

Herr Stephan Neuschulten ist Partner und Inhaber der NEUSCHULTEN Unternehmensberatung. Die Schwerpunkte der Beratung liegen im Bereich Existenzgründung, Franchising und Finanzierung. Herr Neuschulten ist außerdem Dozent für Existenzgründung der IHK Bonn und anderen Bildungsträgern.
Herr Neuschulten, wie sehen Sie die Franchisebranche im nächsten
Jahr?
Die Franchisebranche wird meiner Meinung nach im nächsten Jahr leicht
wachsen. Dies hat mit der im nächsten Jahr noch anhaltenden steigenden
Arbeitslosenquote zu tun. Tendenziell machen sich mehr Menschen Gedanken über
eine Selbständigkeit, wenn sie arbeitslos werden oder davon bedroht sind. Und da
ist es für einige eine gute Alternative, sich mit einem Franchisepartner
selbstständig zu machen.
Welche Erfahrungen haben Sie mit Franchisesystemen gemacht, die
nur ein geringes Eigenkapital von ihren künftigen Franchisepartnern
erwarten?
Es gibt Systeme, die ein nicht so hohes Investitionsvolumen haben.
Deshalb geht man davon aus, dass man dann mit geringerem Eigenkapital auskommt.
Meine Erfahrung sagt mir, dass dies nicht immer so zutrifft. Wenn das System,
der Businessplan und natürlich der Gründer passen, dann geben Banken auch
denjenigen eine Chance, die vielleicht wenig oder gar kein Eigenkapital haben.
Man sollte die Gründung nicht immer nur von der Investition abhängig machen.
Wichtiger sind Qualifikation, Motivation und der Wille etwas zu bewegen. Es
nutzt nichts, wenn man sich selbstständig macht und mit dem Business keinerlei
Freude verbindet. Das merkt der Kunde am Ende immer, und um den geht es ja.
Sind die Franchisesysteme mit geringer Eigenkapitalforderung
prinzipiell besonders für den Nebenerwerb ausgelegt, oder halten Sie auch eine
volle Selbstständigkeit als Franchisenehmer mit einem der betreffenden Systeme
für denkbar?
Hier sollte man sich schon auf die Aussagen des Franchisegebers
verlassen. Wenn er in seiner Broschüre das System als besonders geeignet für den
Nebenerwerb hält, wird dann wahrscheinlich eine Vollexistenz schwer sein. Wobei
Vollexistenz ja heißt, dass man davon leben kann. Man sollte immer schauen wie
die Zeitresourcen im System verteilt sind. Nebenerwerb heißt für mich, dass man
dies nach Feierabend machen kann und dafür nicht mehr als 2-3 Stunden aufwenden
muss.
Wo sehen Sie die Chancen und Gefahren in einer Partnerschaft mit
einem solchen System?
Die Gefahr ist immer, dass der Franchisenehmer vielleicht zu viel Energie
und Zeit einsetzt, ohne den gewünschten monetären Erfolg zu erzielen. Dies kann
zur Folge haben, dass er noch mehr Zeit einbringt und dadurch seine
Haupttätigkeit vernachlässigt und Probleme mit dem Arbeitgeber bekommt. Oder
andersrum, er hat Erfolg, kündigt und merkt erst dann, dass es zum Leben nicht
reicht.
Wie kann der interessierte Gründer feststellen, dass es sich um
ein seriöses Unternehmen und ein realistisches Angebot handelt? Und kann man
auch bei einem Franchisesystem, dass gar kein Eigenkapital verlangt, von einem
seriösen Partner ausgehen?
Grundsätzlich sollte der Gründer sich vorher informieren. Dies kann er
beim Franchiseverband, bei den zuständigen Wirtschaftsförderungen oder den IHKs
tun. Diese Institute geben Tipps, worauf man achten soll oder verweisen an
Profis aus der Branche.
Ist Franchising somit eine Garantie dafür, dass man seltener
scheitern kann?
Statistisch gesehen mag das stimmen. Das sehen gescheiterte
Franchisenehmer natürlich anders. Ausgehend von meiner Erfahrung, würde ich
sagen, dass es letztendlich immer auf den Gründer bzw. den Unternehmer
ankommt. Viele glauben, dass sie gewissermaßen abgesichert sind, wenn sie eine
Franchisepartnerschaft eingehen. Das stimmt nicht. Man muss genauso viel
Einsatz, Wissen, Erfahrung, Glauben, Motivation und etwas Glück haben, wie bei
einer individuellen Gründung. Jedem sollte klar sein, dass man im Falle des
Scheiterns einen großen finanziellen Schaden davontragen kann.
30.11.09 ©opyright FranchisePORTAL (vi)
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