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Die 9 Spielregeln für Fairplay Franchising
Was ist Franchising wirklich? Eine Stellungsklärung
Macht sinnliche Kommunikation Sinn?
Die Mär vom ultimativen Franchise-Handbuch
Qualitätsstandards im Franchising: Bevormundung oder Existenzsicherung?
Internetvertrieb im Rahmen des Franchisesystems
Franchising für einen perfekten Start in fremden Märkten
Franchise-Kommunikation mit System
Professionelles Personalmanagement für Franchise-Systeme
Wie bleibt ein Franchise-System dynamisch?
Das Franchise-Handbuch: standardisieren, dokumentieren, erfolgreich multiplizieren
Controlling: Kontrolle versus Steuerung im Franchising
(Prof. Veronika Bellone - Bellone FRANCHISE CONSULTING GmbH)
Zwei Megatrends beeinflussen den Franchisemarkt derzeit und werden die Karten für die Zukunft neu mischen. Zum einen ist es das Thema Nachhaltigkeit/Ökologie, das die Franchiseszene in ihren Ausprägungen stark verändert und neue Mehrwerte vom Bio-Angebot bis zum ökologischen Fussabdruck in den Mittelpunkt stellt. Zum anderen bringt die Globalisierung immer mehr regionale oder länderspezifische Spezialitätenkonzepte auf den „Existenzgründermarkt“, die zur Selbstbehauptung traditioneller Angebote und gegen „das Vergessen von Bräuchen und Ritualen“ konzipiert werden.
Dass die genannten Strömungen gerade die Franchisebranche erobern liegt auf der Hand, denn mit dieser Wachstumsstrategie lassen sich Werte und Einstellungen wie sie gerade im Bereich nachhaltigen Wirkens und dem Aufrechterhalten von Traditionen wichtig sind, am stärksten herausarbeiten und weitergeben. Franchising als Instrument erhält damit eine vollkommen neue Dimension, mit der sich auch andere Franchisenehmer-Profile ansprechen lassen, die zwar eine lukrative, einträgliche Selbstständigkeit suchen, aber ebenso eine sinnvolle, den eigenen Wertmassstäben angereicherte berufliche Existenz.
Über nachhaltiges Wirken haben wir in unserem letzten Artikel „Heute, das
Morgen beeinflussen“ (Dezember 2009) berichtet, diesmal wollen wir vor
allem auf Rituale und Traditionen eingehen.
Vergangenes konzentriert zu nutze machen!
„Ich hänge
sehr an Ritualen“, war der Titel eines kürzlich erschienenen Interviews mit
Bryan Ferry, dem Sänger und ehemaligen Frontman der Glam-Rock-Gruppe Roxy Music.
Er erzählte darin von den Weihnachtsbräuchen und –ritualen, die er, gemeinsam
mit Freunden und Verwandten, jedes Jahr zelebriert. Mit Unmengen von Essen und
dem Schauen alter Filme im Fernsehen sowie dem Zuschauen des „Hunt Meet oder
Boxing Day“ (Jäger ziehen mit ihren Pferden und Hunde zur Parade auf) erlebt er
Rituale und Tradition als etwas Tröstliches, etwas, dass manchmal auch von der
nicht immer schönen Realität ablenkt. Eine interessante Schlussfolgerung, die
sicher für viele nachvollziehbar ist, denn wir alle pflegen neben den
gemeinschaftlichen, gesellschaftlichen Ritualen, auch unsere kleinen
persönlichen Bräuche, um uns einen eigenen Rahmen zu schaffen.
Alle Kulturen besitzen Rituale und Bräuche. Sie tragen dazu bei, den
Alltag zu strukturieren, um sich zurechtzufinden und sich in konzentrierter Form
Vergangenes zu nutze zu machen und mit Gegenwärtigem sowie Visionärem
anzureichern und zu vergleichen. Gesellschaftliche Denk- und
Verhaltensformen, Gebräuche, Handwerke, Berufe etc. werden durch
„Einweihungsrituale“ wie Ausbildungen und Lehren über entsprechende
Institutionen übertragen.
Auch im Franchisebusiness machen festgelegte Muster die Besonderheit
eines jeden Systems deutlich und ermöglichen die konzentrierte Übernahme von
Know-how; sie geben den Rahmen, um Gemeinsamkeit zu leben und Innovation
zuzulassen.
Im Franchising sind Rituale und Traditionen in beiden
„Produktwelten“ zu finden. Einmal im eigentlichen Geschäftskonzept. Und zweitens
im Franchisepaket, dem Konzept der beruflichen Selbstständigkeit. Je
„eigenständiger“ sich ein Geschäftskonzept durch markante Gepflogenheiten und
Spezialitäten gibt, desto eher besteht auch die Möglichkeit von potenziellen
Partnern und Kunden/Kundinnen identifiziert zu werden.
Wo Senf noch mit Wasserkraft hergestellt wird
Ob, wie bei
Tannenwälder in mobilen Wagen (www.tannenwaelder.de), die echte Thüringer Bratwurst mit dem
traditionell hergestellten Senf angeboten wird – alles in Bio-Qualität
versteht sich - oder bei Swiss Break (www.swissbreak.ch) Pfannenrösti und Früchte vom
Schoggibrunnen. Liebhaber dieser Leckereien eint nicht nur die Lust auf etwas
Besonderes, sondern auch der zusätzliche Einblick in eine andere Kultur, in
andere Bräuche und Rezepturen. Das Storytelling um das Produktangebot ist
wichtig und trägt zum Erlebnis bei. Auch hier können potenzielle
Franchisepartner/innen einen Mehrwert erwerben, die Nähe zu einem
traditionsreichen Produkt oder einer traditionellen Dienstleistung. So kann ein
Faible für eine besondere Küche, für Land und Leute ausgelebt werden, der sich
nicht nur im überdurchschnittlichen Engagement zeigt, sondern auch in grösserer
Erfüllung – was sich letztendlich auch positiv auf das Geschäftsergebnis
auswirkt.
Mehr Erfolg in der Partnerakquisition und
-integration!
Für Franchiseunternehmen ergeben sich neue Chancen,
aber auch neue Herausforderungen. Bei der Analyse des Angebotes kommt es nicht
nur auf die Definition von Alleinstellungsmerkmalen an. Eine USP (unique selling
proposition) mag aus Kunden- und Partnersicht keine nachhaltige Perspektive
bilden, wenn nicht deren Wertesystem angesprochen wird. Handelt es sich aber um
komparative Wettbewerbsvorteile, die im Vergleich zum Wettbewerb die Bedürfnisse
und Ansprüche der Partner/innen gezielt treffen und darüberhinaus eine
wirtschaftlich interessante Existenz bieten, dann kann auch die Akquisition von
Franchisenehmern und –nehmerinnen sehr viel erfolgreicher von statten gehen.
So wird der Check eines Geschäftskonzeptes auf Franchisetauglichkeit,
insbesondere wenn man sich als Innovator oder Stimulator in der
(Franchise-)Branche behaupten will, immer anspruchsvoller. Denn die
Bestandsaufnahme der Bedürfnisstrukturen und der angestammten Vorurteile und
Wahrheiten im Partner- wie im Endabnehmermarkt sowie das Eruieren der
Rahmenbedingungen im wirtschaftlichen Umfeld müssen für ein stimmiges Konzept
bekannt und in nutzbringende Systembestandteile übertragen werden.
Um die Franchisenehmer/innen langfristig zu begeistern, sind
systeminterne, eigenständige und „sinnstiftende“ Rituale sehr wichtig. Wenn ich
als Partner/in erlebe, dass die grundsätzliche Struktur des erwählten
Franchisesystems zwar gleich wie bei anderen ist, der Inhalt aber nicht nur
betreffend Geschäftskonzept, sondern auch in den kleinen und grossen Gesten
anders ist und einen Mehrwert am Markt schafft, dann bin ich auch bereit mich
dafür persönlich und finanziell zu engagieren. Von einer Corporate Language,
über ein spezielles Belohnungs- wie auch Sanktionssystem, vom Umgang mit Ideen
der Partner/innen bis hin zu Jahrestreffen, gibt es diverse Möglichkeiten, eine
eigene Kultur mit eigenen Bräuchen zu kreieren, um sich wohlwollend von anderen
Anbietern zu unterscheiden.
Zur Person
Prof. Veronika Bellone, gebürtige
Berlinerin, ist seit 1986 im Franchise-Business tätig, ehemals als
Franchisemanagerin bei der Cosy-Wasch-Autowaschanlagen GmbH in Berlin und seit
1991 als selbstständige Franchiseberaterin in der Schweiz. Sie hat u.a. die
Schweizer Post, Mövenpick, Fleurop, Warner Bros. und die Berliner Bäder Betriebe
beraten. Zudem ist sie Professorin an der Hochschule für Wirtschaft
Nordwestschweiz im Fachbereich Marketing. 2009 startet sie mit der Bellone
FRANCHISE CONSULTING GmbH, mit einem relevant erweiterten Leistungsspektrum für
den gesamten deutschsprachigen Raum, neu durch. In Zusammenarbeit mit dem Brand
Consultant Thomas Matla, einem Spezialisten für den Aufbau nationaler und
internationaler Marken, bietet Bellone FRANCHISE CONSULTING Beratungen,
Coachings und Workshops rund um das Thema Franchising – von der Trend Analyse,
über die Markenpositionierung, bis zur Implementierung von Franchise Systemen im
Markt.
office@bellone-franchise.com;
www.bellone-franchise.com; Bellone FRANCHISE
CONSULTING GmbH, Poststrasse 24/ Postfach 1355, CH-6300 Zug, Tel. 0041 41 712 22
-11 Fax -10
© Bellone FRANCHISE CONSULTING GmbH, Januar 2010