In der Europäischen Union hat sich Franchising in den letzen Jahren rasant entwickelt. Nach Angaben des Europäischen Franchise-Verbandes (EFF) gibt es in Europa (Datenbasis: 20 von 25 Staaten) etwa 7.150 Franchise-Systeme. Die Wachstumsrate liegt bei durchschnittlich 8,7%.
Während amerikanische Franchisesysteme sich auf einen großen heimischen Markt stützen können, der ein Drittel des Weltmarktes ausmacht, bedienen europäische Systeme vorwiegend noch ihre kleinen nationalen Märkte. Knapp 80% der in Europa tätigen Franchise-Systeme sind heimischen Ursprungs. Die Vielfalt des europäischen Franchise-Angebotes ist in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt, die Franchising häufig mit den großen amerikanischen Fast-Food-Restaurants gleichsetzt.
Der europäische Binnenmarkt mit 480 Millionen Menschen ist im Franchising noch weitgehend Fiktion. Die Unterschiede in Gesetzgebung und Marktverhältnissen lassen europäischen Unternehmen den Schritt über die Grenzen noch immer kostenintensiv und risikoreich erscheinen. Zwar wagen immer mehr europäische Franchisegeber den Schritt über ihre Landesgrenzen, doch beschränkt sich ihre internationale Expansion meist auf einzelne benachbarte oder sprachverwandte Länder.
Franchise-Systeme außereuropäischen Ursprungs, die in
Europa aktiv sind, kommen vorwiegend aus den USA, Kanada und Australien. Während
außereuropäische Franchise-Systeme vorwiegend über Master Franchising und Area
Development in Europa expandieren, erfolgt die innereuropäische Expansion in
erster Linie über Direkt-Franchising und die Gründung von
Niederlassungen.
(Quelle: EFF-Statistiken 2005 )
Auch in der Wirtschaftskrise konnte sich die deutsche Franchise-Wirtschaft stabil zeigen und schaffte neue Arbeitsplätze. Nach den neuesten Zahlen des Deutschen Franchise-Verbands stieg im Krisenjahr 2009 die Zahl der Beschäftigten um 2% auf 459.000 Personen. Eine weitere positive Entwicklung, die ebenfalls auf die Weltwirtschaftskrise zurückzuführen ist, ist die gestiegene Zahl der Franchise-Gründungen um 5,2%. Und auch die Zahl der Franchise-Geber wuchs: 980 Franchise-Geber zählt die Erhebung des Deutschen Franchise-Verbands. Das ist ein Wachstum von 3,2% gegenüber dem Vorjahr.
In der Vergangenheit konnte die deutsche Franchise-Wirtschaft jährlich mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten glänzen. So erhöhte sich 2008 der Umsatz noch um 13,5% auf 47,1 Mrd. Euro. Das Krisenjahr 2009 hat auch die Franchise-Wirtschaft nicht gänzlich unberührt gelassen: Umsatzeinbußen von insgesamt drei Milliarden Euro waren zu verschmerzen.
Nach einer Umfrage des Deutschen Franchise-Verbandes sind 49% aller Franchise-Geber dem Dienstleistungssektor, 16% der Gastronomie & Hotellerie, 8% dem Sektor Handwerk, Bau & Sanierung, während etwa 27% aus der Handelssparte stammen. Während der Handel und das Handwerk stabil bleiben, konnte die Branche des Gastgewerbes drei Prozentpunkte zum Vorjahr 2008 gewinnen.
Nach Verbandsangaben setzen immer häufiger auch traditionelle Filialisten bei der Expansion auf Franchise-Partner. Dieses Wachstum auf bestehender Fläche bedeutet, dass zuerst in Eigenregie betriebene Filialen, anschließend an Franchise-Partner vergeben werden. Außerdem expandieren erfolgreiche Franchise-Nehmer zunehmend innerhalb des Franchise-Systems, d.h. sie betreiben parallel mehrere Standorte. Auch die Möglichkeit bestehende Franchise-Betriebe zu übernehmen nimmt zu, da die erste Generation Franchise-Nehmer in Deutschland sich vermehrt dem Rentenalter nähert.
(Quelle: DFV-Statistiken)
Die Zahl der in Österreich tätigen Franchise-Systeme hat sich seit dem Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft ebenfalls deutlich erhöht. Während ihre Zahl Mitte der 80er Jahre bei nur 30 Systemen lag, sind 2006 etwa 390 Franchisegeber (+5,4% im Vergleich zum Vorjahr) mit 5.950 Franchise-Partnern (+6,3%) in Österreich tätig, wovon rund ein Drittel Frauen sind. Der Gesamtumsatz der österreichischen Franchise-Wirtschaft wird auf rund 4,5 Milliarden Euro geschätzt.
Etwa 55% der Franchise-Systeme sind ausländischen Ursprungs, wobei vor allem deutsche Systeme (31%) sich stark im Nachbarland engagieren, weitere 8% kommen aus den USA und 5% aus Italien. Seit dem Zusammenbruch des Kommunismus nutzt mancher Franchisegeber Österreich auch als Brücke nach Osteuropa.
Größter Franchise-Geber ist
Raiffeisen - unser Lagerhaus mit 280 Outlets, es folgen VIVA / OMV
(186), hagebau (163), Quelle (160) und Palmers (150).
(Quelle: ÖFV-Statistiken
)
Für die Schweiz wird von mehr als 180 Franchisegebern
ausgegangen, darunter befinden sich zahlreiche international tätige Systeme aus
dem Ausland. Die Entwicklung des Franchising in der Schweiz verlief ursprünglich
weniger rasant als in anderen europäischen Ländern, wofür wohl das begrenzte
Marktpotential, die sprachliche Vielfalt und das Fehlen einer verbindlichen
Franchise-Definition entscheidend waren. International bekannt sind einige
Schweizer Systeme aus Gastronomie, Fitness, Zeitarbeit und Personalvermittlung.
(Quelle: SFV-Statistiken)
In den USA gibt es sowohl auf Bundesebene als auch in einzelnen Staaten eine spezielle Franchise-Gesetzgebung, die den verbreiteten Missbräuchen entgegenwirken soll.
Mit einem geschätzten Umsatz von $ 880 Billiarde, mit einer 10%igen jährlichen Wachstumsrate sowie mehr als 2.500 Systemen und 909.000 Franchisenehmern sind die Vereinigten Staaten die führende Nation im Franchising. Etwa jede zwölfte Neugründung beruht auf einer Franchise-Vereinbarung. Mit mehr als 11 Millionen Arbeitnehmern wird die Franchise-Wirtschaft vielfach als Jobmaschine bezeichnet. Darüber hinaus ist beachtenswert, dass mehr als 40% des Retail Business in den USA Franchising als Vertriebsform nutzt.
Die internationale Expansion
amerikanischer Franchise-Systeme ist in vollem Gange und erfolgt zu 90% über
Master-Franchise-Vereinbarungen. Mit den rund 400 international tätigen US-Systemen arbeiten
mehr als 50.000 Franchisenehmer im Ausland zusammen, von denen 6.000 in
Großbritannien und 7.000 im restlichen Europa tätig sind. Insbesondere
seit Einführung der gemeinsamen Einheitswährung lässt sich ein verstärktes
Interesse amerikanischer Franchise-Systeme an einer europaweiten Präsenz
beobachten.
(Quelle: IFA-Statistiken
)