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Das Franchise-Handbuch: standardisieren, dokumentieren, erfolgreich multiplizieren
Controlling: Kontrolle versus Steuerung im Franchising
(Frau Mag. Michaela Jung, SYNCON International Franchise Consultants)
Franchising ist das Prinzip der Multiplikation eines erfolgreichen und erprobten Geschäftskonzeptes. Voraussetzung für die Multiplikation ist die Standardisierung und eben diese wird mit der Dokumentation des System-Know-hows in einem Franchise-Handbuch erreicht.
Das Handbuch ist quasi
die „Bedienungsanleitung“ für den Franchise-Nehmer für sein daily business und
enthält im Allgemeinen:
Für einen zukünftigen Franchise-Nehmer ist ein umfassendes und zeitnahes
Handbuch ein wichtiger Indikator zur Beurteilung der Seriosität des
Franchise-Systems. Nicht umsonst hat die mit 1. Juni 2010 von der EU-Kommission
erlassene neue „Gruppenfreistellungsverordnung für vertikale
Vertriebsbindungen“, die den Rechtsrahmen für Franchising in Europa vorgibt, den
Stellenwert der Know-how-Dokumentation erhöht.
Franchise-Systeme investieren viel Zeit und Geld in die Entwicklung von
Know-how Dokumentationen, diese Investition sollen inhaltlich (tiefgreifendes,
detailliertes Know-how) und äußerlich (hochwertige Präsentation und
ansprechendes Layout) für den Franchise-Nehmer nachvollziehbar sein.
Das Handbuch als wichtiges Werkzeug
Das Handbuch ist ein Spiegelbild des Geschäftstyps und des
Franchise-Systems. Es kann deshalb nur durch intensive Mitwirkung des
Franchise-Gebers erstellt werden. Einerseits müssen seine Ideen uneingeschränkt
in die Dokumentation des Konzepts einfließen, andererseits muss er das Konzept
durch und durch kennen, um es konsequent vorleben zu können. Das Handbuch ist
ein wichtiges Werkzeug im Franchise-Paket. Wenn sich der Franchise-Geber zum
Ziel setzt, für jedes Element den jeweils richtigen Experten einzusetzen, muss
auch für die Formulierung und Gestaltung des Handbuchs ein Spezialist
herangezogen werden. In Anbetracht der besonderen Rolle des Handbuchs als
Gradmesser für die Wertigkeit des Inhalts und die Seriosität des Systems gilt
dies in besonderem Maße.
Es ist daher zweckmäßig, für die Erstellung der Know-how-Dokumentation einen Projektmanager zu benennen. Dies kann ein Mitarbeiter des Unternehmens sein, der Freude am Schreiben hat und bereits früher bewiesen hat, dass er die oben aufgeführten Anforderungen an ein Handbuch erfüllen kann. Selbstverständlich muss er darüber hinaus über ausreichende freie Kapazität verfügen; ein Zeitaufwand von 40 bis 60 Manntagen ist nichts Außergewöhnliches.
Strukturierung
Grundlage für die Entwicklung des Handbuchs sollte eine sehr detaillierte
Gliederung sein. Sie ist vom Projektmanager in einer Vorstufe auszuarbeiten.
Typische Hauptpunkte sind beispielsweise: Franchising, Gebrauchsanweisung für
das Handbuch, Leistungsprogramm, Markt, Kundenpotential und -struktur,
Kundenanforderungen, Wettbewerb, Marketingkonzept, Geschäftstyp,
Franchise-Konzeption, Systemzentrale, Corporate Design, Werbung,
Verkaufsförderung, Verkauf, Lieferanten, Logistik, Informationssystem,
Franchise-Service, System-Controlling, EDV, Kommunikation, Beratung und
Betreuung.
Prüfung der Rohfassung
Aus der Bündelung der Beiträge des Projektmanagers und der Fachexperten
ergibt sich zunächst die inhaltliche Rohfassung. Sie enthält den Inhalt
vollständig, hat jedoch noch keine einheitliche Sprache, kein einheitliches
Layout und noch nicht die endgültige Gestaltung. Anhand dieser Fassung muss der
Projektmanager überprüfen, ob alle Teile dem Gesamtkonzept entsprechen und
miteinander „kompatibel“ sind. Es ist durchaus denkbar, dass sich die Beiträge
verschiedener Experten in irgendeinem Punkt widersprechen. Ist dies der Fall,
muss der Projektmanager im Dialog einen Konsens herstellen. Erst danach wird die
stilistisch und grafisch endgültige Fassung erstellt.
Das Handbuch ist das Steuerungs-Instrument des Franchise-Gebers und
dessen Inhalte sind von diesem einseitig veränderbar (Änderungsvorbehalt des
Franchise-Partners). Änderungen dienen der Optimierung des Konzeptes sowie
der Anpassung an den Markt. Änderungen und Ergänzungen des Franchise-Handbuches
teilt die Franchise-Zentrale den Franchise-Nehmern schriftlich oder in
elektronischer Form mit.
Neben dem Handbuch ist das Extranet die Möglichkeit die
Know-how-Dokumentation für den täglichen Gebrauch. Folgend sehen Sie die
Zusammenhänge zwischen Franchise-Vertrag, Franchise-Handbuch und dem
Extranet.
Franchise-Vertrag: Juristische Formulierung der Rechte
und Pflichten von Franchise-Geber und Franchise-Nehmer
Handbuch: Praxisorientierte Darstellung der Rechte und Pflichten als Anwendungs-Know-how zur systemgerechten Umsetzung des Konzeptes und des Betriebstyps durch den Franchise-Nehmer
Extranet: Instrumente (Vorlagen, Checklisten, Muster, u.s.w.) "fertig zum Einsatz" für die Betriebsorganisation des Franchise-Nehmers
Erfolgreiche
Franchise-Systeme berichten über ihre Erfahrungen im Prozess der
Handbuch-Erstellung:
„Mit der Durchsicht des Franchise-Handbuches begann der Prozess der
System-Regeneration für THK. Aufgrund dieser Bestandsaufnahme konnte die gesamte
Know-how-Dokumentation Schritt für Schritt zu einem zeitnahen und umfassenden
Abbildung unserer Leistungen in der Franchise-Partnerschaft entwickelt werden.
Animiert von der großen Zustimmung bei unseren Franchise-Nehmern und angeregt
durch den so bestandenen System-Check des DFV wollen wir die begonnenen
System-Regeneration noch weiter vertiefen.“
(www.ronnefeldt.de)
„Palmers kann auf eine 70jährige erfolgreiche Erfahrung mit der
Vertriebsschiene Franchising verweisen. Dieses Jubiläum wurde zum Anlass
genommen, um das umfassende, gewachsene Wissen im Unternehmen in einer zeitnahen
Know-how-Dokumentation zu bündeln.“
(www.palmers.at)
„Das VIVA-Konzept der OMV wurde in den letzten Monaten unter der Leitung
von Peter Krammer und seinem Team zu einem Franchise-System qualifiziert. Das
Fundament bilden ein umfassendes Leistungspaket, ausführliche Manuals sowie ein
partnerschaftlicher Vertrag.“
(www.omv.com)
Fazit:
Zusammenfassend trägt eine gute Know-how-Dokumentation zur Optimierung
des Konzeptes, Erhöhung der Glaubwürdigkeit, Präzisierung des Vertrages,
Aktualisierung des Konzeptes und Übertragung des Know-hows bei und ist ein
Beweis der Seriosität des Franchise-Systems.
Quelle: Michaela Jung, SYNCON International Franchise Consultants
Mag. Michaela Jung
SYNCON International Franchise
Consultants
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