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Franchisetrends 2010 (1. Teil)
(Thomas Doeser - Rechtsanwalt)
So seltsam es klingen mag, in wirtschaftlichen Krisenzeiten wächst das Interesse an Franchisekonzepten und die Zahl der Interessenten nimmt deutlich messbar bei den meisten Franchiseanbietern zu. Wirtschaftliche Krisenzeiten wie man sie derzeit erlebt führen zu massiven Verlusten, Entlassungen und zahlreichen Insolvenzen. Nichts bleibt wie es war und weitere Entwicklungen sind seriöserweise nicht vorhersagbar.
Es ist zwar eine alte Weisheit, dass Krisen auch Chancen bedeuten, was die Chinesen in der Doppelbedeutung des Wortes wei dji (Krise und Chance) zum Ausdruck bringen. Auch erfahrene Insolvenzverwalter weisen darauf hin, dass das Scheitern des Einen möglicherweise das Glück des Anderen sein kann. Tatsache ist jedoch, dass Veränderungen erst dann einfacher werden, wenn die Situation so schlecht ist, dass Veränderungen die einzige Möglichkeit zur Anpassung an solche Situationen darstellen. Daher ist bei Verschlechterung des Arbeitsmarktes immer festzustellen, dass die Selbstständigkeit neue Attraktivität gewinnt und vor allem systemgestützte Selbstständigkeit mit einem Franchisekonzept.
Man hat inzwischen gelernt,
dass gute Franchisekonzepte eine risikoärmere Möglichkeit einer
Selbstständigkeit bedeuten, auch wenn man dafür vielleicht Einschränkungen
seiner unternehmerischen Freiheit akzeptieren muss und in einem einheitlichen
System mit dafür notwendigen Regeln eingebunden ist. Aber es sind genau diese
Regeln, die für den Erfolg und damit die Sicherheit sorgen, weshalb man als
Franchisepartner durch Erfüllung seiner Mitwirkungspflichten in einem solchen
System direkte unternehmerische Verantwortung für sich und das System übernimmt.
Ob aber Franchisesysteme krisensicher sind ist eine andere Frage.
Franchising ist funktional eine Vertriebsmethode und
man muss sich bei der Entscheidung für ein Franchisekonzept natürlich an dem
Markt für die Produkte und Dienstleistungen des Franchisesystems orientieren.
Man wird als Franchisenehmer ja der lokal zuständige Vertriebspartner des
Franchisegebers und muss also von den Systemleistungen eines Franchiseanbieters
dann auch in Krisenzeiten selbstständig existieren können. Es ist auf den ersten
Blick immer verlockend, wenn man die umfangreichen Unterstützungsangebote eines
Franchisegebers liest, dessen Schulungsumfang, Eingliederungs- und
Ausstattungsleistungen sowie auch die Finanzierungskonditionen und die laufenden
Betreuungsleistungen. Umso mehr sollte man bei der Planung einer
Selbstständigkeit in Krisenzeiten darauf achten, das richtige Produkt- und
Dienstleistungsangebot zu haben, nicht nur einfach ein Franchisekonzept, für
dessen Produkte und Angebote die Verbraucher derzeit vielleicht nicht mehr genug
Geld ausgeben.
In den USA gibt es zum Beispiel neue Franchiseangebote, die sich den veränderten Zielgruppen in der Krise anpassen, zum Beispiel Billigketten im Einzelhandel, Mietstationen und sogar Pfandhäuser. Wir werden erleben, wie in Krisenzeiten neue Franchiseangebote für neue Märkte und Zielgruppen entstehen, die auch erfolgversprechende Chancen für neue Selbstständigkeit bieten. Junge neue Konzepte und Franchiseangebote verdienen in diesen Zeiten Aufmerksamkeit, sofern die Strategie und erkennbare Wettbewerbsvorteile stimmig sind. Franchiseinteressenten sollten bei der Auswahl der Franchiseanbieter nach deren Strategien in der Krise fragen und wie man mit deren System in diesen wirtschaftlich unsicheren Zeiten während der Dauer des Franchisevertrages und darüber hinaus eine sichere Existenz darstellen kann.
Bei der oft notwendigen
Finanzierung der Selbstständigkeit durch einen Einstieg in ein Franchisesystem
sind viele Beratungsoptionen verfügbar, angefangen bei der Agentur für Arbeit,
den IHKs sowie Verbänden und Banken. Gerade jetzt sollte man diese ausführlich
und frühzeitig nutzen, nicht zuletzt auch deshalb, weil die staatlichen
Fördermaßnahmen für Gründungen im Rahmen des Konjunkturhilfeprogramms deutlich
erhöht worden sind. Vorausgesetzt man findet mit einer Hausbank eine
entsprechende Unterstützung, eventuell mit Hilfe eines Franchisegebers, kann man
auch in Krisenzeiten mit dem passenden Franchisesystem eine Selbstständigkeit
wagen.
Nur Franchising des Franchising wegen sollte man
auf keinen Fall erwägen und sich stattdessen auf die möglichen Marktentwicklungen und Zielgruppen
konzentrieren, mit denen man die nächsten Jahre seine Existenzgrundlagen
zu sichern gedenkt.
Herr RA Thomas Doeser ist als namhafter Anwalt der „European Franchise Lawyers Association“ (E. F. LAW) angeschlossen. Diese spezialisierten Rechtsanwälte verfügen über eine mehr als 15-jährige Erfahrung und Praxis in der erfolgreichen Lösung komplexer vertriebsrechtlicher Sachverhalte auf nationaler und internationaler Ebene (www.franchiseanwalt.net).
Kontakt
Rechtsanwalt Thomas Doeser
Robert Gradmann Weg
1 · 72076 Tübingen · Tel. (0 70 71) 600 630 · E-Mail: tdoeser@t-online.de
Quelle: franchiseErfolge
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