichtigen ist. Dieses Prozesse-Manual ist auch ein wichtiges Arbeitsinstrument für jeden Internationalisierungs-Partner.

Leser:Welche Informationen gehören in den Flyer, der Franchise-Interessenten im ersten Schritt zur Verfügung gestellt wird?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Liebe Live-Chatteilnehmerin, in der sogenannten Systemdarstellung informieren Sie einen Interessenten über Ihre Leistungen und gleichzeitig über Ihre Anforderungen an zukünftige Franchise-Partner, etwa: Beschreibung des Marktes / des Potenzials für Franchising, warum Franchising? (Setzen auf selbstständige Unternehmer), welche Unterstützungsleistungen bietet die Franchise-Zentrale? (im Marketing, im Training, für die Organisation des Franchise-Partners, ...), welches Anforderungsprofil erfüllt ein zukünftiger Franchise-Partner idealerweise (fachlich, persönlich, finanziell), Thema Standort / Standortsuche ... wenn Sie schon Franchise-Partner haben, lassen Sie diese auch in der Systemdarstellung mit einem knackigen Statement zur Franchise-Partnerschaft "zu Worte" kommen. Und geben Sie die Chance zur qualifizierten Kontaktaufnahme mit Ihnen, etwa mittels Ausfüllen eines detaillierten Partner-Antrags.

Leser:Wie lässt sich das Handbuch in Hinblick auf Verständlichkeit und Vollständigkeit von uns testen? Ein unmittelbarer Praxistest erscheint mir zu riskant.

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, lassen Sie Ihre Know-how-Dokumentation von Menschen lesen, die von Ihrem Franchise-System Ahnung haben (etwa Mitarbeiter) und Sie auf inhaltliche Lücken, offene Punkte, verwirrende Formulierungen ... hinweisen können. Geben Sie Ihre Know-how-Dokumentation auch Menschen zum Korrekturlesen, die keine / wenig Ahnung von Ihrem Franchise-System haben (Familie, Freundeskreis) und die so ein Lektorat vornehmen.

Leser:Welche schriftlichen Zusatzinformationen sollten Franchise-Interessenten von der jeweiligen Systemzentrale erhalten, wenn sich das Interesse konkretisiert?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Liebe Live-Chatteilnehmerin, sendet ein Franchise-Interessent einen ausgefüllten Partner-Antrag retour und erscheint er Ihnen als Franchise-Partner geeignet, so laden Sie ihn im nächsten Schritt zu einem Besuch in der Franchise-Zentrale ein, bei dem Sie Ihr Franchise-System mehr und im Detail vorstellen. Haben Sie viele Interessenten gleichzeitig, können Sie auch eine Informationsveranstaltung durchführen und alle Interessenten einer Region einladen.

Leser:Letzte Woche wurde erneut der internationale Terrorismus erneut in mehreren Medien mit Franchising in Verbindung gebracht: „FDP-Chef Christian Lindner: Heute gibt es Einzeltäter im Franchise-Modell“. Nehmen Sie solche Aussagen ernst? Welche Erfolgsfaktoren aus dem Franchising haben IS und AL-QAIDA womöglich aufgegriffen? Wo sehen Sie – abgesehen von den Zielen - konzeptionelle Unterschiede?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Lieber Live-Chatteilnehmer, das ist ein politisches Thema und die PR-Profis der Franchise-Verbände sind hier die eigentlichen kompetenten Ansprechpartner. Die Standardisierung von Know-how und Multiplikation ist etwas, was nicht nur im Franchising funktioniert. Christian Lindner hätte es auch als "Filial- / Lizenz-Modell" oder ähnliches bezeichnen können. Franchising steht für "Partnership for profit", wobei Franchise-Geber und Franchise-Nehmer als selbstständige Unternehmer auf Augenhöhe miteinander die gleichen Ziele für gemeinsamen wirtschaftlichen Erfolg verfolgen.

Leser:Welche Informationen sollten der Systemzentrale über Kandidaten vorliegen, bevor er oder sie zu einem Gespräch in der Zentrale eingeladen wird?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Liebe Live-Chatteilnehmerin, idealerweise gießen Sie Ihr konkretes Anforderungsprofil an zukünftige Franchise-Partner (persönlich, fachlich, finanziell) in Fragen an den Franchise-Interessenten. Sie sollten diejenigen Fragen über einen möglichen Franchise-Partner und einen eventuellen Standort stellen, die Ihnen helfen, eine erste Eignungsentscheidung treffen zu können, ohne dass Sie den Interessenten persönlich treffen müssen (Faktor: Zeit). Die Fragen und das Anforderungsprofil sind so unterschiedlich wie jedes Franchise-System. Tipp: Schauen Sie mal auf verschiedenen Rekrutierungs-Websites in den Bereich "Franchise-Partner werden" / "selbstständig werden", oftmals sind dort Online-Systemdarstellungen und Partner-Anträge eingestellt.

Leser:Erscheint es Ihnen angebracht, das Erstgespräch mit einer Besichtigung der Systemzentrale einzuleiten oder abzuschließen?

Michaela JungFrau Michaela Jung:Liebe Live-Chatteilnehmerin, wenn Sie das Gefühl haben "da kann etwas daraus werden" dann ist das eine gute Idee zum Abschluss (das können Sie dann auch noch spontan entscheiden). Noch besser ist, wenn bei der Franchise-Zentrale, oder in der Nähe ein Standort des Franchise-Systems ist, sodass Sie den Interessenten auch dort herumführen können. Dieser Standort muss dann natürlich "Vorzeige-Qualitäten" haben ;o)

Michaela JungFrau Michaela Jung:Liebe Live-Chatteilnehmer, danke für den intensiven Austausch! Die letzten Worte möchte ich gerne Kaiser Marc Aurel überlassen, der schon sehr früh die Funktionsweise von Franchising erkannt hat ;o) "Was dem Schwarm nicht nützt - nützt auch der einzelnen Biene nicht". Viel Erfolg + herzliche Grüße, Ihre Michaela Jung

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