11/1/2011

BackWerk aus nachhaltiger Sicht

Unter dem Namen „BackWerk“ startete im Februar 2001 der Prototyp der weltweit ersten Selbstbedienungsbäckerei in Düsseldorf und revolutionierte damit die Bäcker-Branche. Mit der beständigen Weiterentwicklung des Geschäftskonzeptes geht ein stetiges Wachstum einher. Inzwischen eröffnet BackWerk im Wochen-Rhythmus bundesweit neue Standorte mit dem Ziel, bis Ende 2012 mit über 300 SB-Bäckereien bundesweit flächendeckend vertreten zu sein. Der Umsatz stieg letztes Jahr um rund 11 Prozent auf über 153 Mio. Euro.


Damit gehört BackWerk nach Filialumsatz zu den Top Fünf der deutschen Bäckereiketten. Im Impulse-Ranking der 100 besten Franchise-Systeme in Deutschland rückt BackWerk 2011 auf den ersten Platz und ist somit das beste Franchise-System in Deutschland. Im Rahmen der Greenfranchising-Initiative von Bellone Franchise Consulting folgt ein Interview mit einem der beiden Geschäftsführer, Herrn Dr. Dirk Schneider und der Greenfranchise-Expertin Prof. Veronika Bellone.


Prof. Veronika Bellone: Ein wichtiges Thema im Lebensmittelbereich ist die zielgenaue Bedarfsermittlung bei den Endabnehmern, um einer Überproduktion vorzubeugen. Bei BackWerk erfolgt eine andere Art der Warendisposition. Würden Sie uns bitte mehr darüber sagen?

Dr. Dirk Schneider: In Deutschland landen jährlich mehrere Millionen Tonnen essbarer Lebensmittel im Müll. Mit dem Kinofilm „Taste the Waste“ von Valentin Thurn ist die Lebensmittelverschwendung in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Auch die Talkshow „Günther Jauch“ widmete sich schon diesem Thema. Und gerade Backwaren landen aufgrund des hohen Frischeanspruchs häufig in der Tonne. Laut Valentin Thurn muss jedes fünfte Brot ungekauft entsorgt werden. Lt. dem EHI Retail Institut e.V. in Köln liegt der Durchschnitt der Abschriften bei Brot und Backwaren bei 10,4%. In einem BackWerk wird dagegen den gesamten Tag bedarfsgerecht nachdisponiert, so dass die Abschriften durchgängig unter 3% liegen.
Auch die Logistikkosten und damit den Energieverbrauch halten wir durch dezentrale Vorlieferanten und Lieferanten mit dichten Logistiknetzen - auch im eigenen Interesse - gering.

Jetzt Infos anfordern

BackWerk ist das einzige herstellerunabhängige Handelssystem der Backwarenbranche. Statt von einer Brotfabrik oder einem Handwerksbetrieb abhängig zu sein, suchen wir in jeder Warengruppe die besten und nachhaltigsten Produktionsstätten und Lieferanten in der jeweiligen Region aus. Alle Betriebe, die für BackWerk arbeiten sind IFS-zertifiziert und arbeiten mit den höchsten Rohstoffqualitäten. BackWerk war zudem die erste deutsche Bäckereikette, die die Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe nach EU-Richtlinien sicherstellen und Gentechnikfreiheit erklären konnte. Das nützt auch der Umwelt. Was Branchenkenner und viele Kunden schon lange wussten, wurde durch die Zeitschrift Öko-Test im April 2008 bescheinigt. BackWerk erhielt im Test der Filialbäcker die Bestnote. Die großen Bäckereiketten im Test landeten dagegen auf den hinteren Plätzen.


Prof. Veronika Bellone: Ganz vermeiden lässt sich eine Überproduktion wahrscheinlich nie. Wie gehen Sie mit den täglichen Abschriften um?

Dr. Dirk Schneider: Praktiziert werden von uns die Mitnahme von unverkauftem Brot oder Brötchen durch unsere Lieferanten sowie Spenden an lokale Tafeln - wie z.B. von allen österreichischen Partnern durchgeführt - als bessere Alternativen zur reinen Entsorgung. In Österreich haben wir auch ausführlich darüber berichtet. Mittlerweile erhalten wir aber auch in Deutschland verstärkt Nachfragen zum Thema Abschriften so dass wir dies stärker - bisher allerdings nur auf Nachfrage - kommunizieren. Im nächsten Jahr planen wir unsere Kunden vor Ort über dieses Thema aktiv zu informieren und entsprechende Aushänge anzubringen.


Prof. Veronika Bellone: Der soziale Nachhaltigkeitsbereich wird in der Gesellschaft zunehmend beobachtet. Gibt es Anknüpfungspunkte an weitere soziale und ökologische Projekte?

Dr. Dirk Schneider: Besonderen Wert auf Nachhaltigkeit - allerdings im wirtschaftlichen Bereich - legen wir auch auf eine nachhaltige Partnerschaft mit unseren Franchisepartnern. Dabei handeln wir streng nach dem Ethik-Kodex des DFV. Wir streben eine hohe Beziehungsqualität zwischen Franchisegeber und unseren Partnern an – durch ständigen offenen Informationsaustausch und Verbesserung des Systems. Unsere Franchisepartner werden in Entscheidungen einbezogen, indem Franchisepartner in Beiräten, Arbeitskreisen und Ausschüssen aktiv mitwirken. Wir bieten unseren Franchisepartnern nur das an, was wir auch selbst ausprobiert haben und mieten nur Standorte an, die wir auch selbst betreiben würden (aktuell 2 Standorte in Eigenregie).

In ökologischer Hinsicht haben wir die Ofenkapazität der Läden in den letzten Jahren deutlich reduziert. Dadurch sind niedrigere Stromverbräuche und Anschlusswerte erzielbar. Hinzu kommt der gezielte Einsatz von Energiesparleuchten. Bei steigenden Energiepreisen wird dies natürlich ein Dauerthema bleiben.


Prof. Veronika Bellone: Werden solcherlei Projekte zentral entwickelt oder unter Einbindung Ihrer Partner/innen?

Dr. Dirk Schneider: Wie immer bei uns können Ideen sowohl zentral als auch dezentral entstehen. Die Idee zu unserem Solidaritätsfonds für Franchisepartner kam z.B. von einem der Partnervertreter. Andere Ideen stammen von Mitarbeitern der Zentrale wie z.B. eine vorweihnachtliche Zusammenarbeit mit Misereor (Misereor-Brot)


Prof. Veronika Bellone:  Inwieweit ist das Thema Nachhaltigkeit in die Organisationsstruktur von BackWerk eingearbeitet? (Gibt es entsprechende Stellenbeschreibungen, Zielsetzungen?)

Dr. Dirk Schneider: Für uns entsteht Nachhaltigkeit aus einem bewussten und sparsamen Ressourceneinsatz - und Sparsamkeit ist sozusagen unsere Firmen-DNA. Sie betrifft damit auch alle Abteilungen.


Prof. Veronika Bellone: Gelebte Markendimensionen werden nur stark, wenn sie auch kommuniziert werden. Wie kommunizieren Sie Ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten? Gibt es hier spezielle Planungen?

Dr. Dirk Schneider: Stimmt diese Aussage überhaupt, zumindest im Einzelhandel? Die meisten starken Händlermarken sind nicht durch aktive Kommunikation entstanden, sondern durch das Erlebnis der Verbraucher am PoS. Bei BackWerk macht der Verbraucher mit (Selbstbedienung) und spart dadurch. Die dezentrale Produktion (hier könnte man die bewusste Sichtbarkeit der Öfen als aktive Kommunikation verstehen) wird auch unmittelbar von den Kunden verstanden. Der Verbraucher profitiert selbst durch die günstigen Preise. Das gesamte Prinzip wurde von Anfang an intuitiv wahrgenommen. Aktionen wie die Einführung von Bio-Brot o.ä. hatten dagegen kaum Erfolg. Nachhaltigkeit ist für unsere Kunden nicht primär eine Herzensangelegenheit, sondern es wird gut gefunden, dass man dabei auch noch sparen kann.


Prof. Veronika Bellone: Junge Zielkunden vernetzen sich zunehmend in sozialen Medien. Wie bewerten Sie die Relevanz der Social Media für Ihr System?

Dr. Dirk Schneider: Gerade das Thema Nachhaltigkeit wird in den sozialen Foren ausgiebig diskutiert. Wir als Marktführer unter den SB-Bäckereien stehen dabei besonders im Fokus der User und nutzen die sozialen Medien als Diskussionsplattform.


Prof. Veronika Bellone: Worin sehen Sie Ihre Nachhaltigkeitsziele in den nächsten Jahren?

Dr. Dirk Schneider: Sicherlich in der noch transparenteren Darstellung der Produktionskette und damit einhergehend der verbesserten Kommunikation der Nachhaltigkeit unserer Produkte. Darüber hinaus rücken aber auch das oder besser die Unternehmen BackWerk in den Fokus rund um das Thema Nachhaltigkeit. Die Verwendung nachhaltiger Materialien/Rohstoffe für die Verpackung unserer Produkte unter strikter Einhaltung der gesetzlichen Richtlinien des Lebensmittelrechts ist sicherlich ein Thema, welches wir zusammen mit unseren Lieferanten angehen werden.


Prof. Veronika Bellone: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.

Finden Sie Ihr passendes Franchise-System mit unserer Komfortsuche!
Angebote suchen
Informieren
Gründen!
Jetzt mein System finden

Glossar