Waltraud Martius ist bereits seit 1989 mit ihrem
Unternehmen SYNCON International Franchise Consultants als Franchise-Beraterin
erfolgreich. Zudem ist sie Mitbegründerin des Österreichischen
Franchise-Verbands (ÖFV), doziert seit über 20 Jahren an verschiedenen
Universitäten und Hochschulen und hat jüngst ihr Buch „Fairplay Franchising“ in
der zweiten Auflage veröffentlicht.
FranchisePORTAL: Hallo Frau Martius, wie ist
eigentlich die allgemeine Gründungsmentalität in Österreich?
Waltraud Martius: Es gibt immer mehr Menschen in Österreich,
die erkennen, dass in der Eigenverantwortung und in der Selbstständigkeit die
Erfüllung der beruflichen Ziele liegen kann. Die Wirtschaftskammern in
Österreich (entsprechen den IHKs in D) unterstützen nicht nur klassische
Existenzgründungen, sondern auch professionell
Franchisegründungen.
Allerdings gibt es nach wie vor so etwas wie
eine "Beamtenmentalität" in Österreich und die soziale Hängematte wird auch
gerne genommen. Und wir haben nach wie vor den Engpass der Finanzierung, da
Franchising von den österreichischen Banken noch immer nicht verstanden
wird.
FranchisePORTAL: Welchen Stand hat das Franchising
derzeit in Österreich? Gibt es eine erkennbare Entwicklung?
Waltraud Martius: Ja, die gibt es. Es geht stetig nach oben, solide Zuwachszahlenbei Franchise-Gebern und Franchise-Nehmern kennzeichnen den österreichischen Franchisemarkt, den ich ja als langjährige Franchiseberaterin sehr aktiv mitgestalte. Als Mitbegründerin des ÖFV und Ehrenpräsidentin darf ich da auf die aktuelle Statistik verweisen, die Sie, so wie viele weitere Informationen auf www.franchise.at finden.
FranchisePORTAL: Viele deutsche Franchise-Systeme
sehen in Österreich das erste Expansionsziel. Ist die Expansion nach Österreich
tatsächlich so unkompliziert, wie man wegen der fehlenden Sprachbarriere meinen
könnte?
Waltraud Martius: Ja, ich sage sehr oft zu unseren deutschen
Kunden: wenn wir uns bemühen, sprechen wir annähernd die gleiche Sprache... Aber
das sollte nicht heißen, dass Österreich als weiteres Bundesland von Deutschland
gesehen werden darf. :-)
Österreich hat viel Gesetzmäßigkeiten, die anders
sind, wie z.B. das Gewerberecht oder die geringeren Kundenfrequenzen oder die
extrem hohen Ablösen für gute Citylagen. Oder die Förderkriterien für
Franchising differieren sehr von den deutschen.
Ebenso müssen die Verträge an zwingendes österreichisches Recht angepasst werden. Viele Deutsche Systeme würden gerne Masterfranchising in Österreich machen, aber sehr oft ist Österreich dafür zu klein.
Da die angedachten Strategien oft nicht passen, bieten wir den deutschen Franchise-Gebern einen halbtägigen Österreich-Workshop, indem alle diese Besonderheiten erörtert und die richtige Expansionsstrategie erarbeitet werden.
FranchisePORTAL: Ist die Größe, Lage und
Bevölkerungsdichte Österreichs eher positiv oder negativ für Franchise-Systeme
einzuschätzen?
Waltraud Martius: Das kann man so pauschal nicht mit ja und nein beantworten… Österreich hat nur wenige Großstädte, aber in den ca. 100 Bezirken enorme Kaufkraft. Da kann es schon mal vorkommen, dass ein Bezirk mit 15.000 Einwohnern eine Kaufkraft aufweist, die einer deutschen Mittelstadt mit 100.000 Einwohnern gleichkommt.
FranchisePORTAL: Wie sehen Sie die Zukunft des
Franchising in Österreich?
Waltraud Martius: Ich denke, wir liegen im guten Mittelteil der Europäischen Franchiselandschaft. Wir wachsen stetig jedoch mit großem Fokus auf die Qualität. Potentielle Franchise-Nehmer in Österreich sind gut informiert und wissen, dass ein fairer, auf Österreich angepasster Vertrag die eine Seite ist, und dass eine professionelle Know-how Dokumentation und professionelle Beratung und Betreuung im Franchising die wesentlichen Erfolgsfaktoren sind.
FranchisePORTAL: Frau Martius, ich danke Ihnen herzlich
für das Gespräch!
02.11.2011 ©copyright FranchisePORTAL