

Greenfranchising- wie man sein Franchise-System zukunftssicher macht!
Die 9 Spielregeln für Fairplay Franchising
Was ist Franchising wirklich? Eine Stellungsklärung
Macht sinnliche Kommunikation Sinn?
Die Mär vom ultimativen Franchise-Handbuch
Qualitätsstandards im Franchising: Bevormundung oder Existenzsicherung?
Internetvertrieb im Rahmen des Franchisesystems
Franchising für einen perfekten Start in fremden Märkten
Franchise-Kommunikation mit System
Professionelles Personalmanagement für Franchise-Systeme
Wie bleibt ein Franchise-System dynamisch?
Das Franchise-Handbuch: standardisieren, dokumentieren, erfolgreich multiplizieren
Controlling: Kontrolle versus Steuerung im Franchising
(Prof. Veronika Bellone - Bellone FRANCHISE CONSULTING GmbH)
Das Prinzip der nachhaltigen Franchise-Entwicklung wird nicht nur aus ethischer Sicht immer bedeutender, sondern ebenso aus der Perspektive einer starken Marktposition und einer entsprechenden Weiterentwicklung.
Das erste „Partner-Handbuch“!
Gesellschaftlich
verantwortungsbewusstes Wirtschaften, ehrbar sein, sich einer bestimmten
Lebensführung verpflichtend, waren die Grundprinzipien der früheren
Kaufmannsgilden, die dies in Rechte, Pflichten und Normen festlegten. Erste
schriftliche Belege dafür gab es bereits im 13 Jahrhundert. Das erste
ausführliche Handbuch zum ethischen Verhalten eines Kaufmanns stellt die
„Zibaldone da Canal“ (1320) venezianischen Ursprungs dar. Darin wird z.B. vor
den Folgen des Schmuggels und anderer unlauterer Verhaltensweisen gewarnt, da
dadurch der Kaufmann sein Vertrauen und seine Ehre verlöre, was letztendlich
sein Ruin wäre (1).
Wenn es auch diese Kaufmannsgilden seit mehr als einem Jahrhundert nicht mehr gibt, so hat sich der Begriff des „Ehrbaren Kaufmanns“ bis heute in der Alltagssprache gehalten. Der übergreifende Begriffsinhalt einer nachhaltigen Wirtschaftsweise hat sich im deutschen Sprachraum vor allem durch Hans Carl von Carlowitz gefestigt, der dies 1713 im forstwirtschaftlichen Zusammenhang verwendet hat. Die Notwendigkeit eines nachhaltigen Waldbaus entstand durch den zunehmenden industriellen Holzbedarf, der ansonsten zu einer Übernutzung der Wälder geführt hätte.
Die Bedeutung und Tragweite ehrbaren Handelns wurden unterdessen mehr
oder weniger adaptiert an die wirtschaftlichen Herausforderungen des heutigen
globalen Umfeldes und dabei durchaus zuweilen konträr interpretiert (!).
Dass Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung für Unternehmen unabdingbar
sind, wird vor allem in Krisenzeiten offenbar.
Wie wird Nachhaltigkeit heute gesehen?
Nachhaltige Entwicklung folgt
der Idee, die Formen des Lebens und Wirtschaftens, des Umgangs mit der Natur und
mit ihren Ressourcen sowie die sozialen Verhältnisse so zu gestalten, dass sie
auf Dauer umwelt- und zugleich sozialverträglich sind.
Die gängige
Definition des Drei-Säulen-Modells stammt von der Enquete-Kommission des
Deutschen Bundestages „Schutz des Menschen und der Umwelt“:
„Nachhaltigkeit
ist die Konzeption einer dauerhaft zukunftsfähigen Entwicklung der ökonomischen,
ökologischen und sozialen Dimension menschlicher Existenz. Diese drei Säulen der
Nachhaltigkeit stehen miteinander in Wechselwirkung und bedürfen langfristig
einer ausgewogenen Koordination(2).
Es geht darum, in allen 3 Bereichen ausgewogene Lösungen zu finden, die
die Konsequenzen nicht nur im Jetzt, sondern auch für nachfolgende Generationen
einbeziehen.
Überträgt man dieses Nachhaltigkeitskonstrukt auf das Franchising, dann ist neben dem Bewähren des Geschäftskonzeptes auf Nachhaltigkeit auch immer die Frage zu betrachten: Wie kann ich das Franchisesystem als solches nachhaltig aufbauen und für Partner aktuell und marktnah halten.
Das Prinzip der nachhaltigen Franchise-Entwicklung
Die
Franchisestruktur ist prädestiniert für die Integration des Drei-Säulen-Modells
der Nachhaltigkeit.
Allein der Franchise-Aufbau beinhaltet in der Regel die totale Analyse des Geschäftskonzeptes im Rahmen des marktwirtschaftlichen Umfeldes. Es werden Prognosen erstellt über die Konsequenzen einer Zusammenarbeit mit selbstständigen Geschäfts-partnern und deren Wirken im Markt. Im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsberechnung werden Hochrechnungen zum Break-even des Systems aufgestellt, in welchem Verhältnis Gebühren und Leistungen stehen müssen, wie die langfristige Partnerbindung über verschiedene Tools vorgenommen wird und wie ausbaubar das Leistungsangebot ist. Neben dem Potenzial möglicher Partner in Wechselwirkung zum Potenzial möglicher Endabnehmer/innen wird auch die grenzüberschreitende Expansion überprüft. So wird die nachhaltige ökonomische Dimension als Entscheidungsgrundlage für Franchising als Wachstumsstrategie in den meisten Fällen sehr eingehend erarbeitet.
Open Innovation – Marktforschung und Produktentwicklung in
einem Updates zur stetigen Belebung des Konzeptes und zur Weiterentwicklung
gehören zu den Aufgaben der Franchisegeber-Zentrale. Viel zu oft werden solche
Entwicklungen jedoch inhouse vorgenommen, ohne die Partner, Zulieferanten und
Kunden einzubeziehen. Ein grosses Manko, denn gerade durch eine Öffnung nach
aussen und innen können wertvolle Impulse für wirklich relevante Verbesserungen
und Innovationen generiert werden. So hat z.B. Tchibo für das Non-Food-Sortiment
eine Community namens Tchibo ideas (www.tchibo-ideas.de) realisiert, eine Ideenwerkstatt von und
für Konsumenten, Kunden, Designer und Tüftler. Die registrierten
Benutzer/innen (derzeit ca. 7'000) stellen Aufgaben ein, typische
Alltagsprobleme für die eine entsprechende Produktlösung entwickelt werden soll.
Über die Abstimmung „Hot or not“ wählen die Besucher pro Monat die drei besten
Aufgaben. Geldprämien für die Gewählten und für gute Lösungen sorgen für einen
entsprechenden Anreiz zum Mitmachen. Wird eine Produktidee in das
Tchibo-Sortiment aufgenommen, dann winken dem Erfinder eine Provision und eine
Einbindung in die Vermarktung mit Vorstellung der Person plus Foto.
Tchibo
hat damit neben pfiffigen Produktneuheiten im Sortiment auch einen guten
Insiderblick – was die Menschen verschiedener Altersklassen bewegt, welche
Bedürfnisse und Alltagsprobleme sie haben.
Auch Swarovski, international etablierte Marke mit Vertriebsgesellschaften und Lizenzpartnern in über 40 Ländern, hat eine Community für Design-Wettbewerbe installiert. In nur zwei Monaten verzeichnete die Plattform bereits 7,5 Millionen Visits von etwa 1650 Community-Mitgliedern aus 48 verschiedenen Teilnehmerländern.
Partner als wichtige Gratmesser des Marktes
Die
nachhaltig soziale Ebene mit einem konsequenten und partizipativen
Partnermarketing wird meist zu Beginn der Franchise-Organisation sehr ideell
dargestellt, leidet aber zumeist schon in der ersten Phase unter dem
Akquisitionsdruck und späterhin im Durchführen konstruktiver Partnermeetings.
Dabei bildet gelebtes Partnermarketing beste Voraussetzungen, um das System
dynamisch zu halten. Franchisenehmer/innen sind diejenigen, die das
Geschäftskonzept eigenverantwortlich am Markt umsetzen und 1:1 Informationen vom
Markt erhalten. Deren Einbindung in neue Produkte und Entwicklungen sowie der
kontinuierliche Austausch von Franchisepartnern und Zentrale wird noch viel zu
gering gehalten – häufig aus Angst vor Kontrollverlust und einem steigenden
Anspruchsdenken der Partner/innen. Dass dabei die Motivation der Partner
wesentlich gesteigert werden kann, wenn sie sich als mitverantwortlichen Teil
des Ganzen fühlen, erfahren z.B. die Franchisenehmer/innen bei PC-Spezialist in
Deutschland. Dort ist man bereits vor gut 3 Jahren einen für die
Franchisebranche revolutionären Weg gegangen und hat mit der
Open-Source-Software von Wikipedia ein eigenes Wissensmanagement online
aufgebaut und kann damit Partner/innen und Mitarbeitende interaktiv beteiligen.
Zudem kann jeder Partner Ideen im Wiki präsentieren und diese als Franchisegeber
anderen Partnern anbieten, die Franchisezentrale bezahlt ihn sogar
dafür.
Greenfranchising – die chancen-reiche
Herausforderung!
Auf der ökologischen Ebene mit nachhaltigen
Ansätzen zu agieren, wie sie bereits von der verstorbenen Anita Roddick im
Franchisesystem The Body Shop in den 1980iger Jahren entwickelt wurden, gibt es
noch sehr viel Handlungsbedarf. Obwohl es auch hier sehr bemerkenswerte Ansätze
im Bereich der Energie- und Abfallversorgung, des Recyclings und der Einbindung
ökologischer wie fair gehandelter Produkte gibt.
So entstand z.B. eine internetbasierte Initiative namens CharityStar, die
als Sponsorengemeinschaft von der I:Collect AG (3) und deren
Handelspartnern ADLER Modemärkte, Vögele Shoes, MISTER MINIT Schuhreparatur,
RENO und Stichweh Reinigungen (die letzteren 3 sind
Franchise-/Lizenzunternehmen) ins Leben gerufen wurde . CharityStar belohnt
wohltätige Projekte, soziale Aktionen und gemeinnützige Ideen regelmäßig mit
1.000 Euro. Die genannte Sponsoren-Gemeinschaft stellt die
Gewinnsummen zur Verfügung. Ziel der Unternehmen ist es, zum gemeinnützigen
Handeln zu motivieren und durch das Abgeben von ausgedienten Kleidungsstücken
und Schuhen gleichzeitig die Umwelt zu schonen. (www.charitystar.com)
Auch der Handel bewertet die Gemeinschafts-Aktion positiv. Dr. Matthias Händle, Vorsitzender der Geschäftsführung von RENO: „Durch CharityStar können wir gemeinsam mit unseren Kunden, die ihre getragenen Schuhe in den I:CO-Sammelstellen unserer Filialen in Einkaufs-Gutscheine eintauschen, wohltätige Aktionen unterstützen und einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung unserer Umwelt leisten.“ Hintergrund: Derzeit werden immer noch rund 400.000 Tonnen jährlich im Hausmüll entsorgt (4).
Der Multiplikationseffekt des Franchisings kann dazu beitragen, dass Projekte und Aktionen sehr viel rascher im Markt etabliert werden und zu einer interessanten Breitenwirkung beitragen. So lohnt es sich verstärkt, das Thema Nachhaltigkeit aus verschiedenen Beweggründen anzugehen – selbstverständlich in Übereinstimmung mit den Markenwerten und dem Selbstverständnis der Unternehmung. Denn soziale, ökologische und/oder ökonomische Nachhaltigkeit als „Hüftschussaktion“, als kurzfristige Profitsteigerung dürfte im Zeitalter der transparenten Kommunikation und der zunehmend kritisch und wehrhaft eingestellten Verbraucher und Verbraucherinnen eher kontraproduktiv sein.
(1) „Wirtschaftsethik – Der ehrbare Kaufmann“, Daniel Klink,
gdi-Impuls 1/2009
(2) http://www.bmbf.de/pub/bb_bildung_nachhaltige_entwicklung.pdf;
http://de.wikipedia.org/wiki/Nachhaltigkeit
(3) I:Collect AG, kurz I:CO (steht für „I collect“, zu deutsch: ich
sammle), professionelles Recyclingunternehmen für Schuhe und Textilien;
http://www.i-co.ag/
(4) Pressemitteilung vom
27.10.2009, Anna-Lena Band, John Warning Corporate Communications GmbH,
www.johnwarning.de
Zur Person
Prof. Veronika Bellone, gebürtige
Berlinerin, ist seit 1986 im Franchise-Business tätig, ehemals als
Franchisemanagerin bei der Cosy-Wasch-Autowaschanlagen GmbH in Berlin und seit
1991 als selbstständige Franchiseberaterin in der Schweiz. Sie hat u.a. die
Schweizer Post, Mövenpick, Fleurop, Warner Bros. und die Berliner Bäder Betriebe
beraten. Zudem ist sie Professorin an der Hochschule für Wirtschaft
Nordwestschweiz im Fachbereich Marketing. 2009 startet sie mit der Bellone
FRANCHISE CONSULTING GmbH, mit einem relevant erweiterten Leistungsspektrum für
den gesamten deutschsprachigen Raum, neu durch. In Zusammenarbeit mit dem Brand
Consultant Thomas Matla, einem Spezialisten für den Aufbau nationaler und
internationaler Marken, bietet Bellone FRANCHISE CONSULTING Beratungen,
Coachings und Workshops rund um das Thema Franchising – von der Trend Analyse,
über die Markenpositionierung, bis zur Implementierung von Franchise Systemen im
Markt.
office@bellone-franchise.com;
www.bellone-franchise.com; Bellone FRANCHISE
CONSULTING GmbH, Poststrasse 24/ Postfach 1355, CH-6300 Zug, Tel. 0041 41 712 22
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© Bellone FRANCHISE CONSULTING GmbH, Dezember 2009